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    Die Verantwortlichkeit Friedrichs III. für das Todesurteil über Johannes Sylvanus († 23. Dezember 1572) und seine Motive

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    Am 23. Dezember 1572 wurde Johannes Sylvanus auf dem Heidelberger Marktplatz enthauptet. Vor der Hinrichtung befand sich der Ladenburger Superintendent zweieinhalb Jahre in verschiedenen Gefängnissen. Befragt man gängige Nachschlagewerke, findet man folgende Angaben zu den Gründen für das Todesurteil: Rolf Decot schreibt im Sylvanus-Artikel der "Religion in Geschichte und Gegenwart" (RGG), dass dieser hingerichtet worden sei, weil er selbst ein antitrinitarisches Bekenntnis verfasst habe. Im "Biographisch Bibliographischen Kirchenlexikon" (BBKL) lautet schon das erweiterte Lemma "Sylvan, Johannes, antitrinitarischer Theologe". Gustav Adolf Benrath äußert sich in zwei Artikeln der "Theologischen Realenzyklopädie" (TRE) zur Person des Sylvanus. Im Artikel "Antitrinitarismus" reiht er ihn mit seinem Denken und Schicksal ein in die Reihe von Servet und Gentili, also in die "Ahnengalerie" des Antitrinitarismus jener Tage. Ähnlich ist die Logik im Artikel über die Pfalz. Dort wird das Schicksal des Sylvanus zwar eingezeichnet in den Konflikt um die Kirchendisziplin, aber es ist nicht der kirchenpolitische Gegner, sondern der Antitrinitarier, dem das Todesurteil des Kurfürsten gilt. Die untersuchten Lexikonartikel problematisieren das Schicksal von Sylvanus in keiner erkennbaren Weise. Sie schreiben die tradierten Interpretationen einfach fort und prägen damit das Sylvanus-Bild des 20. Jahrhunderts. Insbesondere in Verbindung mit der einflussreichen Arbeit von Curt Horn wird dadurch eine Sichtweise auf Sylvanus zementiert, die dringend eine kritische Durchleuchtung erfordert. Ansätze zu einer kritischeren Sicht auf die Causa Sylvanus hat es in den zurückliegenden Jahrhunderten genug gegeben. Bereits Lessing lässt in seinem Aufsatz über Adam Neuser eine ganze Kaskade von Fragen sprudeln, welche die tradierte Sicht auf Sylvanus erschüttern. Später schreibt Burchill davon, dass Sylvanus schon bald nach seinem Tod in den Predigten als Märtyrer erscheine, der unter falscher Beschuldigung und aufgrund einer rigiden Auslegung des mosaischen Gesetzes hingerichtet worden sei

    Gutachten

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    In Reaktion auf die Aufnahme des Grabes von Maria Hübner auf dem Bergfriedhof in die Liste der Heidelberger Ehrengräber kam es im April 2021 zu öffentlichen Diskussionen über den ebenfalls auf diese Weise geehrten früheren Oberbürgermeister (1929–1945, 1952–1958) Carl Neinhaus, die die Rhein-Neckar-Zeitung in der schlagzeilenträchtigen Frage zuspitzte: „Wird Oberbürgermeister Neinhaus das Ehrengrab entzogen?“ Um zur Beantwortung dieser Frage eine sachliche Grundlage zu fnden, hat die Stadtverwaltung Heidelberg den Unterzeichneten mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, das klären soll, ob die Voraussetzungen, die der Zusprechung eines Ehrengrabes für Oberbürgermeister Neinhaus zu Grunde lagen, nach dem heutigen Stand der historischen Forschung noch zutreffen. Hierzu ist nötig nachzuzeichnen, wie sich die Wahrnehmungen und Einschätzungen der Person und der Amtsführung in Öffentlichkeit und historischer Forschung von seinem Tod bis zur Gegenwart verändert haben. Das Augenmerk gilt dabei insbesondere seinem Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus, da dieses den Anstoß für die Diskussionen über das Ehrengrab gegeben hat. Eine Gesamtwürdigung von Neinhaus, die seine Verdienste um die Stadt in der Endphase der Weimarer Republik und in seiner Nachkriegsamtszeit berücksichtigen müsste, ist mit dem Gutachten nicht intendiert

    Heidelberg : Jahrbuch zur Geschichte der Stadt. – 27 (2023)

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    65-jährige Partnerschaft zwischen Badenweiler und Vittel

