Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Trusting strangers – The concept of generalized trust in perspective
Generalisiertes Vertrauen ist eine wichtige gesellschaftliche Ressource und ist als integraler Aspekt und Messinstrument des sozialen Kapitals anerkannt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über das Konzept des generalisierten Vertrauens. Hierzu wird zunächst generalisiertes Vertrauen mit anderen Formen von Vertrauen in der interdisziplinären Literatur verglichen, wie strategisches oder rationales Vertrauen, identitätsbezogenes Vertrauen sowie moralisches Vertrauen. Diese Vertrauensmodelle unterscheiden sich in der Auffassung darüber, was Vertrauen ist, wie es entwickelt wird, und hinsichtlich der Zahl von BürgerInnen, die in das Vertrauen miteinbezogen werden. Zum zweiten werden die Erkenntnisse der Vertrauensmodelle benutzt, um den Ursprung und die Ursachen des generalisierten Vertrauens zu identifizieren. Dabei wird zwischen zwei Ansätzen unterschieden: der zivilgesellschaftliche und der institutionelle Mechanismus. Die empirische Forschung konnte die Annahmen über die Relevanz von Vereinen für die Entwicklung von generalisiertem Vertrauen nicht in der ursprünglichen Form bestätigen. Stattdessen spielen institutionelle Aspekte wie Gerechtigkeit und Unparteilichkeit eine größere Rolle für generalisiertes Vertrauen, wobei allerdings weitere Forschung das Kausalitätsproblem entflechten muss
Shareholder Kapitalismus und das Casino Spiel an den Aktienbörsen
Das Konzept des Shareholder Value ist durch die jüngsten Entwicklungen im Unternehmenssektor, vor allem durch die Bilanz- und Betrugsskandale von TNCs und die damit verbundene Vernichtung von Arbeitsplätzen in die Kritik geraten. In den politischen Debatten über Shareholder Value wird ein Systemunterschied zwischen dem Stakeholder-Ansatz (wie im rheinischen Kapitalismus) und dem mit der Liberalisierung der Finanzmärkte Ende der 70er Jahre in den USA entwickelten Begriff Shareholder Value (angelsächsischer Kapitalismus) skizziert. Ziel des Papiers ist es die Widerspr üchlichkeit und Ungenauigkeit des Shareholder Value Konzeptes theoretisch zu untersuchen, um dann zu zeigen, wie Shareholder Value den amerikanischen Kapitalismus seit den 70er Jahren verändert hat und warum diese Variante des Kapitalismus sich auch immer mehr als Unternehmerstrategie in Europa durchsetzt
Doch man sieht nur die im Fernsehen Wie viele Arbeitsplätze die österreichische Politik bietet
Im Rahmen einer Forschungsarbeit über die Beschäftigung im Nonprofit Sektor in Österreich wurde mittels eines per E-Mail versandten Kurzfragebogens auch der Bereich Politik erfasst. Die Daten gelten für den Sommer 2003, und es wurde eine Rücklaufquote von 76,0 % erreicht. Berücksichtigt wurden Nonprofit Organisationen, die im Rahmen der Repräsentativdemokratie erfolgreich sind, also Parteien, die gewählte Mandatare stellen – außerdem zur Gegenüberstellung der gesamte öffentliche Sektor, also alle auf Zeit gewählten PolitikerInnen. Der öffentliche Sektor zählt 43.727 Beschäftigte, wobei der überwiegende Teil erstens nur nebenberuflich in der Politik tätig ist und zweitens auf Gemeindeebene (98,2 %!) arbeitet. Der deutlich größere Nonprofit Sektor erreicht 110.312 Beschäftigte, die aber nur zu 1,6 % bezahlt arbeiten. Insbesondere SPÖ und ÖVP basieren auf dem Engagement ehrenamtlicher MitarbeiterInnen. Auffallend sind die schmale Personalausstattung der FPÖ und der hohe Anteil der Teilzeitbeschäftigten bei den Grünen
Regionalpolitik in Österreich Retrospektive und Perspektive
