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Zum Ostturm der ehemaligen Klosterkirche Ettenheimmünster
Kaum etwas erinnert noch an Peter Thumbs gewaltige Klosteranlage, die einmal in Ettenheimmünster gestanden hat. Die spärlichen Überreste, die vereinzelt erhalten sind, lassen nicht wirklich auf die Anlage schließen. Lediglich einige mehr oder minder genaue Gemälde und die Pläne im Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe vermitteln einen Eindruck davon, welche Ausmaße die Benediktinerabtei im Münstertal einmal gehabt haben muss. Ein Modell des Klosters hat vor Jahren Architekt Erich Berblinger im Maßstab 1:200 erstellt. Es ist heute im Ettenheimer Museum zu besichtigen. Zur 1250-Jahrfeier im Jahre 2013 hat Karl-Heinz Häfele gemeinsam mit dem Verfasser den Versuch unternommen, die gesamte Anlage digital wiedererstehen zu lassen. Es entstand ein 15-minütiger Film mit einem Rundgang durch die Gänge der Abtei bis hin zum virtuell wiedererstandenen Inneren der Klosterkirche
Der Schießstandübungsplatz des 9. Badischen Regiments Nr. 170 (1896-1933)
Für das ehemalige Militärgelände (bis 1992) "im Rammersweierer Wald" wurden über 95 Jahre Waldflächen und Ackergelände dreier Gemeinden in Anspruch genommen. Der "Rammersweierer Wald" und die beanspruchten Ackerflächen, die im vergangenen Jahrhundert vornehmlich für militärische
Zwecke genutzt wurden, verdankten diese Nutzung wohl dem dringlichen Wunsch der Stadt Offenburg im 19. Jahrhundert, sich mit dem Attribut Garnisonsstadt schmücken zu dürfen. Fünfmal innerhalb von 20 Jahren bewarb man sich im Kaiserreich um dieses Renommee und erreichte endlich 1898 mit dem Einzug des 170er-Regiments in die zulasten der Stadt erstellten Kasernen dieses Ziel. Für diese "Ehre" spielten die Kosten für die militärischen Bauwerke und Anlagen bei der Mehrzahl der hauptsächlich reichsnationalgesinnten Stadträte eine untergeordnete Rolle. So wurde auch eine Schießstandanlage im Wald auf Gemarkung Bohlsbach, Grundstück-Lagebuch Nr. 2209/3, für das 9. Badische Infanterie-Regiment Nr. 170 bereitgestellt und bis 1898 wurden dafür zwei Hektar Wald verbaut
25 Jahre NABU Dunningen e.V.
Seit der Gründung des NABU Dunningen im Jahr 1997 setzt sich der Verein für den Erhalt einer vielseitigen Natur- und Kulturlandschaft in den drei
Ortsteilen Dunningen, Lackendorf und Seedorf ein. Die Bevölkerung sieht die Aktivitäten überwiegend sehr positiv, da diese auch den Erholungsraum für den Menschen aufwerten. Die Gründung des Vereins erfolgte mit 25 Personen und zwischenzeitlich unterstützen weit über 300 Mitglieder aus der Gesamtgemeinde und den umliegenden Ortschaften die Arbeit des NABU. Sowohl bei konkreten Arbeitseinsätzen als auch in ideeller oder finanzieller Form können wir auf die Mitglieder zählen. Neben der Mitwirkung bei vielen Planungen in der Gemeinde, wurden Vorschläge für sinnvolle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Baugebiete, die Umgehungstraße oder im Rahmen der beiden Flurneuordnungsverfahren eingebracht. Der große Unterschied zu vielen Naturschutzorganisationen besteht darin, dass der NABU Dunningen viele dieser Gebiete im Rahmen von Landschaftspflegeverträgen mit der Gemeinde oder Privateigentümern auch betreut und teilweise selbst bewirtschaftet
Rekonstruktion eines alten Holzäpfelkleidles
