RegionaliaOpen Badische Landesbibliothek
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Winzerhausen und seine abgegangene Nikolauskirche
25 km nördlich der Landeshauptstadt Stuttgart liegt das landschaftlich überaus reizvolle Bottwartal im Nordosten des Landkreises Ludwigsburg. Die
dem Tal von Westen zufließende Kleine Bottwar hat eine weite Bucht geschaffen und lässt die drei landschaftsprägenden Zeugenberge Wunnenstein, Köchersberg und Forstberg besonders markant hervortreten (Abb. 1). Am Nordrand dieser Bucht, am Fuße des 394 m hohen Wunnensteins, hart an der Kreisgrenze zum Landkreis Heilbronn, liegt sanft eingebettet zwischen Reben und Obstwiesen das Dorf Winzerhausen (Abb. 2). Schon der Ortsname verrät, dass es sich bei Winzerhausen um eine Ausbausiedlung handelt, die von einem älteren Mutterort gegründet wurde. Die Endung »-hausen« lässt sich unschwer von Häuser herleiten und bedeutet so viel wie eine feste Wohnstätte. Winzerhausen wurde wohl von Großbottwar aus gegründet, dem seit dem Frühmittelalter bestehenden Hauptort des mittleren Bottwartals. Obwohl man bei dem durch den Weinbau geprägten Ort meinen könnte, dass das Wort »Winzer« sich auf den Berufsstand bezieht, ist dem nicht so. Bei uns in Württemberg heißen die Weingärtner »Wengerter«, Winzer hingegen gibt es im Badischen oder in der Pfalz. Das Dorf wurde 1247 erstmals als »Winzilhusen« erwähnt. Auch Andreas Kieser nennt 1685 den Ort auf seiner Forstkarte »Wintzelhausen«. Ich selbst erinnere mich noch gut daran, wie mein Großvater das Dorf stets »Wentzlhausen« nannte. Nach dem heutigen Forschungsstand kann man davon ausgehen, dass Winzerhausen ursprünglich die Siedlung des Winzo oder des Winzilo war. Deshalb ist die oft gelesene Namensdeutung »Win« von Frühjahrsweide und »Selde« von Hirtenhaus abzulehnen. Neuffer nimmt an, dass diese Siedlungsstelle schon im 6. oder 7. Jahrhundert gegründet wurde, Ziegler hingegen geht vom 8. oder 9. Jahrhundert aus. Sicherlich haben die hier hervortretenden Quellen am Furtbach zur Siedlungsgründung an dieser vor Nord- und Westwinden geschützten Stelle mit beigetragen
Die Badische Landesbibliothek im Großherzoglichen Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz
In den sieben Jahrzehnten zwischen dem Auszug aus dem Schloss und der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, in denen die Großherzogliche Hof- und Landesbibliothek im Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz ansässig war, entwickelte sie sich von einer Hof ibliothek mit begrenztem Nutzerkreis zu einer öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Gebrauchsbibliothek
modernen Zuschnitts. In der badischen Bibliothekslandschaf rangierte sie hinter den Universitätsbibliotheken Heidelberg und Freiburg als drittgrößte Bibliothek; aufgrund der Ausübung regionaler Aufgaben nahm sie die Funktion der Landesbibliothek ein. Im deutschen Bibliothekswesen etablierte sie sich als eine Einrichtung, die sich gegenüber bibliothekarischen
Neuerungen und Reformen aufgeschlossen zeigte und sich an der überregionalen Zusammenarbeit beteiligte
Anmerkung zu Helmut Volk: »Landschaft und Wald auf der Baar und im Schwarzwald seit 5000 Jahren« aus Schriften der Baar, Band 63
„Die extreme Waldarmut“, so liest es sich in Helmut Volks Beitrag, „scheint in Landtafeln und Karten des 17. und 18. Jahrhunderts auf, wird aber von der forstlichen Überlieferung und der Naturschutzliteratur noch nicht gesehen“ (HOCKENJOS 2015, REICHELT 1970). Sollten die Verfasser von „Naturschutzliteratur“, etwa auch die in Klammern genannten Autoren, „die extreme Waldarmut der Baar“ glatt übersehen haben? Ähnlich zugespitzt hat der Autor auch
bereits im Rahmen seines Baarvereinsvortrags am 25. Januar 2017 „Natur oder Kultur? Landschaftsentwicklung Schwarzwald und Baar seit 5000 Jahren“ argumentiert. Er nimmt Bezug auf meinen Beitrag in Band 58 der Schriften der
Baar „Wald und Waldwirtschaft auf der Baar – 3.000 Jahre Waldnutzung“, der ebenfalls auf einem Baarvereinsvortrag (vom 3. Dezember 2014) basiert. Volks Credo: Alles am Wald der Baar und des Schwarzwalds ist anthropogen, alles Kulturleistung – nichts da von Naturwald, wie es die Naturschützer suggerieren wollen! Selbst „die forstliche Überlieferung“ liege da falsch, die Landtafeln und Karten des 17. und 18. Jahrhunderts würden falsch interpretiert oder ignoriert. Die Mitglieder des Baarvereins erinnern sich anders: Günther Reichelt hatte sich schon 1970 intensiv mit der Landschaft der Baar im Spiegel alter Karten auseinandergesetzt und die klimatischen Sonderverhältnisse in dieser Kaltluftwanne auf sehr frühe, womöglich schon bronzezeitliche, spätestens keltische Entwaldungsprozesse zurückgeführt
