RegionaliaOpen Badische Landesbibliothek
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Kooperative Bestandserhaltung in Baden-Württemberg
In ihren Bundesweiten Handlungsempfehlungen von 2015
empfiehlt die KEK, für die Sicherung des gedruckten Schrifttums ab 1851 zunächst
die Pflichtexemplarbibliotheken nach heutigen Zuständigkeiten in den Ländern
in Anspruch zu nehmen. Sie sollen unabhängig von historisch tatsächlich gegebenen
Pflichtexemplarregelungen für die in ihrem heutigen Verantwortungsbereich
publizierten Drucke eine Erhaltungsverpflichtung eingehen. Damit wäre
jeweils ein Exemplar der Mehrfachüberlieferung gedruckten Schrifttums im Bundesgebiet
als das prioritär zu erhaltende Archivexemplar identifiziert und zwar
in der Regel dasjenige, das aufgrund einer Rechtsverpflichtung ohnehin aufzubewahren
ist. Das KEK-Projekt Einheitlicher Nachweis hat 2016–2018 ein Datenmodell
für das PICA-Feld 4233 erarbeitet, das eine Struktur für die Dokumentation
von Archivierungsabsprachen bereitstellt und die kooperative Bestandserhaltung
überhaupt erst ermöglicht. Die Badische Landesbibliothek hat im überregionalen
Gesamtsystem der Überlieferungsbildung und -sicherung ihre Verpflichtung bei
den monographischen Titeln und den laufenden Periodika inzwischen eingelöst.
Im Rahmen des Landesprojekts bwLastCopies wurden 549.796 badische Pflichttitel
aus dem Zeitraum 1851–2020 – davon 80 Prozent im BLB-eigenen Bestand
und 20 Prozent in den Beständen anderer Bibliotheken des Landes Baden-Württemberg – im K10plus mit einer Erhaltungsgarantie markiert und damit für die
Zukunft gesichert
Kirchenmusik in der badischen Landeskirche
Abgesehen von kirchenmusikalischen Beiträgen im Umfeld des Hofes oder in bürgerlichen Kreisen der größeren Städte wies die kirchenmusikalische Praxis zur Zeit der Union 1821 mit Blick auf das Orgelspiel und den Gemeindegesang große Defizite auf, die auch das neue Unionsgesangbuch von 1836 nicht auffangen konnte. Das änderte sich erst, als 1880 im Zusammenhang mit der Herausgabe eines neuen Gesangbuchs (1883) ein Kirchenchorverband gegründet wurde, der nicht nur den Gemeindegesang befördern sollte, sondern eine Vielzahl von Kirchenchören überall im Lande hervorbrachte und mit geeigneter Chorliteratur versorgte. Zur gleichen Zeit entstanden auch die Posaunenchöre, die zu einem besonderen Markenzeichen der Kirchenmusik in Baden avancierten. Zur Verbesserung des Orgelspiels wurden Fortbildungsveranstaltungen organisiert, die zur Keimzelle einer Professionalisierung im Bereich der Kirchenmusik wurden. 1919 wurde mit Hermann Meinrad Poppen der erste Landeskirchenmusikdirektor in Baden bestellt, dessen Bemühungen es u. a. zu verdanken ist, dass 1931 in Heidelberg das Kirchenmusikalische Institut (heute Hochschule für Kirchenmusik) gegründet werden konnte. Seit den 1950er Jahren hatte Baden durch bekannte Vertreter des Neuen Geustlichen Liedes wie Martin Gotthard Schneider und Rolf Schweizer maßgeblichen Anteil an der Etablierung des neuen Liedguts in den Gottesdiensten der Gemeinde und im Evangelischen Gesangbuch von 1993
Die Rekonstruktion und Wiederaufsetzung des Observationstürmchens auf der Plattform der alten Mannheimer Sternwarte
Zwischen 2013 und 2016 wurde der Turm der Alten Mannheimer Sternwarte aufwändig nach altem Vorbild restauriert. Den Abschluss der Restaurierungsarbeiten bildete im Oktober 2019 die Wiederaufsetzung des seit 1860 verschwundenen Observationstürmchens. Anhand alter Pläne und Beschreibungen konnte das Türmchen nachgebildet und durch eine großzügige Geldspende realisiert werden. Die Alte Mannheimer Sternwarte, ein kultur- und technikhistorisches Denkmal des 18. Jahrhunderts, besitzt nun wieder seine ursprüngliche Silhouette
Albert Schweitzer, »Ehrenbürger von Königsfeld«
In den Biographien über Albert Schweitzer sind meist nur zwei oder drei Zeilen Königsfeld gewidmet, dem Ort, wo er immerhin 1923 ein Haus baute und wo er häufig während seiner Europa-Aufenthalte wohnte. Er selbst macht in seiner Autobiographie »Aus meinem Leben und Denken« nur eine flüchtige Andeutung, am Anfang des Kapitels XX, das sich auf zweieinhalb Jahre bezieht, Juli 1927 bis Dezember 1929, die er in Europa verbrachte: »War ich nicht auf Reisen, so lebte ich bei Frau und Kind in dem Höhenluftkurort Königsfeld im Schwarzwald oder in Straßburg.
