RegionaliaOpen Badische Landesbibliothek
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"Aus der Trennung heraus - auf dem Weg in die Vielfalt einer Ökumene der Gaben!"
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Frau Aras, sehr geehrter Herr Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg, lieber Herr Prof. Dr. Maier, sehr geehrter, lieber Herr Dr. Wennemuth, vor 200 Jahren ist unsere Landeskirche gegründet worden. Wir schauen zurück, aber nicht um eine Gründungszeit zu verklären. Wir fragen, woher wir kommen, um daraus Folgerungen für den weiteren Weg unserer Kirche zu ziehen, wohl wissend, dass
entscheidend für unsere Zukunft ist, dass der Geist Christi mit uns geht. Der Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Zeit großer Veränderungen: in Europa, gerade auch hier im deutschen Südwesten, in Baden. Aus der kleinen Markgrafschaft war innerhalb von wenigen Jahren (1803–1806) ein Großherzogtum geworden, das sein Territorium vervierfachte und dessen Bevölkerung um das Achtfache wuchs. Nationalismus und Idealismus, Romantik und Restauration, demokratische Bestrebungen und Sicherung des Feudalismus, reformfreudige Beamte und ein in Bildung und Wirtschaft aufstrebendes Bürgertum rangen miteinander um den Weg in die Zukunft
Die Reise nach Heidelberg
Die theologische Bedeutung von Luthers Heidelberger Disputation am 2. April 1518 und nicht minder die daraus resultierende Wirkung auf die reformatorische Bewegung in Südwestdeutschland sind unbestreitbar. Auf welcher Route der Reformator nach Heidelberg gelangte, mag angesichts dieser Tatsachen von nachgeordnetem Belang sein. Selbst wenn man die Strecke von Wittenberg nach Heidelberg in den Zusammenhang seines Gesamtitinerars stellt, ist das nicht mehr als eine Petitesse in der Vita Luthers, doch auch sie gehört dazu. Über seinen Weg von Wittenberg bis Würzburg gibt es kaum Zweifel. Gut unterrichtet ist man auch über seinen Aufenthalt in der Bischofsstadt. Um in Kürze zu rekapitulieren: Am 15. April kam er zu Fuß in Coburg an, wo er wohl im Franziskanerkloster nächtigte. Am 16./17. dieses Monats übernachtete er im Kloster der Augustinereremiten in Königsberg. Spät abends am folgenden Tag erreichte er Würzburg, wo er ebenfalls im Haus seines Ordens die Nacht verbrachte. Am Abend des 18. April überbrachte er dem Hofmeister Sigmund von Thüngen und Bischof Lorenz von Bibra Briefe seines Landesherrn, des Kurfürsten Friedrich des Weisen, deren Inhalt man nicht kennt. Nachdem Bibra das Schreiben in Händen hatte, ließ er Luther zu sich rufen. Das Angebot Bibras, ihm auf eigene Kosten einen Boten mitzugeben, lehnte Luther ab, da er in Würzburg die Ordensbrüder Leonhard Beier und Johann Lang getroffen hatte, mit denen er die Reise in einem Wagen fortzusetzen gedachte. Am folgenden Tag erhielt er einen bischöflichen Geleitbrief, um dann mit den Gefährten abzureisen
Landesbischof Dr. Ulrich Fischer (11. Februar 1949 - 21. Oktober 2020)
Ich bin Ulrich Fischer in den Achtziger Jahren zum ersten Mal begegnet. Er war damals Gemeindepfarrer in Heidelberg. Engagiert, überaus aufgeschlossen für Neues, mit guten Predigten, ansprechendem kirchenmusikalischem Programm, politisch und parteiisch die strittigen Themen aufgreifend, Heimstatt bietend für Menschen und Gruppen, die andere lieber nicht in ihren Räumen haben wollten. Dieses Profil eines Gemeindepfarrers, der nicht davor zurückschreckt anzuecken, fiel auf, nicht nur mir, der ich gerade in den letzten Zügen meines eigenen Theologiestudiums steckte. So oder so ähnlich könnte ich mir den Beruf eines Pfarrers auch vorstellen, dachte ich damals. An solchen Kolleginnen und Kollegen freue ich mich bis heute. Die Herausforderung, auch im Verbinden und Integrieren verschiedener theologischer und politischer Positionen Wirkung entfalten zu können, war ein Lernprogramm, das Ulrich Fischer eher später, als Dekan in Mannheim, vor allem als Landesbischof in Baden bewusst in sein Handlungsportfolio aufgenommen hat, freilich ohne seine Leidenschaft, politisch klare Akzente zu setzen, dranzugeben. Unvergessen ist etwa sein engagierter Einsatz gegen eine, wie er sagte, „Verdinglichung des Menschen“ in der Ausstellung „Körperwelten“ von Prof. Gunther von Hagens in Mannheim im Jahre 1997
"Der Garten, der in einer schönen Ebene liegt ..."
