Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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Doorways of Understanding: A Generative Metaphor Analysis
In diesem Beitrag wird die Verwendung einer generativen Metapher für die Analyse von qualitativen Interviews über die Einstellung zum Schwangerschaftsabbruch untersucht. Die Einstellungen hierzu sind in den USA ausgesprochen komplex und multidimensional und erfordern daher subtile Untersuchungsinstrumente. Wir haben die generative Metapher einer "Tür" als Analyseinstrument verwendet, um neue Erkenntnisse über die Einstellungen zum Schwangerschaftsabbruch zu gewinnen, wie sie in 24 halbstrukturierten qualitativen Einzelinterviews mit erwachsenen US-Bürger*innen zum Ausdruck kamen. Die Tür-Metapher vermittelte uns ein Verständnis für die Art und Weise, in der die Teilnehmer*innen ihre Einstellungen bis zu einem gewissen Grad als offen für eine Revision oder Veränderung ansahen, während sie in anderer Hinsicht für eine Revision verschlossen waren. Dieses Spektrum von Offenheit und Geschlossenheit wird bei der Untersuchung von Abtreibungseinstellungen durch dichotome Rahmungen nicht sichtbar. In unserem Beitrag beschreiben wir ausführlich, wie wir die Metapher verwendet haben, um die Komplexität und Multidimensionalität der Abtreibungseinstellungen unserer Gesprächspartner*innen zu verstehen.In this paper, we explore the use of a generative metaphor for analyzing qualitative interviews on abortion attitudes. U.S. abortion attitudes are notably complex and multidimensional, thus, requiring subtle, complex, and multidimensional tools of study. We used the generative metaphor of a "doorway" as an analytic tool to enable new understandings of abortion attitudes as expressed across 24 one-on-one semi-structured qualitative interviews with U.S. adults. The doorway metaphor gave us an understanding of the ways in which participants thought of their abortion attitudes as open to revision or change to some degree while also being closed to revision in other ways. This spectrum of openness and closedness does not come into view when examining abortion attitudes through the dichotomous framings. In this methodological paper, we thoroughly describe how we used the metaphor to explicate the complexities and multi-dimensionalities of a person's abortion attitudes
Audibility and Intelligibility of Talk in Passing-By Interactions: A Methodological Puzzle
Eine zentrale Annahme von Konversations- und Multimodalanalytiker*innen ist, dass die Teilnehmenden einen sensorischen Zugang zu den akustischen Merkmalen der untersuchten Interaktionen haben, vor allem zu Gesprochenem, das dank der Aufnahmen verfügbar ist. Wenn die Sprecher*innen nahe beieinanderstehen, wird ein Mikrofon zwischen oder auf einem von ihnen platziert, und es wird davon ausgegangen, dass die daraus resultierende Aufnahme den Klang einfängt, der sowohl für die Teilnehmer*innen als auch für Forschungszwecke relevant ist. Die Untersuchung mobiler und räumlich verteilter Interaktionen bringt eine Herausforderung mit sich: Wenn die Sprechenden nicht räumlich nahe beieinanderstehen, sondern weit voneinander entfernt sind, was ist dann der relevante Klang, der erfasst und untersucht werden kann? In diesem Artikel zeigen wir, dass prosodische, kompositorische und sequenzielle Merkmale desselben Gesprächssegments je nach dem genauen Standort der Hörenden oder des Aufnahmegeräts unterschiedlich klingen, was sowohl für die Forschenden als auch für die Teilnehmenden bedeutsam ist. Unsere Studie basiert auf einem Korpus von Korridorinteraktionen von Krankenhauspersonal, die mit einem Set-up aus vier Videokameras und acht gleichzeitig arbeitenden drahtlosen Mikrofonen aufgenommen wurden.A central assumption of conversation and multimodal analysts is that the participants have sensorial access to the acoustic features, most notably talk, of the studied interactions, which are available thanks to the recordings. If speakers stand in close proximity, a microphone is placed between or on one of them, and the analyst considers that the resulting recording captures the sound that is relevant both for the participants and for research purposes. The study of mobile and spatially distributed interactions comes with a challenge: If speakers are not spatially close but apart from each other, what is the relevant sound for the researcher to collect and examine? In this article, we show that prosodic, compositional and sequential features of the same segment of talk sound differently depending on the exact location of the hearer, or recording device, which is relevant for the analyst as well as for the participants. Our study was based on a corpus of hospital staff corridor interactions captured with a set-up composed of four video-cameras and eight wireless microphones operating simultaneously
