Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Ungenützte Chancen: Gender Mainstreaming im Kunstbereich
Der Frauenanteil in österreichischen Kunst- und Kulturarbeitsmärkten ist im Sinken begriffen. Waren Frauen noch in den 1980er und 1990er Jahren dort leicht überrepräsentiert (d.h. mit mehr als 50 Prozent), mit stets steigender Tendenz, so hat sich das Bild um die Jahrtausendwende verändert: Frauen sind im Gegensatz zum übrigen Arbeitsmarkt nun wieder unterrepräsentiert. Der Grund dafür liegt weniger darin, dass Frauen in Kunst und Kultur häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sondern vielmehr darin, dass sie in atypische Arbeitsverhältnisse gedrängt und damit statistisch unsichtbar werden. Wie in anderen Segmenten des Arbeitsmarktes befinden sich auch im Kunst- und Kulturbereich Frauen häufiger als Männer in prekären Verhältnissen; Auslagerungen verstärken hier noch die in allen Bereichen stattfindende Umstrukturierung der Arbeitsmärkte.Aktuelle empirische Studien zeigen, dass auch neue beschäftigungspolitische Hoffnungsfelder wie z.B. die „Creative Industries“ keine besseren Arbeitsbedingungen bieten – im Gegenteil: Auch hier finden sich Frauen in den einkommensschwachen Bereichen wieder, auch hier spaltet die vertikale Segregation weibliche und männliche Berufskarrieren. Dazu wird die Prekarität zur Regel, ja im (kultur- und wirtschafts-)politischen Diskurs wird sie sogar zum Merkmal innovativer Sektoren stilisiert und ins Positive gewendet.Vor diesem Hintergrund wird dieser Beitrag der Frage nachgehen, inwiefern sich politische Konzepte – gezielte Frauenförderung bzw. Gender Mainstreaming – im Kunst- und Kulturbereich ausgewirkt haben und ob die daraus abgeleiteten Maßnahmen für diesen spezifischen Bereich überhaupt geeignet sind oder nicht
Tagungsbericht: „Demokratisierung und Entdemokratisierung in Europa?“
Ausgehend von der Problemstellung, dass die Aufkündigung des Gesellschaftsvertrages der Nachkriegszeit mit seinen ökonomischen und sozialen Merkmalen (z. B. Vollbeschäftigung, wohlfahrtsstaatliche Sicherung etc.) durch eine neoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zu politischen Veränderungen in Europa geführt hat, hatte die Konferenz zum Ziel, die Auswirkungen dieser Veränderungen („Reformpolitiken“) auf die politischen Systeme und die Beschaffenheit von Demokratie auf nationalstaatlicher und europäischer Ebene zu beleuchten
„Policy Learning“ in der SPÖ: Innerparteiliche Dynamiken bei der Entscheidungsfindung zur Fristenregelung
Im Jahr 1975 wurde in Österreich – wie in vielen OECD-Ländern – nach einer langen und streckenweise äußerst heftig geführten politischen Auseinandersetzung eine restriktive Regelung des Schwangerschaftsabbruchs durch eine – im internationalen Vergleich als permissiv zu bewertende – Fristenregelung ersetzt. In Anlehnung an Paul Sabatiers „Advocacy Coalition“-Ansatz stellt der Artikel folgende Fragen: Wie ist es zu diesem Politikwandel gekommen? Welche Rolle hat dabei „Lernen in der Politik“ gespielt? Welchen Einfluss hatten formale und informelle Organisationsstrukturen, Normen und Werte des zentralen Akteurs dieses Politikwandels, der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ), auf diesen Lernprozess
Zwischen Gipfelkreuz und Halbmond. Die Auseinandersetzung um den Islam in Österreich und der Schweiz, 1998–2007
Die wachsende Präsenz muslimischer MigrantInnen und ihre religiös-kulturellen Forderungen an den Staat führen in vielen europäischen Ländern zu neuen Konflikten. Der vorliegende Artikel untersucht die bislang wenig beachteten Fälle Österreich und Schweiz und konzentriert sich auf den Einfluss unterschiedlicher Partizipationsmodelle und Regulationen des Verhältnisses von Kirche (bzw. Islam) und Staat. Die auf Basis einer kernsatzbasierten Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung gewonnenen Daten zeigen, dass der Islam später als in vergleichbaren Ländern Gegenstand der politischen Auseinandersetzungen geworden ist und rechtspopulistische Parteien dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Unterschiede in der Struktur dieser Auseinandersetzungen lassen sich auf Kontextfaktoren zurückführen: Die staatliche Anerkennung des Islam und die damit verbundenen themenspezifischen Opportunitätsstrukturen führen in Österreich zu einer stärkeren Beteiligung muslimischer AkteurInnen und einer eher von pragmatischen Begründungen geprägten Debatte. Das bürgerschaftliche Partizipationsmodell führt in der Schweiz zu einer geringeren Bedeutung von staatszentrierten, institutionalisierten Aktionsrepertoires und Kontextereignissen sowie von parteipolitischen VertreterInnen
