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"Ihre Stellung hier ist aussichtslos ..."
Der nachfolgende Ausschnitt stammt aus einem Manuskript, das der in die USA emigrierte Mediziner Heinz Lichtenstein (1904 –1990) unter dem Pseudonym Martin Andermann für das 1939 initiierte wissenschaftliche Preisausschreiben der Harvard Universität "Mein Leben in Deutschland vor
und nach dem 30. Januar 1933" eingereicht hat. Dabei steht der Vorname Martin für seine Verehrung des Philosophen Martin Heidegger, bei dem er neben dem Brotstudium der Medizin mit großer Leidenschaf t Philosophie gehört hatte, und der sprechende Name Andermann verbirgt seine wahre Identität und weist gleichermaßen auf sie hin. Heinz Lichtenstein wurde 1904 in eine wohlhabende bildungsbürgerliche jüdische Familie als jüngstes von vier Geschwistern in Königsberg geboren. Sein Vater war (ein bekannter) Anwalt und Politiker, seine Mutter eine (ehemalige) Lehrerin. Kant, Schiller
und Goethe gehörten zu den philosophischliterarischen "Hausgeistern und -göttern" väterlicherseits, und durch seine Mutter wurde das Musikalische in Gestalt von Beethoven, Mozart und Schubert eingebracht
Läufer - Mitläufer - Institutsleiter
Wer heute auf dem zentralen Platz des Universitätscampus "Im Neuenheimer Feld" vor der Mensa steht, ahnt nicht, wie dieses Gelände in den 1950er- und 1960er-Jahren aussah. Um zum Tiergarten und zum Freibad zu gelangen, nahm man damals die verlängerte Mönchhofstraße/Tiergartenstraße und erreichte östlich des Botanischen Gartens ein Sportgelände – den Universitätssportplatz. Dazu gehörten ein Stadion entlang der Straße, mehrere Gras- und Aschespielfelder sowie Tennisplätze nördlich der Chirurgischen Klinik. Dieses Sportgelände wurde in Verbindung mit der 550-Jahr-Feier der Universität am 24. Juni 1936 mit den Heidelberger Leichtathletik-Hochschulmeisterschaften und einem Fußballspiel zwischen den Universitäten Frankfurt und Heidelberg eröffnet. Am folgenden Sonntag, dem 28. Juni 1936, fand in Anwesenheit des Reichserziehungsministers Bernhard Rust und des badischen Kultusministers Otto Wacker ein Fußballspiel im Rahmen der Studentenweltmeisterschaften zwischen Deutschland und Ungarn statt. Beim Empfang der beiden Mannschaften am Vorabend im Rathaus beschwor Oberbürgermeister Carl Neinhaus in seiner Begrüßung die Freundschaft und "Waffenbrüderschaft" beider Völker
Die Gründung der Erbhofsiedlung Neurott - ein Stück nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik?
Historisch Interessierte werden bei Heidelberger Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus an die Kasernenbauten der Wehrmacht denken, vor allem aber an die Thingstätte auf dem Heiligenberg und den Ehrenfriedhof oberhalb des Bergfriedhofs. Diese beiden Anlagen wurden in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1936 als "vom Geist des III. Reiches getragene Neuschöpfungen […], aber auch als Musterbeispiele neuer
Baugesinnung" bezeichnet. Weit weniger bekannt sein dürfte ein Bauvorhaben, das in der Zeit des Nationalsozialismus an der äußersten südwestlichen Peripherie Heidelbergs entstand. Am 26. Juni 1938 wurde die zum Stadtteil Kirchheim gehörende landwirtschaftliche Siedlung Neurott eingeweiht. Die neu entstandenen Höfe waren Erbhöfe im Sinne des Reichserbhofgesetzes vom 29. September 1933. Dieses Gesetz atmet in Inhalt und Sprache den Geist nationalsozialistischer Ideologie. Die Eintragung der Höfe der Siedlung Neurott in die Erbhöferolle gem. § 1 (3) Reichserbhofgesetz verknüpfte die Gründung der Siedlung mit der nationalsozialistischen Ideologie. Handelte es sich dabei also wie bei Ehrenfriedhof und Thingstätte um eine vom Geist
