MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung
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Verena Doelker-Tobler and the Children’s Program on Swiss Television
Bereits im Jahr 1961 übernahm Verena Doelker-Tobler die Redaktionsleitung des Kinderprogramms beim Schweizer Fernsehen. Sie war somit eine der Pionier:innen, als das Schweizer Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte. Bis Mitte der 1990er Jahre war sie beim Schweizer Fernsehen tätig und engagierte sich weit darüber hinaus für kindgerechte Angebote. Als ich im Rahmen meiner Dissertation zum Thema Qualität im Kinderfernsehen den Fokus auf das Schweizer Fernsehen richtete, gab es nur eine Expertin, die ich unbedingt an Bord haben musste, um einen geschichtlichen Abriss zum Schweizer Kinderfernsehen veröffentlichen zu können: Verena Doelker-Tobler.Und das war sie mit vollem Herzblut. Ich arbeitete wochenlang in ihrem privaten Archiv, telefonierte mit ehemaligen Mitarbeiter:innen des Schweizer Kinderfernehens und fasste meine gewonnenen Erkenntnisse zusammen. Es stellte sich aber rasch heraus, dass auch dieses Vorgehen keine lückenlose Erkenntniskette liefern konnte, was Verena Doelker-Tobler dazu brachte, alle meine Notizen mit persönlichen Erinnerungen zu ergänzen. Nur mit ihrer engagierten Unterstützung wurde es möglich dieses Stück Geschichte des Schweizer Kinderfernsehens möglichst realitätsnah zusammenzutragen.Um Verena Doelker-Toblers Arbeit zu würdigen folgen nun Auszüge aus der Dissertation Qualität im Kinderfernsehen Beurteilung von Programmqualität am Beispiel des Schweizer Kinderfernsehens, Kapitel 3 Das Schweizer Kinderfernsehen DRS.Verena Doelker-Tobler took over the editorial management of the children‘s program on Swiss television back in 1961. She was thus one of the pioneers when Swiss television was still in its infancy. She worked at Swiss Television until the mid-1990s and went far beyond that to promote child-friendly programs.When I focused on Swiss television as part of my dissertation on quality in children‘s television, there was only one expert I absolutely had to have on board in order to be able to publish a historical outline of Swiss children‘s television: Verena Doelker-Tobler.And she put her heart and soul into it. I worked for weeks in her private archive, phoned former employees of Swiss children‘s television and summarized my findings. However, it quickly became apparent that this approach could not provide a complete chain of knowledge either, which led Verena Doelker-Tobler to supplement all my notes with personal memories. Only with her dedicated support was it possible to compile this piece of Swiss children‘s television history as realistically as possible.To honor Verena Doelker-Tobler‘s work, the following are excerpts from her dissertation Qualität im Kinderfernsehen Beurteilung von Programmqualität am Beispiel des Schweizer Kinderfernsehens, Chapter 3 Das Schweizer Kinderfernsehen DRS
Media Literacy as a Response to Right-Wing Disinformation Campaigns: Empirical Insights and Media Pedagogical Impulses for Addressing Pseudo-Journalistic Content from Conservative News and Opinion Platforms on TikTok
Die frühe Nutzung multimedialer Angebote durch adoleszente Zielgruppen erfordert eine Stärkung der Medienkritik- und Analysefähigkeit. TikTok hat in den letzten Jahren erheblich an Popularität gewonnen, was zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit politischen Themen auf der Plattform geführt hat (vgl. Hajok 2021). Der Beitrag untersucht Strategien und narrative Selbstpositionierungen von Creator:innen exemplarisch anhand politischer TikTok-Beiträge. Insbesondere im Kontext komplexer Diskurse können solche Inhalte desinformativ, polarisierend oder demokratiegefährdend wirken.Rechtspopulistische Akteur:innen nutzen soziale Medien und Online-Plattformen gezielt, um mit desinformierenden und abwertenden Inhalten ihre extremistischen Ansichten zu verbreiten und ihre Follower:innenschaft zu stärken. Diese Debattenkultur gefährdet das gesellschaftliche Zusammenleben, denn Desinformation und destruktive oder emotionalisierende Kommunikationspraktiken erschweren das Aushandeln von Perspektiven und den konstruktiven Dissens, der für die Demokratie unverzichtbar