MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung
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Inclusion and Digitization at School: Conditions for success from the perspective of teachers and students
Inklusion und Digitalisierung stellen zwei grosse Herausforderungen dar, mit denen sich das deutsche Bildungssystem und die einzelnen schulischen Akteure bereits seit Jahren auseinandersetzen müssen. Einzeln betrachtet handelt es sich bei Beiden um intensiv und differenziert beforschte Themenkomplexe. Die Verzahnung beider Konzepte rückt jedoch erst allmählich in den Fokus der Forschung, obwohl sich Berührungspunkte sowie Chancen identifizieren lassen. Der Beitrag gibt einführend eine kurze Übersicht über die aktuellen Rahmenbedingen und Forschungsergebnisse zu den Themenkomplexen Inklusion und Digitalisierung in deutschen Schulen. Im Anschluss daran werden exemplarisch potentielle Voraussetzungen und Bedingungen für die Implementierung der beiden Konzepte zusammengetragen. Besondere Beachtung bei der Darstellung der ausgewählten Bedingungen erhalten die Perspektiven der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler.Inclusion and digitization are two major challenges that the German education system and the individual school stakeholders have been facing for years. Considered individually, both of these concepts are subject to intensive and differentiated research. However, the fusion of both concepts is only gradually moving into the focus of research, although overlapping points and opportunities can be identified. The following article will briefly outline the current framework conditions and research findings considering inclusion and digitization in schools. Afterwards, the potential requirements and conditions for a successful implementation of the two concepts are summarized. Special attention is given to the perspective of teachers and students
Media education and global environmental challenges: A postcolonial approach of a wide-ranging term of digitality
Aktuell werden Begriffe wie Digitalisierung, Mediatisierung, Medialisierung sowie Digitalität und Post-Digitalität viel diskutiert. Diese Diskurse werden vorrangig aus einer Perspektive des Globalen Nordens geführt. Dabei geht es häufig um die ‹sinnvolle› Integration (digitaler) Medien in Bildungskontexte und das transformierende Potential für Bildungsinstitutionen von Elementarpädagogik, über Schule bis Hochschule. Versuche der Begriffsbestimmungen von Digitalisierung, Mediatisierung oder auch Post-/Digitalität sind stark von der geopolitischen und sprachlichen Verortung geprägt. Doch die Kultur der Digitalität und die globale digitale Vernetzung der Welt, legen hinsichtlich bestimmter Fragen eine weltumspannende postkoloniale Perspektive nahe. Der vorliegende Beitrag versucht einen möglichen methodologischen Zugang zu einer weltumspannenden Medienpädagogik zu skizzieren und handelt dies entlang ökologischer Implikationen der Ubiquität digitaler Technologie und eines ökologisch-nachhaltigeren Medienhandelns ab. Dem ist eine Begriffsklärung zu Digitalität und Post-Digitalität vorangestellt. Der Beitrag schlägt einen interdisziplinären Zugang vor, der medienpädagogische und medienwissenschaftliche Überlegungen sowie «Bildung für nachhaltige Entwicklung» und Postcolonial Studies einbezieht. Daraus ergeben sich medienpädagogische Anschlussstellen und Forschungsfelder.Talking about digitization, mediatization, medialization or post-/digitality we are limited in a perspective of the Global North, mostly dealing with the implementation of (digital) media in educational institutions. Educators, educational researchers as well as politicians are often requiring more technological features, better technical conditions and the taxonomisation of digital skills for countries in the Global North. But this perspective inhibits us to consider a wide-ranging term of digitality which includes e.g. environmental implications of an ubiquitous use of digital media or taxonomies of digital competences for the Global South. To that extant an postcolonial and media archaeological approach is proposed to think digitality consequently wide and far-reaching. This opens up responsibilities and tasks for media-pedagogy in research, as well as for the development of concepts and educational practices
