Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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    Die OZP wird zu einem Open Access Journal

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    Mit dem kommenden Jahr (Heft 1/2015) wird die ÖZP von einem Journal im Papierdruckformat zu einer Open Access Publikation. Schon länger wissen wir: Ein reines Druckprodukt ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Die akademischen Lese- und Arbeitsgewohnheiten haben sich in den letzten zehn Jahren völlig verändert; im Mittelpunkt steht heute die elektronische Verfügbarkeit von Artikeln.Viele Zeitschriften haben sich heute hinter einer sogenannten Paywall verschanzt. Das bedeutet, dass ein/e AbonnentIn (in der Regel Universitätsbibliotheken) eine Journallizenz kauft und damit die elektronische Verfügbarkeit der Artikel dieses Journals sicherstellt (so können dann Angehörige der Universität auf diese Artikel zugreifen).Die ÖZP konnte diese Entwicklung aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen: Die großen internationalen Verlage verlangen für die Bereitstellung der elektronischen Infrastruktur und editorische Arbeit entweder eine jährliche Summe an finanziellen Zuschüssen. Oder sie behandeln kleine Journals wie unseres mit jener zu erwartenden Nachlässigkeit, die der profitorientierten Kalkulation der economies of scale entspricht, aber nicht die Sorgfalt garantiert, mit der wir unser Journal geführt sehen wollen. Der im Vergleich kleine Verlag, mit dem die ÖZP in den letzten Jahren sehr zufrieden kooperieren durfte – Facultas –, wiederum hat leider nicht die Infrastruktur, um unsere Artikel für AbonnentInnen elektronisch zur Verfügung stellen zu können.Wir haben uns gefragt, ob das bedeutet, dass eine Zeitschrift wie die ÖZP ihre Funktion für die österreichische Politikwissenschaft nicht mehr erfüllen kann. Ihr Verschwinden hätte jenseits des Traditionsbruchs bedeutet, dass die österreichische sozialwissenschaftliche Szene eine Möglichkeit verliert, ihre qualitätsvolle Forschung aufzubereiten und zu publizieren. Sicher, es gibt zahlreiche internationale Journals, doch ein nationales Publikationsorgan hat zwei unschätzbare Eigenschaften, die kein noch so hoch geranktes internationales Journal bieten kann: Es ist ein Medium zur disziplinären Selbstverständigung vor Ort, und es dient zur Verbreitung sozialwissenschaftlich erarbeiteten Wissens in jenem Kontext, in dem dieses Wissen generiert wurde und für den es von besonders großem (Anwendungs- oder Reflexions-)Nutzen ist. Gerade in einer Zeit, wo der Nachweis des impact von Wissensproduktion auch auf politischer Seite immer stärker eingefordert wird, ist diese Infrastrukturfunktion eines Journals von entscheidender Bedeutung für das weitere Gedeihen einer ganzen Disziplin.Als Druckzeitschrift musste die ÖZP mit dem Dilemma leben, dass sie zwar gute und herzeigbare Artikel publizierte, diese aber nicht die Sichtbarkeit erfuhren, die ihnen zugestanden hätte. Diese mangelnde Sichtbarkeit war umso mehr ein Dilemma, als der Großteil des jährlich umgesetzten Budgets unserer Zeitschrift in die Druckkosten ging. Uns von diesem Posten zu befreien bedeutet, noch mehr Augenmerk auf die eigentliche Arbeit legen zu können, nämlich den Begutachtungsprozess und die editorische Betreuung von eingereichten Artikeln. Darüber hinaus gewinnen wir automatisch mehr Sichtbarkeit.Die Inhaberin der Zeitschrift – die Österreichische Gesellschaft für Politikwissenschaft – hat sich die Entscheidung mit Open Access keineswegs leicht gemacht. Ihr lag ein langjähriger Diskussionsprozess zugrunde, angestoßen und geleitet vom GeschaÅNftsführenden HerausgeberInnengremium (GHG), das 2011 eingesetzt wurde, um die Modernisierung der ÖZP zu forcieren und durchzuführen. Das Ergebnis dieser langjährigen Planung kann sich sehen lassen: Aufgrund einer kompetitiv eingeworbenen Förderung durch den Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (FWF) und eine Langzeitübereinkunft mit der Universität Innsbruck können wir nun die kommenden Jahre ohne Article Processing Charges (oder ähnliche autorInnenbasierte Finanzierungsmodelle) daran arbeiten, die ÖZP als Open Access Journal zu platzieren.In den zahlreichen Diskussionen und Entwicklungen, die das GHG über die letzten Jahre hinweg durchgeführt hat, war Open Access anfänglich nur eine Option von mehreren. Mit der durch den FWF eröffneten Finanzierungsmöglichkeit wurde diese Option zunehmend vielversprechend. Die Vor- und Nachteile wurden sorgsam abgewogen. Es zeigte sich, dass die Vorteile bei Weitem überwiegen: eine gesicherte Finanzierung über mehrere Jahre hinweg, eine Konzentration auf Kernaufgaben und die schlagartige Erhöhung der Sichtbarkeit der Zeitschrift ohne Qualitätsverlust.Open Access ist insbesondere in den Naturwissenschaften mittlerweile die gängige und weitgehend auch bevorzugte Publikationsform, weil sie sich zur schnellen Dissemination von Forschungsergebnissen eignet und eine bessere Qualitätssicherung ermöglicht – man denke insbesondere an PLOS (Public Library of Science), die vornehmlich die Lebenswissenschaften vertritt. Wenn wir uns diesen Erfolg vor Augen halten, dann können unter SozialwissenschaftlerInnen immer noch verbreitete Ängste nur als Rückzugsgefechte traditioneller und lieb gewonnener Publikationsverfahren interpretiert werden. Aber auch hier ändern sich die Gewohnheiten. LeserInnen der ÖZP fragen zunehmend nach elektronisch verfügbaren Beiträgen aus der Zeitschrift. Und generell zeigen jährlich durchgeführte Umfragen, dass die Akzeptanz von Open Access Journals in den Sozialwissenschaften stetig im Steigen begriffen ist.Die ÖZP, als eine der ältesten politikwissenschaftlichen Zeitschriften Europas, wird mit diesem Schritt jedenfalls eine Vorreiterrolle in der sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenlandschaft übernehmen. Unsere Kernaufgabe wird jetzt mehr denn je darin bestehen, die sorgfältige Betreuung eingereichter Artikel zu gewährleisten und unbestechliche, objektive und faire Gutachten im bewährten Verfahren (double blind peer review) einzuholen. Die Artikel werden nach der Begutachtung und redaktionellen Betreuung sofort online gestellt und sind damit frei verfügbar. Ebenso werden sukzessive alle bisher in der ÖZP publizierten Artikel online gestellt.Einige Details der Umstellung harren noch ihrer endgültigen Lösung, und wir werden diese bis zum Erscheinen des nächsten Hefts bekannt geben. Vieles ist jedoch schon geschehen. Eine begleitende Maßnahme, um die Zeitschrift für das 21. Jahrhundert fit zu machen, bestand darin, an der Leitungsstruktur zentrale Änderungen vorzunehmen. Das GHG, das eine Übergangslösung war, wird mit Ende des Jahres aufgelöst. Die Editors sind nun, den internationalen Usancenentsprechend, drei Mitglieder der professoralen Kurie der österreichischen Politikwissenschaft. Sie werden unterstützt vom bewährten Team der Redaktion, das weiterhin das Tagesgeschäft durchführen wird. Neu gewinnen konnten wir eine namhafte Gruppe von rund 30 international ausgewiesenen WissenschaftlerInnen in allen Teilbereichen der Politikwissenschaft sowie verwandten Fächern, die gemeinsam das die Editors beratende Editorial Board bilden werden, und die historisch gewachsene Gruppe des wissenschaftlichen Beirats ersetzen.Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Personen, die in den letzten Jahren intensiv an der Weiterentwicklung der ÖZP mitgearbeitet haben, bedanken: dem stets hilfsbereiten Team von Facultas, den bisherigen Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats und vor allem des GHG, das sich als unschätzbares Forum für strategische Diskussionen zur Ausrichtung der Zeitschrift erwiesen hat. Und wir freuen uns auf die Zukunft der ÖZP als Open Access Journal.Thomas König, Sonja Puntscher-Riekmann, Gilg Seeber, Dieter Seger

