Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Carayannis/Campbell/Efthymiopoulos (eds.) (2014): Cyber-development, cyber-democracy and cyber-defense
Leistung und Inklusion in kommerzialisierten Dienstleistungen und fragmentierter Beschäftigung
Die öffentlichen Dienstleistungen waren in den letzten beiden Jahrzehnten tiefgreifenden Umbrüchen unterworfen, welche unter anderem zu einem geänderten Verständnis von beruflicher Leistung führten. Der Beitrag beschreibt diese Entwicklung am Beispiel der Post. Die Liberalisierung und Kommerzialisierung der Dienstleistung und die Privatisierung der Organisation zeitigten erhebliche Auswirkungen auf Arbeit und Beschäftigung. Aus der Perspektive der Beschäftigten ergab sich ein umfassender Wandel der Arbeit, der sich als Verschärfung der Leistungsbedingungen, Änderungen der Definition von Leistung und Erosion des Leistungsprinzips beschreiben lässt. Daraus ergeben sich erhebliche Folgen für Fragen der sozialen Inklusion insbesondere für neue Beschäftigtengruppen, aber auch für jene, die als langjährige Postbedienstete noch im öffentlichen Dienst sozialisiert worden waren
Europeanization and regional cooperation initiatives: Austria’s participation in the Salzburg Forum and in Central European Defence Cooperation
Multilaterale Kooperation mit Beteiligung einzelner EU Mitgliedstaaten hat sich in den letzten Jahren verstärkt, eine Entwicklung die von der Europäisierungs-Forschung bisher nicht hinreichend beachtet wurde. Dieser Artikel adressiert diese Forschungslücke. Untersucht werden zentrale Auswirkungen Österreichs Beteiligung an regionaler Kooperation – im Rahmen des Forum Salzburgs und der Zentraleuropäischen Verteidigungskooperation - auf die Europäisierung österreichischer Außen- und Sicherheitspolitik. Einerseits wird argumentiert, dass multilaterale Kooperation als eine Plattform zur Interessensdurchsetzung auf europäischer Ebene dienen kann (vertikale Europäisierung). Anderseits wird gezeigt, dass Formen multilaterale Kooperation zur Ausbildung von kooperativen Netzwerkstrukturen führen kann, die den horizontalen Austausch von Erfahrungen und ´Lessons-learned´ unter EU Mitgliedstaaten befördern, ein Prozess der oftmals über die Grenzen von regionalen Kooperationsinitiativen hinaus wirkt.Multilateral cooperation schemes involving sub-sets of EU member states have proliferated over recent years. Yet, their implications for Europeanization research are little understood. Focusing on Austria’s participation in the Salzburg Forum and in Central European Defence Cooperation, this article explores the implications of regional cooperation for Europeanization dynamics in the domains of internal and external security policy. On the one hand, it argues that multilateral cooperation schemes can function as a platform for policy-uploading and identifies important conditions that facilitate or impede the success of projecting national preferences through multilateral initiatives (vertical Europeanization). On the other hand, the article argues that multilateral cooperation schemes have led to the emergence of a web of loosely linked collaborative network structures that can facilitate the horizontal exchange of experiences and lessons learned beyond the boundaries of individual multilateral schemes (horizontal Europeanization)
Austrian development policy - from global to neighbourhood policy?
When Austria joined the EU in 1995, it was expected that the Austrian government would increase the Official Development Assistance (ODA) budget and organise their aid management more in line with European and international standards. There was thus an expectation that Austria would witness a Europeanization of its development policy. Looking at the situation after 20 years of membership, it seems that Austria took on board the European development rhetoric without a significant increase of the overall ODA budget. Although a more professional Austrian Development Agency (ADA) has been established, ODA is still focused more on neighbourhood policy in the Western Balkans and in promoting foreign trade interests in the Caucasus region than on poverty reduction in the global south and in delivering contributions to the global public goods. Due to the lack of a strong binding acquis, Austria has been able to hide under the umbrella of an European Development policy with development rhetoric and some adjustment of implementing structures without any significant financial disbursements.Mit dem Beitritt Österreichs zur EU im Jahr 1995 wurde erwartet, dass Österreich die öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) auf ein europäisches Niveau anheben und sein EZA Management professionalisieren und mehr in Einklang mit europäischen und internationalen Standards bringen wird müssen. Nach 20 Jahren EU Mitgliedschaft lässt sich resümieren, dass Österreich zwar die europäische Entwicklungsrhetorik übernommen hat, jedoch seine öffentlichen Entwicklungshilfemittel nicht angehoben hat. Trotz der Gründung einer professionellen Österreichische Entwicklungsagentur (ADA) ist die ODA stärker auf Nachbarschaftspolitik im westlichen Balkan sowie auf die Stärkung der österreichischen Wirtschaftsinteressen im Kaukasus ausgerichtet als auf die Armutsbekämpfung im globalen Süden sowie Beiträge zu den globalen öffentlichen Gütern. Da verbindliche Verträge über die ODA-Leistungen der EU-Mitglieder fehlen, konnte sich Österreich mit Entwicklungsrhetorik und effizienteren Managementstrukturen hinter der EU-Entwicklungspolitik verstecken ohne die ODA-Mittel signifikant zu erhöhen
Austrian diplomacy in a changing global and European context: Between innovation, adaptation and resilience
