Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Meyer (Hg.) (2008): Formal institutions and informal politics in Central and Eastern Europe. Hungary, Poland, Russia and Ukraine
Demokratisierung regionaler Wirtschafts- und Strukturpolitik als Krisenantwort? Gewerkschaftliche Initiativen seit den 1970er-Jahren auf dem Prüfstand
Der Beitrag untersucht historisch vergleichend gewerkschaftliche Krisenregulierungen in den Regionen: Forderungen nach Rüstungskonversion und gesellschaftlich nützliche Produkte in den 1970er- und 1980er-Jahren, Beteiligungen an regionaler Clusterpolitik in den 1990er-Jahren und neue Ansätze zum demokratischen Umbau des sozio-ökonomischen Entwicklungsmodells in der jüngsten Krise des Kapitalismus. Die Befunde zeigen, dass gewerkschaftliche Alternativen oft in „Integrationslogik“ kapitalistischer Modernisierung verwandelt werden konnten. Gewerkschaften können sich immer weniger der bestehenden institutionellen Konfigurationen regionaler Politik bedienen, sondern müssen durch autonome Praktiken „von unten“ die Bedingungen immer wieder neu herstellen, die demokratische Alternativen in den Regionen erst ermöglichen
Kein Raum für Österreich. Der fehlende kritische Umgang mit Raumkonzepten nach 1945 und seine Auswirkungen auf die Gestaltung des Schulunterrichts
Sozialwissenschaftliche Ansätze besinnen sich in ihren Gesellschaftsanalysen vermehrt auf die Miteinbeziehung räumlicher Komponenten. Untersucht wird dabei die gesellschaftliche Produktion von Räumen/Räumlichkeit(en) sowie deren Bedeutung für gesellschaftliche Praxis. Den deutschsprachigen Sozialwissenschaften wird für die Zeit nach 1945 eine grundsätzliche Berührungsangst betreffend den Begriff Raum attestiert, zurückgeführt auf die politische Aneignung von Raumkonzepten durch die Nationalsozialisten. Die Nachwirkungen der fehlenden Rezeption sozialwissenschaftlicher Überlegungen zur gesellschaftlichen Produktion von (politischen) Räumen wirkten sich auf verschiedene Anwendungsbereiche aus, u.a. auf die Gestaltung des österreichischen Schulunterrichts. Gepaart mit der strukturellen und personellen Kontinuität der österreichischen Forschungs- und Bildungslandschaft resultierte das in einer unkritischen und unreflektierten Vermittlung bestehender räumlicher Verhältnisse. Vorliegender Artikel untersucht mögliche Zusammenhänge zwischen den gegenständlichen wissenschaftshistorischen Entwicklungen und der inhaltlichen Gestaltung des österreichischen Schulunterrichts
Der erste postsozialistische Prozess gegen einen Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg – Kroatien als Beispiel vorbildlicher Aufarbeitung?
Aus aktuellen Anlass des Prozesses gegen einen mutmaßlichen ungarischen Kriegsverbrecher aus dem Zweiten Weltkrieg wird der erste solche Gerichtsprozess in einem postsozialistischen Land analysiert – der Fall des KZ-Kommandanten von Jasenovac, Dinko Šakić, der 1999 im revisionistischen Kroatien der Tuđman Ära zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Die Analyse des Gerichtsprozesses und medialen Diskurses belegt, dass die justizielle „Vergangenheitspolitik“ nur unter Einbeziehung dieser medialen Ebene sinnvoll untersucht werden kann. Ferner verdeutlicht der Wandel von einer verschwörungstheoretischen Deutung des Falles als Wirken „antikroatischer Kreise“ zur zunehmenden Auseinandersetzung mit den eigenen Verbrechen die Relevanz solcher Prozesse
Democratic maturity, external efficacy, and participation in elections: towards macro-micro interaction