Neues Leben in der »Alten Säge«
Ein schönes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements bildet die Restaurierung der so genannten »Alten Säge« in Zarten, Ortsteil von Kirchzarten. Nach jahrelangem Stillstand der Säge und zwischenzeitlicher Zweckentfremdung des großen Sägeplatzes als Lagerplatz, auch für privaten Bauschutt und Abfall, haben der Bürgerverein Zarten e. V. sowie die Gemeinde
Kirchzarten als Eigentümer und Finanzier der Maßnahme die Säge und die angrenzende Freifläche zu neuem Leben erweckt. Daran maßgeblich beteiligt waren der damalige Bürgervereinsvorsitzende Bernd Scherer und Bürgermeister Andreas Hall mit seinem Gemeinderat
St. Blasien – ein mondäner Kurort
Die Neubauten im mondänen Luftkurort St. Blasien und ein Kurhausbau im benachbarten Dorf Menzenschwand werden um 1900/1910 im Schwarzwaldstil oder im Schwarzwaldheimatstil erbaut. Wir sind es gewohnt die Bauten dieser Zeit und Stilstufe in der materialgerechten Farbigkeit zu sehen, die vor allem seit den 1930er Jahren üblich wurde: braunes Holz,
grüne Fensterläden, weiß getünchter Verputz und Naturstein in der jeweiligen Eigenfarbigkeit. Für St. Blasien und das benachbarte Dorf Menzenschwand gibt es durch kolorierte Postkarten, einigermaßen tradierte Farbfassungen und einzelne Befunduntersuchungen Hinweise auf eine lebensfrohe Farbigkeit und auf Farbkombinationen, wie sie für den Jugendstil charakteristisch sind. Diese Beispiele werden weiter unten vorgestellt
Die Vier ist eine halbe Acht
Heute steht der Bildstock (347 × 47,5 × 29,5 cm) am westlichen Anfang der Kleingemünder Straße (früher: Hauptstraße). Mit großen, altertümlichen Zahlen gibt er das Jahr seiner Entstehung inschriftlich bekannt: 1478, wobei die zweite Zahl Vier in Form einer halben Acht zu lesen ist; die dritte Zahl in Form eines offenen Dreiecks ist eine damals übliche Sieben, nach links gekippt. Von den stilistischen Eigenheiten der spätgotischen Skulptur des 15. Jahrhunderts ist kaum etwas zu erahnen, was nicht nur durch die wechselhafte Geschichte des Objekts, sondern wohl auch der einfachen künstlerischen Qualität des Bildhauers geschuldet sein dürfte
Die Werke von Horaz
Die Wissenschaftliche Spezialbibliothek des
Stadtarchivs und der Museen Villingen-Schwenningen besitzt eine Inkunabel mit den Werken
von Horaz aus dem Jahr 1498, gedruckt in Straßburg bei Johann Grüninger.
Horaz (v.Ch. 65 – v.Ch. 8) war einer der bedeutendsten römischen Dichter zur Zeit von Kaiser
Augustus.
Dieses Buch kam 1878 durch eine Schenkung
von Pfarrer Johann Oberle (1807 – 1891) aus
Dauchingen in die Altertümersammlung der Stadt Villingen und ist somit Teil des Altbestandes der Archivbibliothek.
Durch einen Zufall wurde im Jahr 2018 eine
Besonderheit in diesem Frühdruck entdeckt, er
enthält überwiegend gedruckte, aber auch handschriftliche Textblätter.
Die ersten gedruckten Bücher in der Zeit von
1454 bis 1500, die man heute als Wiegendruck
oder Inkunabeln bezeichnet, unterscheiden
sich äußerlich kaum von den handschriftlichen
Büchern aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
Discovery of Scolotydaeus tauricus (Kuznetsov, 1973) (Acari, Trombidiformes, Paratydeidae) in a rock-inhabiting crustose lichen in Southwest Germany
Die Milbenspezies Scolotydaeus tauricus, bisher nur bekannt aus Yalta auf der Halbinsel Krim, wurde in einer leprösen Krustenflechte auf dem Berg Königstuhl in Heidelberg gefunden. Dies ist der Erstnachweis der Familie Paratydeidae für Deutschland. Der Adultus, die Larve sowie die Nymphen des Scolotydaeus aus Heidelberg werden beschrieben. Die Jungstadien von Scolotydaeus tauricus sind bis jetzt unbekannt. Aspekte der Taxonomie, Morphologie und Ökologie dieser Art werden diskutiertThe mite species Scolotydaeus tauricus, so far only known from Yalta on the Crimean Peninsula, was found in a leprose crustose lichen on the mountain Königstuhl in Heidelberg. This is the first record of the family Paratydeidae for Germany. The adult, larva and nymphs of the Scolotydaeus from Heidelberg are described. The juvenile stages of Scolotydaeus tauricus are up to now unknown. Aspects of the taxonomy, morphology and ecology of this species are discussed