ist.Mittels quantitativer und qualitativer Auswertungsverfahren werden TikTok-Kurzvideos des rechtskonservativen Nachrichten- und Meinungsportals NIUS analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass auf NIUS rechtspopulistische Positionen zum Ausdruck kommen, die Diskriminierungen aufgrund von Hautfarbe, sexueller Selbstbestimmung, Herkunft und äusserem Erscheinungsbild beinhalten. Die Beiträge enthalten narrative Elemente, die eine anti-elitäre Haltung gegenüber Regierenden und Medien zum Ausdruck bringen, Sicherheitsängste schüren sowie internalisierte Diskriminierungen und Polarisierungen aufweisen. Die quantitative Themenanalyse zeigt, dass Kritik insbesondere an Diversität (24,2%), Verboten und Sprachnormen (14,7%), Sicherheit, Gewalt und Kriminalität (14,7%), Klimaschutz und Aktivismus (12,6%) sowie am Umgang mit der AfD (10,5%) geübt wird. Diese thematische Schwerpunktsetzung führt zu einer diskursiven Normalisierung dieser Einstellungen. Die Ampelkoalition (im Amt auf Bundesebene von 2021-2024) wird als Feindbildkonstruktion negativ aufgeladen. Aus einer homogenen Gemeinschaftsvorstellung wird Feindseligkeit gegenüber nicht-heteronormativen Orientierungen und Identitäten abgeleitet. Als fallübergreifendes Muster lässt sich die Instrumentalisierung des Extremismusvorwurfs identifizieren. Häufig werden popkulturelle Referenzen als Aufhänger verwendet, um Verbundenheit zu einer jungen Zielgruppe herzustellen. Der Beitrag entschlüsselt Diskursstrategien des Portals zur Verbreitung von Inhalten als Ausdruck eines rechtspopulistischen Erzählmodus. Eine wesentliche Strategie besteht darin, bei Sperrungen aufgrund der Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten auf alternative Zweit- und Drittaccounts auszuweichen, um die kontinuierliche Verbreitung der Inhalte sicherzustellen. Zudem präsentiert der Beitrag didaktische Überlegungen zur Sensibilisierung für Desinformation und zur Stärkung der Kritikfähigkeit. Ziel ist es, Strategien von Desinformationskampagnen aufzuzeigen, um Lehrkräfte, Pädagog:innen und Jugendliche auf diese Herausforderungen vorzubereiten.The early use of multimedia by young target groups requires the strengthening of media criticism and analytical skills. TikTok has gained significant popularity in recent years, which has led to an increased engagement with political issues on the platform (cf. Hajok 2021). This paper examines the strategies and narrative self-positioning of creators, using political TikTok posts as an example. Especially in the context of complex discourses, such content can be disinformative, polarising or democracy-threatening.Right-wing populist actors deliberately use social media and online platforms to disseminate their extremist views with disinformative and derogatory content, thereby strengthening their followership. This culture of debate threatens social cohesion, as disinformation and destructive or emotionally charged communication practices impede the negotiation of perspectives and constructive dissent that are essential to democracy.The analysis of TikTok short videos from the “news and opinion portal” NIUS was conducted using both quantitative and qualitative methods. The results indicate that NIUS promotes right-wing populist positions, including narratives that have been interpreted as discriminatory with regard to skin colour, sexual self-determination, national origin, and physical appearance. The posts contain narrative elements that express an anti-elitist attitude towards government authorities and the media, fuel security concerns, and exhibit internalised discriminations and polarisations. The quantitative thematic analysis shows that criticisms are prevalent in different areas, such as diversity (24.2%), bans and language norms (14.7%), security, violence and crime (14.7%), climate protection and activism (12.6%), as well as dealing with the AfD (10.5%). This thematic emphasis contributes to the discursive normalisation of these attitudes. The ‹traffic light› coalition government (2021-2024) is negatively portrayed as an ‹enemy›. A concept of homogeneous community is used to derive hostility towards non-heteronormative orientations and identities. A common pattern is the strategic use of extremism accusations. Pop-cultural