Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Beckert/Ebbinghaus/Hassel/Manow (Hg.) (2006): Transformationen des Kapitalismus. Festschrift für Wolfgang Streeck zum sechzigsten Geburtstag
Nikolai Genov/Reinhard Kreckel (Hg.) (2007): Soziologische Zeitgeschichte. Helmut Steiner zum 70. Geburtstag
Committees and party cohesion in the European Parliament
Wie sichern politische Parteien in sich neu herausbildenden gesetzgebenden Körperschaften Parteidisziplin und -kohäsion? In etablierten parlamentarischen Demokratien besitzen Parteien häufig ein so hohes Niveau an Einheitlichkeit, dass der Frage, wie und warum eine solche Parteidisziplin entsteht, bis zuletzt wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In sich neu herausbildenden gesetzgebenden Körperschaften ist die Transformation von rudimentären Parteiorganisationen in disziplinierte Parteien jedoch keine zwangsläufige. Dieser Artikel untersucht, ob die politischen Gruppen im Europäischen Parlament (EP) Versuche unternehmen, Parteidisziplin durchzusetzen. Spezifischer untersucht der Beitrag, ob MEPs, die laufend gegen die eigene Partei stimmen, von dieser im Rahmen des Prozesses der Ausschussentsendung im EP bestraft werden
Nikolow/Schirrmacher (Hg.) (2007): Wissenschaft und Öffentlichkeit als Ressourcen füreinander. Studien zur Wissenschaftsgeschichte im 20
Über das Organisieren der Regierungsorganisation und über Regierungsstile. Eine praxeologische Perspektive
Wie regieren Regierungen, wenn sie regieren? Was macht eine Regierung, um regierungsfähig zu werden bzw. zu bleiben? Der Artikel versucht, den Regierungsprozess mithilfe des Konzepts politischer Praktiken zu rekonstruieren. Politische Praktiken sind kollektive geteilte Frames, die durch erfahrungsgesättigtes Wissen entstehen und politisches Handeln in Institutionen strukturieren. Damit kann man die traditionelle Dichotomie von formellem und informellem Handeln unterlaufen, weil Institutionen nicht nur beschränken, sondern auch einen Horizont von kontingenten Handlungsmöglichkeiten eröffnen, der durch politische Praktiken strukturiert wird. Ich identifiziere sieben basale Praktiken, mit denen der Regierungsprozess organisiert wird (Abstimmungen, Belohnungen, Drohungen, Konfrontation, Vereinbarungen, Verhandlungen und Weisungen). Zudem wird versucht, Regierungsstile von Regierungen mithilfe von Praktikenkombinationen zu unterscheiden und insgesamt vier idealtypische Regierungsstile zu identifizieren, den „navigatorischen“, den „anpasserischen“, den „administrativen“ und den „sich-durchwurstelnden“, mit denen Regieren in modernen Gesellschaften typologisiert werden kann
Pernicka/Lasofsky-Blahut/Kofranek/Reichel (2010): Wissensarbeiter organisieren. Perspektiven kollektiver Interessenvertretung
Aristoteles\u27 Rhetorik: Eine Anleitung zur Emotionspolitik
Der Artikel beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Deliberation und Emotionalität im Anschluss an Aristoteles\u27 Rhetorik. Im Unterschied zu einer Reihe jüngerer Publikationen über das Verhältnis zwischen Aristoteles und der deliberativen Demokratietheorie wird argumentiert, dass er nicht für das Ideal einer diskursiven, gemeinwohlorientierten und vor allem rationalen Entscheidungsfindung eintritt. Ganz im Gegenteil, Aristoteles hat mit der Rhetorik eine Art Handbuch der Emotionalisierung politischen Handelns verfasst. Am Ende wird gezeigt, dass Aristoteles\u27 Rhetorik den Blick für nonkognitive Elemente deliberativer Prozesse schärft und daher die kognitivistische Engführung der deliberativen Demokratietheorie korrigieren kann
Über die Ursprünge österreichischer Politikwissenschaft – Ein Blick zurück im Bologna-Jahr 2010
