Zeitschrift für Inklusion
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Heterogenisierung in der Schule? Pädagogische Antwortversuche auf Basis gerechtigkeitstheoretischer Überlegungen
Die These dieses Textes ist, dass Kinder und Jugendliche als Menschen und damit ‚verschiedene Gleiche‘ in der Institution ‚Schule‘ lernen und leben. Dieses Menschenbild hat jedoch weitreichende Konsequenzen und führt logisch an gerechtigkeitstheoretische Überlegungen heran. Diese Perspektive ist nicht schon die Lösung, doch dabei helfen im Denken zu einer Orientierung zu gelangen (vgl. Mittelstraß 1978), kann sie allemal. Um diese These nachvollziehbar zu machen, werden zunächst (1) aktuelle (schul-) pädagogische Herausforderungen aufgezeigt, die allesamt die ‚Heterogenität‘ von Schülerinnen und Schülern akzentuieren. (2) Weil die Argumentation nachvollziehbarer wird, erfolgt die Darstellung einer bildungstheoretischen Lesart, an welche sich (3) die Bestimmung von Menschen als ‚verschiedene Gleiche‘ anschließt. (4) Die Idee der Gerechtigkeit folgt an diese Einsicht logisch und wird im Kontext der Institution ‚Schule‘ entwickelt. (5) Was Gerechtigkeit für humane Praxis, damit auch pädagogisches Handeln (vgl. dazu Benner 2005: Kap. 2), bedeutet, wird Inhalt des abschließenden fünften Kapitels sein
Inklusion, Interkulturelle Öffnung, Diversity – Professionstheoretische Überlegungen zu einem kritisch-reflexiven Inklusionsverständnis
Der Beitrag geht von einem fruchtbaren Dialog der Ansätze Inklusion, Interkulturelle Öffnung und Diversity aus. Dieser Dialog – so die These – entfaltet Potenzial, um die konzeptionelle Unschärfe des Inklusionsbegriffs zu überwinden. Auf dieser Basis stellt der Beitrag Überlegungen für ein reflexives Inklusionsverständnis vor, das sich konsequent an der individuellen Lebenslage der AdressatInnen orientiert und daher notwendigerweise eine vielfältige Heterogenitätsperspektive zu Grunde legt. Eine Engführung von Inklusion auf die Kategorie „Behinderung“ wird als widersprüchliches Unterfangen sichtbar. Als Dreh- und Angelpunkt von Inklusion wird die (Aus-)Bildung eines vielfaltsorientierten professionellen Habitus erachtet, der in der Praxis als Reflexionsunterstützung dient. Eckpfeiler praktischer inklusiver Arbeit sind Kooperation, Interprofessionalität, Prozesshaftigkeit und eine Institutionengestaltung von der Sonder- zur Regelversorgung im Sinne Interkulturelle Öffnung
Stottern und außerschulisches Sportengagement in der Jugend – eine exemplarische Ergänzung der Inklusionsdebatte
Im Beitrag wird mithilfe einer Interviewstudie erforscht, welche Relevanz die Sprachbeeinträchtigung Stottern für das außerschulische Sporttreiben der Betroffenen hat. Anhand eines Fünf-Faktoren-Modells wird erläutert, wie das Sportengagement der Jugendlichen mit Sprachproblematiken beeinflusst wird, wobei en passent die Frage aufkommt, wie der exklusive Charakter des Freizeitsports mit einer inklusiven Unterrichtsgestaltung zusammenhängt
Wer nicht fragt, bekommt keine Antworten – Interviewtechniken unter besonderen Bedingungen
In diesem Beitrag geht es um Fragen und unterstützende Techniken in Interviews mit Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Solche Techniken sollen dabei helfen, mögliche Fehlerquellen zu reduzieren und kommunikative Barrieren in der Interviewsituation abzubauen. Grundannahme dieses Beitrags ist, dass die eingesetzten Fragestrategien zentral sind, um zu analytisch relevanten Einblicke in die Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten von Menschen mit kommunikativen oder kognitiven Beeinträchtigungen zu gelangen. In dem Beitrag wird deutlich, dass die Kompetenz zur Teilnahme an Befragungen ganz wesentlich an Bildungsinhalte geknüpft ist und daher die Frage partizipativer Forschung nicht losgelöst von Bildungsfragen diskutiert werden kann
Inklusiven Unterricht entwickeln und erproben – Eine Verbindung von Theorie und Praxis im Rahmen von Design-Based Research
Inklusive Lernsituationen stellen ein Forschungsfeld dar, das aufgrund seiner Komplexität durch kontrollierbare Variablen nur schwer zu beschreiben ist. Durch die Verbindung von Theorie und Praxis im Rahmen von Design-Based Research und dessen qualitative Ausrichtung kann es ermöglicht werden, Lehr-Lernprozesse sehr genau zu betrachten und Bedingungs- und Gelingensfaktoren für Lernsituationen in heterogenen Lerngruppen herauszuarbeiten. Exemplarisch wird der Design-Based Research-Ansatz anhand der Entwicklung und Erprobung der Unterrichtskonzeption "choice2explore" für den Sachunterricht vorgestellt
Sportsemiotische Ansätze im Inklusionsdiskurs – ein interdisziplinärer, epistemischer Mehrwert für die Behindertenpädagogik?
