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Das "Badenfahrtbüchlein" von Georg Pictorius aus dem Jahre 1560 und die Heilbäder in Ettenheimweiler und Mahlberg
In dem "Badenfahrtbüchlein" von Georg Pictorius, das 1560 in Frankfurt erschienen ist, werden insgesamt 38 in Süddeutschland gelegene Badeorte vorgestellt. Auch einige Bäder in der Ortenau sind mit kurzen Texten in diesem Büchlein vertreten. Georg Pictorius war ein deutscher Gelehrter und Arzt. Er kam um 1500 als Sohn eines Metzgers in Villingen zur Welt, besuchte eine Klosterschule der Franziskaner und begann dann an der Universität Freiburg sein Studium. Ab 1529 unterrichtete er Latein in der Freiburger Lateinschule und war später auch deren Vorstand. Seinen ursprünglichen Namen Jörg Maler latinisierte er wie viele andere Gelehrte der Renaissancezeit und nannte sich Georgius Pictorius
Archäologie und Heimatforschung im frühen 21. Jh.
Jedem, der vor Ort forscht, ist sein eigenes Lebensumfeld das Wichtigste – und das ist ja auch gut so. Das kann ein Ortsteil sein, eine ganze Gemeinde, eine Gruppe von Orten, ein Tal, eine ganze Landschaft oder ein Landkreis. Von dieser grundlegenden Identifizierung lebt nicht nur die Heimatforschung, sondern die gesamte Gesellschaft. Hier sucht man seine Wurzeln, findet man seine Grundlage – oder man will sie finden. Der heimatkundlich Interessierte will auch etwas über sein Umfeld wissen, will dessen geschichtliche Entwicklung durch die Zeit kennen. Dem gegenüber stehen jedoch großräumigere, völlig andersartige Strukturen, die sich nicht nur im politischen Raum, sondern auch in der Organisation der Forschung und in den Zuständigkeiten auswirken: die gesamte Welt, die Europäische Union, der Staat, das Bundesland, der Regierungsbezirk, der Landkreis… Diese Strukturen wirken sich auch grundlegend auf die Arbeit in der Heimatforschung und in der Archäologie vor Ort aus
Skriptorien - Bibliotheken - Archive?
Mit den folgenden Ausführungen soll ein beispielhafter Überblick über die spätmittelalterliche Schriftkultur in südwestdeutschen Benediktiner- und Zisterzienserklöstern geboten werden. Der Ansatz dazu ist ein ambitioniert umfassender: Ausgehend von der Schriftlichkeit, von der Textproduktion in diesen Klöstern, soll der monastische Umgang mit diesen Texten und Bildern in seiner Entwicklung und Dynamik über das Spätmittelalter hinweg verfolgt werden. Dabei sollen literarische und liturgische Schriftkultur mit der pragmatischen Schriftlichkeit gemeinsam betrachtet werden, eingebettet in die aktuelle Forschungsdiskussion, die fächerübergreifend die literarische Topographie gerade im deutschen Südwesten und über die Klöster hinaus im Blick hat. Damit werden zeitgenössische Textproduktion, Bibliotheks- und Archivgeschichte verknüpft; die notgedrungen noch vielfach vorläufigen Erkenntnisse sollen zur weiteren Diskussion und Vertiefung anregen
Südwestdeutsche Klöster und Klosterbibliotheken als Produktions- und Überlieferungsorte alt- und mittelhochdeutscher Literatur
Nach der ersten Säkularisationswelle im Zuge der Reformation und einer zweiten als Folge der Napoleonischen Umwälzungen war im Südwesten kaum noch etwas wie ehedem. Die Klöster waren aufgelöst, viele Bibliotheken und Sammlungen zerstreut oder disloziert. Der vorliegende Beitrag führt jedoch in die Zeit davor. Auch will er nicht von der Moderne aus die noch bestehenden oder sicher greifbaren Klosterbestände Stück für Stück durchforsten. Dann würden die deutschen Handschriften etwa aus Beuron, Adelhausen, dem Freiburger Dominikanerkloster, Salem, Zoffingen, Lichtenthal, St. Blasien, St. Peter im Schwarzwald, aus dem Wilhelmsstift in Tübingen, Weingarten, Zwiefalten und vor allem die zahlreichen Klosterfonds in Karlsruhe – Ettenheimmünster, Günterstal, Lichtenthal, St. Georgen, Tennenbach, St. Blasien, Gengenbach, St. Peter, St. Märgen, Wonnental, Reichenau – im Zentrum stehen. Alle rund 300 erhaltenen deutschen Handschriften und Fragmente dieser Klöster sind im Handschriftencensus (HSC) online erfasst, viele von ihnen in gedruckten Katalogen zudem ausführlich beschrieben. Statistisch ergibt sich folgendes Bild: Rund 75 % dieser Manuskripte stammen aus dem 15. Jahrhundert, etwa 15 % aus dem 16. Jahrhundert und ein kleiner Rest aus dem 12. bis 14. Jahrhundert – auch sind es nahezu ausschließlich geistliche Handschriften
Kurpfälzische Pracht und badische Bescheidenheit?
