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Vereint in normativen Freiräumen
In seiner 1978 erschienenen Monographie zu klösterlichem Leben in der Bodenseeregion lässt Arno Borst den Radius seiner Untersuchung nicht am direkten Seeufer enden. Seinen Beispielen Konstanz, Reichenau, Lindau und Mainau, die direkt am oder im See liegen, stellt seenahe Klöster wie St. Gallen, Salem, Ravensburg, Reute und Schaffhausen nebenan, um dann mit Buchau und Einsiedeln noch zwei prominente Klöster zu diskutieren, deren Nähe zum Bodensee noch mit wohlwollenden 75 Kilometern Luftlinie zu bemessen ist. Die spätmittelalterliche Klosterregion Bodensee definiert sich also nicht nur über ihre geographische Nähe, sondern auch im Spiegel ihrer historischen Entwicklung. So besass nicht nur die Reichenau Grundherrschaften im heute schweizerischen Hinterland und gründete dort Filialen wie das besagte Kloster Einsiedeln. Aus dem zisterziensischem Salem gingen die Klöster Tennenbach bei Freiburg (Breisgau) und Wettingen im Kanton Aargau hervor, aber auch Frauenklöster wie Boos und Baindt in Oberschwaben
Bibliophile Kostbarkeiten im Stadtarchiv Markdorf
Im Jahr 1950, pünktlich zum Fest des 700-jährigen Bestehens der Stadt Markdorf als Stadtgemeinde, verfasste Dr. Martin Wellmer vom Staatsarchiv Freiburg einen Artikel über die 700-jährige Stadt und ihre alten Rechte. In der Zeit zuvor hatte er das Stadtarchiv neu geordnet, Regesten der Urkunden angefertigt und die Akten, Bücher, Pläne und Sammlungen neu verzeichnet. Dabei erfasste er auch die Werke des Jesuitenpaters Jakob
Gretser sowie weitere Bücher aus dem Umfeld Jakob Gretsers im Jesuitenorden. Wellmer verzeichnete nur die Titel dieser Bücher. Um die Werke Gretsers besser zu verstehen, die mit wenigen Ausnahmen fast alle in lateinischer Sprache geschrieben sind, habe ich im Jahre 2020 die bibliographischen Angaben erweitert, eine kurze Inhaltsangabe sowie Informationen über die Hintergründe der meist ausschließlich kontroverstheologischen und apologetischen Werke hinzugefügt. Dies soll auch etwaigen Benutzern dieser Bücher zu Gute kommen, um einen schnellen Überblick über die Themenkomplexe zu erhalten, mit denen sich Gretser beschäftigte. Darüber hinaus lässt sich aus den Gretsers Werken beigefügten Widmungen an verschiedene Zeitgenossen erkennen, in welchen Kreisen sich Gretser bewegte. Nicht zuletzt lässt sich einigen der Bücher entnehmen, auf welchem Wege sie nach Markdorf kamen und inwieweit Gretser selbst daran mitwirkte
Freie Ärzteschule, Ärzte und Naturforscher
Die von dem Zürcher Chirurgen und Medizinhistoriker Alfred Brunner (1898–1972) erst 1970 ausführlich beschriebene Schaffhauser Aerzteschule nimmt in der Geschichte der Medizin des 17. Jahrhunderts eine Sonderstellung ein, deren Leistungen heute ein wenig in Vergessenheit geraten sind. Zumindest ist in Ärztekreisen »nicht allgemein bekannt, dass im 17. Jahrhundert in Schaffhausen eine eigentliche Aerzteschule bestanden hat«. Diese freie, außeruniversitäre Vereinigung einer Handvoll Stadtärzte bleibt dennoch mit ihrer bahnbrechenden Forschung auf den Gebieten der Anatomie,