Validity in Multi-Method Research Designs: Reflection on Challenges in Research on Complex Questions
Bildungsprozesse in der Jugendarbeit können aufgrund ihrer Vielschichtigkeit und Dynamik als komplexe Phänomene bezeichnet werden, deren empirische Erforschung den Blick auf ein Geflecht von Beziehungen und Strukturen erfordert. Um der Komplexität dieses Forschungsgegenstandes angemessen zu begegnen, haben BIEWERS GRIMM, LATZ, WEIS und SAMUEL (2022) in einer Studie am Zentrum für Kindheits- und Jugendforschung der Universität Luxemburg verschiedene qualitative und quantitative Verfahren in einem Mixed-Methods-Design kombiniert. Dieses Vorgehen bei der Datenerhebung und -auswertung ermöglichte es, die Bedingungen und Erfahrungen sowie die expliziten und impliziten Aspekte von Bildung im Alltag der offenen Jugendarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. In der methodischen Reflexion der Studie zeigte sich, dass diese Ergebnisse aber nicht für eine gegenseitige Validierung genutzt werden konnten, da sie nicht konvergent zueinander waren. Die Qualität der Forschung stellte dies jedoch nicht infrage, denn auch die Komplementarität der Ergebnisse kann dazu beitragen, komplexe Forschungsgegenstände differenziert zu analysieren und tiefere, ganzheitlichere Einsichten zu generieren.Due to their complexity and dynamics, educational processes in youth work can be described as complex phenomena whose empirical research requires a closer look at a network of relationships and structures. In order to adequately address the complexity of this research topic, BIEWERS GRIMM, LATZ, WEIS and SAMUEL (2022) combined various qualitative and quantitative methods in a mixed-methods design in a study at the Centre for Childhood and Youth Research at the University of Luxembourg. This approach to data collection and analysis made it possible to highlight the conditions and experiences as well as the explicit and implicit aspects of education in everyday life in open youth work from different perspectives. The methodological reflection on the study showed that these results could not be used for mutual validation as they were not convergent. However, this did not affect the quality of the research, as the complementarity of the results can also help to analyze complex research subjects in a differentiated way and generate deeper, more holistic insights
Making Sense of Data Interrelations in Qualitative Longitudinal and Multi-Perspective Analysis
In diesem Artikel befassen wir uns mit Zusammenhängen, mit denen Sozialforscher*innen konfrontiert sind, wenn sie mit qualitativen Daten arbeiten, die durch Interviews in längsschnittlichen und multiperspektivischen Forschungsdesigns erhoben wurden. Unter Berücksichtigung von Daten aus vier verschiedenen Forschungsprojekten und aufbauend auf dem Vorschlag von VOGL, ZARTLER, SCHMIDT und RIEDER (2018) stellen wir das 4C-Modell der Komplexität von Datenzusammenhängen vor. Insbesondere der breitere Datenpool ermöglichte es uns zu untersuchen, wie Interviewdaten mit Daten aus einem anderen Interview, das zu einem anderen Zeitpunkt (longitudinal) oder mit anderen Studienteilnehmer*innen (multiperspektivisch) geführt wurde, übereinstimmen oder diesen widersprechen, sie korrigieren bzw. ergänzen können. Unter Verwendung verschiedener Formen von Übergängen (z.B. Übergänge ins Erwachsenenalter, Migration, Übergänge in die Elternschaft) als gemeinsamem analytischen Faden argumentieren wir, dass die Aufdeckung inhärenter Widersprüche in den Daten die komplexe und sich ständig verändernde Realität widerspiegelt und dass die Deutung dieser Widersprüche oft eine Bereicherung darstellt.In this article, we address data interrelations that social researchers face when working with qualitative data collected through in-depth interviews with longitudinal (QLR) and multi-perspective (MPR) research designs. Revisiting data from four different research projects and building on the proposal by VOGL, ZARTLER, SCHMIDT and RIEDER (2018), we present the 4C model of complexities within data interrelations. Specifically, the broader pool of data allowed us to cross-investigate how interview data may contradict, correct, complement, or be confluent with what the researcher has gathered from another interview conducted at a different point in time (longitudinally) or with another study participant (multi-perspective approach). Using different forms of transitions (e.g., transitions to adulthood, migratory transitions, transitions to parenthood) as a common analytical thread, we argue that revealing inherent inconsistencies in the data reflects the complex and ever-changing nature of reality and that making sense of these inconsistencies often enriches interpretations