references are frequently employed as attention-grabbing devices. The article examines the portal‘s discursive strategies for disseminating content that reflects a populist narrative framework. A key strategy is to switch to alternative secondary and tertiary accounts in the event of bans due to violations of journalistic due diligence, in order to ensure the continuous dissemination of content. In addition, the article presents didactic considerations for raising awareness of disinformation and strengthening critical thinking skills. It offers didactic recommendations for recognizing disinformation and enhancing critical thinking skills. The objective is to shed light on the strategies of right-wing disinformation campaigns and to prepare teachers, educators and young people for these challenges
Teachers’ Orientations When Designing Blended Learning Courses
Die empirisch fundierte Erforschung der Planungsentscheidungen von Lehrenden stellt ein Desiderat dar. Dies trifft insbesondere auf didaktische Entscheidungen im Zusammenhang mit Formen des Blended Learning zu, in deren Kontext einerseits sowohl Präsenz- als auch Distanzphasen zu gestalten und sinnvoll miteinander zu verknüpfen sind, und denen andererseits ein hohes Potenzial für die Anreicherung von Lehr-Lern-Prozessen sowie die Teilhabe an Bildung attestiert wird. Mit dem Lehrgang abitur-online.nrw liegt seit mehr als 20 Jahren – und damit deutlich vor der Covid-19-Pandemie – ein Angebot des Zweiten Bildungsweges vor, in dem erwachsene Lernende in einer Kombination von Präsenz- und Distanzphasen das (Fach-)Abitur erwerben können. Im BMBF-Projekt «DigiGO» wurden auf Basis von Think Alouds Planungsentscheidungen von 16 Lehrkräften im Lehrgang erhoben und qualitativ ausgewertet. Der Beitrag gibt Einblicke in einen kontrastiven Vergleich zweier Fälle und verdeutlicht unterschiedliche Orientierungen von Lehrkräften im Zuge der Ausgestaltung des Blended Learning-Angebots. Während eine Lehrkraft die Eigenverantwortung der erwachsenen Lernenden betont, das Lernen in Distanz vorwiegend als Hausaufgabenphase interpretiert und den Präsenzphasen eine höhere Wertigkeit zuschreibt, stellt die andere die Gleichwertigkeit der Phasen sowie die Notwendigkeit der Unterstützung der Lernenden beim eigenverantwortlichen Lernen heraus. Abschliessend zeigt die Betrachtung des gesamten Interviewmaterials, dass vorhandene Gestaltungsmöglichkeiten in der Breite bislang nicht ausgeschöpft zu werden scheinen.There is still a lack of empirical research on teachers‘ planning decisions. This applies to didactic decisions in the context of blended learning in particular, where both face-to-face and distance phases need to be meaningfully linked with each other. The course «abitur-online.nrw» has been available for more than 20 years – and thus well before the Covid-19 pandemic – as a part of second-chance education. Here, adult learners can acquire the Abitur in a combination of face-to-face and distance learning phases. In the BMBF project «DigiGO», we qualitatively analysed the planning decisions of 16 teachers on the basis of think alouds. The article provides insights into a contrastive comparison of two cases and illustrates the different orientations when designing a blended learning environment. While one teacher emphasizes the personal responsibility of adult learners and ascribes greater value to the face-to-face phases, the other emphasizes the equal value of the phases and the need to support learners in self-regulated learning. Finally, an examination of the entire interview material shows that existing design options do not appear to have been fully exploited to date
Exploring the Potential of Learning Design Tools: An Empirical Study and Future Support Strategies