Physiologie, Pathologie, Pharmakologie und Hygiene in ihrer Blütezeit zwischen 1647 und 1695 selbst im europäischen Maßstab ohne Vergleich. Ihre wichtigsten Protagonisten Johann Jacob Wepfer, Johann Conrad Brunner, Johann Jakob Peyer und Heinrich Screta lebten im 17. Jahrhundert, lange vor der Zeit, als die Hauptvertreter der sog. »philologischen Medizin« von Adam Weikard Melchior 1776 beschrieben worden waren. Es war nämlich noch nicht so lange her, dass die vorangegangenen Generationen von Medizinern des Humanismus sich meist nicht sonderlich für die Naturwissenschaft interessierten und sich in die literarischen Studien der Werke der griechisch-römischen Autoren (Hippokrates, Theophrastos, Galen und Plinius) mehr vertieft hatten, als in ihren praktischen Heilberuf. Diese Mediziner als Polyhistoren wählten auch später noch humanistisch-lateinische Namen, missachteten Petrarcas »Invective« gegen die ärztliche Schriftstellerei, waren fleißige Vielschreiber und, da der griechischen, lateinischen und
hebräischen Sprache mächtig, eifrige Sammler verschollener Schriften des Altertums. Sie stellten Kommentare, Exzerpte und Synopsen zusammen oder schrieben selbst Gedichte und Epitaphen in diesen »toten« Sprachen. Ihr dem Fortschritt der Medizin abwegiger und rückwärts gewandter Weg schuf selten mehr als mittelmäßige Werke, auch wenn sie wie Joachim Vadian (1484–1551) aus St. Gallen in Wien oder Balthasar Brunner (1540–
1610) in Jena berühmte Gräzisten, Latinisten und Poeten waren
Wetter und Klima in Dunningen
Die professionelle Wetterstation der Gemeinde Dunningen ist nun seit über zwei Jahren im Dauereinsatz und liefert zuverlässig die Wetterdaten. Die Wetterdaten können weltweit jederzeit abgerufen werden. Am besten man installiert dazu die Dunninger App auf dem Handy oder ruft die Wetterseite der Homepage der Gemeinde Dunningen auf. Die Daten werden zusätzlich der Wetterwarte Süd (www.wetterwarte-sued.com) mit Sitz in Bad Schussenried zur Verfügung gestellt. Diese nutzt sie für die tägliche Wettervorhersage für die Regionen Oberschwaben, Schwaben, Bodensee, Allgäu, Linzgau, Hegau, Baar und Schwäbische Alb. Über das Wetterarchiv der Homepage der Wetterwarte Süd gibt es die Möglichkeit rückwirkend alle Daten nachzuschlagen. Das Jahr 2022 ist seit dem Beginn meiner Wetteraufzeichnung 2003 mit 10,1°C Durchschnittstemperatur das wärmste Jahr. Der bisherige Rekord von 9,9°C vom letzten Jahr wurde um 0,2°C übertroffen. Folgende Grafik zeigt deutlich, dass die Jahresdurchschnittstemperatur in Dunningen tendenziell steigt
Ueber den Einfluß der Naturwissenschaft auf das gesammte Staatswohl
Seit 1806 gehört Baden zu dem von Napoleon initiierten Rheinbund. Karl Friedrich, geboren 1728, ab 1771 Markgraf von Baden und ab 1803 auch Kurfürst des hl. Römischen Reichs, avancierte 1806 zum Großherzog von Baden. Er starb 1811. Leider wird dessen Regierungsarbeit ab 1806, abgesehen von den vielen schmerzlichen Spuren vergangener Kriegsjahrzehnte, ganz empfindlich von der von Napoleon für die Rheinbundstaaten verhängten Kontinentalsperre gegen den Handel mit Großbritannien beeinträchtigt. D.h. die meisten sogenannten "Kolonialwaren" sind in Zentraleuropa für die "normale" Bevölkerung entweder unerschwinglich oder überhaupt nicht erhältlich. Dieser Umstand war für Gmelin wahrscheinlich die Hauptmotivation, das vorliegende Buch 1809 zu veröffentlichen. Das Stichwort "Staatswohl" im Buchtitel verrät aber auch, wen Gmelin ganz besonders ansprechen möchte, nämlich die Regierenden im Land Baden, letztendlich das Umfeld von Großherzog Karl Friedrich. Um zu beurteilen, inwieweit die Ratschläge aus dem Buch bei den Regierungsverantwortlichen angekommen sein könnten, oder auch nicht, sollte die Vorstellung, wie der Großherzog in politischen Dingen "tickt", vielleicht doch etwas weiterhelfen. Aus diesem Grunde befindet sich im Anhang dieser Buchausgabe ein Artikel von Markgraf Karl Friedrich, den dieser im Jahr 1770 auf Französisch verfasste, und in dem er seine Vorstellungen zur Politischen Ökonomie nach der physiokratischen Schule formuliert