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    Schon früh bemühten sich die lothringische Bäderstadt Vittel und die badische Bädergemeinde Badenweiler um ein Partnerschaft. 1957 wurde der Partnerschaftsvertrag unterschrieben, einer der ersten in Baden-Württemberg. Ein Bund der Freundschaft wurde geschlossen, der über die Grenzen hinweg eine Pionierleistung im französisch-deutschen Zusammenleben bedeutete. Viele Schritte bis zur Unterschrift unter den Vertrag waren erforderlich, viele Begegnungen beleben die Freundschaft bis zum heutigen Tage

    Die badischen Regionen im Jubiläumsjahr 2022

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    Das Jubiläumsjahr des Landes Baden-Württemberg ist Anlass, Veränderungen in der Selbsteinschätzung von Heimatvereinen, dem Verständnis von Heimattagen, Kooperationen und Begriffen wie Landeskultur und Zivilgesellschaft neu zu reflektieren. Auch ist das neue Selbstverständnis des Landes zur Kenntnis zu nehmen. Für die Badische Heimat ist besonders auf die in Zukunft anvisierte badisch-elsässische Kooperation im Sinne eines "Lebensraumes Oberrhein" als Vereinsziel hinzuweisen. Gewissermaßen ein "Heimattag" anderer Art

    Die Villa Breitenstein in Ermatingen

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    Den genauen Zeitpunkt des Zerwürfnisses kennen wir nicht. Nur der Ort, die drei Beteiligten und das Resultat stehen fest. Zuvor war man im Reinen miteinander, oberflächlich gesehen jedenfalls. Alle Familienmitglieder hatten im Frühjahr 1893 gemeinsam einen unbeschwerten Urlaub in Süditalien verbracht. Auf Capri verbrachte man mehrere Wochen. Wer waren die Reiseteilnehmer? Da war der Besitzer des villenartigen Anwesens Breitenstein, Dagobert Friedlaender (1826–1904). Er war sozusagen der Patriarch der Familie und stammte aus der ostelbischen preußischen Provinz Posen. Der ehemalige Bankier Dagobert Friedlaender lebte nun bereits seit eineinhalb Jahren als begüterter Rentier auf seinem Schweizer Landsitz Breitenstein in Ermatingen im Thurgau. Dort kommt es im Herbst 1893 zur Entzweiung zwischen Schwiegervater Dagobert Friedlaender und Schwiegersohn Gustav Maier. Warum kam es dazu? Welche Folgen hatte das Zerwürfnis auf Dauer für die beiden Familien? Welche Quellen und welche Literatur können herangezogen werden? Der Baubestand der Villa von 1875 ist außen und innen ungewöhnlich gut im Ursprungszustand erhalten. Dagobert Friedlaender war 67 Jahre alt. Er galt als penibel und pedantisch. Seine Alltagsroutine passte nicht zu der seines Schwiegersohnes Gustav Maier. Man war in der Villa einander sehr nah und nahm alle Mahlzeiten gemeinsam ein. Natürlich hatte man Dienstpersonal. Bald legte man sich Pferde und Kutsche zu

    Wie der Hochwasserschutz unterging

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    Die Anwohner des Bodensees nehmen das Steigen und Fallen des Pegels meist ohne Protest hin. Auf das natürliche Geschehen haben sie keinen Einfluss. Bei den meisten anderen grösseren Seen in Alpennähe wird der Wasserstand von Menschenhand reguliert. Wo eine Stadt am Ausfluss liegt, wurden noch vor 1800 Nadelwehre gebaut, um den Abfluss konstant zu halten. Flösser, Schiffleute, Müller und Gerber waren darauf angewiesen. Das galt für den Zürichsee ebenso wie für den Vierwaldstättersee, auch für den Thunersee und den Genfersee. Unter den Schweizer Seen verfügen heute nur der Walensee, der Greifensee, der Baldeggersee und der Bodensee nicht über eine Abflusssteuerung. Wenn ein Hochwasser die Ufer des Bodensees überflutet, erhält jeweils die Forderung nach einer Steuerung des Seespiegels Auftrieb. Bisher gab es rund zehn Grossprojekte zur Seeregulierung. Alle scheiterten. Durch eine Erweiterung des Ausflusses des Untersees bei Stein am Rhein könnte das Wasser schneller abfliessen. Das wirkte sich ebenso auf den Obersee aus, da die beiden Teile des Bodensees miteinander verbunden sind. Der Flaschenhals am Seerhein müsste eventuell auch erweitert, beziehungsweise vertieft werden. Mit einer solchen Massnahme hätte das Hochwasser des Jahres 1999 nicht 45 Tage gedauert. Die Schäden wären viel geringer ausgefallen. Um Niederwasser zu vermeiden, müsste der Abfluss durch ein Wehr begrenzt werden. Bei Hochwasser könnte man es öffnen. Auch ein Entlastungsstollen würde die Hochwassergefahr begrenzen. Er könnte von einem Punkt zwischen Eschenz und Mammern in südlicher Richtung zur Thur geführt werden. Um bei Niederwasser den Abfluss des Untersees zu verringern, würde ein Schlauchwehr bei Stein am Rhein genügen