Im vergangenen Jahr wurde aus einem Dunninger Haushalt eine Sammlung von mehreren Holzäpfelkleidle zum Verkauf angeboten. Darunter befand sich eine Halbmaske, die zu den ersten dieses Typs gehört. Sie stammt aus dem Jahr 1964 und von dieser Art gibt es nur zwei Exemplare. In den Jahren nach dem Krieg bis zur Gründung der Holzäpelgilde 1965 hatten sich verschiedene Personen an der Gestaltung einer Holzäpfelmaske versucht und dabei die unterschiedlichsten Varianten hervorgebracht. Diese beiden Masken wurden 1964 durch den Schnitzer Josef Tränkle aus Elzach gefertigt und stellen einen Ableger in der Entwicklung der Holzäpfel Halbmaske dar. Im Vergleich zu den folgenden Generationen weist sie eine Besonderheit auf: Die Maske zeigt einen säuerlichen und herben Gesichtsausdruck, welcher durch die in dunklem Grünton gehaltene Bemalung mit Ölfarbe noch verstärkt wurde
Lupenreine Demokraten
Im Februar 1848 bricht in Frankreich die Revolution aus. Studenten, Arbeiter und die National-Garde stürzen den Bürgerkönig Louis-Philippe und errichten die 2. französische Republik. Die 34 deutschen Fürsten befürchteten ein Übergreifen der Revolution auf Deutschland. Dort herrschten ähnlich schlechte soziale und wirtschaftliche Verhältnisse wie im Nachbarland Frankreich: Hungersnot, Grundherrschaft, Leibeigenschaft und Frondienste. Auch im Großherzogtum Baden und im Königreich Württemberg forderten revolutionäre Politiker einen einheitlichen Nationalstaat und die Bildung einer
Volksrepublik. Einer der populärsten und einflussreichsten Kämpfer gegen die Fürstenherrschaft soll hier vorgestellt werden
Wetterbeobachtungen in Seedorf
Ich hätte das Wetterjahr 2021/2022 gerne mit besseren Nachrichten begonnen, doch an Allerheiligen erwartet uns allerhand: Regen, immer wieder Regen! Wer möchte sich da nicht aufregen? Um meinem Bildungsauftrag gerecht zu werden, hier einige Fakten: Beim Regen unterscheidet man gerne nach der Intensität: den kurzen, aber heftigen Schauerregen und den ruhigeren, langanhaltenden Landregen. Große Regentropfen haben Radien von 1-2 mm. Die der Wolkentröpfchen liegen in der Größenordnung von 10-3 cm. Daraus ergibt sich, dass etwa 106 Wolkentröpfchen benötigt werden, um einen Regentropfen zu bilden. Es bleibt festzuhalten, dass ich mich in der kompletten ersten Novemberwoche ausschließlich mit diesem Wetterphänomen beschäftigen konnte. In der zweiten Woche werden wir versöhnt mit wunderschönen sonnigen Tagen (bei nächtlichen Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt). Diese Wetterlage ändert sich erst wieder am Volkstrauertag (14.11.), wo wir bei ekligem, nass-kalten Wetter das Sofa der Walking-Runde vorziehen. Die zweite Novemberhälfte beginnt mit sehr geringen Temperaturschwankungen, das heißt, die maximale Differenz zwischen der niedrigsten und der höchsten Tagestemperatur beträgt teilweise nur 0,8°C (17.11.). Es bleibt regnerisch und
meist nass-kalt. Erst am 19. November öffnet sich der Himmel wieder und lässt die Sonne durchkommen. Wir genießen zwei herrliche Tage und stellen fest, dass der Totensonntag (21.11.) völlig im Nebel versinkt. Dann folgt erstmals Schneeregen und wir bekommen einen Vorgeschmack des Winters. Doch erst am 27. November schneit es richtig heftig (10 cm) und auch die Tage um den ersten Advent bleiben weiß
Treffpunkt im Grünen