    History, institutions, and selectivities in historical-materialist policy analysis: A sympathetic critique of Brand’s ‘State, context and Correspondence‘

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    Der Autor dieses Beitrags greift wie Ulrich Brand zentral auf kritische Staats- und Hegemonietheorien zurück. Ausgehend von drei Kritikpunkten schlägt er vor, den Kontext des Policy Making stärker zu berücksichtigen. Eingangs stellt er andere theoretische Strömungen vor als die von Brand vorgeschlagenen interpretativen Zugänge: (1) Ein strategisch-relationaler historischer Institutionalismus kann, unterstützt durch (2) „Periodisierung“ und Konjunkturanalyse, dazu beitragen, historisch produzierte Strukturen zu analysieren. (3) Schwerpunkt der Auseinandersetzung ist dann die Kritik an Brands Konzept der „Selektivitäten“, das weiter ausdifferenziert wird, um die „institutionelle Verdichtung von Kräfteverhältnissen“ in Policies besser fassen zu können. Die vorgeschlagenen Ergänzungen für eine historisch-materialistische Policy-Analyse werden mittels eines kurzen stilisierten Fallbeispiels gleichheits-orientierter Policies in Südafrika veranschaulicht.This contribution shares Ulrich Brand’s reliance on critical theories of the state and hegemony. Based on three points of criticism, the author argues for a better elaboration of the context of policy making. First, he proposes to consider a broader range of theoretical currents than the interpretive accounts introduced by Brand: (1) A strategic-relational interpretation of historical institutionalism will be introduced, (2) featuring the concept of ‘periodisation’ for a systematic understanding of historically evolving structures. In addition to the introduction of a broader range of theoretical currents, (3) Brand’s proposed concept of ‘selectivities’ will be further refined and specified to be better able to grasp the workings of the ‘institutional condensation of the correlation of forces’ in the policy cycle. The proposed conceptualisation of historical-materialist policy analysis will be exemplified by a short stylised example of research on equality-oriented policies in South Africa

    Research variety and institutional dispersion – research on politics and administration and university education in Germany

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    Die politikwissenschaftliche Verwaltungswissenschaft ist aufgrund des hergebrachten Juristenmonopols im höheren Dienst an deutschen Universitäten nur schwach institutionalisiert. Gleichwohl bringt sie eine breite Vielfalt an Forschungsergebnissen zur Rolle der Verwaltung auf allen Ebenen des politischen Systems hervor und ist gut in internationale Forschungszusammenhänge integriert. Anhand ausgewählter Forschungsschwerpunkte zeigt dieser Beitrag, dass der Bereich „Verwaltungswissenschaft und Policy-Analyse“ nicht nur die gesamte Breite an methodischen und theoretischen Zugängen der Sozialwissenschaften aufgegriffen hat, sondern in der Vergangenheit auch von sich aus wichtige Anstöße zur Entwicklung der Politikwissenschaft, z.B. zur Governance-Debatte, gegeben hat. Trotz dieser engen inhaltlichen Verflechtung ist die Analyse von Politik und Verwaltung jedoch nicht in diesen Diskursen aufgegangen; sie liefert vielmehr eigenständige Forschungsfragen. Ungenutztes Potenzial besteht bei der interdisziplinären Vernetzung mit der rechtswissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Verwaltungsforschung. Since jurists still enjoy a privileged access to the senior service, the subject area “politics and administra- tion” is weakly institutionalized in political science departments at German universities. Nevertheless, one can find a wide variety of research on public administration in political science. German researchers focus- ing on “politics and administration” are also well integrated into international research networks. By singling out some key aspects of “administrative sciences and public policy”, this article reveals that this research branch has taken on the whole range of the methodological and theoretical approaches shaping the rel- evant debates in political science. Vice versa, “politics and administration” contributed to the dominating discourses in political science, such as the governance debate. Notwithstanding its tight linkage with other subdisciplines, “politics and administration” did not merge into these research areas but still adds to political science with distinct research questions. However, there is some potential still unexploited to further link research activities to administrative law and public management.

