Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Vom Verschwinden bedroht? Politische Theorie und Ideengeschichte in der curricularen Reformfalle
Der Artikel wertet den Status der Subdisziplin „Politische Theorie und Ideengeschichte“ in den neuen Bachelor- und Masterprogrammen an bundesdeutschen Hochschulen aus. Das Ergebnis lautet, dass der Teilbereich in eine Bedrängnis geraten ist, die mit dem Qualifizierungsgrad des Studiums ansteigt. Im letzten Teil des Artikels werden Handlungsoptionen diskutiert, die der Subdisziplin wieder einen stärkeren Stellenwert zukommen lassen
Was heißt „Politisierung von Expertise“?
Kontroversen um die Biomedizin sind durch normative Unsicherheit geprägt und werden als Wertkonflikte verhandelt. Dies stellt für die Politik eine erhebliche Herausforderung dar. Denn es besteht kein gesellschaftlicher Konsens darüber, was wir (nicht) wissen und tun sollten. Als politische Reaktion können wir eine Institutionalisierung von ethischer Expertise beobachten. In diesem Beitrag wird aus wissenschaftssoziologischer Perspektive Politikberatung durch Ethikkommissionen am Beispiel Österreichs analysiert. Die These lautet, dass die politische Verwertung von Ethik-Expertise deren Subsumtion unter die eigensinnigen Handlungslogiken des Politik-Systems bedeutet („Politisierung von Expertise“). In der politischen Rezeption wird Expertise neu konfiguriert, um eine Übereinstimmung zwischen (divergierenden) ExpertInnenmeinungen und politischen Zielvorstellungen herzustellen. Politisches Lernen lässt sich vor diesem Hintergrund allenfalls als ein strategischer Umgang mit dem ExpertInnendissens beschreiben. Abschließend wird dargestellt, dass die Politisierung von Expertise mit einer Entpolitisierung bioethischer Fragen zusammenhängt
Österreichs Interessenpolitik auf neuen Pfaden – zwischen Austrokorporatismus und Lobbying?
Interessenvermittlung in Österreich hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren gewandelt. Neben den ehemals dominanten sozialpartnerschaftlichen Verbänden haben sich neue Akteure, insbesondere Politikberatungsagenturen und Firmenlobbyisten, etabliert. Der ursprüngliche Austrokorporatismus als eine privilegierte Einbeziehung ausgewählter Verbände scheint zum Teil einem individualisierten Lobbyismus zu weichen. Bei Berücksichtigung der Ergebnisse einer qualitativen, empirischen Studie konzentriert sich dieser Artikel auf die Ursachen und die Konsequenzen dieses Wandels, bezogen auf zwei Entwicklungen: erstens die Europäisierung und Globalisierung österreichischer Politik und seiner Akteure, zweitens die – teils dadurch induzierten – veränderten innenpolitischen Beziehungen zwischen politischen Entscheidungsträgern und den traditionell privilegierten Interessenvertretern in Österreich
Ivanov (2007): Alexander Dugin und die rechtsextremen Netzwerke. Fakten und Hypothesen zu den internationalen Verflechtungen der russischen neuen Rechten
Fighting Women Der Einfluss von Entwicklungen am militärischen Arbeitsmarkt auf Geschlechterideologien am Beispiel USA
Forschungen zu Krieg und Geschlecht werden oftmals von Begrifflichkeiten wie „Subjektivität“, „Identität“, „Konstruktion“ und „symbolische Repräsentation“ angeleitet (Seifert 1996; 2003; Cockburn 1998). Strukturen, Institutionen, sozioökonomische Verhältnisse – kurzum: die materiellen Grundlagen von Gesellschaft – werden kaum systematisch in die Analyse einbezogen. Dieser Beitrag überprüft die Hypothese, dass der Wandel militärischer Geschlechterideologien auf materielle Faktoren zurückzuführen ist, insbesondere auf Veränderungen geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung im militärischen und zivilen Bereich, die Folgen von Technologisierung und Spezialisierung von Ökonomie und Kriegsführung sind. Dies geschieht anhand einer theoriegeleiteten, exemplarischen Untersuchung der Darstellung von US-Soldatinnen in The New York Times in den Jahren 1990 bis 2005
Parteien, Regierungen und Europäische Integration: Welche Faktoren bestimmen die europapolitischen Positionen nationaler politischer Akteure?
Dieser Aufsatz untersucht die europapolitischen Positionen von Parteien und Regierungen in sieben EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und Österreich. Anhand einer computergestützten Inhaltsanalyse von Wahlprogrammen, Koalitionsabkommen und Regierungserklärungen zeigen wir, dass obwohl die Partei- als auch Regierungspositionen im Zeitverlauf tendenziell europafreundlicher geworden sind, die Einstellungen von Regierungen und Regierungsparteien divergieren. Weiter verdeutlicht unsere Analyse, dass die europapolitische Haltung von Parteien und Regierungen nicht nur durch den allgemeinen ideologischen Hintergrund der politischen Akteure bedingt ist, sondern auch von den jeweiligen Integrationspräferenzen der WählerInnenschaft abhängt. Somit bestätigt unsere Untersuchung nicht nur die Befunde bereits bestehender empirischer Studien, sondern leistet einen Beitrag zu einem besseren theoretischen Verständnis der Verknüpfung zwischen europapolitischen Partei- und Regierungspositionen
Zwischen Parteipolitik und nationalen Interessen: Regierungs- Oppositions-Gegensätze im EU-Verfassungskonvent
Welche politischen Konfliktlinien kennzeichnen die europäische Politik? Am Beispiel der Positionen zur Zukunft der EU-Sozialpolitik im EU-Verfassungskonvent untersucht dieser Beitrag, ob die Reformvorstellungen der Delegierten eher von parteipolitischen Ideologien oder nationalen Interessen geprägt waren und inwiefern sich institutionelle Rollendefinitionen auf die Positionen der Konventsmitglieder auswirkten. Auf Grundlage eines neu erstellten Datensatzes über die Positionen der Delegierten zur Reform der Gesetzgebungskompetenzen und Entscheidungsverfahren in der EU-Sozialpolitik wird gezeigt, dass die Positionen insgesamt von einer Kombination aus parteipolitischen Ideologien und nationalen Interessen bestimmt waren. Gleichzeitig treten institutionelle Muster entlang des Gegensatzes zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien zu Tage: Delegierte von Regierungsparteien verteidigten stärker ihre jeweiligen nationalen Interessen, während VertreterInnen von Oppositionsparteien eher ideologische Ziele verfolgten. Unterschiedliche Arten der Verantwortlichkeit gegenüber nationalen WählerInnenschaften können als Erklärung für diesen Befund herangezogen werden