Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Pelinka (2005): Demokratie in Indien. Subhas Chandra Bose und das Werden der politischen Kultur.
Geschlecht und Religion im Diskurs um den EU-Beitritt der Türkei – eine vergleichende Perspektive auf Frankreich und Österreich
Der Artikel geht der Frage nach, wie Geschlecht und Religion/Säkularität im Diskurs um den EU-Beitritt der Türkei in französischen und österreichischen Printmedien verknüpft sind und fokussiert auf die Ergebnisse einer vergleichenden empirischen Untersuchung des Mediendiskurses in Österreich und Frankreich. In den Blick genommen werden spezifische Darstellungen des Anderen und des Eigenen, die geschlechtsspezifisch und religiös konnotiert sind. Dabei zeichnen sich sowohl kontrastierende nationale Narrative als auch länderübergreifende Topoi ab: In Frankreich sind die untersuchten Darstellungsweisen der Türkei und die Beitrittsdebatten etwa an universalistische Vorstellungen einer „mission civilisatrice“ gekoppelt, in Österreich hingegen kommen diverse Bedrohungsszenarien zum Tragen, in denen historische Konfliktlinien reaktiviert werden. Als länderübergreifende Strategien der Alteritätskonstruktion kristallisieren sich orientalistische Momente heraus, als deren Aufhänger etwa der Topos von „Sein und Schein“ und der Topos der „Öffnung der Türkei“ dienen
Wann sind „umfassende“ Reformen auch ausreichend? Die janusköpfige Entwicklung der österreichischen aktiven Arbeitsmarktpolitik 1998–2007
Aktive Arbeitsmarktpolitik (AAMP) spielt seit dem Beginn der 1990er-Jahre eine wichtige Rolle in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsstrategie Österreichs. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Entwicklung österreichischer aktiver Arbeitsmarktpolitik zwischen 1998 und 2007. Weiters wird das Verhältnis zwischen AAMP und geänderten Risikostrukturen – sogenannten „new social risks“ – näher beleuchtet. Da Resultate einer Politikfeldanalyse immer davon abhängen, vor welchem Hintergrund das jeweilige Politikfeld untersucht wird, leiten drei unterschiedliche Perspektiven die vorliegende Analyse der österreichischen aktiven Arbeitsmarktpolitik. Die Entwicklung der AAMP in Österreich wird zudem mithilfe zweier Hypothesen von Giuliano Bonoli theoretisch verortet. Diese beiden Hypothesen gründen auf dem Pfadabhängigkeitstheorem und dem Machtressourcenansatz
Demokratische Evaluation. Ein beteiligungsorientierter und wertschätzender Ansatz
Der Artikel versteht sich als Beitrag zur Weiterentwicklung eines Evaluationsverständnisses, welches für Politische Bildung im deutschsprachigen Raum fruchtbar gemacht werden kann. Es wird die Problematik bestehender Evaluationsansätze im Bereich Politischer Bildung, insbesondere umfassend verstanden als erfahrungsorientiertes Lernen, dargelegt. US-amerikanische interdisziplinäre Ansätze der Evaluationsforschung, die Partizipation und Wertschätzung als zentral für Evaluation ansehen, werden als grundlegend für eine Neuorientierung von Evaluation Politischer Bildung diskutiert. Darauf aufbauend werden Grundprinzipien einer Demokratischen Evaluation skizziert und eine methodische Umsetzung dieser Prinzipien für die Praxis vorgeschlagen.
Serloth (2009): Entpolitisierung der Politik? Nationalstaatliche Demokratie zwischen Selbstentmachtung, Globalisierung und ungebrochener Lenkungsmacht
Engel/Middell (Hg.) (2010): World Orders revisited (= Transnationalisierung und Regionalisierung vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart 3)
Zwischen Liebe und Vernunft. Drei Modelle von Patriotismus in Theorie und Praxis
Das Verhältnis von Emotion und Kognition beim Patriotismus ist eine wichtige, empirisch bislang aber zu wenig analysierte Frage. Diese Forschungslücke wird besonders im Kontext der Diskussion um Verfassungspatriotismus deutlich, den Dolf Sternberger in den 1970er Jahren als Verbindung emotionaler und kognitiver Bindungen konzipiert hat. In diesem Beitrag wird nachgewiesen, dass Verfassungspatriotismus nicht nur ein theoretisches Konzept ist, sondern auch von vielen Bürgern gelebt wird. Dazu werden zunächst drei theoretische Patriotismusmodelle entwickelt und diskutiert. Anschließend wird ihre empirische Relevanz am Beispiel Deutschlands mithilfe einer Analyse repräsentativer Umfragedaten überprüft. Dabei zeigt sich, dass in Deutschland rationale, emotionale und Verfassungspatrioten leben. Emotionen spielen also eine wichtige Rolle in der politischen Praxis – und sollten entsprechend im Kontext politischer Theoriebildung stärker beachtet werden
Barrientos/Hulme (Hg.) (2008): Social protection for the poor and poorest. Concepts, policies and politics
Kontroverse Koalitionen im politischen Laboratorium Camp – antimilitaristisch-feministische Bündnisse und Bündisarbeit als kontingente, soziale Prozesse
Die ersten der elf „Frauenwiderstandscamps“ im Hunsrück (BRD), die seit 1983 stattfanden, waren erstaunlich weitgreifende politische Bündnisse von Feministinnen gegen Militarismus und Männergewalt. An deren Beispiel lässt sich die für Koalitionen notwendige gemeinsame Bündnisarbeit (u.a. Entwicklung von Verfahren zur Konfliktlösung als Teil eines institutionellen Arrangements) im Rahmen eines kontingenten sozialen Prozesses verdeutlichen. Dabei stellt sich heraus, dass politisches Camping mehr ist als ein Mittel zum Zweck eines Vor-Ort-Protests, da sich das Zusammenleben auf den Camps in verschiedener Hinsicht als Bündnismotor erweist. Hier zeigt sich die strukturelle Signifikanz von Camps als offenes, politisches Laboratorium, als Utopieforum, als temporäre, reflexive Organisations-, Mobilisierungs-, Partizipations-, Handlungs- und Protestformen – auch und gerade für politisch breite Bündnisse. Die frühen Frauenwiderstandscamps im Hunsrück weisen spezifische (auch feministische) Kennzeichen und Kriterien auf, die mit den bestehenden bündnistheoretischen Überlegungen bislang nicht oder nicht hinreichend beschrieben werden konnten