Dieser Artikel analysiert die Bedeutung des Alters einer Demokratie für die Erklärung von Wahlbeteiligung. Er schlägt vor, dass die demokratische Reife die Wahrscheinlichkeit der Stimmangabe nicht nur direkt beeinflussen könnte, sondern zugleich auch als Verstärker der Effekte von Prädiktoren auf der Individual-Ebene. Aus der Bandbreite der Variablen, die für eine Erhöhung oder Verringerung der Wahrscheinlichkeit der Stimmabgabe verantwortlich sein könnten, hebt diese Studie hervor, dass das politische Responsivitätsgefühl (externe Wirksamkeit) vom Alter einer Demokratie abhängen könnte. Der Zusammenhang zwischen demokratischer Reife und externer Wirksamkeit für die Erklärung von Wahlbeteiligung lässt sich theoretisch aus Aspekten des politischen Sozialisationsprozesses herleiten. Unsere Hypothese ist, dass mit steigendem Demokratiealter auch die positiven Effekte externer Wirksamkeit auf die Wahlbeteiligung zunehmen. Diese Vermutung wird mittels einer empirischen Analyse getestet, die auf Survey-Daten aus dem dritten Modul der Comparative Study of Electoral Systems (CSES) zurückgreift. Das Daten-Set besteht aus insgesamt 34.440 Befragten in 27 Ländern. Es wird eine logistische Regression verwendet (Mehrebenen-Analyse inklusive Interaktions-Analyse), um die Wirkung der uns interessierenden Variablen auf die Wahlbeteiligung (nach den Angaben der Befragten) abzuschätzen.This paper analyzes how the age of a democracy matters when explaining voter turnout. It proposes that democratic maturity might influence the probability of casting a ballot not only directly, but at the same time, as an amplifier of the effects of individual-level predictors of voting. From an array of variables that might be responsible for raising or lowering one’s probability of voting, this study emphasizes that the impact of a sense of external efficacy can be contingent on the different levels of democratic age. Theoretically, the ties between democratic maturity and external efficacy in turnout explanation follow from aspects of political socialization process. We hypothesize that the higher the democratic age, the higher the positive effect of external efficacy on participation in elections. This supposition is tested through an empirical analysis based on survey data from the third module of the Comparative Study of Electoral Systems (CSES). In total, the dataset comprises 34,440 respondents nested in 27 countries. Multilevel logistic regression that includes cross-level interaction is employed to estimate the effects of the variables of interest on self-reported turnout
The rise of technocratic cabinets. What we know and what we should like to know
Der Artikel beschäftigt sich mit dem Thema der so genannten technokratischen Regierungen (Beamtenregierungen), die derzeit allmählich zum Phänomen werden. Dies kann mit Fällen der neulich entstandenen technokratischen Regierungen in vielen europäischen Ländern belegt werden. Trotz häufigerer Verbreitung der Beamtenregierungen mangelt es an der Literatur zu diesem Thema. Wissenschaftler setzen sich mit den technokratischen Regierungen meistens durch die Einzelfallstudien auseinander; es fehlt jedoch an Vergleichsstudien. Diese Tatsache lässt eine Reihe von Fragen unbeantwortet. Damit öffnet sich ein breites Forschungsfeld. Dieser Artikel analysiert den aktuellen Forschungsstand zum Thema der Beamtenregierungen, verbessert einige der angewandten Konzepte und stellt Schlüsselfragen dar, die untersucht werden sollten.The article looks into the issue of technocratic cabinets, an increasingly common phenomenon exemplified by recent cases of technocratic governments being established in several European countries. Despite the growing prevalence of such cabinets, there is a lack of literature on the given issue. Scholars have addressed technocratic cabinets mostly through single-case studies that confined themselves to analysing technocratic cabinets in individual countries; there are almost no comparative studies. This fact leaves a number of pending questions open to further research. The article reviews major findings from studies on technocratic cabinets conducted to date, critically assesses and improves some of the concepts and presents key questions yet to be addressed in the researching of technocratic governments across Europe
Der Fall Hypo Alpe Adria: Wie können wir aus Fehlern lernen?