Ergebnisse aus der empirischen Lehr-Lernforschung zeigen, dass die Lehrplanung entscheidenden Einfluss auf Studierendenleistungen hat. Der sorgfältigen Planung und Vorbereitung der Lehre kommt daher besondere Bedeutung zu. Um Lehrende dabei professionell zu unterstützen, entwickeln Hochschulen derzeit Unterstützungsangebote inklusive digitaler Tools zur Gestaltung effektiver Hochschullehre (https://fola.digital, https://learning-design.eu). Die Integration von Tools in die digitale Infrastruktur der Hochschulen kann den Lehrplanungsprozess erleichtern. Auch die Unterstützung durch künstliche Intelligenz in der Vorbereitung verbessert die Möglichkeit, die Effizienz zu steigern und zu entlassen. Ebenso tragen datenbasierte Weiterentwicklungen und der automatisierte Import in ein LMS dazu bei, die Lehrplanung auf ein neues Niveau zu heben. In einer qualitativen Studie wurden 56 Lehrende an fünf Universitäten in vier Ländern befragt, um deren Bedürfnisse in Bezug auf die Lehrplanung zu ermitteln. Dabei wurde untersucht, welche Planungsaspekte für Lehrende während der Vorbereitung besonders wichtig sind, und ob es Unterschiede zwischen Lehrenden mit mehr oder weniger Lehrerfahrung gibt. Die Studie identifiziert blinde Flecken in der bisherigen Lehrplanung, indem die Ergebnisse der qualitativen Befragung mit Rahmenmodellen zur Lehr- und Unterrichtsplanung (z. B. Berliner Modell und ADDIE-Modell) zusammengeführt und verglichen werden. Die Befunde weisen auf Entwicklungspotenziale für Lehrplanungs-Tools und deren gezielte Anwendung in Beratungs- und Qualifizierungskontexten hin.Empirical research in teaching and learning shows that learning design (LD) has a significant impact on student performance. The careful planning and preparation of teaching is therefore of paramount importance. To provide instructors with professional support, universities are developing training opportunities and resources, including digital tools to increase the efficiency of university teaching (e.g., https://fola.digital, https://learning-design.eu). Aspects that can enhance and simplify the LD process to include the integration of tools into the universities’ digital infrastructures, AI-supported preparation, data-driven planning improvements, and automated transfers of planning documents to the LMS. A qualitative study surveyed 56 instructors at five universities in four countries to assess their planning needs. It explored key planning issues and differences between instructors with different levels of experience. The study highlights blind spots in current LD processes by comparing the qualitative survey results with framework models such as the Berlin Model and the ADDIE Model. These findings suggest significant development potential for planning tools and their usage in guidance and qualification contexts to improve learning outcomes
Comments on the article ‹Mediendidaktik (Educational Technology). Attempt at Positioning› by Michael Kerres
Der Kommentar greift die wichtigsten Aspekte und Kritikpunkte des Textes von Michael Kerres auf und diskutiert sie vor dem Hintergrund eines weiten Verständnisses von Medienpädagogik. Die Arbeiten von Kerres zur Mediendidaktik werden gewürdigt, aber auch deutlich gemacht, dass sein Verständnis von Informatik und Psychologie als zentralen Disziplinen der Mediendidaktik zu kurz greift. Besonders hervorgehoben wird der Beitrag ausgewählter Fachdidaktiken zur Entwicklung mediendidaktischer Modelle. Abschliessend werden Vorschläge zur Weiterentwicklung der Mediendidaktik unterbreitet, in deren Mittelpunkt die Berücksichtigung der Diversität der Lernenden mit Medien steht.The commentary takes up the most important aspects and points of criticism of Michael Kerres’ text and discusses them against the background of a broad understanding of media education. Kerres’ work on media didactics is honoured, but it is also made clear that his understanding of computer science and psychology as central disciplines of media didactics falls short. The contribution of selected specialized didactics to the development of media didactic models is particularly emphasized. Finally, suggestions are made for the further development of media didactics, focussing on the diversity of learners with media
Digital Nomads’ Organizational Work Practices in the Visual Media Discourse