20 Jahre nach Österreichs EU-Beitritt untersucht dieser Beitrag die Europäisierung österreichischer Diplomatie in ihrer Wechselwirkung mit globalen Trends und nationalen Herausforderungen. Dieser Beitrag beurteilt die Anpassung österreichischer Diplomatie im globalen, europäischen und nationalen Kontext über Zeit.Der Wandel österreichischer Diplomatie ist vorwiegend als reaktiv zu klassifizieren. Diplomaten haben ihr Rollenverständnis im Zuge von EU Mitgliedschaft und EU Sanktionen angepasst, während auf struktureller Ebene die österreichische Diplomatie globalen Trends folgt. Diese Neuorientierungen sind allerdings stark beschränkt durch andauernd nationale Budgetkürzungen und den Mangel einer strategischen Neuausrichtung. Auch die Einführung des Europäischen Auswärtigen Dienstes wurde als top-down Europäisierung akzeptiert: die verstärkt europäischen diplomatischen Koordinierungsversuche seit 2009 werden als zusätzliches Instrument aber nicht als Ersatz für österreichische Diplomatie bewertet.Twenty years after Austria joining the EU, this contribution investigates how Austrian diplomacy has been adjusting to the changing European demands and opportunities next to global and domestic pressures for adaptation.Austrian diplomatic adaptation has predominantly been reactive. EU membership and EU sanctions pushed Austrian diplomats to re-adjust their role conceptions. On a more structural level, Austrian diplomacy followed global trends, while domestic budget cuts and lack of strategic reorientation acted as constrains. Also the introduction of the European External Action Service triggered a rather reactive response to top down Europeanization: the increased European diplomatic coordination attempts since 2009 are considered additional tools rather than a substitute for Austrian diplomacy
Austrian foreign policy 1995-2015
Die österreichische Außenpolitik wurde durch den EU-Beitritt Österreichs im Jahre 1995 wesentlich umgestaltet: Auf der einen Seite wurde die außenpolitische Agenda Österreichs durch die Involvierung in die Positionen und Verhandlungsprozesse der EU wesentlich ausgeweitet. Auf der anderen Seite wurde durch die Mitgliedschaft in der EU die frühere unabhängige Außenpolitik des neutralen Österreichs wesentlich eingeschränkt. In dem Aufsatz wird ein Überblick über die Entwicklung der österreichischen Außenpolitik seit 1995 gegeben, in der die Tendenz zu einer Abschwächung der früheren pro-aktiven Außen- und Vermittlungspolitik auf eine ambivalente Politik in der EU, auf die einschneidenden finanziellen Kürzungen im Bereich des diplomatischen Dienstes und der internationalen Solidarleistungen Österreichs sowie auf den gesamtgesellschaftlichen Trend zur Renationalisierung und Provinzialisierung zurückgeführt wird.During the past 20 years, Austria’s foreign policy has undergone far-reaching changes as a consequence of Austria’s membership in the European Union. Austria’s entry into the European Union broadened its foreign policy agenda: it became involved in a wide range of international issues and in the economic and political positions and bargaining processes of the EU in the international system. On the other hand, EU membership placed considerable constraints on Austria’s formerly independent national foreign policy, especially on Austria’s neutrality. This article gives an overview of the development of Austrian foreign policy since 1995, analyzing the developments leading from an active foreign policy profile in the 1970s and 1980s to a more passive, reactive foreign policy after entry into the EU. The main factors responsible for this development are a general weakening of the pro-active political approach in Austria’s EU policy and in international affairs, continued cuts in the Austrian foreign service budget, and the growing impact of the trend towards renationalization and provincialisation in domestic politics
Austrian foreign policy and 20 years of EU membership: opportunities and constraints
Zum Zeitpunkt seines EU Beitritts 1995 musste Österreich seine außenpolitische Rolle in einer neuen Weltordnung neu definieren. Die Mitgliedschaft in der EU wurde dabei allerdings nicht systematisch genutzt, um durch eine Europäisierung nationaler Außenpolitik an globalem Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten zu gewinnen. Österreich hat insgesamt eher wenig Interesse gezeigt, eine aktive Rolle innerhalb der europäischen Außenpolitik zu entwickeln. Während die EU Mitgliedschaft eine signifikante Ausweitung der außenpolitischen Agenda bedeutet und Österreich sich in die Prozesse europäischer Politikgestaltung integriert hat, blieb der Schwerpunkt der österreichischen Diplomatie weitgehend auf nationale außenpolitische Interessen fokussiert. Dies zeigt sich etwa an der aktiven Rolle Österreichs im Rahmen der europäischen Politik gegenüber dem Westbalkan. Gleichzeitig kam es im Zuge der EU Mitgliedschaft zu Beschränkungen der einst unabhängigen österreichischen Außenpolitik, gerade etwa in Bezug auf Österreichs Neutralität. Dieses Schwerpunkheft vereinigt internationale Experten, um 20 Jahre nach dem EU Beitritt bilanzieren über den Stand der Europäisierung verschiedener Aspekte österreichischer Außenpolitik. Insbesondere thematisieren die einzelnen Beiträge die Bereiche Kooperation in der Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungspolitik, sowie die Veränderungen diplomatischer Praktiken und Institutionen.When Austria joined the EU in 1995 it had to find its place in a substantially altered world order. Yet, rather than conceiving its membership in the EU as an opportunity to reenergize its foreign policy through Europeanization, Austria has displayed little interest in developing an active foreign policy profile within, or through, the EU. While membership in the EU meant a broadening of Austria’s foreign policy agenda – as Austria became involved in a broad range of international issues and started to participate in the multi-level negotiation process of the EU - its main contributions to European foreign poli- cy occurred in areas close to its national interest, as exemplified by its active role in the Western Balkans. Simultaneously, EU membership placed considerable constraints on Austria’s formerly independent national foreign policy, especially on Austria’s neutrality. This special issue brings together different international scholars with a longstanding expertise on different aspects of Austrian foreign policy that they will cover to take stock of the Europeanization of Austrian foreign policy two decades after it joined the EU.