Der Abschluss der ersten Phase des sogenannten Bologna-Prozesses fällt zeitlich mit einem ProfessorInnengenerationswechsel zusammen sowie in Österreich auch mit den Jubiläen 40 Jahre ÖGPW (2010) und ÖZP (2012). Doch nicht allein deshalb bietet sich unter Studierenden und Lehrenden eine Bestandsaufnahme der österreichischen Politikwissenschaft an, sondern vor allem weil die Protestmaßnahmen und Bildungsstreiks der vergangenen Monate konkrete Utopien sowohl allgemein für die Universität als auch im Besonderen für die Politikwissenschaft entwerfen. Dabei kommt allerdings ein Überblick über die historische Entwicklung der Disziplin Politikwissenschaft und diesbezügliche politische Implikationen zu kurz. Doch gerade ein Bewusstsein dieser könnte die Debatten wissenschafts- und bildungspolitisch verorten und die tatsächliche gesellschaftliche Relevanz einer kritischen Politikwissenschaft vergegenwärtigen. Mein Beitrag beschäftigt sich daher mit den frühen politikwissenschaftlichen Ansätzen der demokratischen Jahre der Ersten Republik, die bislang nur wenig bekannt sind, worin sich aber schon jene wissenschaftstheoretischen wie auch politischen Probleme manifestierten, mit denen wir bis heute zu kämpfen haben.Der Abschluss der ersten Phase des sogenannten Bologna-Prozesses fällt zeitlich mit einem ProfessorInnengenerationswechsel zusammen sowie in Österreich auch mit den Jubiläen 40 Jahre ÖGPW (2010) und ÖZP (2012). Doch nicht allein deshalb bietet sich unter Studierenden und Lehrenden eine Bestandsaufnahme der österreichischen Politikwissenschaft an, sondern vor allem weil die Protestmaßnahmen und Bildungsstreiks der vergangenen Monate konkrete Utopien sowohl allgemein für die Universität als auch im Besonderen für die Politikwissenschaft entwerfen. Dabei kommt allerdings ein Überblick über die historische Entwicklung der Disziplin Politikwissenschaft und diesbezügliche politische Implikationen zu kurz. Doch gerade ein Bewusstsein dieser könnte die Debatten wissenschafts- und bildungspolitisch verorten und die tatsächliche gesellschaftliche Relevanz einer kritischen Politikwissenschaft vergegenwärtigen. Mein Beitrag beschäftigt sich daher mit den frühen politikwissenschaftlichen Ansätzen der demokratischen Jahre der Ersten Republik, die bislang nur wenig bekannt sind, worin sich aber schon jene wissenschaftstheoretischen wie auch politischen Probleme manifestierten, mit denen wir bis heute zu kämpfen haben
The Tactical Displacement of Ideas, or why I am Becoming Lakatos Intolerant
Die ideenorientierten (bzw. politikinhaltsorientierten) Ansätze in der Politikfeldanalyse bauen auf den aus der Wissenschaftstheorie abgeleiteten Modellen auf, wie etwa auf dem Paradigma-Modell von Kuhn oder dem Konzept des Forschungsprogramms von Lakatos. Ein zentrales Beispiel dafür ist das Konzept der „Advocacy-Coalition“ von Paul Sabatier, denn dieses stellt eine Analogie zu Lakatos‘ Modell der „grundlegenden“ Postulate und „negativen Heuristik“ („protective Layers“) dar. Der Artikel strebt eine Kritik dieser Analogie an und weitet diese auch auf andere ideenorientierten Ansätze aus. Ein solchermaßen konzipiertes Theoretisieren der Ideen bringt nämlich Probleme mit sich, die sich in der Praxis der Politikfeldanalyse niederschlagen, insbesondere auf deren Anspruch einer dynamischen Analyse der Politik und ihrer Veränderung(en).Obwohl die ursprüngliche Motivation der ideenorientierten Ansätze in der Politikfeldanalyse eine Kritik des sogenannten „black-boxing“ war, das an den institutionalistischen und interessensorientierten Ansätzen geübt worden ist, ist diese Kritik nun durch die Analogie mit Lakatos auf der Seite der ideenorientierten Ansätze selbst. Das Konzipieren der Idee der Politik („policy idea“) als „grundlegende Überzeugung“ verwischt ihren dynamischen Charakter, ihre angenommene Ambivalenz, die letztendlich laut den ideenorientierten Ansätzen das „Politische“ einer Idee ausmachen soll. Nach einer kritischen Diskussion dieser problematischen Analogie mündet die Reflexion in das Foucault‘sche Konzept von „tactical displacement“, das einen analytischen Schlüssel für das Aufbrechen des Paradoxons der Ideen in der Politikfeldanalyse darstellen kann