des "Dritten Reiches" getragene Neuschöpfung, um ein "Stück nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik"? Darauf versucht der vorliegende Artikel, eine Antwort zu geben
Das Füllhaltermuseum in Handschuhsheim
Am 24. November 2016 wurde das Füllhaltermuseum in Handschuhsheim eröffnet. Die Stadt Heidelberg hatte sich nach einem einstimmigen Votum des Bezirksbeirats und der Verpflichtung des Stadtteilvereins Handschuhsheim, die Trägerschaft zu übernehmen, dazu bereit erklärt, die ehemalige Fahrzeughalle der freiwilligen Feuerwehr im alten Handschuhsheimer Rathaus umfangreich zu renovieren und zu einem örtlichen Museum umzuwidmen. Die Genehmigung begründete sich mit dem Stadtentwicklungsplan, nach dem sich die Stadt verpflichtet, Solidarität und Eigeninitiative, Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement zu fördern. Die Umbaukosten der Stadt wurden auf 248.000 Euro veranschlagt. Der Betrag wurde aus Haushaltsresten des Vorjahres gedeckt. Die Inneneinrichtung mit Vitrinen, Tischen, Stühlen etc. sollte vom Stadtteilverein übernommen werden. Der Verein warb die dafür anstehenden Kosten bei Sponsoren, Vereinsmitgliedern und weiteren Bürgern ein und verpflichtete sich auch zur Übernahme laufender Betriebskosten sowie zur Mietumlage der Räume in diesem städtischen Gebäude. Der Schauraum hat eine Größe von ca. 46 Quadratmetern, daran schließt sich ein kleiner Raum an, der als Werkstatt zur Besichtigung dient. In diesem Raum wurde auch eine Küchenzeile eingebaut. Die Idee und das Ziel dieses Museums sind die Darstellung der Geschichte der Heidelberger Füllhalterindustrie. Da die geschäftlichen Verbindungen nicht an Stadtgrenzen enden, ist auch der Kreis und die weitere Umgebung ins Gesamtbild einbezogen
Der Bodenseeraum im Dreißigjährigen Krieg
In der Geschichte des Alten Reiches ist der Dreißigjährige Krieg ein Zeitabschnitt, der den Bodenseeraum verbindet wie nur wenige andere historische Ereignisse. Nördlich des Bodensees und in Oberschwaben bis hinauf zum Herzogtum Württemberg gehörten die vielen größeren und kleineren Herrschaften zu den Gegenden des Reiches, welche besonders stark von den Kriegsereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Südlich des Sees wurde die Schweiz, die in der allgemeinen Wahrnehmung als strikt neutral gilt, auf vielfältige Weise mit dem Krieg jenseits der Grenze konfrontiert. Deshalb ist der Dreißigjährige Krieg auch zumindest für die Nordschweiz ein wichtiges historisches Thema. Hier wurden entscheidende politische Fragen auf den Prüfstand gestellt: Sollte man sich nicht doch direkt in den Krieg einmischen? Sollte sich eine eidgenössische Stadt dazu hinreißen lassen, sich auf die Seite der eigenen konfessionellen Partei zu stellen? Was sollte man tun, wenn fremde Heere in eidgenössisches Territorium eindringen würden
Momentaufnahmen aus dem Mittelalter
In der Burgenforschung stößt man immer wieder auf Anlagen, die sich durch das Fehlen von Schriftquellen oder archäologischen Funden dem üblichen Zugriff der Wissenschaft entziehen. In diesem Artikel soll versucht werden, einen Teil der Ruinen in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Waldshut sowie im Schwarzwald-Baar-Kreis als unvollendete Burgen zu erklären
"Xerophila brigobannis" oder die Geschichte der Heideschnecken am Bahnhof in Hüfingen
Zu den ehemals heimischen 244 Arten Landschnecken in Deutschland ist auf der Baar fast nichts bekannt. Einzig Robert Lais (1925 und 1928), der zu Beginn des letzten Jahrhunderts über die badische Moluskenfauna publizierte, befasste sich dabei auch am Rande mit den Schnecken der Baar. Da Schnecken nicht sonderlich mobil und hoch spezialisierte Tiere sind, wurden viele Unterarten und sicher ganze Arten unbemerkt für immer ausgelöscht. Gerade Baugebiete und Straßen haben das Potenzial, ganze Populationen von Mollusken zu vernichten