Die badische Landeskirche im Nationalsozialismus
Zeitgenossen und Historiker bezeichneten die Geschichte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus als Kirchenkampf, als Kampf widerchristlicher Kreise in Staat und Partei gegen die Kirche. Diese eindeutige Frontstellung entsprach dem früh gepflegten kirchlichen Selbstbild, aber nicht der historischen Realität. Stattdessen dominierten Widersprüche, die sich theologisch mit Defiziten in der politischen bzw. der Staatsethik erklären lassen, das Bild: weitgehende Zustimmung zur Politik des Regimes und Einspruch gegen die staatliche Religionspolitik, um die Institution Kirche zu erhalten; amtliches Schweigen und individueller Protest gegen staatliches Unrecht; unermüdliches Einfordern von Rechtstiteln durch die Kirche trotz früher eigener Unterdrückungserfahrung und der Tatsache, dass Zusagen von Partei und Staat nur von taktischer Natur und Rechtsbrüche an der Tagesordnung waren
Coronajahr 2020, ein Virus erobert die Welt, Ansichten aus Lahr und Umgebung, Was Querdenken in Zeiten der Pandemie bedeutet
Am 28. Januar 2020 wird in Deutschland der erste Erkrankte aus dem bayerischen Landkreis Starnberg gemeldet: Die neuartige Infektionskrankheit, die ihn befallen hat, bezeichnet die World Health Organization (WHO) am 11. Februar als Covid-19; das dazugehörige Virus erhält den Namen Sars-CoV-2. Im März sterben erstmals Deutsche daran, drei Wochen später gibt es in Italien und Spanien jeweils bereits fast 3500 Tote. Am 22. März einigen sich Bundesregierung und Länderchefs deshalb auf weitreichende Ausgangs-, Reise- und Kontaktbeschränkungen - den sogenannten Lockdown. Gegen diese staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie finden bald darauf in zahlreichen deutschen Städten Protestkundgebungen statt, am 25. April erstmals auch in der Ortenau
Der Bietigheimer Raum in römischer Zeit
Um 90 n. Chr. besetzte Rom den Mittleren Neckarraum und schob seine Grenze bis ans Ostufer des Flusses vor. Von den um diese Zeit zur Grenzsicherung und Erschließung des Hinterlandes errichteten Kohortenkastellen sind für den Bietigheimer Raum die Kastelle Walheim und Benningen die nächstgelegenen. Eroberungskämpfe sind im Zusammenhang mit dieser Expansion vom Rhein zum Neckar weder in schriftlichen Quellen erwähnt noch durch die Archäologie greifbar. Zum einen war die vorrömisch-keltische Bevölkerung in jener Region sehr gering und zum anderen erkannte diese wohl auch rasch die Vorteile, welche die Zugehörigkeit zum Imperium Romanum mit sich brachte. Vor allem der Schutz durch die an der Grenze stationierten Soldaten, die gleichzeitig Abnehmer der landwirtschaftlichen Überschüsse waren, sowie der nun erleichterte Kauf von Waren aus dem Mittelmeerraum, wie etwa Olivenöl oder Wein, dürften die Menschen schnell Rom gegenüber gewogen gemacht haben
Ein Opfer des NS-Regimes?