Vorläufige Nachricht von einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen und Beobachtungen
Kölreuter, 1733 in Sulz am Neckar geboren, studierte Medizin in Tübingen und Straßburg. Nach seiner Promotion 1755 reiste er nach St. Petersburg als Adjunkt der kaiserlichen Akademie der Wissenschaft für Naturgeschichte und betrieb dort zoologische und botanische Forschungen (später wird er von der Zarin Katharina II zum Mitglied der St. Petersburger Akademie ernannt). Wegen seiner Kreuzungsversuche an Pflanzen (Bastardisierungsversuche) gewinnt er 1759 einen von der St. Petersburger Akademie ausgelobten Preis – denn er konnte als erster Wissenschaftler beweisen, dass Pflanzen eine Sexualität besitzen, und dass die genetischen Merkmale von Vater- und Mutterpflanze in gleichem Maße weitergegeben werden. Circa hundert Jahre später verwendete Gregor Mendel Kölreuters Erkenntnisse, um seine berühmten Vererbungsregeln zu formulieren. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1761 veröffentlichte Kölreuter den ersten Band seiner "Vorläufigen Nachricht". Er erwarb sich dadurch den Titel eines Herzogl. Württembergischen Professors der Naturgeschichte. Die weitere drei Folgebände veröffentlichte er 1763, 1764 und 1766. 1763 wurde er von Markgraf Karl Friedrich zum Aufseher und Direktor der fürstlichen Gärten als "Rat und Professor der Naturgeschichte" nach Karlsruhe berufen
Moorbirke - Baum des Jahres 2023
Für dieses Jahr haben sich die Kuratoren des Fördervereins Baum des Jahres e.V. etwas Ausgefallenes einfallen lassen in ihrem Bemühen um Aktualität. Denn bei ihrer Wahl haben sie für Baumfreunde einen Fallstrick eingebaut: Wem ist der Baum des Jahres 2023 je als eigenständige botanische Art aufgefallen, wer hat sich bemüßigt gesehen, die Moorbirke (Betula pubescens) eindeutig zu identifizieren und von der gemeinen Birke (Betula pendula) zu unterscheiden, die hierzulande – ganz nach Belieben – auch als Hänge-, Sand-, Weiß- oder Warzenbirke bezeichnet wird? Aber weil gegenwärtig die Klimakrise und mit ihr auch die Moore als wichtigste CO2- und Wasserspeicher in aller Munde sind, musste es halt die Moorbirke sein. Dabei tun sich selbst botanische Experten oft schwer damit, sie eindeutig zu bestimmen, denn ihre Merkmale (keine hängenden letztjährigen Triebe, behaarte Blattstängel und -aderung, zumeist dunklere Färbung des Stammes, sperrigere Aststellung) verwischen sich oft mit zunehmendem Alter, und obendrein kommt es auch noch zu Bastardisierung
Über hundert Jahre älter als die Kirche
Seit 1972, also seit fünfzig Jahren, erklingt in der Kuhbacher Pfarrkirche eine Orgel, die mehr als hundert Jahre älter ist als die 1908 erbaute Kirche. Erbaut 1794 vom Rastatter Orgelbauer Ferdinand Stieffell für die evangelische Kirche in Liedolsheim (heute Teilort von Dettenheim, Kreis Karlsruhe), wurde sie dort Mitte der 1960er Jahre abgebaut, weil sie nicht mehr instandgesetzt werden konnte, heißt es in der Festschrift zum 250-jährigen Bestehen der Kirche 1987. Warum konnten die Kuhbacher die Orgel restaurieren und die Liedolsheimer nicht? Und wie kam die Orgel überhaupt nach Kuhbach, noch dazu in eine katholische Kirche? Das versucht dieser Beitrag nachzuvollziehen, dessen Informationen vor allem auf Zeitzeugenerzählungen, Zeitungsberichte und Unterlagen der Kirchengemeinde zurückgehen