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Quarantäne in St. Gallen oder: darf ein Christ vor der Pest fliehen?
Wie die COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 zeigt, führen einschneidende gesundheitliche Maßnahmen zu vertieften Diskussionen über den Umgang mit Erkrankten und sogenannten Risikopatienten. Auch in früheren Jahrhunderten boten solche Ausnahmesituationen keine geringe ethisch-moralische bzw. religiöse Sprengkraft. Diese Auseinandersetzung zwischen gesundheitlichen Risiken und religiös geprägter Moral möchte der vorliegende Aufsatz besonders anhand zweier Pesteinfälle im St. Gallen des 16. Jahrhunderts nachzeichnen. Weiter soll dem Leser mittels bisher unediertem Briefmaterial ein anschaulicher Einblick in die Zustände einer Stadt verschafft werden, die von der Pest heimgesucht wird. Im Zentrum stehen die Pestjahre 1519 und 1585, für die jeweils primär ein Brief Zeugnis ablegt. Im älteren, an Joachim Vadian (1483/4–1551) adressierten Schriftdokument vom Juli 1519 erörtert der Theologe Jakob Riner (†1532) in fünf nummerierten Abschnitten die Frage, ob die Flucht vor der Pest das eigene Seelenheil gefährde. Besonders interessant sind die Ausführungen in Anbetracht dessen, dass Vadian im besagten Jahr 1519 trotz seiner abgeschlossenen Ausbildung als Arzt seine verseuchte Vaterstadt für mehrere Monate verlassen hat. Im jüngeren, im August 1585 verfassten Brief schildert der Arzt Albert Blarer (1526–1592) seine Beobachtungen der von der Pest gepeinigten Stadt St. Gallen. Weiter legt Blarer unmissverständlich dar, was er davon hält, in Pestzeiten die eigenen Angehörigen zurückzulassen und selbst das Weite zu suchen
Herbst 1961: Abriss eines Barockpalais
Konstanz wurde erst am Ende seiner österreichischen Zeit zu einem politischen Zentrum, als Maria Theresia am 29. April 1752 Vorderösterreich aus der Unterordnung unter Innsbruck löste und zu einer eigenen Provinz mit Konstanz als Hauptstadt erhob. Die Stadt beauftragte den Barockbaumeister und Erbauer der Wallfahrtskirche Birnau, Peter Thumb, mit der Errichtung eines Verwaltungsbaus. Thumb errichtete 1753/54 dieses Gebäude, sein einzigster Bau in Konstanz, in der heutigen Hussenstraße Nr. 23. 1960 veranlasste der Konstanzer Oberbürgermeister Bruno Helmle den Verkauf dieses Gebäudes auf Abbruch an einen Kaufhauskonzern. Mit einem Federstreich wurde das einzige bauliche Zeugnis einer ganzen historischen Epoche vernichtet
Mein Leben als Michaelsbruder in der badischen Landeskirche - Erfahrungen, Beobachtungen, theologische Einsichten
Seit 50 Jahren gehöre ich, die Probezeit eingerechnet, zur Evangelischen Michaelsbruderschaft. Zehn Jahre war ich Ältester im Konvent Oberrhein, der damals nur Südbaden umfasste und sich meist in Freiburg traf. Geprägt war unser Konvent durch Erich Leinert (1906–1993) und Jörg Erb (1899–1975). Den Weg in die Bruderschaft fand ich durch mein Interesse für die Theologie des Gottesdienstes, vor allem durch das umfassende Werk von Peter Brunner (1900–1981) „Zur Lehre vom Gottesdienst der im Namen Jesu versammelten Gemeinde“ (1954, Neuauflage 1993). Es thematisiert das Gotteslob aller Geschöpfe und auch den Dienst der Engel, und es endet – damals ungewöhnlich für eine evangelische Liturgik – mit einem Eucharistiegebet. Das andere Motiv war das Interesse für die großen Gestalten und Zeugen der Kirchengeschichte, wie sie Jörg Erb in seinen vier Bänden „Die Wolke der Zeugen“ (1951–1963) und in dem Buch „Geduld und Glaube der Heiligen“ (1965) mit großer schriftstellerischer Leuchtkraft dargestellt hat, letzteres mit Kurzbiografien für jeden Tag – jeden Abend lese ich den betreffenden Tagesabschnitt. Besonders stark prägte mich in den Heidelberger Studienjahren das persönliche Wirken von Bruder Albrecht Peters (1924–1987) als unser Freund, Seelsorger und theologischer Lehrer. Schon Ende der 50er Jahre begann er damit, jeden Mittwoch um 7 Uhr früh in der Peterskirche die Evangelische Messe zu feiern; dies geschieht dort, über seinen Tod hinaus, bis heute noch immer
Unumgänglicher Streit und notwendige Vermittlung
In der Reformationszeit wird unaufhörlich gestritten. Wo ist also zu beginnen und wo zu enden, wenn man einen Überblick über Konstellationen des Streits und der Vermittlung zu geben sucht? Zuerst einmal ist in Erinnerung zu rufen, um was es in den Auseinandersetzungen zu allererst ging, was auf dem Spiel stand bzw. worüber sich zu streiten lohnte und eventuell auch noch heute zu streiten lohnt. Sodann werden einige exemplarische Konstellationen des Streits und der Vermittlung erörtert. Dabei stellt sich die Frage, ob man im 16. Jahrhundert überhaupt von expliziten Konzepten
einer Vermittlungstheologie sprechen kann. Schließlich werden einige sehr knappe, zusammenfassende Folgerungen formuliert, die nicht zuletzt die Relevanz des Themas "Unumgänglicher Streit und notwendige Vermittlung in der Reformationszeit" für die Gegenwart erläutern
Adam Bartholomäus - Reformer, Vermittler oder Verräter?
