Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
Not a member yet
744 research outputs found
Sort by
Politische TV-Ereignisse umdenken: Die Ära der Post-Broadcast Kommunikation
Im Kontext politischer TV-Events und politischer TV-Debatten eröffnen sich über das Internet und Social Networks wie Facebook oder Twitter neue Möglichkeiten des Konsums und inhaltlichen Austauschs, die das klassische Bild von TV-Ereignissen und deren Analysen in Frage stellen. Politische TV-Events werden nicht mehr primär über ein einziges Medium, den Fernsehbildschirm, wahrgenommen. Ihr Konsum verläuft in einer internet-affinen Subpopulation viel eher über eine Mehrzahl an Informationskanälen, die in gängigen empirischen Methoden nicht alle berücksichtigt werden. Wir befinden uns am Beginn einer Post-Broadcast Ära, in welcher Social Networks, politische Foren, Blogs und auch die Medienberichterstattung im Internet einen vielfältigen Medienkonsum und einen breiten inhaltlichen Austausch zu TV-Ereignissen erleichtern. Die vorliegende explorative Studie untersucht, inwieweit das potenzielle Publikum von TV-Debatten weit über das Fernsehpublikum hinaus reicht, und kommt dabei zur Erkenntniss, dass der Einfluss- und Analysebereich von TV-Events neu diskutiert werden muss. Grundlage der Untersuchung ist eine Online-Befragung von Studierenden der Universität Wien im Rahmen der ORF-Sommergespräche 2012.The internet and social networks such as Facebook or Twitter have opened up new ways of using media and exchanging content in the context of televised political events, and in particular of TV debates. The internet and social networks now challenge the established image of televised events and their analysis. In an internet-oriented subpopulation, televised political events are no longer watched via a single medium, the television screen. Instead, their consumption passes through numerous information channels such as social networks, political web forums, blogs and online media coverage. Yet, these channels are often not included in conventional empirical methods. This descriptive study shows how the potential audience of televised debates extends far beyond its TV audience, which is why the impact and the methods of analysis of these events need to be discussed anew. The basis of this article is an online survey of students at the University of Vienna about the ORF-Sommergespräche (summer talks) 2012
Die drei Dimensionen des Verfassungspatriotismus – Sternberger Revisited
Der Begriff des Verfassungspatriotismus ist immer wieder Gegenstand kontroverser Diskussionen. Jüngere Beiträge rekurrieren dabei wieder vermehrt auf Sternbergers Begriff von Verfassungspatriotismus, wobei eine detaillierte Aufarbeitung des Konzeptes bislang fehlt. In dieser Arbeit wird daher unter Berücksichtigung seiner Erfahrung des Nationalsozialismus eine dreidimensionale Konzeptualisierung des Verfassungspatriotismus in eine kognitive, eine emotive und eine agitive Dimension vorgeschlagen. Diese drei Dimensionen konstituieren ein demokratisches Handlungskonzept, das Emotionalität und Rationalität verbindet und in dieser Hinsicht anschlussfähig in der aktuellen Politikwissenschaft ist
Koordinationsprobleme durch nationale Wahlen? Die europäische Verfassungspolitik in Österreich und Irland 2002-2009
National Elections determine the time horizons of politicians and may cause inter-temporal changes of their policy positions. In European constitutional policy this observation is contrasted by both the assump- tion of long term motives and the successful revisions of EU treaties. Thus, we analyse if national elections in Ireland and Austria had an impact on the positions of national parties in European constitutional policy. The findings of our case studies show that the parties’ positions remained largely stable. However, we also identify three factors which may increase the politicisation of EU constitutional issues in the national arena and thereby shorten the time horizons of politicians: Eurosceptic parties, referenda, and issues carrying a symbolic meaning for the public. Finally, we observe that the resulting inter-temporal inconsis- tencies have caused only limited coordination problems in the EU treaty negotiations. Nationale Wahlen bestimmen die Zeithorizonte von PolitikerInnen und können Schwankungen ihrer in- haltlichen Positionen verursachen. Dieser Grundüberlegung zum Regieren in Demokratien stehen jedoch in der europäischen Verfassungspolitik die Annahme langfristiger Kalküle und erfolgreiche Vertragsrevisi- onen entgegen. Daher untersuchen wir am Beispiel Irlands und Österreichs, ob die Politisierung von EU- Verfassungsfragen in nationalen Wahlen Einfluss auf die Positionen von nationalen Parteien hatte. Unsere Fallstudien zeigen, dass die Positionen der Parteien weitgehend stabil waren. Allerdings erhöhen symbol- trächtige Themen, europaskeptische Parteien und Referenden das Politisierungspotenzial von EU-Verfas- sungsfragen und verkürzen so die Zeithorizonte von nationalen PolitikerInnen. Die daraus resultierenden Positionsschwankungen führen aber nur zu begrenzten Koordinationsproblemen auf europäischer Ebene.
Electoral Legislation Reforms, State Funding and Political Parties in the Czech Republic: a Sign of the Cartelization of Party Politics?
The paper analyses the system of public funding of political parties in the Czech Republic. The first part of the paper presents an overview of the laws governing political party funding in a wider socioeconomic context. The second part of the paper presents empirical analyses of party funding, focusing primarily on the role that state funding plays in the overall political party income structure. Specific attention is paid to the differences between parliamentary and non-parliamentary political parties. The overall findings suggest that the system of state financing in the Czech Republic does not promote equality and inclusivity within the party system. On the contrary, the significant disproportion of funds available and allocated to parliamentary parties seems to promote and solidify the status quo
Immer (mehr) Ärger wegen der Natur? – Für eine gesellschafts- und konflikttheoretische Analyse von Konflikten um Natur
Konflikte um Natur erlangen in der Politikwissenschaft zunehmend Bedeutung. Bestehende analytische Zugänge weisen jedoch einige Schwächen auf. Wir widmen uns zunächst der Umweltkonfliktforschung. Dieser fehlt, so unser Argument, ein theoretisches Verständnis des Gesellschaft-Natur-Verhältnisses, was eine an gesellschaftliche Strukturen rückgebundene Analyse von Konflikten um Natur verhindert. Eine politisch-ökologische Perspektive ermöglicht zwar eine solche Analyse, allerdings bleibt ihr Konfliktbegriff oft vage. Der Beitrag entwickelt hiervon ausgehend eine gesellschafts- und konflikttheoretisch angeleitete Perspektive, mit der es gelingt, das Verhältnis von Natur und Konflikt begrifflich zu fassen, theoretisch zu verankern und empirisch zu analysieren
Vom Naturrecht zum Behavioralismus und darüber hinaus. Konzeptionelle Grundlagen der Disziplin Politikwissenschaft in Österreich
In einer Phase des Hochschulausbaus und der Hochschulreform fand ab Mitte der 1960er-Jahre während einer ca. zehn Jahre dauernden Phase die Formierung der Disziplin Politikwissenschaft statt. Doch welche wissenschaftlichen Konzepte standen bereit und wurden verwendet? Dieser Beitrag macht deutlich, dass unter dem Label "Politikwissenschaft“ unterschiedliche Vorschläge autochthoner wie auch akkulturierter Genealogie eingebracht wurden. Dieser Beitrag analysiert ihre erkenntnistheoretischen Charakteristika, aus denen sich auch ihre weitere Entwicklung erklären lässt.