Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Pfefferle/Schmidt/Valchars (Hg.) (2010): Europa als Prozess. 15 Jahre Europäische Union und Österreich. Festschrift für Peter Gerlich
Diekmann/Kotowski (Hg.) (2009): Geliebter Feind, Gehasster Freund. Antisemitismus und Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart
Theory Trouble: The Case of Biopolitical Science
In den USA gewinnt eine neue „biopolitische“ Wissenschaftsprogrammatik an institutioneller Wichtigkeit. Sie materialisiert sich zugleich als ein genereller Vorwurf an die Politikwissenschaft, die in ihrer Konzeption „untheoretisch“ sei. John R. Hibbing und seine KollegInnen bauen auf den früheren Arbeiten der soziobiologischen Politikwissenschaft auf, lassen dabei aber den Rational-Choice-Ansatz von Robert Axelrod vollkommen aus. Axelrod leistet jedoch eine bedeutende interdisziplinäre Arbeit in der Politikwissenschaft und Biologie und hatte besonders hinsichtlich seines Konzeptes der „Evolution der Kooperation“ mit einem der einflussreichsten Insekt-Ethologen, Evolutionstheoretiker und Soziobiologen W.D. Hamilton zusammengearbeitet.Warum interessiert sich dann Hibbing für Axelrod so wenig? Ausgehend von dieser Frage wird die jeweilige Praxis der Theorie von Hibbing und Axelrod verglichen. Beide sind Teil der Mainstream-Tradition der amerikanischen positivistischen Politikwissenschaft, sie fassen jedoch die „Theorie“ als solche unterschiedlich auf. Der Vergleich beinhaltet somit drei Aspekte: die auf das 19. Jahrhundert zurückgehenden Wurzel der aktuellen Konzeption der Politikwissenschaft, Natur/Kultur und des „Charakters“; die Entwicklungen der Genomik und das Potenzial eines neuen Naturalismus; und die in außergewöhnlicher Weise verflochtenen Entwicklungen des Nachkriegs-Rational-Choice-Ansatzes und des Neodarwinismus
Postdemokratie und Postsozialismus: Zur Konvergenz zweier Krisen am Beispiel Russlands
Der Beitrag erweitert die Diskussion um die Postdemokratie und vergleicht sie mit dem Postsozialismus. Dazu wird unter Auswertung der wissenschaftlichen Debatte ein analytisches Postdemokratiekonzept thematisiert. Dessen exemplarischer Vergleich mit dem postsozialistischen Russland offenbart, dass beide Post-Systeme durch die Globalisierung entstanden sind. Der Postsozialismus erweist sich dabei als Trendsetter für die Postdemokratie. Er macht deutlich, dass bei einer weiteren Aushöhlung der Postdemokratie nur eine autoritäre Mimikry der Demokratie übrig bleibt
Das unvollständige Projekt. Bestandsaufnahme der österreichischen Politikwissenschaft
Als Studienrichtung und Forschungsrichtung ist die Politikwissenschaft in Österreich heute, rund 40 Jahre nach ihrer Gründung, etabliert. Ausstattung und Ressourcenzuteilung sind freilich knapp. Und was macht die Disziplin Politikwissenschaft in Österreich eigentlich aus? Der vorliegende Diskussionsbeitrag argumentiert, dass dieses „Projekt“ Politikwissenschaft weitgehend aus dem Blickfeld seiner AkteurInnen geraten ist, und plädiert dafür, in der Disziplin wieder Räume für Diskussion zu schaffen
Von der Sozialpartnergewerkschaft zur Bewegungsorganisation? Mitgliedergewinnungsstrategien österreichischer Gewerkschaften
Der sozioökonomische Struktur- und Wertewandel, massive Mitgliederverluste und seit der BAWAG-Krise auch Finanzprobleme stellen Gewerkschaften in Österreich vor spezifische Herausforderungen. Obwohl deren institutionelle Verankerung im nationalen soziopolitischen System weitgehend intakt ist, wird für österreichische Gewerkschaften eine zweifache Krise aus Mitglieder- und Finanzkrise konstatiert, die sich auch auf die Mitgliederstrategien auswirkt. In dem Aufsatz wird ein konzeptionelles Modell von zwei dominanten gewerkschaftlichen Identitäten – Sozialpartner- und Bewegungsgewerkschaft –, deren Machtpotenziale und strategische Optionen vorgeschlagen. Am Beispiel einer empirischen Studie zweier Gewerkschaften der Baubranche wird das Modell auf seine Plausibilität geprüft und erweitert. Die Befunde deuten auf keinen umfassenden strategischen Wandel, jedoch auf eine Öffnung zum Modell der Bewegungsgewerkschaft hin.Der sozioökonomische Struktur- und Wertewandel, massive Mitgliederverluste und seit der BAWAG-Krise auch Finanzprobleme stellen Gewerkschaften in Österreich vor spezifische Herausforderungen. Obwohl deren institutionelle Verankerung im nationalen soziopolitischen System weitgehend intakt ist, wird für österreichische Gewerkschaften eine zweifache Krise aus Mitglieder- und Finanzkrise konstatiert, die sich auch auf die Mitgliederstrategien auswirkt. In dem Aufsatz wird ein konzeptionelles Modell von zwei dominanten gewerkschaftlichen Identitäten – Sozialpartner- und Bewegungsgewerkschaft –, deren Machtpotenziale und strategische Optionen vorgeschlagen. Am Beispiel einer empirischen Studie zweier Gewerkschaften der Baubranche wird das Modell auf seine Plausibilität geprüft und erweitert. Die Befunde deuten auf keinen umfassenden strategischen Wandel, jedoch auf eine Öffnung zum Modell der Bewegungsgewerkschaft hin
Orakel der Neuzeit: Was leisten Wahlbörsen, Wählerstromanalysen und Wahltagshochrechnungen?