Der Beitrag geht von der These aus, dass der behindertenpädagogische Inklusionsdiskurs einer – bis dato ausstehenden – kulturanthropologischen Fundierung bedarf, um im Sinne einer langfristigen pädagogischen Legitimation für immanente und ggf. exkludierende anthropologische Annahmen zu sensibilisieren. Unter Beachtung anthropologiekritischer Überlegungen wird dazu eine funktionale Wesensbestimmung des Menschen auf der Basis eines sportsemiotischen Paradigmas entwickelt, die auf der Philosophie der Symbolischen Formen (PSF) Ernst Cassirers fußt. Dabei zeigt sich, dass diese Bezüge potentiell geeignet erscheinen, um ein methodisches Werkzeug zur kulturanthropologischen Diskussion der Inklusionsdebatte zur Verfügung zu stellen. Andererseits sensibilisiert der Rückgriff auf die Sportpädagogik jedoch dafür, dass diese grundsätzlich von einem romantisierenden Menschenbild auszugehen scheint, das die verletzlichen Bedingungen des Humanen, das konstitutiv Imperfekte, weitestgehend ignoriert
Sonderpädagogische Professionalität im Kontext inklusiver Schulen aus sportpädagogischer Perspektive. Exemplarische Befunde, Probleme und Perspektiven
Die Entstehung eines inklusiven Schulsystems bedingt eine zunehmende Verlagerung sonderpädagogischer Handlungsfelder aus Förderschulen in allgemeine Schulen. Die dadurch erforderlich gewordene „Neujustierung“ sonderpädagogischer Professionalität (Moser, Schäfer & Redlich, 2011) wirft auch die Frage nach der „Rolle der Sonderpädagogik“ in einem inklusiven Fachunterricht auf (vgl. Amrhein & Reich, 2014, S. 42). Der Beitrag eröffnet eine sportpädagogische Perspektive auf diese Entwicklung und stellt exemplarisch anhand zwei aktueller Forschungsprojekte (Brand, Rischke & Zimlich, 2015; Rischke, Zimlich & Brand, 2016) fachbezogene Facetten dieser „Neujustierung“ dar: Erstens werden Ergebnisse einer Analyse der Ausbildung angehender sonderpädagogischer Lehrkräfte im Fach Sport vorgestellt, zweitens Ergebnisse zur Rekonstruktion von fachtypischen Merkmalen sonderpädagogischen Handelns im inklusiven Schulsport. Die Ergebnisse werden abschließend vor dem Hintergrund aktueller Forschungsergebnisse und professionstheoretischer Überlegungen diskutiert
Rekonstruktiv-praxeologische Schul- und Unterrichtsforschung im Kontext von Inklusion
In dem Aufsatz werden die methodologischen Notwendigkeiten einer empirischen Annäherung und Rekonstruktion eines sozialwissenschaftlich fundierten Verständnisses unterrichtlicher Inklusion und Behinderung dargelegt. Anhand der methodologischen Grundannahmen und der meta-theoretischen Reflexionen der Praxeologischen Wissenssoziologie und der Dokumentarischen Methode wird aufgezeigt, wie die damit einhergehende Komplexität rekonstruiert, also methodisch kontrolliert interpretiert werden kann. Anhand der Ausführungen werden die Potenziale für den Gegenstand der schulischen und unterrichtlichen Inklusion konkretisiert und vorgestellt
Das konzeptuelle Verständnis von Inklusion – Beschreibung einer Entwicklung am Beispiel Studierender erziehungswissenschaftlicher Studiengänge
Ausgangspunkt: Inklusion ist nicht voraussetzungslosEine Restrukturierung (nicht nur) des Systems institutioneller Erziehung und Bildung in der Bundesrepublik Deutschland unter dem Leitbild der Inklusion kann nicht losgelöst betrachtet werden von der Frage, welche Verständnisweisen, Weltsichten, Fähigkeiten (angehende) Pädagog*innen in die Lage versetzen (sollen), diesem Auftrag gerecht zu werden – und wie diese Fähigkeiten gegebenenfalls herausgebildet werden (können). Im Folgenden wird der Forschungsansatz einer laufenden Studie vorgestellt, die zu dieser Frage – und zu ihrer Klärung – beitragen möchte, indem Inklusions- und daraus resultierende Handlungskonzepte von Studierenden erziehungswissenschaftlicher Studiengänge an der Universität Erfurt herausgearbeitet werden. In einem innovativen Ansatz qualitativer Sozialforschung wird ein kategoriales Modell angestrebt, welches den Entwicklungsverlauf wachsender Komplexität der Konzeptualisierung von Inklusion abbildet und es ermöglicht, die Inklusionskonzepte angehender Pädagog*innen mit denjenigen Konzepten ins Verhältnis zu setzen, die im wissenschaftlichen Diskurs und in der politischen Debatte vorfindlich sind. So soll es möglich werden, Implikationen für eine universitäre Lehre zu beschreiben, die Inklusion auch in der Weise ‚inklusiv’ lehrt, dass sie den verschieden komplexen Verständnishorizonten von Studierenden gerecht wird