Digitale Technologien durchdringen zunehmend unsere Gesellschaft. Dies betrifft auch die Sphäre der Arbeitswelt, in der beispielsweise Arbeitsaufträge zeit- und ortsunabhängig über digitale Plattformen vermittelt werden. Auch wenn nicht von einem disruptiven Wandel durch plattformbasierte Erwerbsarbeit ausgegangen werden kann, entstehen neue Formen der Erwerbsarbeit, die Veränderungen betrieblicher Organisationen bedingen. Plattformbasierte Erwerbsarbeit zeichnet sich dabei durch eine Verdoppelung der Organisation aus, in die sowohl die plattformbetreibende als auch die beauftragende Organisation eingebunden sind. Ausgehend von einem praxeologischen Organisationsverständnis werden in diesem Beitrag organisationale Arbeitspraktiken digitaler Nomad:innen im medialen bildlichen Diskursraum über eine Google-Suche betrachtet. Daraus wird ein Bild mithilfe der dokumentarischen Bildinterpretation detailliert interpretiert. Es dokumentiert sich ein Lifestyle digitaler Nomad:innen, der die widersprüchlichen Identitätsnormen an einer mühsamen Arbeit zum Lebenserhalt mit Attraktivität verbindet. Die Arbeit ist gleichzeitig in die paradiesische Umgebung eingebunden und von ihr abgehoben. Damit findet sie nicht in einer schönen Umgebung statt, sondern unabhängig davon. Die Organisation wird unsichtbar mit dem paradoxen Ergebnis, dass sie dadurch noch wirkmächtiger wird. Durch die permanente Verfügbarkeit aufgrund digitaler Infrastrukturen wird letztlich die Arbeit, vermittelt im medialen bildlichen Diskursraum, allumfassend.Digital technologies are increasingly permeating all areas of society, including the sphere of work, where tasks are now mediated across time and space via digital platforms. Although platform-based labor does not necessarily signify a disruptive transformation, it does give rise to new forms of gainful employment that lead to structural changes within organizational settings. Platform-based labor is characterized by a doubling of organization, as both the platform provider and the contracting entity are embedded within the process. Drawing on a praxeological understanding of organization, this study examines the organizational work practices of digital nomads within the visual discourse space generated by a Google image search. Using the method of documentary image interpretation, a selected image is analyzed in detail. This visual material reveals a lifestyle of digital nomadism that reconciles contradictory identity norms – linking the hardship of subsistence labor with notions of attractiveness. The labor depicted is both integrated into, and detached from, an idyllic environment. Thus, it does not merely occur in a beautiful setting, but rather regardless of it. The organizational dimension becomes invisible, with the paradoxical outcome that its influence becomes even more powerful. Due to the constant availability enabled by digital infrastructures, work – as mediated within the visual media discourse – ultimately becomes all-encompassing
Instagram as a Subject of Media-Educational Discourse and Dispositif Analysis: A Methodological Framework for the Empirical Exploration of Social Media Spaces
Für die wissenschaftliche Analyse im Kontext Sozialer Medien wird das Forschungsprogramm der Wissenssoziologischen Diskurs- und Dispositivanalyse (WDDA) entfaltet und adaptiert. Nach einer methodologischen Verortung im interpretativen Paradigma werden Diskurs, Dispositiv, Macht und Sozialraum als zentrale theoretische Bezugs-punkte präzisiert. Im Anschluss wird das Forschungsdesign als «fokussierte Diskurs- und Dispositivethnographie» konkretisiert. Die methodische Umsetzung umfasst die heuristische Modellierung von Analyseebenen (symbolisch-inhaltlich, materiell, dualitätsbasiert), die Definition des Datenkorpus sowie die Entwicklung von Kodierschemata. Als empirisches Feld dient das soziale Netzwerk Instagram, dessen Infrastrukturen, Regeln und Praktiken systematisch rekonstruiert werden. Damit wird ein innovativer methodischer Zugang entwickelt, der die Verschränkung von technologischen Artefakten und sozialen Praktiken erfasst und für medienpädagogische Forschung operationalisierbar macht.For scientific analysis in the context of social media, the research programme of sociological discourse and dispositif analysis (WDDA) is developed and adapted. Following a methodological positioning within the interpretative paradigm, discourse, dispositif, power and social space are specified as central theoretical reference points. The research design is then specified as ‘focused discourse and dispositif ethnography’. The methodological implementation includes the heuristic modelling of levels of analysis (symbolic-content, material, duality-based), the definition of the data corpus and the development of coding schemes. The social network Instagram serves as the empirical field, whose infrastructures, rules, and practices are systematically reconstructed. This develops an innovative methodological approach that captures the intertwining of technological artefacts and social practices and makes it operationalisable for media education research
