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St. Wolfgang Stutensee-Staffort - eine Kirche im Umbruch
Am 2. Februar 2025 jährte sich zum 80. Mal die Bombardierung von Staffort während des Zweiten Weltkrieges, die viele Tote und große Zerstörungen im Dorf zur Folge hatte. Nur drei Monate später endete der mörderische Krieg mit vielen Millionen Toten und Vertriebenen. Auch in Staffort fanden zahlreiche Flüchtlings-Familien, die sich glücklicherweise sehr schnell integrierten, eine neue Heimat. Die Neubürger katholischen Glaubens gründeten eine neue Kirchengemeinde und erbauten die Kirche St. Wolfgang. Die nachfolgende Darstellung zeigt die Entwicklung der katholischen Kirchengemeinde in Staffort und des Kirchenbaus St. Wolfgang
Eine fast vergessene Geschichte aus Ruschweiler
Die 17-jährige Anna Joos, Mädchenname Frirdich - geboren am 15.07.1923 in Ruschweiler - verliebt sich im Kriegsjahre 1941 in ihrem Heimatdorf in den Polnischen Zwangsarbeiter Mirtek. In der Folge werden Mirtek und Anna angezeigt und müssen unter dem Einfluss der NS-Hitler-Diktatur grausame Strafen über sich ergehen lassen. Mirtek wird in Ruschweiler erhängt, Anna erhält Haftstrafe im Konzentrationslager Ravensbrück. Über das Schicksal der
beiden jungen Menschen will keiner sprechen, es gerät fast in Vergessenheit. Einige Dorfbewohner raten, Anna Joos in Heiligenberg zu besuchen. Nach
einer Bedenkzeit entschließt sich der Verfasser, in einem Gespräch die bitteren Erlebnisse von Anna aufzuschreiben und später mit Fakten aus
Aktenzeugnissen und Zeugenaussagen zu vergleichen, um etwas mehr von der bedrückenden Geschichte zu erfahren
Erlebnisse im Krieg und in der Kriegsgefangenschaft 1943-1947
Da meine Sehkraft nachlässt, habe ich mich entschlossen meine Kriegserlebnisse aufzuschreiben. Am 10.1.1943 kam der heiß ersehnte Einberufungsbefehl zum Reichsarbeitsdienst. Im Herbst 1942 hatte ich mich zur Waffen-SS gemeldet. Mein Vater unterschrieb nur unter der Bedingung, dass ich nicht vor meinem Jahrgang eingezogen würde. Und so musste ich vorher zum R.A.D nach Lahr-Dinglingen. Das war für mich eine große Umstellung. Das Essen schmeckte überhaupt nicht. Die Sehnsucht nach Mutters Küche war groß. Aber der Hunger löste dieses Problem bald. Die vielen Appelle mit Schuhen, Bekleidung, Stubenreinigung, Bettenbau, Hockerbau hielten uns auf Trab. Exerzieren, marschieren und immer wieder putzen und flicken gingen uns auf den Wecker. Da war die Begeisterung bald verflogen. Anfang März 1943 ging's dann ab im Güterzug nach Frankreich und wir kamen in der Bretagne an. In der Nähe von Saint-Malo, Festung und Kriegshafen, wurden wir zum Bau von Panzersperren (Schienen einrammen) und zur Entwässerung von Bunkern eingesetzt. Alte französische Gewehre bekamen wir auch. Jeden Tag blieb ein Zug im Lager und wurde militärisch ausgebildet. Fahrräder bekamen wir auch. Für den Ernstfall waren wir zur Verstärkung der Stützpunkte an der Küste eingeteilt
Die St. Martin Kapelle in Judentenberg
