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Die Lust zum Rebellieren
Jahrhundertelang stritt sich die Gemeinde Rappenau mit ihrer Ortsherrschaft um Feudallasten und Abgaben. Rappenaus Grundherr Weiprecht von Gemmingen beklagte 1675 frustriert die Rappenauer "Lust zum Rebellieren". Der traditionelle Widerstand vieler badischer Gemeinden gegen die "Herren" im Ort richtete sich ab 1806 auch gegen eine Bevormundung seitens der neuen badischen Bürokratie. Rebellisch war deshalb auch 1828 das eigenmächtige Aufstellen von Solewannen auf dem Gelände der Rappenauer Saline durch einen Arbeiter. Die Wannen nötigten den Amtmann aus Neckarbischofsheim zu einer Untersuchung; denn ein offizieller Kurbetrieb bedurfte einer Genehmigung. Eine solche mussten die Rappenauer erst gegen die Einwände der badischen Bürokratie erkämpfen, bis schließlich 1834 das offizielle "Sophienbad" eröffnete. Auch nach der Anerkennung blieb der Badebetrieb ein Zuschussgeschäft. Weder das Namenspatronat der Großherzogin Sophie noch ein Besuch des Großherzogs Leopold vor Ort
im Jahr 1837 brachten die Regierung dazu, das "Sophienbad" finanziell zu unterstützen. Als 1849 in Baden die Revolution offen ausbrach, hatten die Rappenauer Aufständischen besondere Gründe, rebellisch zu sein
"Das Land zerstampft, das Haus verbrannt."
In den meisten Chroniken und Abhandlungen zur Orts- und Regionalgeschichte Brettens ist über das Schicksal der Stadt und seiner Bürgerinnen und Bürger während des sog. Dreißigjährigen Krieges in der Zeit zwischen 1618 und 1648 nicht viel zu lesen. So heißt es z.B. in G. Ginter's „Chronik von Bretten“ aus dem Jahr 1967 recht lapidar: „Besondere Einzelheiten über Geschehnisse in Bretten während des Krieges sind uns nicht überliefert. Es darf wohl gesagt werden, daß im ganzen gesehen die Stadt erträglich durch die Wirren dieses längsten aller Kriege kam.“ Wenn auch die historische Quellenlage aus
dieser Zeit in Bezug auf Bretten alles andere als befriedigend ist, so weiß man heute doch: Ganz so erträglich war es leider nicht. Es mag stimmen, dass das damals kurpfälzische, protestantisch-reformierte Bretten (bzw. „Breteheim“) in der ersten Hälfte dieses Krieges und im Schnitt deutlich weniger gelitten hat als die meisten anderen Städte und Dörfer der rechtsrheinischen Pfalz und des Kraichgaus, aber insgesamt hat auch die Melanchthonstadt bluten und leiden müssen
A new genus of mite: Albertibarbutia gen. nov. (Acari, Trombidiformes, Barbutiidae)
Die Milbenspezies Barbutia arasbaraniensis Mohammad-Doustaresharaf & Bagheri, 2021, bisher nur bekannt durch vier Exemplare aus dem Iran, wurde in einer felsenbewohnenden Krustenflechte auf dem Berg Königstuhl in Heidelberg entdeckt. Sie wird als die Typusart des neuen Taxons Albertibarbutia gen. nov. designiert. Basierend auf dem neuen Fundmaterial wird ihre Beschreibung ergänzt und Facetten ihrer Taxonomie und Morphologie werden diskutiert. Die Homologien der Borsten und Solenidien der Beine sowie der Pedipalpen von Albertibarbutia werden dargestellt. Die Familie Barbutiidae Robaux, 1975 wird neu diagnostiziert, ihre phylogenetischen Beziehungen werden besprochen und sie wird hier erstmalig für Deutschland nachgewiesen.The mite species Barbutia arasbaraniensis Mohammad-Doustaresharaf & Bagheri, 2021, until now only known from four specimens from Iran, was discovered in epilithic crustose lichen on the Königstuhl mountain in Heidelberg in Germany. It is designated as the type species of the new taxon Albertibarbutia gen. nov. Based on the new collection material, a supplementary description of the species is provided and facets of its taxonomy and morphology are discussed. The homologies of the setae and solenidia of both the legs and the pedipalps of Albertibarbutia are indicated. The family
Barbutiidae Robaux, 1975 is rediagnosed, its phylogenetic relationships are commented on and it is here recorded for Germany for the first time
Die Heidekraut-Bunteule Anarta myrtilli (Linnaeus, 1758) im mittleren Neckarland
Anarta myrtilli ist eine klassische und unverwechselbare tagaktive Eulenfalterart der Calluna-Heiden. Im südwestlichen Deutschland kommt sie lokal in den subatlantischen Sandginster-Heiden der Oberreinebene sowie etwas weiter verbreitet in den Bergheiden des Schwarzwalds und in zwergstrauchreichen Hochmooren des Alpenvorlands vor. In der Roten Liste Baden-Württembergs wird sie in der Vorwarnliste geführt (Ebert et al. 2005)