On the Optimizing Spirit of Digital Education: Bemerkungen zu adaptiven Lernsystemen als sozio-technische Gefüge
Im vorliegenden Beitrag werden die Begriffe der Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit und Kontrolle als Operationalisierung für einen zeitgemässen Optimierungsbegriff herangezogen. Es wird dargelegt, inwiefern ein so verstandener Optimierungsbegriff sich gegenwärtig auf gesellschaftlicher Ebene, auf der des subjektiven Handelns sowie auf der Ebene digitaler Lernarrangements einschreibt und verfestigt. Bildungstheoretisch wird diese Beobachtung kritisch reflektiert, indem vor allem auf das Element der Unverfügbarkeit abgestellt wird. Bildung wird damit als Geschehen kenntlich gemacht, das sich einem optimierenden Geist des Digitalen entzieht.In the present contribution, the four terms efficiency, calculability, predictability and control are used as operationalization for a contemporary notion of optimization. Subsequently, it is argued that such a concept of optimization is currently inscribed on the social level, on the level of subjective action as well as in digital learning arrangements. This observation is critically reflected with the approach of educational theory, especially by focusing on the element of unavailability. Thus, education is identified as a process that eludes an optimizing spirit of digital education
Inclusion and Digital Media? Blended Learning Training in Educational and Nursing Fields
Ein Weiterbildungsangebot für pädagogisch-pflegerische Fachkräfte zum Thema Inklusion und digitale Medien wurde im Rahmen des Projektes PADIGI – Partizipation digital entwickelt. Mit Blick auf den Arbeitsalltag des Fachpersonals, das häufig im Schichtdienst tätig ist, wurde der Kurs Inklusiv digital als Blended-Learning-Format konzipiert. Zwei Erprobungen bieten die Möglichkeit, begleitend zu evaluieren, wie ein solches Format fortführend angepasst werden muss, um Fachkräften eine bestmögliche Basis zur Auseinandersetzung mit dem Themenfeld zur Verfügung zu stellen. Es zeigt sich, dass insbesondere der Praxisanteil des Kurses – die Erstellung eines Medienprojektes mit den eigenen Klientinnen und Klienten – als wertvoll erlebt wird. Starre Strukturen, wie etwa Hürden in den Arbeitsstätten, stellen die Fachkräfte allerdings vor Herausforderungen. Der Kurs und eine Handreichung stehen nach der Projektlaufzeit auf www.padigi-medienkompetenz.de als Open Educational Resources (OER) zur Verfügung.Within the research project PADIGI – Partizipation digital a continuing educational offer that focuses on inclusion and digital media was developed, aiming at people working in educational and nursing fields. Adapting the offer to the work shifts of the target group, the course Inklusiv digital was designed as a blended learning setting. Two trials provided the opportunity to evaluate the implementation. Based on the results, both structure and contents of the course could be adjusted continuously. On the one hand, it became apparent that especially the practical part of the course, developing a media project together with persons with cognitive disease, was highly appreciated. On the other hand, inflexible structures of some institutions and workplaces posed a challenge for the participants. The course and an associated guideline will be made available on the project page www.padigi-medienkompetenz.de as Open Educational Resources (OER) after the end of the project
Editorial: Advertising Literacy: How Can Children and Adolescents Deal with Persuasive Messages in a Complex Media Environment?