Will man die Geschichte der Kapelle St. Martin in Judentenberg erzählen, dann muss ebenfalls über die Menschen berichtet werden, die die Kapelle gebaut, restauriert, geschmückt und finanziert haben. Sie haben in ihrer Kapelle gebetet, gefeiert, getrauert, ihre Toten zu Grabe getragen, und sie haben mit ihr zusammen Zeiten voller Not durchgestanden. Es liegt auf der Hand, dass in der 1000jährigen Geschichte von Judentenberg so manches Ereignis in Vergessenheit geraten ist. Bedeutende Geschehnisse blieben jedoch für immer im Gedächtnis der Menschen im Ort haften, da sie von Generation zu Generation erzählt wurden, was zu Verbundenheit innerhalb der dörflichen Glaubensgemeinschaft beitrug. So soll auch über den Verlust von zwei Seitenaltären von unschätzbarem Wert im Jahre 1919 erzählt werden. Ein Ereignis, das bei den Menschen starke emotionale Reaktionen hervorrief. Kurz vorweggesagt, die St. Martin Kapelle auf dem Judentenberg gehört zu den ältesten Gotteshäusern in Oberschwaben (wie auch die St. Mauritiuskapelle in Waldbeuren). Hervorzuheben ist die gut sichtbare Lage der Kapelle auf dem 750 m hohen Bergrücken, was bei den Menschen in früheren Zeiten die Nähe zu Gott bedeutete. Für den Besucher ergibt sich von der Höhe aus ein herrlicher Rundumblick auf die nähere und weitere Umgebung Oberschwabens bis hin zum Gipfel des Heubergs, der höchsten Erhebung der Schwäbischen Alb. Der Namen Judentenberg stammt nicht von einer ansässigen religiösen Siedlergemeinschaft der Juden, wie oftmals vermutet wurde, obgleich der Namen Judinta oder Judenta
als die Frau aus Judäa gedeutet wird. Vielmehr soll der Ortsnamen von der Heiligen Judith hergeleitet worden sein, der durch die Erzählung im Alten Testament Verbreitung fand. Das Dorf Judentenberg gehörte bis 1971 zur Gesamtgemeinde Ruschweiler und wurde von der heimischen Bevölkerung
Jitteberg, von Beamten der Heiligenberger Obrigkeit oftmals auch Hüttenberg genannt
Gedenken an die Bombardierung von 1945
Staffort, Amt und Schloss der Markgrafschaft Baden Durlach sowie Grenzdorf zum Bistum Speyer und der früheren Kurpfalz, war über Jahrhunderte Ort der Auseinandersetzung über Besitzrechte und Grenzziehungen der Nachbarn. Am 2. Februar 1945 kam es in Staffort zur Nacht des Grauens als eine britische Bomberflotte Tod und Zerstörung in die Dörfer der Hardt brachte. Dass diese Bombenfracht für Karlsruhe gedacht war und eine Revanche für deutsche Angriffe in England war, sei zumindest erwähnt. Der mörderische 2. Weltkrieg, der in allen beteiligten Ländern Tod, Leid,
Verwüstung hinterließ, soll uns Mahnung sein und der Jugend zeigen, dass kriegerische Auseinandersetzung keine Gewinner kennt. Die Stafforter und Büchenauer Veranstaltungen rund um die 80-jährige Wiederkehr des Bombardements will ein Friedensaufruf sein und die Jugend zum Einsatz für den Frieden auffordern bzw. ermuntern
Zur Biografie und zum Schaffen von Giacinto Schiatti - Kapellmeister am Karlsruher Hof im 18. Jahrhundert
Giacinto Schiatti war ein italienischer Komponist und Musiker, der im 18. Jahrhundert am Karlsruher Hof als Geiger und Kapellmeister tätig war.
In dem Lexikon „Musik in Geschichte und Gegenwart“ (MGG) ist kein eigenständiger Artikel über Giacinto Schiatti zu finden; er wird lediglich in zwei Sätzen erwähnt: einmal in einem Gesamtartikel zur Musikgeschichte Karlsruhes und einmal in einem Artikel über Joseph Aloys Schmittbaur, seinem Nachfolger.