Graffitis auf dem letzten Weg der SABA
Lokalpolitik, Presse und die Menschen in Villingen verfolgten über Jahrzehnte den Niedergang des Unternehmens, das einst zu den führenden Weltmarken der Phonoindustrie zählte und einer der größten Arbeitgeber der Region war. Die letzten Gebäude des Großunternehmens fallen in diesem Jahr der Spitzhacke zum Opfer, auf dem einst großen Betriebsareal entsteht einer neuer Villinger Stadtteil. Doch vor dem letzten Akt der sichtbaren Unternehmensgeschichte wurden die letzten Fabrikgebäude noch zur Kunstkulisse, zu Projektionsflächen von Ideen lokaler Künstler, die den alten Gemäuern einen letzten Glanz verleihen
Das Projekt "Oberrheinische Kulturplattform"
Wiederaneignung bezeichnet wohl am besten das Anliegen des Projektes "Oberrheinische Kulturplattform". Es handelt sich um eine doppelte Wiederaneignung. Auf elsässischer Seite die Wiederaneignung der regionalen Sprache und Kultur, auf badischer Seite um die Wiederaneignung gemeinsamer Geschichte und Kultur. Das ambitionierte Projekt erfordert wegen seiner Vielschichtigkeit eine nüchterne Bestandsaufnahme der Sprachkompetenz, der politischen Lage, der medialen und kulturelle Kommunikation. Nach dem gegenwärtigen Stand kann die Kulturplattform in der Anfangsphase zunächst nur durch Veranstaltungen und Publikationen für die Projekte Regionalsprache/Regionalkultur im Elsass und gemeinsame Geschichte und Kultur am Oberrhein sensibilisieren. Sollte es sich bei der angekündigten "Kulturplattform" nicht nur um eine bloße Ankündigung handeln, ist es notwendig, sich um die Realisierung Gedanken zu machen. Vor allem ist zu präzisieren, welche Kultur gemeint ist
Der Lahrer Stadtpark - ein unerwartetes Geschenk
Gleich nach dem Betreten des Stadtparks unterrichtet eine Tafel den Besucher darüber, wie der Park im Jahr 1875 überraschend den Bewohnern Lahrs zur öffentlichen Nutzung zugefallen ist. Christian Wilhelm Jamm wurde 1809 in Lahr geboren als Sohn eines Schlossers, machte eine Ausbildung zum Textilhandelskaufmann, ging nach Havanna auf Kuba und gründete dort, noch nicht dreißigjährig, sein eigenes Handelsunternehmen. Er agierte so erfolgreich, dass er 1861 seine Firma verkaufen und als gemachter Mann nach Europa zurückkehren konnte. In Paris lernte er Amélie de Cantillon kennen und warb um sie, die zur größten Enttäuschung seines Lebens werden sollte: Er hatte in Lahr einen Lindengarten erworben und von französischen Architekten um 1860 eine stattliche Villa erbauen lassen. Im großzügigen Garten ließ er exotische Bäume anpflanzen und ließ ihn ausstatten mit Grotte, Pavillon, Weiher und Gewächshäusern. Immer wieder versuchte er, in Paris die umworbene Amélie zur Heirat in Lahr zu bewegen. Dieser Wunsch blieb ihm unerfüllt. Er starb mit 66 Jahren 1875 in Lahr. In seinem Testament hat er die Lahrer Bürgergemeinde als Haupterbin seines großen Vermögens eingesetzt. Gleichzeitig verfügte er die Erweiterung und Pflege des Parks sowie die Erbauung der Christuskirche neben dem Stadtpark, in der sich auch seine Gruft befindet
Baden-Baden - die Stadt als Gartenreich
Dass das Besondere dieser Stadt, die Baden seit zweihundert Jahren mit der Welt teilt, etwas mit ihren grünen Anlagen zu tun hat, im Besonderen den Promenaden, liegt nahe. Solche finden sich freilich auch an anderen Orten, vor allem in "Kurstädten". Zusammen mit mehreren Städten aus dieser Gruppe hat die UNESCO nun Baden-Baden das Prädikat eines "Weltkulturerbes" zugesprochen, mithin in erster Linie für die typischen Einrichtungen für Erholungs- und Gesundheitssuchende. Dies sollte auch einen neuen Blick auf die berühmten Parks der Stadt eröffnen. Bedeutet dies, dass sie einer Sphäre wechselnder Moden und einer nur zeitweise anwesenden Gesellschaft angehören, oder reichen sie weiter in die besondere Geschichte der Stadt und damit tiefer in ihre individuelle "DNA" hinein, etwa bis zu ihrem Aufbruch in die Neuzeit? Immerhin war dieser kein Naturereignis, sondern das Ergebnis einer gezielten Gestaltung durch Bau- und eben auch Gartenprojekte über Jahrhunderte hinweg. Vier wegweisende Beispiele bieten sich für einen Rundgang an
Wohnen am Botanischen Garten Freiburg
Die 95jährige Eyke Straub, die seit 1992 am Botanischen Garten wohnt, berichtet