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit früheren und gegenwärtigen Strategien der österreichischen Regionalpolitik. Der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und die Erweiterung dieser hat nicht nur zu vielfältigen Veränderungen regionalpolitischer Strategien beigetragen, sondern bedarf auch weiterhin einiger Anpassungen v.a. im Kontext grenzüberschreitender Entwicklungsmaßnahmen.Regionen in einem globalisierten Wettbewerb haben traditionelle Gebietseinheiten und die Möglichkeiten der hoheitlichen territorialen Verwaltungsstrukturen längst gesprengt. Regionalentwicklung als eine Summe von europäischer, nationaler und regionaler (lokaler) Politik bedarf eines Zusammenspiels und einer Koordination der dargestellten unterschiedlichen Politikbereiche – sowohl auf regionaler als auch administrativer Ebene – um Effizienz und Qualität zu sichern. Netzwerken und Kooperationsverbünden kommt dabei eine besondere Rolle zu. Aus diesem Grund kam es v.a. in den letzten 15 Jahren zu einer verstärkten Institutionalisierung auf regionaler Ebene.In die Zukunft geblickt kommt dem Bereich der Internationalisierung räumlicher Politik noch verstärkter als bisher große Bedeutung zu. Wettbewerbe, Partnerschaften, transnationale Programme, europäische Planungsgrundlagen und die stete Zunahme von Verflechtungskontexten auf räumlicher Ebene sind dafür ausschlaggebend
Aufstieg und Fall der FPÖ aus der Perspektive der Empirischen Wahlforschung: Eine Langzeitanalyse (1986–2004)
Der Aufstieg der FPÖ in den 1980er und 1990er Jahren gelang ihr als Oppositionspartei während der Zeit der großen Koalition. Sie gewann ihre Stimmen im gleichen Ausmaß von SPÖ und ÖVP. Während die ÖVP vorwiegend Ende der 1980er Jahre „zur Ader gelassen“ wurde, kam die Zeit der starken SPÖ- Verluste in den 1990er Jahren. Der Abstieg der FPÖ begann unmittelbar nach ihrem Eintritt in die Bundesregierung bei verschiedenen Landtagswahlen in den Jahren 2000 bis 2004 – nur die Landtagswahl in Kärnten bildet hier eine Ausnahme. Bei der Nationalratswahl 2002 erfolgte der größte Wählerstrom in der österreichischen Wahlgeschichte von der FPÖ zur ÖVP. Am Tag der Nationalratswahl spiegelten sich in den Wahlmotiven dieser WählerInnen vor allem die Enttäuschung über die FPÖ sowie die Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit des Kabinetts Schüssel I wider. Die FPÖ-ÖVP-Abwanderer teilen mit den anderen ÖVP-WählerInnen eine ähnliche Selbsteinstufung in der „Mitte“ des politischen Links-Rechts-Kontinuums sowie eine distanzierte Haltung gegenüber der Gewerkschaft. Obwohl die größten SkeptikerInnen gegenüber AusländerInnen und JüdInnen nach wie vor die FPÖ wählen, so haben die FPÖ-ÖVP-Abwanderer dennoch eine ablehnendere Haltung gegenüber diesen beiden Gruppen als die übrigen ÖVP-WählerInnen. Ein wichtiges Ergebnis der Analyse ist, dass die Links-Rechts-Selbsteinstufung sowie die Nähe zu verschiedenen Weltanschauungen in den letzten Jahren teilweise starken Veränderungen unterlegen sind. Der Regierungswechsel und andere politische Entwicklungen scheinen in diesem Zusammenhang zu einer Bedeutungsverschiebung zentraler politischer Begriffe geführt zu haben
Big Brother’s Geschäftspartner: Privatheit und Überwachung in den USA nach dem 11. September 2001
Im Gefolge der Anschläge vom 11. September 2001 zeichnen sich neue Gefährdungen von Privatheit in den USA ab. Um diese besser zu begreifen wird der (rechtshistorische) Hintergrund amerikanischer Konzepte von „Privacy“ (Privatheit, Privatsphäre) erläutert. Zu diesem Zweck rekonstruiert der Artikel zunächst Konzepte von Privacy in der amerikanischen Verfassungsrechtsprechung und skizziert die vorhandene amerikanische Privacy-Gesetzgebung. Im Anschluss werden die rechtlichen Entwicklungen nach dem 11. September (vor allem im USA PATRIOT Act) geschildert und dabei der Themenkomplex der Datenüberwachung und –auswertung herausgegriffen, um die Auswirkungen auf den Schutz der Privatsph äre sowie die Schwierigkeiten, die sich aus der spezifisch amerikanischen rechtlichen Tradition in diesem Bereich ergeben, zu erläutern. Abschließend werden verschiedene Ansätze diskutiert, mit der neuen Qualität von Datenüberwachung in den USA umzugehen und die Möglichkeit eines positiven Rechtes auf Privatheit besprochen
Videoüberwachung und Bürgerrechte. Ende der Freiheit in den europäischen Innenstädten?
