archimaera (Journal)
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Sabbioneta
Sabbioneta, die Residenz Vespasiano Gonzagas (1531–1591), gilt als die erste vollständige Neugründung einer Stadt in der Renaissance und zudem als die prototypische Idealstadt der Epoche schlechthin. Und das, obwohl die Stadt überhaupt nicht das regelhafte Bild einer Planstadt bietet.
Die Entdeckung, dass die unregelmäßige Umrissfigur der Stadt sich ebenso wie ihre rätselhafte Binnengliederung durch den Rückgriff auf antik-römische Orientierungspraktiken erklären lässt, gab somit den Anstoß zu einem umfassenden Forschungsprojekt, das zwischen 2003 und 2014 am Lehrstuhl für Baugeschichte der RWTH Aachen durchgeführt wurde und dessen erste beispielhafte Ergebnisse in diesem und den folgenden Aufsätzen vorgestellt werden
Neues Stadtarchiv und Museum im Servitenkloster zu Sabbioneta
Das Weltkulturerbe einer Idealstadt weiterzubauen stellt eine besondere Herausforderung dar. Eine Diplomarbeit – angefertigt an den Lehrstühlen für Baugeschichte und Denkmalpflege (Prof. Dr. Jan Pieper) und Baukonstruktion (Prof. Hartwig N. Schneider) der RWTH Aachen – zeigt, welche Herangehensweisen und Entwurfsmethodiken bei diesem Weiterbauen zur Anwendung kommen können: die Betrachtung des Bauwerks als eigenständige Quelle, eine intensive Kontextanalyse und eine wiederkehrende
Reflektion des Angemessenheitsbegriffs im Sinne der Annäherung an ein wissenschaftliches Entwerfen. Erklärtes Ziel der Umnutzung und Erweiterung des Kloster- und Grabeskirchenkomplexes aus dem späten 16. Jahrhundert war es, dem hochsensiblen bauhistorischen Kontext gerecht zu werden und gleichzeitig dem Desiderat einer eigenen, kräftigen architektonischen
Intervention der Gegenwart zu entsprechen
Der Palácio da Pena in der Kulturlandschaft Sintra
1995 ist das Schloss Pena als Teil der Kulturlandschaft Sintra in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen worden. Mit über einer Million Besucherinnen und Besuchern (2015) weist Pena die höchste Besucherzahl aller Schlösser und Museen Portugals auf. Bereits 2007 übernahm die staatliche Firma Parques de Sintra – Monte da Lua, SA, die Verwaltung des Gebäudes und der dazugehörigen Parkanlagen. Aufgabe der Firma ist es, die ihr unterstehenden Kulturobjekte zu erforschen, zu erhalten und wiederherzustellen. Hierzu wurde 2010 ein umfangreiches Forschungs- und Restaurierungsprogramm initiiert, das Untersuchungen zur Baugeschichte des Schlosses, die Restaurierung des gesamten Gebäudes sowie eine grundlegende Inventarisierung und Sichtung der im Schloss befindlichen Sammlung vorsieht, um auch diese systematisch erforschen zu können. Neben der Planung der wissenschaftlichen und baulichen Maßnahmen wurde auch ein didaktisches Konzept entwickelt, um den Besuchern neugestaltete und vor allem zeitgemäße Medien zur Verfügung zu stellen, die den durchaus unterschiedlichen Ansprüchen des internationalen Publikums gerecht werden
Die Fognatura in Sabbioneta
Im Rahmen der Untersuchungen der Aachener Forschergruppe um Jan Pieper zur Idealstadt Sabbioneta hat die Fognatura, die aus dem 16. Jahrhundert stammende und in weiten Teilen erhaltene städtische Kanalisation, eine bedeutende Neubewertung als einzigartiges Bodendenkmal erfahren. Erst der Nachweis der von Vespasiano Gonzaga und einen Geometern angewandten städtebaulichen Prinzipien ließ vermuten, dass der Wasserhaushalt der Stadt Sabbioneta bereits bei ihrer Gründung ein integraler Teil der ingenieurtechnischen Leistung war
Das Teatro all’Antica von Sabbioneta
Als letztes Gebäude fügte Vespasiano Gonzaga dem Hochkorridor von Sabbioneta das Teatro all\u27Antica hinzu. Als erstes im Stadtraum freistehendes Theater stellt es einen wesentlichen Schritt in der typologischen Entwicklung des neuzeitlichen Theaterbaus dar. Die neuen bauforscherischen Untersuchungen des Aachener Forschungsteams unter der Leitung von Jan Pieper ermöglichen es, eine eindeutige Rekonstruktion der inneren Struktur des Ursprungsbaus zu entwickeln. Durch die vergleichende Betrachtung der erhaltenen zeitgenössischen Theater, die auch die Akustik als physikalisch messbare Dimension berücksichtigt, kann die Entwicklung des frühneuzeitlichen Theaters nachvollzogen werden. Nicht zuletzt offenbart sich
die Raumidee, die der Planung Vincenzo Scamozzis zugrunde liegt
Preservation Strategies for Sabbioneta\u27s City Walls and Recent Restorations
Sabbioneta and its city walls are nowadays recognized as a very important historical and cultural value, widely acknowledged throughout society: without this recognition neither protection, nor conservation, nor valuation could be achieved.
