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Wozu noch Dialekt?
Man hielt, in den sogenannten besseren Kreisen, nicht eben viel vom Dialekt. Er war etwas, was man auf dem Weg nach oben baldmöglichst hinter und unter sich ließ, lassen musste. Im Jahre 1961 klagte Theodor W. Adorno darüber, dass die Sprache seiner Studenten oft von den „Narben des Dialekts“
entstellt sei; und in der Tat sollte, wer eine akademische Prüfung ablegt, des Hochdeutschen mächtig sein. Aber überdeutlich klingt hier eine schlechthinnige Ablehnung des angeblich „formlosen Dialekts“, ja seiner „Roheit“ durch; von Bildung sei, so Adorno, „zu erwarten, daß sie das Ungeschliffene der regionalen Sprache zu milderen Sitten gewöhnt“. Anzustreben sei also die Abschaffung, zumindest Ausschaltung und Aussperrung des Dialekts; denn wozu sollte er noch taugen
Selli dert nit - Dialektunterricht für ausländische Pflegekräfte (in Senioreneinrichtungen des Arbeiter-Samariter-Bundes Südbaden)
Sie habe den alten Herrn geduscht und abgetrocknet. Zuvor habe sie die schmutzigen Kleider auf einen Stuhl gelegt und ihm auf einem anderen die saubere Hose und das neue Hemd hingerichtet. Er sei vor den beiden Stühlen gestanden und habe immer auf die sauberen Kleider gezeigt und gesagt: Selli dert nit. Sie habe nicht verstanden, was er wolle. Nun endlich nach dem kleinen Schnellkurs „Alemannisch für ausländische Pflegekräfte“ wisse sie, was das geheißen habe. Er habe wieder die alten Kleider anziehen wollen und nicht die neuen. Selli dert nit. Diese dort nicht. Das fröhliche Lachen der kräftigen Frau aus dem fernen Kamerun ist ansteckend, die anderen Teilnehmer des Kurses lachen mit. Sie kommen aus aller Herren Länder dieser
Welt und pflegen alte Menschen im idyllisch an den Rheinauen gelegenen Erika-Zürcher-Haus im badischen Meißenheim, im Seniorenzentrum „Am Ettenbach“ in Ettenheim, im Haus Kapellenblick in Biberach im Kinzigtal und im Seniorenzentrum „Am Hahnbach“ in Gernsbach im Murgtal, alle vier Einrichtungen gehören dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Südbaden
David Möllinger, mennonitischer Agrarreformer und Netzwerker
David Möllinger lebte mit seiner Familie in einem Umkreis von 30 km um Worms und wirkte als Agrarreformer weit über seine Region hinaus.
Geboren ist er am 24. Januar 1709 in Dühren, heute ein Stadtteil von Sinsheim. Gestorben ist er am 24. Mai 1787 in Monsheim, 12 km westlich
von Worms, als Gutsbesitzer und Untertan der Leininger Grafen, als Besitzer einer Brennerei, Essigsiederei, Brauerei, als Viehzüchter, als Leiningscher Hoflieferant und Bauernkaufmann. Die Gunst des Adels war für viele Täuferflüchtlinge und deren Nachkommen eine wichtige Sicherheit, um
zu überleben und weiter voranzukommen, so auch für die Familie Möllinger
In neuem Gewand in die Zukunft
Wie viele Heimatvereine – und nicht nur diese – hat auch der Heimatverein Kraichgau in seinem 50. Jahr mit schwindenden Mitgliederzahlen und der Besetzung von Vorstandsämtern mit jüngeren Mitgliedern zu kämpfen. Wie die Vorstände vieler Traditionsvereine bedienten sich auch seine zu selten (ihnen unvertrauter) neuer Medien. In heute unverzichtbaren sozialen Netzwerken waren sie weder aktiv noch, wenn überhaupt, attraktiv und erreichten so die Zielgruppe der jüngeren potenziellen Mitglieder nicht (mehr)
Die Weißtongrube am Haselberg zu Überauchen - ein Lost Place mit bewegter Geschichte
Mit „Lost Places“ bezeichnen wir „vergessene“ oder „aufgelassene Orte“. Gemeint sind damit überwiegend Bauwerke der jüngeren Vergangenheit, die in der Regel noch nicht in einen historischen Zusammenhang gestellt worden sind, da sie aufgrund ihrer genscheinlich minderen Bedeutung kein Interesse in der Öffentlichkeit finden und als nicht besonders schutzwürdig gelten. Ein wesentliches Merkmal von „Lost Places“ ist ihre belassene Ursprünglichkeit und der Umstand, dass die Blicke neugieriger Spaziergänger durch keinerlei erklärende Hinweisschilder gelenkt werden. Das Wissen zur Geschichte haben nur noch wenige Personen, die im Regelfall schon sehr alt sind und nach und nach versterben und ihr Wissen, wenn es nicht aufgeschrieben wurde, mit ins Grab nehmen. Für die Weißtongrube am Haselberg in Brigachtal-Überauchen treffen all die Merkmale eines „Lost Place“ zu
Die Freiwillige Feuerwehr Unterkirnach während des Nationalsozialismus
