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Die Handschriften des Klosters Reichenau
Die Handschriften des ehemaligen Benediktinerklosters auf der Insel Reichenau stehen beispielhaft für das kulturelle Leben in abendländischen Klöstern im frühen Mittelalter. Am Ende einer langen Zeit großer Umwälzungen und Instabilität in West- und Mitteleuropa spielte die Klosterkultur eine wichtige Rolle für die Bewahrung und Weitergabe alten Wissens in eine sich neu ordnende Gesellschaft. Während Wissen – ob technisch-mathematisches, sprachliches, philosophisches, literarisches oder religiöses – hauptsächlich mündlich von Generation zu Generation weitergegeben
wurde, blieben die schriftlichen Dokumente doch häufig die langfristigeren Träger von Überlieferung. Da im Mittelalter nur wenige Menschen lesen
und schreiben konnten, fiel die Rolle des Bewahrens und Erhaltens von Wissen in hohem Maße den Klöstern zu – oder vielmehr ihren schreib- und lesekundigen Bewohnern. In den Klöstern wurden Texte gesammelt, gelesen, abgeschrieben und das in ihnen enthaltene Wissen weiterentwickelt.
Das, was die Bewohner der Klöster nicht interessierte, lief somit Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. Was in Italien und Frankreich, England oder Irland schon früher begonnen hatte, nahm auf dem Kontinent nördlich der Alpen erst seit dem 7. Jahrhundert sichtbaren Aufschwung: Klostergründungen in immer größerer Zahl machten diese eigentlich aus der Abwendung von der Welt geborene Lebensform zu einem wichtigen gesellschaftlichen, kulturellen
und auch politischen Einflussfaktor
Ilvesheim
Der Ort Ilvesheim stand im frühen Mittelalter in enger Beziehung mit der Gründerfamilie des Klosters Lorsch. Er ging im 12. Jahrhundert an die Pfalzgrafschaft über, wird Sitz der Erligheim, die hier ein erstes Schloss errichten. Quellenstudien erlauben einen detaillierten Blick in die Verhältnisse im 17. Jahrhundert. Mit dem Übergang der Pfälzischen Kurwürde an das Haus Pfalz-Neuburg kommen die Herren von Hundheim in den Besitz des Orts und erweitern das Schloss
Joseph von Laßberg - ein Netzwerk in Briefen
Mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Wüstenrot Stiftung sowie mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg konnte die Badische Landesbibliothek im April 2024 dreißig Briefe bedeutender Zeitgenossen an den Handschriftensammler Joseph von Laßberg (1770–1855) ersteigern. Diese Briefe werden der Öffentlichkeit nun bis zum 1. Februar 2025 in der Ausstellung "Joseph von Laßberg – ein Netzwerk in Briefen" präsentiert. Zur feierlichen Eröffnung mit Präsentation der Autographen am 30. Oktober 2024 sprachen Staatssekretär Arne Braun für das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Prof. Dr. Frank Druffner für die Kulturstiftung der Länder und Prof. Philip Kurz für die Wüstenrot Stiftung
Digitalisiert und mit Volltexten und Normdaten versehen
Die Badische Landesbibliothek hat Ende September 2024 ein von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg gefördertes Projekt zur vollständigen Digitalisierung, Handschriftenerkennung und Normdatenidentifizierung im Volltext des Nachlasses von Joseph von Laßberg (1770 bis 1855) abgeschlossen. Der Teilnachlass Joseph von Laßbergs befindet sich seit 1969 in der Badischen Landesbibliothek. Laßbergs Nachlass umfasste ursprünglich 141 Briefe von und 50 Briefe an Laßberg sowie Tagebuch-Notizen, Kalender, Verträge, Rechnungen, dazu Bücherverzeichnisse und
Subskriptionslisten, Leihscheine und Buchbinderaufträge aus Laßbergs Bibliothek, insbesondere aber auch Notizen, Exzerpte und zahlreiche Abschriften mittelalterlicher Texte aus ihm vorliegenden Codices, die sich in seinem Besitz befanden und heute teilweise verloren sind, so dass Laßbergs Abschriften in diesen Fällen die einzigen Überlieferungszeugen geworden sind. Der Nachlass wurde in der Vergangenheit durch
Einzelerwerbungen, insbesondere von Briefen, ergänzt. Zuletzt kamen 2011 vier eigenhändige Abschriften Laßbergs aus seinen mittelalterlichen Liederhandschriften hinzu sowie fünf Briefe an den damaligen Studenten Emil Braun aus dem Jahr 1831. Wichtige Neuzugänge, die das Interesse der Wissenschaft gerade erst wieder auf den LaßbergNachlass lenkten, waren 2023 zwei Briefe Jacob Grimms und ein Brief Wilhelm Grimms an Laßberg sowie ein Brief Laßbergs an Friedrich Heinrich von der Hagen, den ersten Übersetzer des Nibelungenliedes ins Neuhochdeutsche. Im Jahr 2024 konnte die Badische Landesbibliothek mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Wüstenrot Stiftung sowie mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst den Nachlass um weitere 30 Briefe ergänzen. Diese Neuerwerbungen konnten kurzfristig noch in das Projekt integriert werden. Der für das Projekt vorgesehene Bestand zeichnet sich also durch die typische Heterogenität von Nachlassmaterial aus, was für das Projekt an verschiedenen Stellen von Bedeutung war