Freiburg ist meine Wahlheimat geworden, denn seit über 46 Jahren lebe ich in dieser schönen Stadt. Der Botanische Garten der Universität Freiburg ist – an wechselnden Standorten – 400 Jahre alt. Erstmals wird ein Botanischer Garten am Rande der Vorstadt Neuburg erwähnt. Er wurde durch die riesigen, unter Vauban errichteten Festungsanlagen, denen während der französischen Herrschaft 1677–1697 die Freiburger Vorstädte zum Opfer fielen, zerstört. Dort, wo er sich heute befindet – in Herdern zwischen Oken-, Schänzle- und Lerchenstrasse, angrenzend an die Klinik für Psychiatrie – ist er seit 1912. Im Laufe der Jahrzehnte gab und gibt es immer wieder Umgestaltungen des Gartens je nach wissenschaftlicher Ausrichtung, Änderungen in der Gewichtung von Themen usw. Obwohl nur 2 ha groß, wirkt er durch seine abwechslungsreiche Anlage größer
Die Kirchen der Nachkriegsmoderne in Mannheim
Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte Deutschland einen wahren Boom an Kirchenbauten. In Baden Württemberg sind von 1945 bis 1980 1600 Kirchen gebaut worden, davon mehr als 1000 katholische. Auf Mannheim entfielen 29, davon 12 katholisch und 17 evangelisch. Die Nachkriegskirchen in Mannheim waren, soweit ersichtlich, bisher nicht Gegenstand einer zusammenhängenden Betrachtung. Anlässlich einer denkmalrechtlichen Inventarisierung der Mannheimer Kirchen im Jahr 1980 waren diese Kirchen nicht berücksichtigt worden, die damalige Bewertungsgrundlage galt als zu unsicher. 2008/2009 erfolgte schließlich eine Nacherfassung, die dazu geführt hat, dass etliche dieser Kirchen unter Denkmalschutz gestellt wurden. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg hat vor kurzem zwölf herausragende Beispiele solcher Kirchen näher untersucht und vorgestellt, zwei davon sind in Mannheim. Das dazu erschienene Heft präsentiert höchst vielfältige, manchmal geradezu aufregende Architektur. Dabei fällt eine außerordentliche Vielfalt von Stilen und Stilmerkmalen auf. Bedeutet das, dass die Architekten in Bezug auf die Gestaltung völlig frei waren, oder gab es nicht doch, da es sich um Sakralbauten handelt, zumindest Anhaltspunkte oder gar Vorgaben für die bauliche Gestaltung? Derartiges könnte sich aus der biblischen Überlieferung ergeben, darum folgt zunächst ein Blick auf sie
Jakob Lindau aus Heidelberg und die katholische Casino-Bewegung
Jakob Lindau aus Heidelberg, "Kaufmann am Markt", gilt als maßgeblicher Begründer und Organisator des politischen Katholizismus. Unter seiner Führung entwickelte sich der katholische Widerstand gegen die badische Schulpolitik der 1860er-Jahre. Dass die Formierung dieser Opposition eng mit Heidelberg verbunden ist, bildet ein bemerkenswertes Gegengewicht zur überwiegend protestantisch-liberalen Prägung des Heidelberger Geisteslebens im 19. Jahrhundert
(K)ein Ehrengrab für Carl Neinhaus?
Wer wusste bis zum Frühjahr 2021 schon, dass es in Heidelberg die Institution des „Ehrengrabes“ gibt, d.h. dass die Grabstätten verdienter Bürger durch die Stadt gepflegt werden? Carl Neinhaus (1888–1965) war diese Ehre 1965 unter seinem Nachfolger Robert Weber zuerkannt worden. 2007 hatte der RNZ-Redakteur Fritz Quoos eine Serie über „Städtische Ehrengräber“ veröffentlicht und in Folge 10 über „Carl Neinhaus – ein umstrittener OB und Politiker“ berichtet, ohne dass dies eine öffentliche Debatte ausgelöst hätte. Wie der Titel besagt, war die Zeit der vorbehaltlosen Erinnerung an Neinhaus vorbei; auf dessen problematische Rolle im Dritten Reich ging Quoos mit Verweis auf die Forschungen von Frank Moraw allerdings nur am Rande ein