Vor einiger Zeit übernahm das Kreisarchiv aus der Hauptregistratur des Landratsamts einen größeren Bestand an Altakten der Kommunalaufsicht. Darunter befanden sich auch Personalakten über verstorbene ehemalige Bürgermeister der Kreisgemeinden. Eine erste kursorische Durchsicht ließ vermuten, dass es sich ausschließlich um Akten aus dem Zeitraum nach 1945 handelt. Bei der Verzeichnung des Bestands stellte sich dann jedoch heraus, dass vereinzelt die Akten auch Bürgermeister betrafen, die vor 1945 amtiert hatten. Dies machte neugierig, insbesondere in den drei Fällen, wo die Amtszeit laut Beschriftung des Aktendeckels in den Jahren 1933/34 endete. Der erste und vermutlich auch naheliegendste Gedanke war, dass diese drei Bürgermeister in der Anfangszeit der NS-Herrschaft ihr Amt aus politischen Gründen verloren hatten. Doch bei näherem Hinschauen zeigte sich, dass die Verhältnisse nicht ganz so einfach lagen und – wie im Folgenden am Beispiel des Bürgermeisters Paul Eberle verdeutlicht werden soll – schon gar nicht eindeutig waren
Kinder-"Euthanasie" und das Gesundheitsamt Ludwigsburg
Am 28. April 1948 sandte das Amtsgericht Münsingen ein Schreiben an sämtliche württembergische Gesundheitsämter wegen der »Voruntersuchung gegen Dr. med. Stähle u.a. wg. Mords; hier: Kindereuthanasie in sogenannten Kinderfachabteilungen«. Das Amtsgericht führte seit Juli 1947 die Voruntersuchungen zum württembergischen Grafeneck-Prozess durch, mit dem Anspruch, den Tatkomplex der nationalsozialistischen »Euthanasie« mit den Vorgängen und Verantwortlichkeiten um die Tötungsanstalt Grafeneck möglichst umfassend aufzuklären. Dieser Anspruch umfasste somit auch
die Aufklärung über die Tatbeteiligung der Angeklagten an der Ermordung von Kindern im Rahmen der zentral gesteuerten Kinder-»Euthanasie« in Württemberg in sogenannten »Kinderfachabteilungen«. Die Angeklagten aus dem württembergischen Innenministerium, Eugen Stähle und Otto Mauthe, waren in ihrer Position mitverantwortlich für die Durchführung von Kinder-»Euthanasie« und »Aktion T4«
Die Kurhäuser in Baden-Baden und Wiesbaden
Friedrich Weinbrenners Planungen für das Baden-Badener Kurhaus, das ursprünglich Konversationshaus genannt wurde, reichen bis in das Jahr 1821 zurück. Ausgeführt wurde es 1822–24. Das Kurhaus steht in zweifacher Hinsicht für innovative Entwicklungen in der Kurarchitektur des 19. Jahrhunderts. Unabhängig vom neuen Bautyp, der zunächst in Wiesbaden und dann in Baden-Baden entstand, sind beide Kurhäuser nicht ohne ihre Einbettung in die Landschaft zu verstehen. Der Kurbetrieb in Baden-Baden hatte sich seit der Antike auf das Bäderviertel in der heutigen Altstadt am Hang des Florentinerberges konzentriert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern am anderen Ufer der Oos ein zweites Kurviertel angelegt. Architektur und Kurparks des 19. Jahrhunderts verschmelzen zu einer Einheit. Die in Form von englischen Gärten angelegten Parks gehen nahtlos in die freie Landschaft über. Die Kurstädte sind als urbane Sonderform eine Synthese aus Kurarchitektur und Landschaft. Die neuen Kurgebäude sind nicht ohne ihre Integration in Kurparks verständlich. Das Wiesbadener und das Baden-Badener Kurhaus sind dafür Musterbeispiele