    Policy Analyse: Empirismus, gesellschaftliche Konstruktion und Realismus

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    Ulrich Brand hat in diesem Journal kürzlich die Frage nach neuen Wegen in der Policy Analyse aufgeworfen. Der vorliegende Kommentar ist geschrieben aus Sicht eines interdisziplinär forschenden Politikwissenschafters mit Interesse an den Beziehungen von sozialen, ökonomischen und ökologischen Problemen. Im Mittelpunkt stehen zwei unterschiedliche, in den Sozialwissenschaften vorherrschende Methodologien. Der rationalistische Ansatz ist den Naturwissenschaften nachgebildet und nimmt eine vollständig nachvollziehbare, objektive Realität an, die wissenschaftlich beobachtet werden kann. Die sozialkonstruktivistische Position, oder interpretative Policy Analyse (IPA), nimmt hingegen Wissen und Meinung als untrennbar verknüpft an, weshalb sich wissenschaftliche Beobachtung davon nicht unabhängig machen kann und daher subjektiv geprägt bleibt. Brand bietet sein Modell der HPMA als Ausweg aus dieser Konstellation an, aber er ordnet sie vor allem der sozialkonstruktivistischen Position zu. Mein Argument lautet dagegen, dass es eine Synthese von Elementen aus beiden Richtungen braucht, und tatsächlich ist es das, was Brand selbst macht.In a recent article Ulrich Brand has discussed how best to perform policy analysis. I reflect upon the paper as an interdisciplinary researcher experienced in public policy problems and their analysis with a particular interest in the relationship between social, economic and environmental problems. At the centre of the paper is the contrast between two existing methodologies prevalent in political science and related disciplines. One is the rationalist approach, which takes on the character of a natural science, that believes in a fully knowable objective reality which can be observed by an independent investigator. The other is a strong social constructivist position called interpretative policy analysis (IPA), where knowledge and meaning become so intertwined as to make independence of the observer from the observed impossible and all knowledge highly subjective. Brand then offers his model of HMPA as a way forward, but one that he closely associates with the latter. My contention is that policy analysis, and any way forward, needs to provide more of a synthesis of elements from both approaches. Indeed I believe this is actually what Brand is doing.

    Thierry (Hg.) (2011): Politikberatung in Österreich

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    Deportation politics: A social scientific approach

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    Diese Einführung skizziert Abschiebungen von Nicht-StaatsbürgerInnen als Politikfeld. Staatliche Souveränität, Macht und Kontrolle, Gewalt, aber auch Raum und Grenze, Bewegungsfreiheit und Menschenrechte sind die Denk- und Handlungskonzepte, die das Feld charakterisieren

    Radeljić (Hg.) (2013): Europe and the post-Yugoslav space

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    Heuristik statt politische Theorie: Eine postpositivistische Kritik des Rational-Choice-Ansatzes