Wie der Bericht der Griss-Kommission nachweist, ist die Pleite der Hypo Alpe Adria einem Versagen des österreichischen politischen Systems als solchem und nicht dem Fehlverhalten einzelner Personen oder Institutionen geschuldet. Aus dieser Beobachtung heraus beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage, wie das österreichische politische System verändert werden muss, um aus Fehlern besser lernen zu können. Es werden mehrere entscheidende Faktoren aus der Forschung zu Politiklernen benannt und damit in Zusammenhang stehende Probleme der österreichischen Politik angesprochen.The report of the Griss-Commission shows that the fiasco of the Hypo Alpe Adria bank is the result of the Austrian political system’s failure rather than the misconduct of single persons or institutions. Therefore the question is dealt with how the Austrian political system can be reformed in order to learn better from failures. Several decisive factors are drawn from the research on policy learning and a number of related problems in Austrian politics are discussed
Marx meets meaning: A critical encounter between historical materialism and interpretive policy analysis. A reply to Brand’s State, Context, Correspondence
This article discusses historical materialist policy analysis (HMPA) as a novel approach in policy studies, and the ways in which it draws on elements of interpretive policy analysis (IPA). In our reply to Ulrich Brand’s recent proposal of such an approach in this journal, we particularly discuss two aspects from a poststructuralist interpretive perspective: First, we propose that HMPA and IPA feature divergent ontologies and epistemologies that are ultimately incommensurable. Second, addressing Brand’s concern with what he perceives to be a theoretical deficit in IPA, we clarify the concept of the state and its conceptual relationship to policy and policy knowledge. We conclude that, to further develop a non-functionalist policy analysis, HMPA scholarship may benefit from a more engaged reading of poststructuralist IPA
ExpertInnen oder SekretärInnen? Die Rolle der parlamentarischen MitarbeiterInnen der Nationalratsabgeordneten
Seit 1992 können Österreichs Nationalratsabgeordnete persönliche MitarbeiterInnen („ParlamentsmitarbeiterInnen”) anstellen, deren Gehalt aus Budgetmitteln bezahlt wird. Eine schriftliche Befragung der ParlamentsmitarbeiterInnen zeigt, dass die politische Nähe zu den Abgeordneten Ausgangspunkt für die Rekrutierung und generell eine Voraussetzung für die Tätigkeit als ParlamentsmitarbeiterIn ist. Der Großteil der parlamentarischen MitarbeiterInnen wird primär für Sekretariatsaufgaben eingesetzt. Generell entlasten sie somit Abgeordnete im administrativen Bereich, sind aber nicht direkt in legislative Arbeiten involviert. Rund ein Drittel der ParlamentsmitarbeiterInnen kann aber als „ExpertInnen” bezeichnet werden, da sie die Abgeordneten auch im inhaltlichen Bereich bei parlamentarischen Aufgaben unterstützen. Generell ist der Einfluss und der Status der MitarbeiterInnen aber gering. Nur wenige verfügen über Kontakte außerhalb der eigenen Fraktion oder werden von den Abgeordneten in Sitzungen einbezogen
Zwischen unerledigter Humanisierung und wettbewerbsorientierter Modernisierung. Zur politischen Gestaltung von Arbeitsorganisation
Im Beitrag werden empirische Befunde über die Entwicklung von Arbeitsorganisation referiert, die den modischen Argumenten widersprechen, wonach unter dem Druck des Marktes und zur Nutzung technologischer Potenziale schon aus ökonomischem Interesse der Unternehmen neue Arbeitsformen etabliert würden, die zugleich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bewirken. Dem wird die These von der Notwendigkeit und Möglichkeit einer politischen Gestaltung der Arbeitsorganisation entgegengestellt. Der Begriff Arbeitsorganisation wird in diesem Beitrag sowohl in einem engen Sinn von Arbeitsteilung, Kooperation und Kontrolle als auch in einem weiten Sinn der zeitlichen und vertraglichen Formen des Personaleinsatzes behandelt. Im zweiten Teil des Artikels werden nach einem theoretisch gehaltenen Hinweis auf die Kräfte, welche die Entwicklung der Arbeitsorganisation bestimmen, konkrete Programme und Maßnahmen der direkten und indirekten politischen Gestaltung der Arbeitsorganisation in verschiedenen europäischen Ländern angesprochen. Je intensiver der globale ökonomische Wettbewerb so die Schlussfolgerung , desto wichtiger wird politische Gestaltung mittels Restriktionen, die auf betrieblicher Ebene nicht zur Disposition stehen