Beschribung der Gärten bey dem Schloße Balthasarburg zu Rust, ohnweit dem Rhein, in der Reichsritterschaftlich ortenauischen, Reichefreyherrlichen von Boecklinischen Herrschaft. 1789. Unter diesem etwas sperrigen Titel ruht seit mehr als zwei Jahrhunderten im Familienarchiv der Boecklin, das im Staatsarchiv Freiburg deponiert ist, ein 24-seitiges Manuskript. Es sollte augenscheinlich von der Ausdrucksweise, vom Satzbau und von der Lesbarkeit der Handschrift her als Vorlage für eine Veröffentlichung dienen. Diese erschien dann tatsächlich 1790 in Hirsdifelds Kleiner Gartenbibliothek. Ein Autor ist dort leider nicht angegeben, sondern lediglich der Hinweis: Aus Ettenheim eingeschickt. Dieser Text wurde gestrafft, aber auch sprachlich flüssig und gut lesbar gestaltet. Insgesamt aber ist das Manuskript ausführlicher. Der damalige Besitzer von Schloss und Park Franz Friedrich Siegmund August Boecklin (1745-1813), im Familienkreis nur „Friedrich" genannt, hat an der Universität Straßburg Staatsrecht und Geschichte studiert . Daneben besuchte er philosophische, aber auch naturwissenschaftliche Vorlesungen und legte ein Examen in Botanik ab. Infolge seiner Heirat 1765 brach er sein Studium ab und übersiedelte bald darauf von Straßburg nach Rust
Coronajahr 2020, ein Virus erobert die Welt, Ansichten aus Lahr und Umgebung, Kurvendiskussionen
Am 15. März 2020 waren meine Frau und ich trotz Bedenken auf der Feier zum 80. Geburtstag meines Cousins in Durbach. Wir hatten Glück, uns ist nichts passiert. Ein uns bekanntes Ehepaar, beide 71, saßen am 14. März bei einer 70. Geburtstagsfeier auf Burg Windeck mit einem Superspreader im Raum. Die Eheleute, die Jahrzehnte ihres Lebens gemeinsam verbracht hatten, starben beide am 6. April. Im April verstarb auch die Mutter meines ältesten Freundes. Alle drei Covid-19-Opfer starben nicht mit, sondern am Coronavirus - der letzte Satz ist leicht genervt gesprochen sich vorzustellen, da
Corona-Skeptiker diese persönliche Leiderfahrung oft für Betroffene schmerzlich relativieren
Die staatliche Raubaktion 1939 am Vermögen der jüdischen Bevölkerung
Am 20. Juni 1939 erhielt die 81-jährige Professorenwitwe Anna Samuely eine Mitteilung der Heidelberger Stadtverwaltung, in der sie aufgefordert wurde, unverzüglich alle Gegenstände aus Gold und Silber sowie Brillantschmuck, Uhren, Bestecke, Vasen und Münzen von erkennbarem Wert beim städtischen Leihamt abzuliefern. Ihre Wertsachen würden dort amtlich geschätzt werden. Sie erhalte den Taxpreis abzüglich einer Bearbeitungsgebühr. Frau Samuely wusste, was das bedeutete. Die Aktion hatte im Februar begonnen, ein Großteil ihrer jüdischen Bekannten war schon zur Ablieferung vorgeladen worden. Sie wusste auch, dass mittlerweile die taxierten Beträge nicht mehr ausgezahlt, sondern auf ein Sperrkonto gelegt wurden. Sie hatte erfahren, dass Heidelberger Schmuck- und Uhrenhändler, zu deren Kundschaft sie auch gehört hatte, sich im Rathaus zu Auktionen versammelten, um die abgelieferten Wertsachen günstig zu ersteigern. Frau Samuely wurde Opfer einer dreisten staatlichen Raubaktion
Die Zigarrenfabrik und ihr Architekt Fritz Nathan