Exploring the Pleasures and Perils of Participant Observation in Researching Heterosexual Identities
In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit Vorteilen und potenziellen Risiken, die mit teilnehmender Beobachtung bei der Erforschung sexueller Identität verbunden sind. Insbesondere geht es mir darum zu verstehen, wie junge, heterosexuelle, cisgeschlechtliche Personen aus der südafrikanischen Mittelschicht ihre heterosexuelle Identität wahrnehmen und in welcher Weise Privilegien und Heteronormativität ihre Erfahrungen prägen. In meiner ethnografischen Studie habe ich verschiedene Methoden der qualitativen Datenerhebung eingesetzt, darunter auch teilnehmende Beobachtung, um zu analysieren, wie normative Praktiken im zeitgenössischen Südafrika verhandelt und aufrechterhalten werden. Als feministische Forscherin reflektiere ich die erkenntnistheoretischen und methodologischen Entscheidungen, die ich im Rahmen der Studie getroffen habe, wobei Reflexivität und Positionalität bei der Datenerhebung und -analyse eine entscheidende Rolle spielten. Anhand von Erfahrungen in drei verschiedenen sozialen Räumen in Johannesburg – High-End-Nachtclubs, Sexspielzeug-Partys im Tupperware-Stil und traditionellen Braais [Grillfesten] – untersuche ich die Vorteile und Herausforderungen der teilnehmenden Beobachtung. Ich will so zur breiteren Diskussion über den Einsatz dieser Methode verhelfen, indem ich ihr Potenzial und gleichzeitig die mit ihr verbundenen Risiken anerkenne.In this paper, I investigate the benefits and potential risks associated with utilizing participant observation to gain a deeper understanding of sexual identity. Specifically, my focus is on examining how young, heterosexual, middle-class, cisgender individuals in South Africa perceive and understand their heterosexual identities, exploring how privilege and heteronormativity shape their experiences. In my ethnographic study, I employed various qualitative data collection methods, including participant observation, to analyze how normative practices were negotiated and sustained in contemporary South Africa. As a feminist researcher, I reflect on the epistemological and methodological choices I made in the study, with reflexivity and positionality playing crucial roles in data collection and analysis. Drawing on experiences in three distinct social spaces in Johannesburg—high-end nightclubs, Tupperware-style sex-toy parties, and traditional braais [barbecues]—I examine the advantages and challenges of participant observation. This paper contributes to the broader discussion on the method's use, highlighting its potential to offer a nuanced understanding of a normalized phenomenon while acknowledging associated risks
Review Essay: About Metaphors and Monsters
Die Metaphernanalyse ist ein etablierter Teil der qualitativen Sozialforschung. Weil dem so ist, wird hier das aktuelle Buch von Peter ADAMS, einem Psychologen aus Neuseeland, der sich seit Jahren um die Erneuerung der Rhetorik bemüht, zum Anlass genommen, über die Macht von Metaphern nachzudenken. Zu diesem Zweck werden zuerst die Thesen von Peter ADAMS vorgestellt, der entschieden die Position vertritt, dass Metaphern Akteure eigener Art sind, dass sie sich mit anderen Metaphern verbinden können und dann zu Monster-Metaphern heranwachsen, die nicht nur das Denken, sondern auch das Handeln der Menschen formen. Im zweiten Teil wird dann aus handlungstheoretischer Perspektive diese Position einer Kritik unterzogen.Metaphor analysis is an established part of qualitative social research. Therefore, the current book by Peter ADAMS, a psychologist from New Zealand who has been working for years on the renewal of rhetoric, is taken here as an opportunity to reflect on the power of metaphors. First, I will outline the author's theory that metaphors are actors of their own kind, that metaphors can combine with other metaphors and then grow into "monster metaphors" that shape not only people's thoughts but also their actions. In the second part of this article, ADAMS' position is then subjected to criticism from an action theory perspective
"Let the Fear Go and Trust the Process"—Experiencing Grounded Theory Over a Lifetime. Odis E. Simmons in Conversation With Astrid Gynnild