Feichtinger/Wentker (Hg.) (2008): Islam, Islamismus und islamischer Extremismus. Eine Einführung
Sandner (2006): Engagierte Wissenschaft. Austromarxistische Kulturstudien und die Anfänge der britischen Cultural Studies
Wissensvermittlung, politische Erfahrungen und Politisches Bewusstsein als Aspekte politischer Bildung sowie deren Bedeutung für politische Partizipation
Welche Rolle spielt Politische Bildung bei der politischen Sozialisation junger Menschen und welche Wirkung hat sie auf die politische Partizipationsbereitschaft? Ausgehend von der Annahme, dass das Ziel Politischer Bildung die Erziehung junger Menschen zu wissenden und aktiven StaatsbürgerInnen ist, wird in diesem Artikel der Frage nachgegangen, inwiefern Politische Bildung als Einflussfaktor für politisches Verhalten im Allgemeinen und politische Beteiligung im Speziellen gelten kann. Dabei soll auch dargestellt werden, dass nicht allein das im Rahmen der Politischen Bildung vermittelte Wissen für die Erklärung politischer Beteiligung von Bedeutung ist, sondern auch die Form des Unterrichts und die Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Schule. Um die Bedeutung und die Wirksamkeit des Dreiecks von Wissen, Erfahrung und Partizipation zu erarbeiten, sollen nationale und internationale Studien herangezogen werden, um die Einflussfaktoren auf politisches Verhalten zu bestimmen. Dabei wird vor allem der Zusammenhang von schul- und unterrichtsbezogenen Inhalten und Kontexten mit dem politischen Bewusstsein von Jugendlichen und der Partizipationsbereitschaft von Jugendlichen erarbeitet
Mehr als Wählen mit 16: Empirische Befunde zum Thema Jugend und Politische Bildung
Mit der Einführung von Wählen mit 16 in Österreich ist das Thema Politische Bildung politisch und medial stark thematisiert worden. Dieses öffentliche Interesse hat jedoch auch zusehends auf ein Defizit aufmerksam gemacht, nämlich das häufige Fehlen von umfangreichen Daten zu den Einstellungen von Jugendlichen bzw. LehrerInnen zu Politik und Politischer Bildung. Oft liegen nur subjektive Erfahrungswerte bzw. Einzelfallstudien vor, doch sind teilweise erst im Zuge der Wahlaltersenkung umfassende Studien zu den entsprechenden Einstellungen durchgeführt worden.Im vorliegenden Beitrag werden Ergebnisse von Befragungen unter Jugendlichen und LehrerInnen mit jenen der Gesamtbevölkerung verglichen und ausgehend davon die These, wonach die österreichische Jugend als politikverdrossen gilt, geprüft. Ein erster Gesamtbefund zeigt, dass sich Jugendliche in ihren Einstellungen zu Politik bzw. hinsichtlich ihres Demokratieverständnisses und Politikinteresses weit weniger unterscheiden, als ursprünglich angenommen. Zudem gibt es eine durchschnittliche Demokratiezufriedenheit mit wenigen radikalen DemokratiegegnerInnen – jedoch eine gefährliche Zahl von latent unzufriedenen Jugendlichen (und LehrerInnen), welche für politischen Extremismus anfällig sind. Beim Interesse für Politik und Politische Bildung ist allerdings eine Kluft unter den Jugendlichen zu beobachten, d.h. es bestehen starke Korrelationen des Interesses und Wissens mit der sozialen und bildungsbezogenen Herkunft
Typen regionaler Politikvermittlung. Politische Führung als kommunikative Aufgabe in den deutschen Bundesländern
Kommunikative Kompetenzen zählen seit jeher zu jenen Handlungsressourcen politischer Leader, auf die sich deren Erfolg sowohl in den Sphären politischer Entscheidung und Verhandlung als auch in den öffentlichen Darstellungsarenen gründet. Dabei ist der Austausch mit externen Bezugsgruppen in besonderem Maße auf adäquate Politikvermittlungsstrategien angewiesen. Dies gilt umso mehr angesichts der in den vergangenen Jahren beschleunigten gesamtgesellschaftlichen Ausbreitung der Massenmedien, der Etablierung Neuen Medien und der schwächer werdenden Bindekräfte „klassischer“ intermediärer Instanzen. Vor dem Hintergrund dieser grundlegenden Transformationen im Umfeld politischen Handelns wird politische Führung immer mehr zur kommunikativen, aber auch performativen Aufgabe. Wie diese interpretiert wird, hängt jedoch in hohem Maße von personalen Faktoren und institutionellen Gegebenheiten ab. Die subnationalen Räume politischer Kommunikation bieten hier ganz spezifische Handlungskorridore, die von den politischen AkteurInnen unterschiedlich genutzt werden. Wie dies geschieht, wird auf empirischer Basis diskutiert. Dabei werden Typen regionaler Politikvermittlung identifiziert und Erklärungen für Varianzen in der Art und Weise geliefert, wie sich Führungskompetenz in den Arenen regionaler politischer Öffentlichkeit entfaltet