Integral Learning in Organizations Along Collaborations: An Organizational and Media Pedagogical Synthesis of Learning Processes in the Context of Collaboration
Der Beitrag sucht eine Verschränkung von Organisations- und Medienpädagogik über die integrale Betrachtung von Lernprozessen entlang von Kollaborationen als grundlegender pädagogischer Einheit. Genauer geht es um die Synthese in einem Modell, welches Handlungen und Lernen in vier Quadranten betrachtet, Medien als Kooperationstechniken wahrnimmt und Organisationsstrukturen als Medien der Zusammenarbeit begreift. Dazu wird argumentativ darauf hingewiesen, dass die einem integralen Lernen zugrunde liegende Basiseinheit nicht nur analytisch nachzuweisen ist, sondern auch praktisch bzw. als Praktik existieren muss. Der Ansatz transzendiert die normalerweise sowohl in der Organisations- wie auch in der Medienpädagogik skizzierte Dualität von System und Individuum, um die dahinter liegende und pädagogisch zu adressierende Einheit zu zeigen. Chronologisch geht der Beitrag von der frühen Literatur zu Aktivitätssystemen aus. Die Frage kollaborativer Akteur:innen als eigentliche Lernsubjekte ist hier bereits angelegt, der Begriff des kulturellen und reflexiven Lernens wird unterstützend ins Spiel gebracht. Die Mediatisierung von Organisationen liefert anschliessend die strukturellen Voraussetzungen dafür, das Lernen im integralen Modell beschreiben zu können. Am Ende wird über das Modell und in Anlehnung an Giddens’ Theorie der Strukturierung erörtert, wie eine integrale Vorgehensweise beider Disziplinen in Bezug auf die beinhaltende Organisation ansatzweise aussehen und was das für Organisationen insgesamt bedeuten kann. Der Beitrag kann gut an die theoretische Diskussion zu Medienpraktiken und Praktiken ganz allgemein anschliessen, da diese auch durch eine kollaborative Sicht geprägt sind.The article seeks to interweave organizational and media pedagogy through the integral consideration of learning processes along collaborations as a fundamental pedagogical unit. More precisely, it is about the synthesis in a model that considers actions and learning in four quadrants, perceives media as cooperation techniques and understands organizational structures as media of cooperation. To this end, it is argued that the basic unit underlying integral learning is not only to be demonstrated analytically, but has also to exist as practice. The approach transcends the duality of system and individual normally outlined in both organizational and media pedagogy in order to show the underlying unity that can be addressed pedagogically. Chronologically, the article starts from the early literature on activity systems. The question of collaborative actors as actual learning subjects is already raised here, and the concept of cultural and reflexive learning is brought into play to support this. The mediatization of organizations then provides the structural prerequisites for being able to describe learning in the integral model. In the end, the model and Giddens’ theory of structuring are used to discuss what an integral approach of both disciplines might look like in relation to the containing organization and what this might mean for organizations as a whole. The article can be well connected to the theoretical discussion on media practices and practices in general, as these are also characterized by a collaborative view
Digitality as a Formative Context for Organizational Learning: Media Pedagogical and Organizational Educational Perspectives on the Role of Digital Media for Pedagogical Practices in Schools