    Wie aus Feldern und Gärten ein Waldpark wurde

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    Im 19. Jahrhundert waren noch Felder und Gärten auf dem Gelände, wo sich heute der Reinhold-Schulz-Waldpark, die Draußenschule, die Glashäuser, das Archiv des Rhein-Neckar-Kreises mit der Integrierten Leitstelle und das Alten- und Pflegeheim Johanniter-Haus am Waldpark befinden (Abb. 1). Der Kanzelbach begrenzte das Gebiet nach Norden: Die Gärten nannte man Bellen- oder auch Böllengärten. Als Bellen, oder auch Böllen, verstand man im Ladenburger Dialekt Pappeln, die wahrscheinlich einst am Kanzelbach standen. Die Bezeichnung Burgäcker verweisen auf das Bühnenhaus des römischen Theaters, dessen Ruinen bis ins 18. Jahrhundert noch zu sehen waren und, da man die Herkunft lange Zeit nicht zu deuten wusste, als Burg bezeichnet wurden

    "Ich bin ein jüdisches Maedel aus dem badischen Dorf Kippenheim …"

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    Sehr verehrte Frau Bundestagspraesidentin Bas, sehr geehrter Herr Knesset-Präsident Levy, sehr geehrter Herr Abgeordneter Dr. Schaeuble, liebe Abgeordnete und Gaeste des Deutschen Bundestages, meine Damen und Herren, Ich danke herzlich fuer die Einladung! Wer bin ich? Ich bin ein jüdisches Maedel aus dem badischen Dorf Kippenheim und dem schwäbischen Jebenhausen-Göppingen. Ich wurde am 31. Dezember 1934 in Kippenheim geboren. Juden und Christen wohnten friedlich zusammen. Ich war das letzte jüdische Kind, das dort geboren wurde. Ich blieb ein Einzelkind von Berthold und Regina Auerbacher. Papa war im Ersten Weltkrieg Soldat in der deutschen Armee und wurde schwer verwundet. Er ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Sein Beruf war Textilhändler. Mama stammte aus dem schwäbischen Jebenhausen. Ihre Mutter, meine Oma, kam aus einer großen Familie mit 14 Kindern, von denen vier Brüder im Ersten Weltkrieg kämpften. Zwei gaben ihr Leben für das deutsche Vaterland. Meine selige Oma wurde von den Nazis ermordet und liegt in einem Massengrab in Bikernieki, einem Wald in der Nähe von Riga in Lettland. Berthold Auerbach (eigentlich hieß er Moses Baruch Auerbacher) war ein Mitglied meiner Familie und war im 19. Jahrhundert ein sehr bekannter Schriftsteller. Nach ihm ist auch heute wieder eine Straße in Berlin benannt

    Wie d' Schnàwel gewàchse esch

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    Soweit meine Erinnerungen reichen, war ich in Berührung mit der Mannigfaltigkeit unserer elsässischen Sprache. Meine Kindheit verbrachte ich in Souffelweyersheim, etwa acht Kilometer nördlich von Straßburg. Mein Vater war von hier gebürtig und meine Mutter kommt – sie ist heute 98 – von Sengern, im Blumental, im Oberelsass. Sie sprach also Owerländerrisch. Dazu wohnte im Nachbarhaus eine Familie mit Eltern und Großeltern, die von Salmbach und Neewiller herkamen, also vom untersten Teil des Elsasses, von un’e draußen, wie wir sagten. Ich bin mit ihrem gleichaltrigen Sohn aufgewachsen und verkehrte oft in dieser Familie. Andererseits ging ich regelmäßig mit meinen Eltern nach Straßburg zur Freizeitbeschäftigung oder zum Einkaufen, wo man noch ein anderes Elsässisch sprach. Für nein sagte man da naan, und nicht nen, naj oder na wie in meiner alltäglichen Umgebung

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