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    In diesem Beitrag werden logische Konsequenzen, die sich aus den theoretischen Prämissen des Rational-Choice-Ansatzes für die politische Analyse ergeben, sowie dem Ansatz immanente Widersprüche aus postpositivistischer Sicht aufgezeigt. Die Grundprämissen des Rational-Choice-Ansatzes, insbesondere der methodologische Individualismus, der darauf aufbauende Universalismus und Objektivismus werden kritisch evaluiert. Zur Schärfung und Veranschaulichung der Kritik werden dem Rational-Choice-Ansatz postpositivistische Theorien und Konzepte wie Historizität, kontaminierte Universalität und soziale Objektivität gegenübergestellt. Insbesondere der fehlende Gesellschaftsbegriff und der starke, dem Ansatz zugrunde liegende Atomismus, grenzen ihn hiernach von anderen politischen Theorien ab. Zielsetzung dieses Beitrags ist es, die Differenzen zwischen dem Rational-Choice-Ansatz und postpositivistischen Theorien systematisch herauszuarbeiten und Möglichkeiten und Grenzen des Ansatzes für die politische Analyse zu diskutieren. Proceeding from a post-positivist point of view, this article examines the logical consequences and immanent contradictions that follow from the theoretical premises of the rational choice approach for political analysis. It offers a critical evaluation of the basic assumptions upon which rational choice theory is based, especially its methodological individualism, universalism, and objectivism. In order to sharpen and more clearly illustrate the argument, it contrasts rational choice with post-positivist theories and concepts, such as historicity, contaminated universality, and social objectivity. Rational choice differs from many political theories in the absence of a theory of society and its strong analytical atomism. The aim of the article is to systematically scrutinize the differences between rational choice and post-positivist theories and to discuss opportunities and limits of the former for political analysis

    Begrenzte Regeleinhaltung oder vorauseilender Gehorsam? Nationale Reaktionen auf die Rechtsprechung des EuGH

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    Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs als „Motor der Integration“ ist umfassend untersucht, doch die Wirkung der Rechtsprechung auf nationale Politik wird weniger beachtet. Insbesondere der Auslegungs- bedürftigkeit vieler Urteile werden ganz gegensätzliche Wirkungen zugeschrieben: Nach einer Lesart bietet die europäische Rechtsprechung den Mitgliedstaaten viele Schlupflöcher, um sich Urteilen nur im Einzelfall zu beugen, breitere Implikationen aber zu ignorieren. Nach einer anderen Lesart ist es gerade die Offenheit vieler Urteile, die interessierte AkteurInnen zu weiteren Klagen ermächtigt, um umfassende Anpassungen auf nationaler Ebene zu erzwingen. Ob Mitgliedstaaten auf die Rechtsprechung eher mini- malistisch reagieren oder vorauseilende Reformen unternehmen, hängt davon ab, wer die Kosten dauer- hafter Rechtsunsicherheit zu tragen hat: Verteidiger oder Herausforderer des rechtlichen Status quo. Dieses Argument wird durch zwei Fallstudien zum nationalen Umgang mit Urteilen zur Kapitalverkehrs- freiheit (goldene Aktienfälle) und zur Dienstleistungsfreiheit (Entsendefälle) plausibilisiert und konkurrie- renden Erklärungen gegenübergestellt. The power of the European Court of Justice to promote European integration through law has been broadly acknowledged, but the Court’s domestic impact receives less attention and remains contested. In particular, the ambiguity of many judgments is said to have two opposed effects: According to one logic, legal ambiguity enables national policy-makers to contain the impact of Court rulings, i.e. to ignore poten- tially broader policy implications. According to another logic, ambiguous case law provides opportunities for interested litigants to pressure national policy-makers into (anticipatory) adjustments. Which of these two logics prevails, it is argued, depends on the distribution of legal uncertainty costs between supporters and challengers of the regulatory Status quo. The argument is contrasted with competing explanations and supported by two case studies on the domestic impact of the Court’s jurisprudence on the free move- ment of capital (golden shares) and services (posted workers).

    State, context and correspondence. Contours of a historical-materialist policy analysis

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    This paper outlines contours of a historical-materialist policy analysis through a double critique. First, historical-materialist approaches all too often conceptualize policies in a functionalist way as “outcomes” of predominant social relations, especially of class relations. The contingencies and own logics of policy processes are often downplayed. However, the (non-)correspondence between societal reproduction and policies needs to be conceptualized. It is proposed to understand the state as a “knowledge apparatus” which constantly organizes or even produces knowledge about objects of steering, societal and political problems, and the possibilities of how to deal with problems. Secondly, policy analysis has a simplified understanding of the state due to its state theoretical deficit. From a perspective of critical state and hegemony theory, the state is understood as a sectoralized social relation with power-shaped selectivities and is embedded in more or less hegemonic societal relations

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