„Die Feuerwehr ist eine gemeinnützige, der Nächstenhilfe dienende Einrichtung der Gemeinde [...]. Sie ist in ihrer Einrichtung von der Polizei unabhängig.“ (§ 1 Feuerwehrgesetz von Baden-Württemberg) Diese Formulierung ist das Ergebnis von zwölf Jahren Erfahrung im sogenannten „Dritten Reich“, in der die Feuerwehren von der NS-Regierung als Hilfspolizei für politische und vielerlei andere Zwecke missbraucht wurden. Davor waren Feuerwehren weitgehend unpolitisch. Die gemeinsame Aufgabe des Brandschutzes war wichtiger als die Einstellung des einzelnen Wehrmannes. Die Feuerwehr schützte jeden, denn aus einem kleinen Brand konnte ganz schnell ein Großbrand werden, der eine ganze Gemeinde bedrohte. Im „Dritten Reich“ jedoch wurden auch die Feuerwehren zu Werkzeugen der NS-Politik, sie wurden gleichgeschaltet und dem Einfluss und der Kontrolle der Partei unterworfen. Auch sie hatten den Zielen des Regimes zu dienen, das sich schon ab 1934 heimlich auf den Krieg vorbereitete. Die Wehrmänner verhielten sich dazu auf ihre Weise, ihre Reaktion konnte von begeisterter Mitwirkung bis zu Verweigerung reichen. Am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr Unterkirnach lässt sich die schleichende Entwicklung exemplarisch beobachten, wie aus einer traditionellen
Gemeindeeinrichtung ein staatlich gesteuertes Organ zur Disziplinierung, ideologischen Manipulation und vormilitärischen Ausbildung wurde
Erfolgreiche Brut eines Wendehalspaares in Villingen
Der Wendehals ist ein kleiner, etwa spatzengroßer, unauffällig brauner Vogel, der zur Familie der Spechte gehört. Gleichwohl unterscheidet er sich in seinem Verhalten deutlich von den typischen Spechten. So zimmert er seine Bruthöhlen nicht selbst, sondern nutzt solche anderer Spechte, etwa des Buntspechts, sowie Naturhöhlen und Nistkästen. Ferner ist der Wendehals ein echter Zugvogel, der südlich der Sahara überwintert
Friedrich Längle
Friedrich Längle wurde am 12. Juni 1860 in Mietersheim geboren. Er war das drittälteste von insgesamt sechzehn Kindern der Eheleute Johann Christian Längle (1825–1897), Bürger und Landwirt in Mietersheim, und Christina Längle, geb. Stahl (1836–1904), aus Mundingen. Die Längles waren schon früh im Ort ansässig. Michel Lenglin, ein direkter Vorfahr, verstarb am 26. Februar 1633 und gilt als „ältester Mann in Mietersheim“. Friedrich besuchte die Volksschule Mietersheim. Der Schulleiter Salomon Stulz hielt ihn für einen der besseren Schüler. Bis zum Jahre 1879 war er im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb tätig. Die erlernten Fähigkeiten sollten ihm später noch von großem Nutzen sein. Friedrich wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Nach seiner Konfirmation besuchte er den Jünglingsverein. Besonders in den
evangelischen Landgemeinden um Lahr war der Einfluss des schwäbischen Pietismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch deutlich. Schon früh las er christliche Literatur, und insbesondere die Missionszeitschriften hatten
es ihm angetan. Er wollte die Not der heidnischen Völker lindern helfen. Dies sollte seinen weiteren Lebensweg dominieren
Die ehemalige Klostermühle in Schuttern
Auch heute fließt die Schutter noch durch das Gelände der ehemaligen Benediktinerabtei. Sie versorgte die barocke Klosteranlage mit frischem Wasser, füllte den Fischteich, versorgte die Springbrunnen und spendete reichlich Wasser für die große Gartenanlage, in der die Mönche ihre Andacht pflegen und ihr Gemüse und Obst anbauen konnten. Eine weitere Aufgabe des Flusses war jedoch, das große Mühlrad im Bachbett der Schutter anzutreiben. Man sieht heute nichts mehr vom Gebäude der ehemaligen Klostermühle. Das Klappern des Mühlrades und das Donnern des Wassers, wenn es das große Wasserrad antrieb, sind schon lange verstummt. Der Standort der Klostermühle ist bekannt, an der senkrechten Uferwand der Schutter lässt sich noch gut erahnen, wo das Mühlrad einmal stand und über Getriebe und Gestänge das steinerne Mahlwerk in Bewegung setzte. Auch im Bachbett zeugen Steine noch vom Wasserzufluss und der Fundamentierung des Mühlrades. Die Brücke auf das östliche Betriebsgelände ist noch vorhanden
"Bauen und Erbauung"
Bei Berthold Brecht heißt es in den »Fragen eines lesenden Arbeiters«: »In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? [...] Alle zehn Jahre ein großer Mann. Und wer bezahlte die Spesen? So viele Berichte. So viele Fragen.« Jenischs Name wird zwar genannt im Zusammenhang mit der dreihundertjährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung zu Schloss Ludwigsburg am 7. Mai 1704, aber
viel wissen wir bisher nicht von dem ersten herzoglichen Baumeister. Er hat auch nicht »die Felsbrocken herbeigeschleppt«, doch war er denen, die es zu bewerkstelligen hatten, näher als sein Herzog. Nun erlauben neue Archivfunde, genauer nachzufragen: Wer war Philipp Joseph Jenisch? Dabei
erweist er sich in teilweise außergewöhnlichen Quellen als Mann zwischen Barock und Pietismus, geprägt von der damals noch jungen reformerischen Frömmigkeitsbewegung des Pietismus genauso wie von der großen Kunstepoche des Barock. Auf den ersten Blick waren beide Antipoden, bei genauerem Hinsehen zeigen sich erstaunliche Gemeinsamkeiten, auch im Leben Jenischs