Die Videoüberwachung des öffentlichen Raums breitet sich in nahezu ganz Europa scheinbar unaufhaltsam weiter aus. Die Kamera wird damit zunehmend zu einem Zeichen sozialen Wandels. Als Technologie, der per se die Fähigkeit zur Erzeugung von Sicherheit zugeschrieben wird, ist sie zu einem Symbol einer überschießenden Nachfrage nach Sicherheit geworden, die sich mit ihrer Hilfe gerade nicht befriedigen lässt. Diese Entwicklung stellt, so die These dieses Beitrages, nicht nur einen weitreichenden Eingriff in die Bürger- und Menschenrechte der Betroffenen dar. Sie beschädigt darüber hinaus die Integrationskraft und damit eine der zentralen Entwicklungs- und Leistungsvoraussetzungen moderner demokratischer Rechtsstaaten
Internationale Trends der Wahlsystementwicklung
In Wahlsystemfragen gibt es keinen Stillstand. Besonders im Zuge der dritten Welle der Demokratisierung hat es viele Wahlsystemwechsel gegeben. Aber auch in einigen gestandenen Demokratien fanden grundlegende Wahlreformen statt. Der Beitrag fragt nach allgemeinen Tendenzen der Wahlsystementwicklung auf der Ebene der Wahlsystemtypen. Er stellt die multidimensionalen Funktionsanforderungen an Wahlsysteme heraus und fragt danach, welche Wahlsystemtypen ihnen am ehesten gerecht werden. Sodann werden die Entwicklungen nach Regionen aufgezeigt. Der beobachtete gewisse Trend zu kombinierten Wahlsystemen wird mit der höheren Funktionsleistung dieser Wahlsysteme erklärt, ohne andere Faktoren, welche die Wahl oder das Design von Wahlsystemen bestimmen, zu vernachlässigen
Die Entwicklung kompetitiver Wahlsysteme in Mittel- und Osteuropa: Post-sozialistische Entstehungsbedingungen und fallspezifische Reformkontexte
Nach dem demokratischen Systemwechsel von 1989/90 führten die meisten mittel- und osteuropäischen Staaten anlässlich ihrer ersten freien Parlamentswahlen („Gründungswahlen“) nicht nur neue Wahlsysteme ein, sondern reformierten sie auch danach ungewöhnlich häufig. Der folgende Beitrag analysiert diesen institutionellen Entwicklungsprozess systematisch-vergleichend für sechs post-sozialistische Staaten (Russland, Ukraine, Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien). Auf Basis theoretischer Überlegungen zur Reform politischer Institutionen bestätigt sich dabei die These von Nohlen/Kasapovic (1996), dass die Gründungswahlsysteme wesentlich vom Systemwechseltypus geprägt wurden allerdings nur dort, wo die Entscheidung über das Wahlsystem in die unmittelbare Transitionsphase fiel. Spätere Wahlsystemreformen sind nicht mehr durch den Demokratisierungsmodus, sondern durch kontextspezifische Variablenkonstellationen zu erklären
Technologie als Quelle systemischer Transformationsprozesse: Implikationen für die Theoriediskussion im Fach Internationale Beziehungen
Obwohl Technologie viele Bereiche der internationalen Beziehungen/internationalen politischen Ökonomie entscheidend mitbeeinflusst, wird ihrer Rolle in den theoretischen Diskussionen nur wenig Aufmerksamkeit zuteil. Trotzdem sie für zahlreiche systemtransformierende Prozesse (Globalisierung/Transnationalisierung) mitverantwortlich zu machen ist, wird Technologie in der Regel als passives, exogenes und apolitisches Artefakt, das quasi von außen in das internationale System hineinwirkt, konzipiert. Stattdessen plädiert der Beitrag dafür, Technologie in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen und Auswirkungen als einen endogenen, sprich, systemimmanenten und politisch relevanten Faktor zu begreifen, der auch fest im internationalen System verhaftet ist und dort wirkt, parallel dazu und in zunehmendem Maße aber erst auf globaler Ebene hinsichtlich seiner systemischen Auswirkungen effizienter beeinflusst und (re)reguliert werden kann. Im Vordergrund des Beitrags steht der Versuch aufzuzeigen, inwiefern Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Technikforschung (Technikphilosophie, Techniksoziologie, Technikgeschichte) Theoriediskussionen der Internationalen Beziehungen substantiell bereichern könnten