Zeitschrift für Inklusion
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Ästhetische Erfahrung als Umweg und Widerständigkeit
In diesem Beitrag wird im Kontext ausgewählter Ergebnisse des Projekts Arts & Abilities eine grundlagentheoretische Diskussion hinsichtlich ästhetischer Erfahrungen im Hinblick auf Behinderung geführt. Dabei werden Kunsttheorie und Erkenntnistheorie von John Dewey miteinander verbunden und aufgezeigt, wie ästhetische Erfahrungen individuelle und gesellschaftliche Bilder transformieren können
Zugang zu Kunst und künstlerischer Bildung für Menschen mit Assistenzbedarf – Das europäische Projekt ART FOR ALL
In den letzten Jahren gibt es verstärkt Initiativen zum Abbau von Teilhabebarrieren im Bereich von Kunst & Kultur für Menschen mit Beeinträchtigungen. Das europäische Projekt „ART FOR ALL“ möchte hier einen kleinen Beitrag leisten, der das Ziel hat, Zugangswege zur Kunst und Möglichkeiten der künstlerischen Aus-, Fort- und Weiterbildung für Menschen mit so genannter geistiger Behinderung im europäischen Vergleich zu ermitteln und zu verbessern
Co-Teaching: Voraussetzung und Garant für eine Schule für Alle – Erfahrungen aus den USA
Eine inklusive Schule erfordert eine positive, kooperative Beziehung zwischen allen Mitarbeiter_innen. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit auf engstem Raum – Co-Teaching – ist eine neue Erfahrung für alle Beteiligten, und ihre erfolgreiche Umsetzung muss sorgfältig und fachkundig geplant, begleitet und evaluiert werden. Der folgende Text beschreibt die zentralen Aspekte einer solchen interdisziplinärer Zusammenarbeit von Schulfachkräften in inklusiven Schulen praxisnah basierend auf Erfahrungen in den USA
„All Inclusion!?“ – Teilhabe an der Musikkultur zwischen Verwirklichungschancen und Vermittlungsanspruch
Theorien der Inklusion, die rechtliche Grundlegung in Form der UN-Behindertenrechtskonvention sowie die Disability Studies bilden den Rahmen, innerhalb dessen ein Anspruch auf Teilhabe aller Menschen an kultureller Bildung bzw. an der Kultur unserer Gesellschaft formuliert wird. Bezogen auf die Teilhabe an der Musikkultur existieren gegenwärtig bereits viele einzelne, inklusive Projekte, die diesen Anspruch in besonderer Weise erfüllen. Gleichzeitig bestehen nach wie vor auf den unterschiedlichsten Ebenen Barrieren zu ihrer Umsetzung. Es ist längst nicht alles „All Inclusion“. Der Fokus dieses Beitrags richtet sich gezielt auf diese Barrieren. Ergebnisse einer Studie belegen, unter welchen Bedingungen inklusive kulturelle Bildung Chancen erhält, tatsächlich verwirklicht zu werden. Das Fazit: Inklusion braucht Veränderung in den Haltungen und Einstellungen der involvierten Künstler und Musikpädagogen und in der gängigen Vermittlungspraxis
„Zuhause liegt der Kern des ganzen Problems!“ – Nicht gelingende Kooperation zwischen Familie und Bildungseinrichtung und deren negativer Einfluss auf die kindliche Entwicklung
Wie empirische Längsschnittuntersuchungen nachweisen (u.a. Arndt, Rothe, Urban & Werning, 2012; Lichtblau, 2013c, 2014), ist eine gelingende Kooperation zwischen Familie und Bildungseinrichtung eine wichtige Voraussetzung für positive (Lern-)Entwicklungsverläufe von Kindern. Dies gilt insbesondere in der Transition von der Kindertagesstätte in die Schule (vgl. Rimm-Kaufman & Pianta, 2000). Wertschätzende Kooperation ist dabei immer auch das Ergebnis anschlussfähiger Kommunikationsprozesse zwischen den Systemen. Aus professioneller Sicht ist es gerade im Hinblick auf Austauschprozesse mit soziokulturell belasteten Familien von elementarer Bedeutung, sich bestmöglich über deren konkrete Lebenssituation zu informieren und ein Verständnis für die multiplen Stressoren, denen entsprechende Familien ausgesetzt sind, zu entwickeln. Gelingt dies nicht, werden kommunikative Missverständnisse begünstigt und können in einen konflikthaften und wechselseitig anschuldigenden Austausch führen, der sich negativ auf die kindliche Entwicklung auswirkt. Der Beitrag stellt im Sinne eines mahnenden Beispiels ein solches Fallgeschehen vor und diskutiert die individuelle Konfliktdynamik sowie mögliche Lösungsansätze
Displace Marilyn Monroe – Eine qualitative Studie zu Partizipation und Wahrnehmung im Kontext eines inklusiven Musiktheaterstücks
Der vorliegende Beitrag gibt einen Einblick in eine qualitative Studie zu subjektiv empfundenen Wahrnehmungen von Beteiligten und Rezipient*innen im Rahmen des inklusiven Musiktheaterstücks Displace Marilyn Monroe. Ausgelotet werden Chancen sowie Risiken in Bezug auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung, die gemeinsam mit ihren nicht behinderten Kolleg*innen als gleichberechtigte Künstler auf der Bühne agieren. Diese Theaterinszenierung mit Menschen mit und ohne Behinderung versteht sich so als ein „Ort des Sehens“ (vgl. Siebers 2012, 16). Nach einem Einblick in diese Theaterszene liegt der Fokus auf der Darstellung der Partizipation von Menschen mit Behinderung als Künstler*innen und der Deutung des Begriffes Partizipation im Kontext des Theaters. Aus den Erfahrungen des Dortmunder Modells Musik (DOMO: Musik), einem inklusiven Kulturprojekt, ist das Ensemble I CAN BE YOUR TRANSLATOR und mit ihnen das Musiktheaterstück Displace Marilyn Monroe entstanden, die beide vorgestellt werden. Ausgewählte Ergebnisse der Studie machen transparent, welche Erfahrungen in inklusiven kulturellen Projekten zum Ausdruck kommen und wie diese interpretiert werden können. Es wird der zentralen Frage nachgegangen: Konnten durch das Erleben des Musiktheaterstücks Displace Marilyn Monroe Prozesse des Überdenkens in Bezug auf die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung in Gang gesetzt werden
Welt ordnen – Menschen begegnen. Über die Konstruktion und das Tun von Differenzen.