Wahlbörsen, Wählerstromanalysen und Hochrechnungen werden zwar in der Öffentlichkeit viel beachtet, in der politikwissenschaftlichen Forschung aber nur selten diskutiert, weil die Methodologie jeweils komplex und ungewohnt ist. Alle Verfahren weisen eine Reihe spezifischer Probleme auf, die die Wahlsoziologie nur in Kooperation mit den Experimental Economics, aus denen die Wahlbörsen kommen, und mit der Statistik, aus denen die Wählerstromanalyse kommt, lösen kann.Wahlbörsen haben nach ihren anfänglichen Prognose-Erfolgen eine Größe und eine Öffentlichkeitswirkung erlangt, die die Vorhersagegenauigkeit vermutlich wieder stark beeinträchtigen. In unserem Beitrag fassen wir die jüngste Geschichte der Political Stock Markets zusammen und geben einige Design-Empfehlungen.Wählerstromanalysen, die auch die Basis für Wahltagshochrechnungen liefern, sind mit einer Reihe von methodischen Herausforderungen konfrontiert. Wir belegen mit österreichischen Wahldaten die andernorts geäußerte Vermutung, dass einer adäquaten Gruppierung von Gemeinden zur Vermeidung eines aggregate bias die höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte
Subregional co-operation in East-Central Europe: The Visegrád Group and the Central European Free Trade Agreement
Der Beitrag analysiert die Entwicklung, den gegenwärtigen Stand und die Zukunft der Visegrád- Gruppe, eines der erfolgreichsten Foren für subregionale Kooperation in Ostmitteleuropa. Das Fehlen formalisierter institutioneller Strukturen hat ein flexibles, für Änderungen offenes Arrangement hervorgebracht. Gleichzeitig war es damit anfällig für Störungen, die mit einer stärker institutionalisierten Struktur vermieden werden hätten können. Während das vorrangige Ziel in den 1990er Jahren darin bestanden hatte, das Erbe der Vergangenheit zu beseitigen, einen Beitrag zur Auflösung des Warschauer Paktes und zum Rückzug der sowjetischen Truppen aus der Region zu leisten sowie die Rückkehr der Länder nach Europa zu koordinieren, stehen heute die Integration in die EU, Hilfe bei der demokratischen Konsolidierung der Post-Meciar-Slowakei und pragmatische Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen im Vordergrund. Offen bleibt, ob die Gruppe nach einem EU-Beitritt noch Zukunft hat. Der Autor ist der Ansicht, dass sich das Zentraleuropäische Freihandelsabkommen nach der EU-Erweiterung erübrigen wird, während die Visegrád-Gruppe auch danach noch Restaufgaben zu erfüllen haben wird
Politikfeldübergreifende Koordination als neue Steuerungsform im aktivierenden Sozialstaat? Eine Analyse der Employability Politik in Dänemark, Deutschland und Großbritannien am Beispiel der Beschäftigungsfähigkeit von Müttern
Das Ziel der employability im Rahmen der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik wird als exemplarisch für einen Wandel des Wohlfahrtsstaates zum aktivierenden Sozialstaat verstanden. Ziel des Beitrages ist es, eine empirische Überprüfung der mit dem aktivierenden Sozialstaat verbundenen Thesen der Universalisierung der Arbeitsmarktteilhabe sowie der mit der staatlichen Gewährleistungsverantwortung von Chancengleichheit verbundenen Einführung neuer Steuerungsformen zu leisten. Dazu wird exemplarisch die Umsetzung des Ziels der Beschäftigungsfähigkeit von Müttern mit betreuungsbedürftigen Kindern in Deutschland, Dänemark und Großbritannien untersucht. Im Vordergrund steht die Frage, ob im Sinne eines Holistic Government eine politikfeldübergreifende Koordination zwischen Arbeitsmarkt- und Familienpolitik in den verschiedenen Ländern umgesetzt wird. Ergebnis der Untersuchung ist, dass sowohl das Ausmaß der Arbeitsmarktaktivierung von Müttern als auch der Grad erfolgreicher Koordination von Arbeitmarkt- und Familienpolitik durch die unterschiedliche Konstituierung wohlfahrtsstaatlicher Institutionen und Normen beeinflusst wird