Odis SIMMONS war einer der ersten Studierenden, die die Methode der Grounded Theory (GTM) direkt von deren Begründern GLASER und STRAUSS erlernten. Abgesehen von GLASER selbst ist SIMMONS wahrscheinlich derjenige, der die Methode den meisten Studierenden weltweit vermittelt hat. In diesem Interview gibt SIMMONS wichtige Einblicke in das Erlernen, Durchführen, Lehren und Anwenden der klassischen Grounded-Theory-Methodologie. Mit seinem doppelten Hintergrund als Therapeut und Hochschullehrer geht SIMMONS auf Ängste ein, die Studierende während des Forschungsprozesses haben könnten, und wie sie überwunden werden können. Er erläutert die Ideen, die hinter seinen eigenen Ansätzen der Grounded Action und Grounded Therapy stehen, die lange Zeit im GTM-Hintergrund angesiedelt waren, aber allmählich immer mehr Verbreitung finden. Im Interview bringt er auch neue Erkenntnisse zu den divergierenden Perspektiven von GLASER und STRAUSS ein, die seiner Meinung nach von Anfang an bestanden. Er erläutert, warum die klassische GTM und die konstruktivistische GTM als zwei verschiedene Methoden betrachtet werden sollten, und fordert Lehrende auf, die Unterschiede offen zu diskutieren.Odis SIMMONS was among the first students who learned grounded theory method (GTM) directly from the co-founders GLASER and STRAUSS. Except for GLASER himself, SIMMONS is probably the grounded theorist who has taught the method to most students globally. In this interview SIMMONS provides key insights into learning, doing, teaching, and applying classic grounded theory (GT) as a general research method. With his double background as a therapist and a teacher in higher education, SIMMONS elaborates on fears that students might have during the research process and how they are overcome. He explains the ideas behind his own approaches to grounded action and grounded therapy, which for a long time resided in the GTM background but are gradually getting more widespread. In the interview, he also brings new knowledge on the diverging perspectives of GLASER and STRAUSS which, according to him, existed from the beginning. He argues, in an including manner, why classic GTM and constructivist GTM should be considered two different methods and urges educators to openly discuss the differences
Linking the Study of Social and Spatial Mobility. Reflections From Research on Subjective Social Positions in the Context of Migration to Germany
Mit dem Ziel, ein differenzierteres Verständnis von sozialer Mobilität in einer globalisierten Welt zu gewinnen, schlage ich in diesem Artikel vor, den Zusammenhang zwischen sozialer und räumlicher Mobilität mithilfe subjektiver sozialer Positionen im Kontext internationaler Migration zu untersuchen. Während Migration häufig als Möglichkeit zur sozialen Mobilität dargestellt wird, haben Migrationsforscher:innen gezeigt, dass transnationale soziale Räume und intersektionale Ungleichheiten weitaus komplexere Auswirkungen auf soziale Mobilität haben können. Dabei ist jedoch wenig über die subjektiven Erfahrungen räumlicher und sozialer Mobilität bekannt. Basierend auf einer Studie zu subjektiven sozialen Positionen von Menschen, die nach Deutschland migriert sind, diskutiere ich deshalb in diesem Beitrag, wie ein Design zur Untersuchung sozialer Mobilität im Zusammenhang mit internationaler Migration aussehen kann, um die räumliche Dimension sozialer Mobilitätserfahrungen stärker in den Blick zu nehmen. Konkret argumentiere ich für die Verknüpfung empirischer Ergebnisse aus narrativen Interviews mit Konzepten von Raum, Kapital und dem sozialen Vergleich im Kontext transnationaler und intersektionaler Theorien. Diese Form der Erforschung des Nexus sozialer und räumlicher Mobilität ermöglicht einen gezielten Blick auf die Art und Weise, wie Räume soziale Mobilitätserfahrungen prägen, um so insgesamt ein besseres Verständnis für Prozesse sozialer Mobilität zu entwickeln.To gain a more nuanced understanding of social mobility in a globalized world, in this article I suggest studying the link between social and spatial mobility by exploring social positions in relation to international migration. While migration is often portrayed as a gateway to social mobility, migration scholars have highlighted that transnational spaces and intersecting inequalities may shape social mobility in complex ways. However, little is known about the subjective experiences of spatial and social mobility. Therefore, based on a study of subjective social positions among people who have relocated to Germany, I discuss the implications for a research design that enables social scientists to assess social mobility in contexts of international migration and to explore the spatial dimension in shaping social mobility trajectories. Specifically, I will argue for linking empirical findings from narrative interviews with concepts of space, capitals, and social comparison as well as transnational and intersectional theories. As I will show, this way of inquiring into the social-spatial mobility nexus allows for investigating the complex ways in which spaces affect social mobility, and thus provides a promising gateway to better understand social mobility as a process shaped by both time and space
