archimaera (Journal)
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Interdisziplinär, multilateral und transparent?
Ausgezeichnet schutzbedürftig sind UNESCO-Weltkulturerbestätten, und nachhaltig sollen sie entwickelt werden. Tatsächlich ist die Bewahrung des Kulturerbes nicht nur ein Beitrag zu nachhaltiger Raumentwicklung, sondern der UNESCO-Status selbst kann diese auslösen und befördern.
Das lokale Welterbemanagement ist dabei ein entscheidender Faktor. Doch was macht es erfolgreich? Welche Rolle spielt darin der Dialog? Welcher Dialogqualitäten bedarf es, und wie könnte man sie steuern? Illustriert mit Beispielen der Managementpraxis in den Weltkulturerbestädten Stralsund, Wismar und St. Petersburg geht der Beitrag diesen Fragen nach
und skizziert das breite Wirkpotenzial des UNESCO-Labels für nachhaltige Stadtentwicklung
Das Projekt "Rathaus und Pfalzenforschung" in Aachen
In vorbildlicher Kooperation dienten mehrere Forschungsprojekte von 2011 bis 2015 der wissenschaftlichen Untersuchung der Aachener Pfalzanlage. Die erstellten Dokumentationen dienen als Grundlage für die Restaurierung und das Facility Management. Vor allem aber lieferten die Forschungen Erkenntnisse zur Geschichte des herausragenden Monuments, die auch in der breiten Öffentlichkeit auf großes Interesse stoßen. Monika Krücken war als Stadtkonservartorin der Abteilung Denkmalpflege und
Stadtarchäologie (Untere Denkmalbehörde) der Stadt Aachen für die Koordination des Projektes "Rathaus und Pfalzenforschung" verantwortlich
Der inkorporierte Schutzbau im Casino del Giardino in Sabbioneta
Das Casino ist das erste herrschaftliche Gebäude, das Vespasiano Gonzaga nach der 1577 erfolgten Ernennung zum Herzog in seiner Idealstadt Sabbioneta erbauen ließ. Stand bisher außer Frage, dass das Gebäude als vollständiger Neubau errichtet wurde, konnte durch bauforscherische Untersuchungen der Aachener Forschergruppe um Jan Pieper nun nachgewiesen werden, dass in den Casino-Neubau ein bereits vorhandener kleiner Baukörper integriert wurde. Doch erst die zeitgleich durchgeführten Forschungen zur Maßfigur der Idealstadt ermöglichten es, den elementaren Zusammenhang zwischen diesem Gebäude und der Idealstadtplanung zu entschlüsseln
Nirgendwo nichts
Gelten die im Zuge des Wohnungsbauprogramms in der DDR seit Mitte der 1970er Jahre in industrieller Bauweise errichteten Neubaugebiete als Inbegriff ortloser Betonghettos, steht jener öffentlichen Wahrnehmung die Intention gegenüber, durch die Integration des natürlichen, landschaftlichen und baulichen Erbes sowie durch künstlerische Strategien der Vermittlung regionaler Gegebenheiten Identität zu stiften. Den Hintergrund hierfür bildeten sowohl ein verändertes Geschichtsbild als auch ein sich allmählich herausbildendes Umweltbewusstsein. Im vermeintlichen Typeneinerlei der Großwohnsiedlung Berlin-Marzahn sucht der Beitrag nach theoretischen Grundlagen und praktischen Ansätzen für die Einbeziehung des mittelalterlichen Angerdorfs sowie nach Spuren der Repräsentation der märkischen Landschaft. Ihrer rudimentären Verwirklichung zum Trotz bilden sie die Grundlage für Umbau und weitere Entwicklung
"Évaluer", "accompagner", "contrarier":
Diskutiert werden die Möglichkeiten architektonischen Einfügens anhand der Position, die der französische Architekt Jean Nouvel in Theorie wie Praxis einnimmt. Im Rückblick auf sein Werk zeigt sich dabei, dass er sich von Anbeginn mit der Reflexion über die Möglichkeiten und die Grenzen architektonischen Einfügens in bereits bestehende bauliche Ensembles auseinandergesetzt und eine Reihe von Konzepten entwickelt hat, deren Begrifflichkeit sich an Philosophen wie Félix Guattari, Gilles Deleuze und Michel Foucault orientiert. Die konkrete Anwendung dieser Begriffe wird anhand von zwei Projekten erörtert, die einmal die Einfügung eines kompletten Gebäudeinnern in bereits bestehende Außenwände eines historischen Baus (Oper Lyon), ein anderes Mal die Einfügung eines Neubaus in ein prägnantes, städtebauliches Ensemble (Hotel "Sofitel Vienna Stephansdom“) betreffen