Sabbioneta’s city walls are evidence for the use of different theoretical approaches: for example, at the beginning of the FIO works it was decided to replace lost bricks with reused material (old and restored bricks); because of the very high costs of this procedure, in accordance with our office it had then been decided to use new bricks, distinguished from the original ones by a "sanding surface". It had also been determined not to replace missing pieces of the bullnose element with original shaped bricks, in spite of emphasising the continuity of the bullnose with a different layout of new bricks. This methodology complied the theoretical principles of "recognition of the new elements" and of economical sustainability.
Today, if we look at the whole extension of the city walls of Sabbioneta, it is possible to compare different works and decisions taken during the years and understand how the theme of conservation and restoration of this masonry wall has been interpreted
Plečniks Ljubljana als humanistischer Stadtumbau
Was ist das "Humanistische" in Jože Plečniks Architektur? Vorliegender Aufsatz geht der Frage nach, inwiefern diese Charakterisierung seines Werkes gerechtfertigt ist. Anhand von Plečniks Eingriffen in bestehende Stadträume und städtische Situationen in Ljubljana legt die Studie dar, dass dieser "humanistische Stadtumbau" in einem religiös und sozial begründeten
Humanismus wurzelt, der unmittelbar vom Menschen ausgeht und diesen zum Maßstab nimmt
Die Relevanz der historischen Bauforschung für neue Impulse in Stadtplanung und Architektur
Durch die Bauforschung im Rahmen des mehrjährigen Projektes "Die Hochkorridore von Sabbioneta" konnten der Verlauf und viele Anschlüsse der hochliegenden Gänge an bestehende Bauten weitgehend geklärt werden. Im Bereich der Chiesa della SS. Maria Incoronata und des angrenzenden Servitenklosters führten die Bauuntersuchungen zu völlig neuen Erkenntnissen über den ehemaligen Verlauf des Hochkorridors und damit zu einer Neuinterpretation des baulichen Ensembles sowie seiner Bedeutung
für die Idealstadt. Aus dieser historischen Umdeutung entstanden Ideen für die Umnutzung des ehemaligen Servitenklosters und seiner angrenzenden Freiflächen, die im Rahmen von studentischen Entwürfen am Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen weiterentwickelt wurden. Somit stellten sich Befunde einer historisch orientierten Bauforschung mit übergeordneter Fragestellung als neue Impulsgeber für Stadtplanung,
Architektur und Denkmalpflege heraus
UNESCO-Welterbe Zollverein: Anforderungen an Marketing und Kommunikation
Das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen gehört zu den vier deutschen sogenannten industriellen Welterbestätten – neben dem Erzbergwerk Rammelsberg, der Völklinger Hütte und dem Fagus-Werk in Alfeld. Das Bergwerk Zollverein war zu seiner Inbetriebnahme Anfang der 1930er Jahre eine hochmoderne Riesenmaschine und ein Repräsentationsbau zugleich – und insofern von Beginn an das, was man heute als Corporate Architecture bezeichnet: eine Marketing-Maßnahme des Bauherren