Der Artikel geht von der Annahme aus, dass Menschen die Komplexität von Welt notwendig ordnen, um Phänomene und auch sich selbst zu begreifen. Durch diese Vereinfachung gewinnen Menschen Orientierung und Handlungsfähigkeit. Die Ordnung erscheint als natürlich und normal. Doch sie liegt nicht in der Welt, sondern wird von außen an diese herangetragen, ist konstruiert, dynamisch und damit auch veränderbar. Ein Potential für mögliche Veränderungen liegt in konkreten Begegnungen. Dort können vorgefertigte Bilder und Zuschreibungen differenziert werden und eine Erweiterung erfahren
Kritische Erziehungswissenschaft und Inklusionspädagogik?
Mit dem Text möchte ich an Hand pädagogischer Grundbegriffe Zusammenhänge zwischen Allgemeiner Pädagogik und Inklusionpädagogik aufzeigen, die das ungeklärte Verhältnis der beiden Teilbereiche beschreibt. Darüber hinaus ist dies der Versuch Elemente kritischer (Theorie) Pädagogik dafür fruchtbar zu machen
Einstellung in Bewegung. Kann Tanzkunst helfen, Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderung zu verändern?
Eines der zentralen Ziele der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) besteht darin, einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft anzustoßen und voranzutreiben. Hierzu gehört auch, dass Vorurteile, negative Einstellungen und schädliche Verhaltensweisen gegenüber Menschen mit Behinderungen bekämpft werden sollen, um eine gleichberechtigte und wirksame Partizipation der Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Der vorliegende Beitrag untersucht, inwieweit tanzkünstlerische Rezeptions- und Produktionsprozesse in Tanzensembles, in denen Tänzerinnen und Tänzer mit Behinderung integriert sind, zu einem solchen Einstellungswandel beitragen können. Insbesondere Mechanismen wie die kinästhetische Empathie und die Körperresonanz sowie die spezifische Art des Kontaktes – im Medium der Bewegung, embodied, affektiv – scheinen einen Einstellungswandel zu begünstigen
Die überaus fähige Lehrkraft. Zur Wirkungsweise von Ableism in der Subjektivierung von Lehrkräften
„Mit ein bisschen Entgegenkommen ist er eine vollwertige Lehrkraft“ (Mentor über seinen blinden Referendar, ZEIT 2011: 3). Was sagt dieses Zitat aus? Ist der Referendar mit ein bisschen Entgegenkommen eine vollwertige Lehrkraft, weil durch das Entgegenkommen seine Blindheit oder sein Referendarstatus ausgeglichen werden? Dass es sich um den Ausgleich der Blindheit oder zumindest um die Kombination dieser und des Referendarstatus geht, lässt sich durch die Lektüre des gesamten Artikels feststellen. Die Beurteilung der Blindheit des Referendars als Merkmal, das Entgegenkommen durch den Mentor verlangt, lenkt den Blick auf die Frage, wie Behinderung im (aus-)bildungspolitischen Diskurs von Lehrkräften konstruiert wird. Inwiefern die Aussage auf Ausbildungs- und Einstellungsanforderungen an behinderte Menschen als Lehrer_innen verweist, wird hinsichtlich des Umgangs mit gesellschaftlicher Differenz erörtert. Zur Beantwortung dieser Frage wurden bundesweite Stellenausschreibungen, Studiengänge, Einstellungsmerkblätter und Bildungsprogramme diskursanalytisch untersucht, wie und ob die klassischen Differenzkategorien der Cultural Studies Race, Class und Gender, und darüber hinaus Dis_ability, sexuelle Orientierung, Alter und Religion/Weltanschauung gemäß des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG 2006) als Charakteristika von Lehrkräften thematisiert werden. Verbunden mit der Konstruktion des Lehrkraft-Subjekts wurden unter Rückgriff auf Ansätze der Gouvernementalitätsforschung die Anforderungen an Lehrer_innen analysiert, sich überaus kompetent zu erweisen