Raumspinnen
In der Architektur ist der Raum das primäre Gestaltungsmedium. Um Raum in der Gestaltungslehre zu erfahren und diesen in ein räumliches Denken zu überführen, eignet sich der reale Raum am besten, um ihn zu definieren, zu gliedern und ihn letztlich zu gestalten. Das Erleben im Maßstab 1:1 ist ein physisches Erleben, das in seiner Wirkungsweise der Körperlichkeit, Empfindung und Wahrnehmung des Menschen unmittelbar entspricht und dadurch beste Voraussetzungen schafft, um ihn in späteren abstrakten Gestaltungsstrategien anzuwenden
Sequenzen architektonischer Aneignung
Jeder architektonischen Transformation geht die Konstruktion einer Wahrheit voraus. Was man in einem Bauwerk sieht oder sehen will, beeinflusst dessen Nutzung und dessen potentiellen Umbau. Der Artikel resümmiert verschiedene Ansätze einer Architekturtheorie des Bauens im Bestand und zeigt anhand der Geschichte des Kolosseums als Martyriumsort eine solche Interpretationskonjunktur eines Bauwerks, die letztlich zu dessen Umbau führen kann. Dabei lässt sich eine Sequenz von Reinterpretation und Überschreibung, Prägung, Bespielung, Neuorientierung und Schließung sowie zuletzt architektonischer Formalisierung und Monumentalisierung ausmachen
Das Dortmunder Museum am Ostwall von Leonie Reygers
In der europäischen Museumslandschaft der Nachkriegszeit war das Dortmunder Museum am Ostwall eine feste Größe. Gründungsdirektorin Leonie Reygers holte die weite Welt in die vom Bombenkrieg verwüstete Industriestadt. Sie übernahm 1947 eine ruinöses Haus, das bereits Resultat eines Umbaus war: das 1872–75 errichtete Königliche Oberbergamt war 1911 zum Museum für Kunst und Gewerbe umgebaut worden. Reygers entwickelte die Kriegsruine als Direktorin und gestaltende Bauherrin zu einem Museum der Gegenwartskunst weiter und strebte danach, in der Kombination von Alt und Neu eine „harmonische Atmosphäre“ entstehen zu lassen. Die verschiedenen historischen Schichten wurden unter ihrer Regie zu einer neuen Einheit verschmolzen. Das aus heutiger Perspektive eher unscheinbar wirkende Haus ist eines der ganz wenigen Zeugnisse eines Museumsbaus der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland und zudem ein exemplarisches Beispiel für die architektonische Strategie des Einfügens im Umgang mit Kriegsruinen
Modell und Wirklichkeit
Die Bildserie zeigt eine Reihe von architektonischen Einfügungen in verschiedene räumliche Umgebungen. Den Arbeiten ist gemein, dass sie allesamt aus einer Auseinandersetzung mit den Sprachen des Modellhaften heraus entwickelt worden sind. Der Akt des konkreten Einfügens stand jeweils am Ende einer längeren Reflexion über die Rolle des Modells im architektonischen Entwurfsprozess
Jacob van Ruisdaels Buiten-Ansichten
In den Buiten-Ansichten Jacob van Ruisdaels zeigt sich eine einmalige Verbindung von Architektur und Naturkonzept in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Die Darstellung von luxuriösen Landvillen wird in eine illusionistische Landschaft gesetzt, die in ihrem Wildnischarakter den realen barocken Garten negiert. Ruisdael spielt bewusst mit der assoziativen Wirkung von Buiten- und Garten-Architektur, die durch ihre Übertragung in die Wildnis ihrer Funktion enthoben werden. Gleichzeitig erhält die Landschaft durch ihre Gruppierung um die Architektur eine Aufwertung zum Garten. Die dabei entstehenden Parallelen zur Gartenkunst des 18. Jahrhunderts, machen Ruisdael zu einem visionären Künstler seiner Zeit