Eine Zugabe zum Quellenstreit
"Endlich offiziell Donauquellstadt", so war die vorweihnachtliche Botschaft auf der Lokalseite des Schwarzwälder Boten am 10. Dezember 2021 überschrieben, mit der die Donaueschinger überrascht und beglückt worden sind. Die Auszeichnung, so war zu lesen, habe Oberbürgermeister Pauly von Innenminister Strobl im Rahmen einer virtuellen Feierstunde erhalten. Es werde damit in besonderer Weise gewürdigt, welchen Stellenwert die Donauquelle seit jeher innehatte. Die Zusatzbezeichnung auf den Ortsschildern der Kernstadt solle nun also dem Highlight im fürstlichen Park weitere Strahlkraft, dem Tourismus der Stadt weiteren Schub verleihen
Die ethnologisch-anthropologische Sammlung der Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen
Die Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen sind vor allem ihrer kunsthistorischen, paläontologischen und zoologischen Bestände wegen bekannt, die in den historischen Räumlichkeiten des 1868 errichteten Karlsbaus präsentiert werden. Dass es aber einst auch eine ethnologisch-anthropologische Sammlung gab, von der heute noch geringe Restbestände vorhanden sind, mag überraschen. Tatsächlich war Donaueschingen im späten 19. Jahrhundert in ein weites Netz von Sammlern und Korrespondenten eingebunden, die Informationen und Objekte aus vielen Weltgegenden zutrugen. Dabei spielte der Baarverein als Schnittstelle zwischen Sammlern, Fürstenhaus und Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Dieses zeitweilige Interesse für die außereuropäische Welt ist vor dem Hintergrund einer allgemeinen Kolonialbegeisterung zu verstehen und lädt damit zur Öffnung eines Kapitels der Regionalgeschichte ein, das bislang wenig Beachtung fand
Karl Zuber (1830-1911)
Venedig, diese faszinierende Stadt am Adriatischen Meer, die von allen Seiten vorn Wasser umgeben ist, war seit langen Zeiten Anziehungspunkt tüchtiger Menschen aus dem Bereich nördlich der Alpen. Bis in das 13. Jahrhundert und noch früher sind Spuren von Menschen feststellbar, die schon bald eine „deutsche Gemeinde“ bildeten. Sie integrierten sich in das Leben der Stadt und wurden so ein wichtiger Bestandteil des international geprägten Gemeinwesens. Dies ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Zunächst waren es Kaufleute, die sich für kürzere oder auch manchmal längere Zeit dort aufhielten, um ihre Geschäfte abzuwickeln. Es folgten Handwerker, die sich in Bruderschaften zusammenschlossen, und Dienstleistungspersonal. Sogar aus deutschsprachigen Regionen stammende Glasbläser ließen sich noch im 19. Jahrhundert in Venedig nieder, um in den Betrieben auf der Insel Murano ihre Existenzen zu sichern. Auch kam es in dieser Zeit zu mehreren Firmengründungen deutschsprachiger Unternehmer. Es waren Einzelpersonen, aber auch ganze Familien, die sich auf den Weg in diese Stadt der Sehnsüchte machten. Mitte des 19. Jahrhunderts war Venedig verhältnismäßig leicht erreichbar, da es schon die ersten Eisenbahnverbindungen in der damals so noch nicht existierenden Nation Italien gab. Die wichtige Bahnstrecke von Mailand nach Venedig wurde am 11. Januar 1846 mit der Errichtung der Lagunenbrücke „Ponte della Liberta“ durch eine habsburgische Eisenbahngesellschaft fertiggestellt. So war es für Karl Zuber, als er sich Mitte der 1850er-Jahre dorthin aufmachte, kein größeres Problem, die Stadt an der Lagune zu erreichen