Schools as Digital Figurations? Considering the Sociomateriality of Algorithms and Data
Bewertungspraktiken gehören zu Kernelementen des Lernens und Lehrens. Durch die zunehmende Digitalisierung des Bildungssektors entstehen neue Instrumente zur Beobachtung, Bewertung und Klassifizierung der Leistung von Lernenden und Lehrenden. Sie erlauben Auswertungen schulischer Praktiken in einer bisher nicht möglichen Komplexität und einem viel grösseren Ausmass, da sie sehr detailreich sein können, einen umfassenderen Geltungsbereich abdecken und flexibel kombiniert werden können. Dies geschieht zunehmend in Echtzeit. Der Beitrag diskutiert, wie die Zunahme von digitalen Daten und, damit verschränkt, von digitalen Bewertungspraktiken Schule nachhaltig verändert. Daten und Algorithmen werden jedoch nicht als rein technische Entitäten verstanden, sondern als Akteurinnen und Akteure innerhalb soziomaterieller Figurationen. Anhand der Analyse von Illustrationsbeispielen zeigen wir verschiedene, ambivalente Konsequenzen digitaler Bewertungspraktiken im Bildungsbereich auf. Im Ergebnis ermöglichen sie neue Formen der Partizipation und erfordern dafür eine ausdifferenzierte Datenkompetenz. Sie führen zu einer Ausdehnung von Kommunikation zwischen Akteurinnen und Akteuren und verdecken dabei zugleich menschliche Handlungsfähigkeit. Sie lassen neue Formen der Überwachung und Kontrolle zu, aber auch grössere Transparenz und Rechenschaftslegung.Assessment and evaluation practices are key elements of learning and teaching in schools. As the organisation of schools becomes more and more digitised, new instruments evolve that monitor, assess and classify pupils, teachers and education systems. Digital assessment practices and related data are distinct from pre-digital forms as they are highly detailed, cover a greater scope and can be combined in a flexible manner. The article discusses how datafication and digital assessment practices are transforming schooling. Data and algorithms are not understood as purely technical entities, but as actors within sociomaterial figurations. The consequences of their increased importance for and in education are multivalent: Digital assessment practices may lead to new forms of participation, but they also require a higher media and data literacy. They lead to new spatial extensions of communication and shifting of translocal interrelations, at the same time disguise human agency through software systems. They allow for new options for surveillance, but also afford greater transparency and accountability
Correlations Between Media Use of Students and their Lecturers at German Universities: An Explorative Study
Die wachsende gesellschaftliche Bedeutung von Digitalisierung zeigt sich in den letzten Jahren auch durch die zunehmende Etablierung digitaler Strukturen innerhalb der deutschen Hochschulen. Dieser Prozess hat nicht zuletzt bedingt durch die Corona-Pandemie eine Beschleunigung erfahren. Abgesehen von infrastrukturellen Voraussetzungen kommt in diesem Kontext neben der Hochschulleitung gerade den Dozierenden durch die Implementierung digitaler Lehr- und Lernformate innerhalb von Lehrveranstaltungen eine zentrale Funktion hinsichtlich der Umsetzung und Ausgestaltung von Digitalisierung an Hochschulen zu. An diese Prämisse anknüpfend ist es Ziel des vorliegenden Beitrags, auf Basis einer Befragung 171 Studierender deren studienbezogene Mediennutzung zum Zeitpunkt vor der Pandemie zu erfassen. Darüber hinaus soll das lehrveranstaltungsbezogene Medienhandeln von Dozierenden, erfasst durch eine Fremdeinschätzung der Studierenden, untersucht werden, um anschliessend mittels Korrelationsanalysen auf mögliche Zusammenhänge zwischen der Nutzung digitaler Anwendungen beider Akteursgruppen zu schliessen. Dazu soll insbesondere der Einbezug forschungs- und literaturbezogener Anwendungen in den Blick genommen werden. Die Ergebnisse werden abschliessend vor dem Hintergrund der veränderten Lehrsituation durch die Corona-Pandemie diskutiert.The growing social importance of digitization is also reflected by the expansion of digital structures within German universities in recent years. This process has accelerated due to the CoViD-19-pandemic. Apart from infrastructural requirements, in this context it is not only the university management but also the lecturers who play a central role in the implementation and design of digitization at universities by implementing digital teaching and learning formats within their classes. Following this premise, the aim of this paper is to examine student media use in the university context at the time before the pandemic on the basis of a survey of 171 students. In addition to the class-related media activities of lecturers’ assessed by the students, possible correlations between the use of digital applications by both groups shall be analysed. For this purpose, the inclusion of research- and literature-related software applications will be considered in particular. Finally, the results will be discussed against the background of the changed teaching situation due to the CoViD-19-pandemic