Alte Bücher - neue Inspiration
Inspiration für künstlerische Projekte finden Kunstschaffende in den unterschiedlichsten Situationen. Neben der freien Auseinandersetzung mit der Umwelt und die sich schon hierdurch ergebende Motivation bieten unter anderem Kunst-am-Bau-Wettbewerbe mit klar definierten Regelwerken, Bewerbungen für themenbezogene Stipendien oder konkrete Auftragsarbeiten einen zielgerichteteren Rahmen. Als impulsgebend fungieren weiterhin Institutionen, die Künstlerinnen und Künstler einladen, neue Werke zu erschaffen. In dieses Spektrum fügt sich das Ausstellungsprojekt der Badischen Landesbibliothek mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ein: Auf Initiative der Bibliothek entstand eine Zusammenarbeit, die neue Perspektiven auf die Bestände der umfangreichen Sammlungen bietet und zugleich den künstlerischen Nachwuchs fördert
Das Pflichtexemplar in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg übernehmen die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe und die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart die Sammlung der gedruckt, elektronisch auf Datenträgern oder als Netzpublikation erscheinenden Pflichtexemplare. Dabei arbeiten Sie in Projekten eng mit dem
Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) und der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) zusammen. So gelingt es, wesentliche Teile des textbasierten analogen und digitalen Kulturerbes des Bundeslands zu sichern.In Baden-Württemberg, the Baden State Library in Karlsruhe and the Württemberg State Library Stuttgart are tasked with collecting printed and electronic media and web publication deposit copies. In various projects, both libraries have been closely collaborating with the Baden-Württemberg Library Service Centre (BSZ) and the German National Library (DNB). In this way, successful data storage of substantial parts of the federal state’s text-based analogue and digital cultural heritage is secured
Ein Kuriosum der Villinger Kulturgeschichte
Ein völlig unbekanntes Kapitel der Villinger Kulturgeschichte ist der Verlag deutscher Klassiker des eigenwilligen Professors
Josef Josua Eiselein (1781 – 1856). Dieser war ab 1818 Lehrer und Präfekt am Gymnasium in Donaueschingen, wurde im
selben Jahr zum Priester geweiht und war ab 1820 Hofkaplan in Donaueschingen und Bibliothekar der Fürstenbergischen
Hofbibliothek. 1823 trat er überraschend zum evangelischen Glauben über und verließ Donaueschingen. Ab 1822 veranlasste
er die Herausgabe der Werke Lessings und gab von 1825 bis 1829 in eigener Verantwortung die Werke von Johann J.
Winckelmann (1717 – 1768) in einer zwölfbändigen Ausgabe heraus, die z.T. bis heute Gültigkeit besitzt
Das Konvikt in Donaueschingen
Ein Konvikt ist ein kirchliches Internat. Sein Zweck ist oder war es, das ländliche Bildungspotential zu erschließen: Auch auf abgelegenen Höfen, in Weilern, Dörfern und kleinen Städten gab es "g‘scheide Buben", die aber kaum an eine höhere Bildung kommen konnten. Ihnen wurde die Möglichkeit geboten, im Konvikt zu wohnen und ein nahe gelegenes Gymnasium zu besuchen. Die Überlegung der Kirchenoberen war, dass auf diese Weise der Priesternachwuchs gesichert würde. In der Tat wurden viele Konviktler später Geistliche, aber noch viel mehr nutzten ihre Bildung für weltliche Berufe. Auch das war im Sinne der Kirche, die an einer katholisch sozialisierten Bildungselite interessiert war
Der Garten als Tugendschule
Mitten im Donaueschinger Schlosspark, und doch abgelegen von den großen Besucherwegen, findet man auf einer künstlich aufgeschütteten Anhöhe eine Graburne: das Lessing-Denkmal. Freilich, was eine Urne mit dem Dichter Gotthold Ephraim Lessing zu tun haben soll, ist auf Anhieb wenig verständlich, zumal Lessing selbst auf dem Denkmal überhaupt nicht genannt wird. Gewidmet wurde die Urne laut Inschrift vielmehr durch Prinz Karl Joachim zu Fürstenberg (1771–1804) im Jahr 1791 dem "Autor der Emilia Galotti"