„Man thut dem Hofe sehr unrecht, wenn man ihn einer allzustarken Sparsamkeit beschuldiget“, bemerkte 1784 der brandenburgische Historiker Philipp Wilhelm Gercken nach seinem Besuch in Karlsruhe; Anlass zu diesem Gerücht, so meinte er, habe wohl die Mutter des Fürsten gegeben, „die, bey dem Anfall des Baden Badenschen Landes, die zugleich mitgeerbte enorme Schuldenlast klüglich zu mindern suchte und daher die Sparsamkeit einführte, ohne die der ganze Staat vielleicht zu Grunde gegangen wäre“. Ob der Vorwurf der „allzustarken Sparsamkeit“ in seiner Pauschalität zutrifft, soll hier nicht entschieden werden. Das Motiv der Sparsamkeit drängt sich freilich auf, wenn man beide Hofbibliotheken, die annähernd zu
gleicher Zeit erbaut worden sind, miteinander vergleicht, erst recht, wenn man die beiden Schlösser in die Betrachtung einbezieht: Die Anlage des Karlsruher Schlosses ist wahrlich gegenüber der Dimension in Mannheim „bescheiden“.
Das Adjektiv „bescheiden“ trifft leider aber auch auf die Quellenlage zur Karlsruher Hofbibliothek zu. Zwar gibt es auch über die Mannheimer Hofbibliothek keine monographische Gesamtdarstellung, doch mangelt es insgesamt nicht an Literatur über das Schloss und die Schlossbibliothek. Anders in Karlsruhe, wo keine moderne Baugeschichte des Schlosses, geschweige denn eine Geschichte der Schlossbibliothek existiert. Das gilt auch für das vorhandene Bildmaterial: Beide Schlossbibliotheken existieren heute nicht mehr, beide Schlösser wurden 1944 zerstört, aber vom Mannheimer Bibliothekssaal sind immerhin Vorkriegsaufnahmen erhalten
Der "Kanonenbuckel" in Ebersweier
Gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 versuchte man, um die Stadt Offenburg gegen die neue Bedrohung aus der Luft durch feindliche Bomber zu schützen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Hierzu gehörte neben der Verdunkelung auch die Aufstellung von Flugabwehrgeschützen. Bis November 1917 war in Ebersweier die einzige Flugabwehrbatterie (Nr. 314) stationiert. Dort, wo der Schmiedweg den Ebersweierer Weg kreuzt,
geht’s noch circa 50 m gegen Norden in Richtung Appenweier. Da, 150 m längs, westlich des Wegs, liegt der "Kanonenbuckel",
heute eine Apfelbaumanlage (Männle Heinrich). Die Nordseite dieses Geländes ist auch die Gemarkungsgrenze zu Appenweier. Die Straßenhöhenlage misst entlang des Grundstücks 190 m über NN. Dieser Bereich bildet eine Anhöhe, die obere Riedhalde. Von da blickt man weit über Bohlsbach, Offenburg und Appenweier hinweg in die Rheinebene bis über die Landesgrenze. Auf dieser Anhöhe stand während des Ersten Weltkriegs eine Flugabwehrbatterie, welche die feindlichen Flugzeuge über Offenburg abschießen sollte. Dieses Terrain heißt heute noch bei der älteren Generation unserer Dorfbewohner umgangssprachlich "der Kanonenbuckel"
Die Heilig-Grab-Kapelle der Gengenbacher Klosterkirche - Spiegel einer verworrenen Zeit
Die ehemalige Klosterkirche der Stadt Gengenbach erhielt 1505 auf der Nordseite des Langhauses einen spätgotischen Anbau. Diese Kapelle wurde vom Stifter mit einem prachtvollen "Heiligen Grab" ausgestattet – und war von ihm auch als eigene Grablege vorgesehen und eingeweiht worden. Um ihre Entstehungsgeschichte rankt sich ein höchst ungeordnetes Geschehen, das sowohl die Mönchsgemeinschaft als auch die Stadt in große Bedrängnis brachte. Es begann mit einer Aktion, die der hochgelehrte Humanist Johannes Trithemius (1462–1516), Abt des Benediktinerklosters Sponheim, in seinen Annales Hirsaugienses nach 1509 ausführlich beschrieben hat
Lebensperspektiven im 19. Jahrhundert vor Ort
Die Kirchenbücher mit ihren Informationen zu Geburts- und Sterbedaten, zu Hochzeiten, zu Verwandtschaftsverhältnissen und Patenschaften sind eine Informationsquelle mit unschätzbarem Wert zur Erforschung unserer Vorfahren, der früheren Bewohner unserer Städte und Gemeinden. Es ist da wenig überraschend, dass gerade diese Bücher einerseits unter den verschiedenen Archivalien zumeist die größte Nachfrage erleben, andererseits ihre Sicherung vor Ort oder an zentraler Stelle, zunehmend aber auch als Digitalisat, eine Aufgabe herausgehobener Bedeutung für alle Archive darstellt