Auch in anderen Nachschlagewerken sind nur wenige und teils widersprüchliche Informationen zu seiner Biografie zu finden.
In den verfügbaren Biografien wird angenommen, dass Giacinto Schiatti möglicherweise aus Ferrara stammte und 1776 in Karlsruhe verstarb. Bis zu unseren Recherchen war sein Geburtsdatum nicht bekannt.
In der vorliegende Arbeit unternimmt die Autorin den Versuch, die biografischen Daten von Giacinto Schiatti zu vervollständigen. Zu diesem Zweck wurden Dokumente aus der Lebenszeit Schiattis recherchiert und die biografischen Angaben in gängigen Nachschlagewerken verglichen und analysiert. Die Manuskripte von Giacinto Schiatti, die sich in der Badischen Landesbibliothek befinden, werden aufgelistet. Dabei handelt es sich überwiegend um Werke, in denen die Traversflöte als Soloinstrument eingesetzt wird. Ein Trio in e-Moll für Traversflöte, Violine und Bass wird als Beispiel analysiert. Die Biografie und das Wirken von Giacinto Schiatti scheinen uns wie ein Puzzle zu sein. Die Autorin hat versucht, dieses Puzzle so gut wie möglich zu einem klaren Bild zusammenzusetzen.
Die vorliegende Arbeit wird zudem zahlreiche weitere musikwissenschaftliche Fragestellungen aufwerfen, deren Beantwortung den Rahmen dieser Untersuchung überschreiten würde
Historische Back-Rezepte (143) von Berthold Glaser, Staffort in Baden
Der Familie Glaser waren wir eng verwandtschaftlich verbunden. Elise Glaser war die Tante unserer Mutter. Diese Beziehung wurde gepflegt, zumal die beiden Glaserkinder früh Ihre Eltern verloren haben. Nach dem Tod der Mutter übernahmen die Kinder Ruth und Berthold die Bäckerei und das Geschäft. Berthold, der im Krieg als Bäcker und Koch seinen Dienst tat, musste nach Rückkehr aus der Gefangenschaft zuerst die Bäckermeisterprüfung in Karlsruhe ablegen. Für seine Kuchen und Torten verwendete er gerne das Rezeptbuch seines Vaters, die Verzierung der Torten übernahm seine Schwester Ruth, die mit ihrer Verzierungskunst ortsüberschreitend bekannt wurde. Beide lebten und arbeiteten nur für die "Bäckerei". Im Sommer stand auch noch sonntags der Eisverkauf auf dem Plan. Schon früh wurde ich von Ruth und Berthold für kleine Hilfsdienste eingesetzt. So wurden beispielsweise unverkauftes Brot und Brötchen in einer kleinen handbetriebenen Mühle zu "Weckmehl" verarbeitet und als Paniermehl verpackt und verkauft. Ansonsten waren die Bäckersleute sehr daran interessiert zu erfahren, was es in der Schule und im Dorf an Neuigkeiten gab. Backstube und Laden waren beliebte Orte des Informationsaustausches. Berthold erzählte auch gerne von seinen Kriegserlebnissen als Mitglied der militärischen Küchenmannschaft. Die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes erhielt er, weil er bei einem feindlichen Fliegerangriff das Essen einer Kompanie sicherte. Alle Soldaten begaben sich beim Erscheinen der feindlichen Flieger, in die Schützengräben zur eigenen Sicherheit. Allein Berthold blieb bei den an der "Gulaschkanone" angespannten Pferden völlig ungeschützt und sorgte so für die sichere Nahrungsversorgung nach dem Angriff. Gerne erzählte er auch die Geschichte von einem General, der ihn in der Feldküche besuchte, um ein Testessen einzunehmen. Berthold machte Meldung was als Essen vorbereitet sei und schöpfte aus. Der General quittierte das Essen, das ihm offensichtlich geschmeckt hatte, mit einem: "Gut so - weitermachen". Berthold und Ruth blieben beide unverheiratet. Die Bäckerei und der Kolonialwarenladen wurden mit ihrem Tod geschlossen. Beim Aufräumen wurde das Backbuch von Vater Glaser von der Nachbarin Susanne Hauth gefunden und von Wilfried Süß gesichert