Die großen Jubiläen und Gedenkjahre der Reformationszeit lenken zumeist den Blick auf einige der Hauptakteure, einen Melanchthon oder gar Luther. Leben und Werk der Reformatoren sind nun schon seit Jahrhunderten Gegenstand der Forschung. Umso wichtiger und interessanter scheint es mir, jene Akteure näher zu betrachten, die nicht im Vordergrund standen, deren Namen in kaum einem Standardwerk zu finden sind und doch im Blick auf die tatsächlichen Auswirkungen und Veränderungen nicht zu unterschätzen sind. Zu ihnen gehört Adam Bartholomäus. Was wir über ihn wissen, scheint auf den ersten Blick wenig zu sein; einige wenige Briefe und eine einzige gedruckte Predigt sind erhalten. Ergiebiger sind andere Quellen, vor allem die Akten des Religionsverhörs von 1560, in dem er seinen Lebenslauf und seine Einstellung zu den Grundlehren der Papstkirche darstellt. Dazu kommen einige Nachrichten und vor allem Urteile über ihn, die ihn als eine schwierig einzuordnende Gestalt ausweisen. Das macht ihn aber auch interessant und führt den aufmerksamen Betrachter näher an jene Zeit des Umbruchs, der Veränderung und Neuordnung, wie man die Jahre zwischen 1530 und
1571, die Zeit zwischen dem Augsburger Reichstag und dem Abschluss des Tridentiner Konzils, umschreiben könnte
Die katholischen Stadtpfarrer an der Galluskirche in Ladenburg
Vor der Reformation war die Galluskirche die Hauptkirche der Dekanate Heidelberg und Weinheim. Am 10. Dezember 1556 gab es einen Vertrag
zwischen Kurfürst Ottheinrich und Bischof Dietrich II. von Bettendorf über ein Simultaneum. 1565 wurde die Galluskirche von Kurfürst Friedrich III.
"ausgeräumt" und war von da an reformiert, im Dreißigjährigen Krieg eine Zeitlang wieder katholisch und ab 1649 erneut reformiert. Ab 1694 war die
Galluskirche de facto katholisch, was aber die Reformierten nicht anerkannten. Handgreifliche Streitigkeiten zwischen Angehörigen beider Konfessionen
beendete Bischof Ludwig Anton. Erst 1708 kam ein Vergleich zu Stande. Die Kirche blieb katholisch, die Reformierten bekamen den Mönchhof mit entsprechenden Einnahmen zum Bau einer eigenen Kirche
Katholische Geistliche aus Ladenburg
Aus der katholischen Gemeinde St. Gallus in Ladenburg sind im 19. und 20. Jahrhundert auch einige Geistliche hervorgegangen. Sie sollen hier vorgestellt werden
30 Jahre Rock at Church
Rock at Church feiert 30-jähriges Jubiläum und ist längst fester Bestandteil des Ladenburger Altstadtfestes. Das zweitägige Festival der Evangelischen
Kirchengemeinde Ladenburg ist ein wichtiger Beitrag zur Musikkultur der Stadt und zieht Gäste aus der ganzen Region an. 1991 kamen Jugendliche auf den damaligen Pfarrer an der Evangelischen Stadtkirche, Eckhard Weißenberger, zu, da sie sich angesagte Livemusik am Ladenburger Altstadtfest wünschten und der leere Pfarrhof einen idealen Platz dafür bot. Weißenberger, der stets ein offenes Ohr für neue Ideen und gemeinschaftsfördernde Projekte hatte, unterstützte das Vorhaben. Mit Teamarbeit, Kreativität und Pragmatismus wurde das erste Rock at Church auf die Beine gestellt, wobei ein Traktoranhänger als Bühne für die Musiker diente. Als erstes offizielles Festival gilt der Auftritt beim Altstadtfest 1992
Historische Bilder
Der Bau des Neckarkanals ist eine der größten jemals auf Ladenburger Gemarkung unternommenen Baumaßnahmen. Von Bürgermeister Wilhelm
Fritsch (1880-1967, im Amt 1914-1922) erfolgreich "für Ladenburg gewonnen", wurde der Kanalbau vor Ort in den Jahren 1925 und 1926 umgesetzt
"also dann heissts ihr firling?"
"Meine Großmutter war zweiundsiebzig Jahre alt, als mein Großvater starb. Er hatte eine kleine Lithographenanstalt in einem badischen Städtchen und arbeitete darin mit zwei, drei Gehilfen bis zu seinem Tod. Meine Großmutter besorgte ohne Magd den Haushalt, betreute das alte, wacklige Haus und kochte für die Mannsleute und Kinder." In seiner wohl zumindest ansatzweise autobiografisch gefärbten Kurzgeschichte "Die unwürdige Greisin", deren Eingangspassage wir soeben zitiert haben, hat der im Jahr 1898 in Augsburg geborene und 1956 in Berlin verstorbene Dichter Bertolt Brecht seiner 1839 in Achern (nordöstlich von Offenburg) geborenen und 1919 verstorbenen Großmutter väterlicherseits, die 1865 den aus dem nahe gelegenen Sasbachwalden stammenden Lithographen Stephan Berthold Brecht (1839–1910) geheiratet hatte, ein viel beachtetes literarisches Denkmal gesetzt