„Herr Regierungsbaumeister Nathan hat die an ihn gestellte Aufgabe, einen modernen Bau mit allen praktischen, gesunden Einrichtungen versehen zu erstellen, glänzend gelöst.“ Nach der Einweihung der Zigarrenfabrik Hochherr am 9. September 1929 war die Süddeutsche Tabakzeitung voll des Lobes über das Gebäude, das in der Kaiserstraße 78 am damaligen Rand der Weststadt erstellt worden war. Es ersetzte den zehn Jahre zuvor bezogenen Firmensitz in der Brückenstraße 51 in Neuenheim. Auch der Heidelberger General-Anzeiger zeigte sich vom Neubau beeindruckt und hob in seinem Bericht hervor, dass „hier der Geschmack eines modern empfindenden Architekten und der künstlerische Wille einer Fabrikleitung Hand in Hand eine
gediegene Ausdrucksform für den Bau gefunden und gleichzeitig eine reizvolle städtebauliche Aufgabe gelöst haben“
800 Jahre Ziegelhausen
Die erste urkundliche Erwähnung eines Gemeinwesens ist ein wichtiges Datum, doch es sagt nicht viel über die Lebensgrundlagen der Menschen von damals aus. In einer Rückschau fragen wir, was die Natur in einer bergigen, waldbestandenen Landschaft, durch die sich ein Fluss hindurchgegraben hat, den Menschen zum Leben bietet. Bodengegebenheiten, Klima und Bewuchs sind gewiss die natürlichen Voraussetzungen für menschliche Existenz, doch darf die menschliche Kreativität bei der Ressourcenerschließung nicht unterschätzt werden. Die Ziegelhäuser Gegend war Teil der Urgemarkung Handschuhsheim. Diese umfasste das Gebiet an der Bergstraße südlich Dossenheims bis zum Neckar und ostwärts bis zu den Höhenzügen vor dem Steinachtal. Nach dem siebten Jahrhundert löste sich Neuenheim davon ab. Deren Gemarkung reichte den Neckar aufwärts bis zu dem noch nicht namentlich bekannten Ziegelhausen
Schule und Studium im Onlineformat
Von jetzt auf gleich nicht mehr in die Schule zu müssen, nicht einmal mehr zu dürfen - was sich Generationen von Schülern sehnlichst gewünscht haben - wurde im März 2020 für alle deutschen Schüler zur Realität. Dass auch von zuhause weiterhin Aufgaben gemacht werden mussten, trübte die anfängliche Freude über neue Freiheiten, wie das spätere Aufstehen und das tagelange Tragen von Jogginghosen, nur geringfügig. Der Grund für die drastische Maßnahme, das neuartige Corona-Virus, kursierte noch nicht allzu lange in Deutschland und sorgte zunächst in der gesamten Gesellschaft für viele offene Fragen. Wie wirkt sich die Erkrankung aus? Wo und wie kann man sich anstecken, usw.? Wie es nun schulisch weitergehen würde, war eine der großen Fragen, die zu diesem Zeitpunkt vor allem Kinder und Jugendliche umtrieb, aber auch Eltern, die nun auf einmal ihre Kinder den ganzen
Tag selbst betreuen mussten
Wasserland Ortenau - ein Landkreis der Flüsse und Bäche
Der Ortenaukreis ist wahrlich ein Kreis der Flüsse, Achen, Bäche und Auen. Und schon der Kreisname trägt sichtbar das Wasserwort Au am Ende, angefügt an ein keltisches *Morodunum "Burg des Moro" oder nach dem aus Bühl stammenden Namenforscher Albert Greule "befestigte Siedlung am See". Er sieht nämlich im Bestimmungswort Moro keinen Personennamen, sondern ein keltisches Wasserwort "Mori" wie im Ortsnamen Murten (Schweiz), welches er etymologisch gleichsetzt mit lateinisch mare "Meer". Bildete die Kinzig, die bei Offenburg in die Rheinebene floss und fließt, in keltischer Zeit ein "Wassermeer" – vielleicht das große Sumpfgebiet der Kinzig-Murg-Rinne – und war die heutige Kreisstadt Offenburg die Burg gegen diese aus dem Schwarzwald kommenden Wassermassen? Klar jedenfalls ist, dass die Alemannen das Grundwort Morten übernahmen, es vielleicht als Ort an bzw. in einer (großen) Wasserwiese interpretierten, weil sie die keltische Grundbedeutung nicht mehr verstanden und deswegen ihr eigenes Wasserwort Au anhängten