Social Presence in Times of CoViD-19 Distance Teaching
Der vorliegende Beitrag beschreibt – nach Klärung der grundlegenden Begriffe des Emergency Remote Teaching (ERT) und des Konzepts der sozialen Präsenz - eine qualitative Studie, die an der KPH Wien/Krems von April bis November 2020 durchgeführt wurde. Lehramtsstudierende wurden befragt, wie sie die Umstellung auf Emergency Remote Teaching (= die Umstellung von Präsenz- auf Online-Lehre aufgrund der CoViD-19 Massnahmen) empfunden haben. Ein Kernstück der online durchgeführten Interviews war die Wahrnehmung sozialer Präsenz, also das Wahrnehmen anderer Personen (Lehrende und Studierende) als Gegenüber. Gezeigt hat sich, dass die Studierenden der Umstellung auf ERT zu Beginn grossteils positiv gegenüberstanden, allerdings unter den mangelnden Möglichkeiten des synchronen Austausches (besonders zu Beginn der Massnahmen) litten. Dies lag vor allem daran, dass die Lehrenden an der KPH Wien/Krems teilweise mit den Anforderungen des ERT überfordert und daher für die Studierenden weniger präsent waren. Eine besondere Rolle spielten auch die asynchron erteilten Studienaufträge sowie das Feedback darauf, das nicht für alle Befragten zur Zufriedenheit ausfiel und daher negative Auswirkungen auf die Motivation der Studierenden zeigte.This article focuses on the topic of Emergency Remote Teaching (ERT, meaning the unplanned and sudden shift from classroom teaching to online classes) and the concept of social presence - a qualitative study conducted and presents a qualitative study which was carried out at KPH Vienna/Krems from April to November 2020. Pre-service teachers were asked about their experience from changing from nearly 100 percent classroom teaching to fully online classes due to CoViD-19 measures which were introduced in the middle of March 2020. A main focus was put on the students’ perecptions of social presence, i.e. the perception of other people (teachers and students) as counterparts in an online learning environment. It turned out that most of the students were largely positive about the change to ERT at the beginning but suffered from the lack of opportunities for synchronous exchange (especially at the beginning of the measures). This was mainly due to the fact that the lecturers at KPH Wien/Krems did not have much experience with online teaching and thus were partly unable to cope with the demands of ERT which resulted in the students’ not feeling a pedagogical or social presence. Most of the assignments given during summer term 2020 were asynchronous ones which also added to the fact of students feeling lonely. Finally, (missing) feedback also played an important role for the interviewed students – missing feedback could be linked to less satisfaction and decreasing motivation
Emergency Remote Teaching and Inclusion: Experiences and Needs of Students With and Without Impairment During the Pandemic
Die plötzliche Umstellung auf das sog. Emergency Remote Teaching (Hodges et al. 2020) hat das Thema Ungleichheit in der Bildung auf die Tagesordnung gesetzt – auch an Hochschulen, wo die Studierendenschaft immer diverser wird. Digitalen Medien wird ein grosses Potential zugeschrieben, gleichberechtigte Teilhabe an Bildung zu unterstützen. Zwei Studien an der TU Dortmund widmen sich der Strukturkategorie Behinderung. Die Studien erheben die Erfahrungen von Studierenden mit Behinderungen mit digitalen Lehr- und Lernformaten sowie die Anforderungen, die Studierende mit und ohne Behinderungen an digitale Lehre stellen. Der vorliegende Artikel diskutiert auf Grundlage der Ergebnisse die Chancen und Handlungsfelder für eine inklusive digitale Hochschullehre auf der Grundlage des Continuums of Solutions aus Universal Design, Barrierefreiheit sowie angemessenen Vorkehrungen.The sudden transition to what is termed Emergency Remote Teaching (Hodges et al. 2020) has emphasized the relevance for the issue of inequality in education - including universities with an increasingly diverse student body. Digital media is considered to have great potential in supporting equal participation in education. At TU Dortmund University, two studies are addressing the structural category of “disability”. The studies assess the experiences with digital teaching and learning formats of students with disabilities as well as the needs that students with and without disabilities have in terms of digital teaching. Based on the findings of these studies, this article discusses the opportunities and the field of action for inclusive digital university teaching based on the continuum of solutions from universal design, accessibility, and reasonable accommodations