Enquiry-Based Learning in Public Health—Opportunities for Application-Led Qualitative Method Teaching
Eine bevölkerungs- und systembezogene Perspektive auf Gesundheit, starker Anwendungsbezug und Interdisziplinarität, aber auch eine Affinität zu quantitativen und epidemiologischen Methoden und Methodenpragmatismus zeichnen Public-Health-Forschung und -Praxis aus. Diese Orientierung stellt die qualitative Methodenausbildung in Public Health vor einige Besonderheiten. In diesem Beitrag reflektieren wir das Konzept der zweisemestrigen Grundlagenveranstaltungen im Masterstudiengang Public Health der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Wir setzen mit dem Seminarkonzept auf forschendes Lernen, bei dem die Studierenden den Forschungsprozess mittels der konstruktivistischen Lehrmethode des Cognitive Apprenticeship durchlaufen. Diese offene Herangehensweise ermöglicht es uns, auf unterschiedliches Vorwissen und unterschiedliche Kompetenzniveaus zu reagieren. Mit einer gegenstandsbezogenen, pragmatischen Vermittlung bereiten wir auf die Nutzung und Weiterentwicklung von Methodenkompetenz in der späteren heterogenen Forschungs- und Berufspraxis in Public Health vor. Zugleich bleibt es für uns eine Herausforderung, Studierende für die Bedeutung und den Nutzen der Anwendung einer Vielfalt qualitativer Methoden zu sensibilisieren.The field of public health is characterised by a population and systemic perspective on health, applicability and interdisciplinarity, and a slant towards quantitative and epidemiological methods and methodological pragmatism. This presents specific challenges for the teaching of qualitative methods in public health. In this contribution we reflect on the concept of the two-semester methods seminars in the master of public health course at the School of Public Health at Bielefeld University, Germany. Our teaching is guided by the concept of enquiry-based learning. In our methods seminars, we employ the constructivist teaching method of cognitive apprenticeship to introduce students to the research process. This open approach allows us to respond to different degrees of prior knowledge and levels of competence. With our pragmatic, application-led teaching, we qualify graduates to develop and employ methodological skills in their later academic and practical careers. At the same time, it remains a challenge to sensitise students to the significance and benefits of a wide range of qualitative methods
Transformative Social Research: A Call for Empirical Engagement
In dem Artikel wird der Frage nachgegangen, ob der Anspruch von Wertfreiheit (WEBER 1904, 1980 [1921]) in der qualitativen Forschung mit aktuellen Debatten zu Partizipation, Transformation und performativer Forschung kompatibel ist und inwiefern der so genannte dritte Werturteilsstreit (TRAUE 2023) neue Bruchlinien aufzeigen und entstehen lässt. Dabei werden sowohl aktuelle Ansätze wie etwa der anglo-amerikanische "Intellectual Activism" (CONTU 2018, 2019) als auch historische Beispiele wie Marie JAHODAs sozialer Anspruch in ihrem Wirken in Wien (1997) aufgegriffen. Außerdem werden Begrifflichkeiten wie "Anwendungsorientierung", "Auftragsforschung" oder "Dritte Mission" hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Sich-Einmischen in der qualitativen Forschung in den Blick genommen. Anliegen ist es, die praktischen Konsequenzen dieses Changierens zwischen Grundlagenforschung und Gesellschaftsrelevanz weiter ausloten zu können.In this article I examine the question of whether the claim of the value judgment dispute (WEBER, 1904, 1980 [1921]) in qualitative research is compatible with current debates on participation, transformation, and performative research, and to what extent in the so-called third value judgment dispute (TRAUE, 2022) new fault lines have been revealed and created. Current approaches, such as Anglo-American "intellectual activism" (CONTU, 2018, 2019), and historical examples, such as Marie JAHODA's (1997) social claim in her work in Vienna will be addressed. In addition, concepts such as "practical orientation," "private research," and "third mission" will be analyzed in terms of their significance for the involvement of qualitative research. The aim is to further explore the practical consequences of this oscillation between basic research and social relevance