Ein gemeinsames Desiderat der Medien- und Organisationspädagogik besteht in der Frage nach dem Einfluss der Digitalität auf das relationale Gefüge von Akteur:innen, Praktiken und Orientierungen innerhalb pädagogischer Organisationen. Im Artikel wird dieses Desiderat mit Blick auf die Organisation Schule diskutiert. In der medienpädagogischen Forschung werden sowohl Aspekte der formalen und strukturellen Bedingungen des medienpädagogischen Handelns an Schulen als auch personenspezifische Aspekte im Sinne von Wissen, Praktiken und Orientierungen erforscht. Das wechselseitige Zusammenspiel dieser beiden Bereiche ist bislang aber unzulänglich geklärt. Ausgehend von den organisationspädagogischen Annahmen zum organisationalen Lernen wird ein Analyserahmen konzipiert, mit dem dieses Zusammenspiel beschrieben werden kann. Einen method(olog)ischen Zugang zu diesem Analyserahmen bietet die Praxeologische Wissenssoziologie. Seine empirischen Potenziale werden exemplarisch über eine vertiefende Analyse vorhandener Studienergebnisse diskutiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Digitalität nicht ausschliesslich als unspezifische Irritation auf eine gesamte Organisation zu konzipieren ist, sondern sich ihr prägender Einfluss in Abhängigkeit von Akteur:innenkonstellationen, Wissen und Praktiken in der Organisation konkretisiert.A joint issue of media pedagogy and organizational pedagogy is the question of how digitality influences the relational structure of actors, practices and orientations within pedagogical organizations. The paper discusses this desideratum with regard to the organization of schools. Media pedagogy research examines both the formal and structural aspects of media education in schools and the personal aspects of knowledge, practices, and attitudes. However, the interaction between these two areas has not yet been sufficiently clarified. An analytical framework is developed to describe this interplay, based on the assumptions of organizational education about organizational learning. The praxeological sociology of knowledge provides a methodological approach to analyse this framework. The empirical potential of the analytical framework is discussed on the basis of an in-depth analysis of existing study results. The results show that digitality should not be understood exclusively as an unspecific irritation for an entire organization. Rather, its formative influence materializes in relation to actor constellations, knowledge, and practices in the organization
Social Media Spaces as a Super-Dispositif: The Socio-Technical Construction of Reality
Exemplarisch am Fall Instagram wird gezeigt, wie soziale Medienräume als diskursive und dispositive Strukturen gesellschaftliche Wirklichkeit konstruieren. Die Analyse rekonstruiert zentrale Diskursfelder wie Nutzung, Interaktion, Sicherheit, Datenschutz und Körperlichkeit und legt offen, wie Praktiken und Technologien in diesen Feldern präformiert werden. Diese Konstellationen werden als «Super-Dispositiv» beschrieben, das sowohl materielle als auch symbolische Dimensionen umfasst und Machtwirkungen auf individuelle Selbstbestimmung entfaltet. In der Diskussion werden die Befunde in den medienpädagogischen Kontext eingeordnet: Soziale Medien erscheinen nicht mehr als blosse Kommunikationsplattformen, sondern als komplexe soziale Räume, die Bildung, Sozialisation und Handlungsmöglichkeiten tiefgreifend beeinflussen. Abschliessend wird ein Plädoyer für eine «Soziale Medienpädagogik» formuliert, die Diskurse und Machtverhältnisse sichtbar macht und Wege zu mehr Selbstbestimmung eröffnet.The case study of Instagram shows how social media spaces construct social reality as discursive and dispositive structures. The analysis reconstructs central fields of discourse such as use, interaction, security, data protection and physicality, and reveals how practices and technologies are preformed in these fields. These constellations are described as a ‘super-dispositif’ that encompasses both material and symbolic dimensions and exerts power over individual self-determination. In the discussion, the findings are placed in the context of media education: social media no longer appear as mere communication platforms, but as complex social spaces that profoundly influence education, socialisation and opportunities for action. Finally, a plea is made for a ‘social media education’ that makes discourses and power relations visible and opens up paths to greater self-determination