Die Stafforter Pfarrherren und ihre Bedeutung für den Hallelujagürtel der nördlichen Hardt
Im Zusammenhang mit der Erstellung des Ortsfamilienbuchs 2010, das anlässlich der Ersterwähnung des Dorfes Staffort vor 900 Jahren erstellt wurde, war ich auf die Aufzeichnungen der früheren Pfarrer in den Kirchenbüchern angewiesen. Diesen Pfarrern soll mit diesem Büchlein ein Dankeschön für die Sicherung der Stafforter Kirchengeschichte gesagt werden. Die Eintragungen der in der evangelischen Kirchengemeinde verwahrten Bücher waren nicht immer leicht zu lesen. Deshalb war ich damals für die Vorarbeiten der früheren Kirchengemeinderatsmitglieder Wilhelm Otto Hauck und Gerhard Rau sehr dankbar, teilweise sogar darauf angewiesen. Weitere Daten konnte ich dem Archiv der Badischen Landeskirche sowie den Publikationen von Walter August Scheidle entnehmen. Die Bilder entstammen dem Archiv der Kirchengemeinde sowie dem Archiv von Wilfried Süß. Auf der Basis von alten Dokumenten haben mein Enkel Leon Raupp und ich das Aussehen des früheren Stafforter Schlosses so weit wie möglich bildlich rekonstruiert. Unserem früheren Ortsgeistlichen Dr. Holger Müller verdanken wir die Übersetzung des Stafforter Buches in die aktuelle deutsche Sprache sowie seine Arbeiten zur Ausgabe einer englischen Version. Letzteres stand anlässlich der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im September 2022 in Karlsruhe zur Verfügung. Von November 2023 an, war Jörg Seiter Vakanzpfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Staffort-Büchenau. Zum September 2025 trat Dominic Kirchner-Schmidt die Stelle als Gemeindepfarrer, sowie die Beauftragung der Koordination der Seniorenarbeit im neu geschaffenen Kooperationsraum Stutensee-Weingarten an
Der Drache und das wilde Weib aus dem Wigalois
Die Arbeit "Der Drache und das wilde Weib aus dem Wigalois - Beispielhafte Veränderungen in zwei Adaptionen" von Kira Epple untersucht die Veränderungen der Drachen- und Ruel-Episoden im Artusroman Wigalois in verschiedenen Adaptionen. Der ursprüngliche mittelhochdeutsche Versroman des Wirnt von Grafenberg aus dem frühen 13. Jahrhundert wird mit der Prosaversion Wigalois vom Rade aus dem Jahr 1493 sowie einer modernen Comicadaption aus dem Jahr 2011 verglichen. Insbesondere wird analysiert, wie sich die Darstellung des Drachen Pfetan und des "wilden Weibes" Ruel im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Dabei werden sowohl stilistische als auch inhaltliche Anpassungen betrachtet, die durch den Wechsel des Mediums und die veränderten Erwartungen der jeweiligen Rezipient*innen bedingt sind. Themen wie die Funktion der Dunkelheit, die Passivität des Helden, sein Erkenntnisgewinn und die religiöse Dimension des Erzählstoffes stehen im Mittelpunkt der Analyse. Die Arbeit zeigt, dass sich die Adaptionen zunehmend auf eine verdichtete, stärker handlungsorientierte Erzählweise konzentrieren, wobei insbesondere die prosaische Version von 1493 den mittelalterlichen Text in seiner Komplexität reduziert und stärker auf einen christlichen Heilsweg ausrichtet. Der Comic hingegen interpretiert die Geschichte mit modernen Erzähltechniken neu und nutzt die visuelle Ebene zur Verstärkung narrativer Elemente