Zeitschrift für Inklusion
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Depathologisierung – Diagnostik der emotionalen und sozialen Entwicklung im inklusiven Kontext
Was in anderen Kontexten als ‚Dekategorisierung‘ bezeichnet wird, liefe im Kontext des Förderschwerpunkts ‚Emotionale und soziale Entwicklung‘ auf eine Depathologisierung hinaus. Der vorliegende Artikel zeichnet vergleichend nach, was eine solche kritische Betrachtung diagnostischer Systeme für den Förderschwerpunkt ‚Emotionale und soziale Entwicklung’ bedeutet. Welche Implikationen hat eine Pathologisierungskritik für diagnostische Prozesse? Welche Folgen hat dies für Seminare zu diagnostischer Kompetenz in der Lehrerbildung
Kooperationsvorstellungen und -erfahrungen angehender Lehrkräfte in Bezug auf schulische Inklusion
Im Rahmen schulischer Inklusion und der damit verbundenen Unterrichtung einer heterogenen Schüler*innenschaft rückt die professionelle Kooperation von Pädagog*innen aus schulpraktischer wie auch theoretischer Sicht in den Fokus pädagogischer Professionalisierung. In diesem Beitrag sollen die Vorstellungen angehender Lehrkräfte von professioneller Kooperation dargestellt und analysiert werden. Anhand einer rekonstruktiven Untersuchung zu Kooperationsvorstellungen angehender Lehrkräfte werden vier Typen vorgestellt, die diese Vorstellungen abbilden
HdMa on tour - differenziert: Differenzierte Lernzugänge bei mathematischen Exhibits am Beispiel „Haus der Mathematik on tour“
Im Rahmen des Entwicklungsprojekts HdMa (Haus der Mathematik) on tour zum entdeckenden Lernen mathematischer Problemstellungen mit hands-on exhibits haben wir nach differenzierten Lernzugängen gesucht. Diese erweiterten Lernzugänge sollten eine niedrigschwellige und dennoch entdeckende Herangehensweise für Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ermöglichen und somit die Individuallage der Kinder berücksichtigen. Schwierigkeiten auf Grund von heterogenen sprachlichen Voraussetzungen wurden berücksichtig, indem ein neuer Ansatz mit zusätzlichen grafischen Anleitungskärtchen umgesetzt wurde. Um die Problemlösekompetenz im entdeckenden Lernen im Lernprozess der Kinder zu fördern wurden Rahmen als Orientierungshilfen konzipiert. Zusätzlich entwickelten wir visuelle Wahrnehmungshilfen, um den Kindern differenzierte Lernzugänge auf unterschiedlich komplexen Entdeckungsebenen anzubieten. In dieser Arbeit präsentieren wir die Weiterentwicklung der HdMa on tour und machen die didaktische Systematik, der wir gefolgt sind, nachvollziehbar
Quantitative Forschung mit Jugendlichen mit Behinderungen – Stand der Forschung, Entwicklungsbedarfe, Möglichkeiten und Grenzen einer inklusiven Jugendforschung
Im vorliegenden Beitrag wird der Forschungsstand zur Quantitativen Forschung mit Jugendlichen mit Behinderungen beleuchtet, auf Entwicklungsbedarfe hingewiesen und schließlich eine Diskussion um die Möglichkeiten und Grenzen einer inklusiven Jugendforschung geführt
Antipsychiatrie, der erweiterte Inklusionsbegriff und die Entpathologisierung des Fremden:: Die Dekonstruktion ethnozentrisch bedingter "Normabweichungen" als implizite Forderung der antipsychiatrischen Bewegung.
Zwar gilt die antipsychiatrische Bewegung der 1960er-Jahre als eine, die eher im historischen Kontext und im Imperfekt besprochen wird. Ihre Forderungen auf den neuen, erweiterten Begriff von Inklusion auszudehnen und im Hinblick auf Ethnizität zu beleuchten – einer Dimension, die angesichts der Migrationsbewegungen von steigender Bedeutung ist – zeigt allerdings durch eine Reihe von Parallelen die Chance, ethnozentrisch konstruierte Normen in der Psychiatrie und ihren Nachbardisziplinen Psychologie und Psychotherapie ins Bewusstsein zu rücken. Anhand von Beispielen wie Stichprobenzusammensetzung, Somatisierung, Schizophrenie und Gesprächsführung soll hier aufgezeigt werden, in welchem Ausmaß Normen westlich definiert und sogenannte Abweichungen davon nicht als wertneutrale Variante gesehen werden, sowie auf das Potenzial hingewiesen werden, das sich implizit in den Forderungen der Antipsychiatrie findet
Zwischen PISA und Inklusion: Die Rolle des sonderpädagogischen Fördersystems in Finnland
Durch das erfolgreichen Abschneiden bei den PISA-Studien ist das finnische Schulsystem in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Auch unter dem Aspekt von inklusiver Bildung gilt das finnische Bildungssystem als beispielhaft. In den vergangenen Jahren gab es in Finnland einige Veränderungen auf bildungspolitischer Ebene, die auch das Thema Inklusion betreffen. Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt auf der Reform des sonderpädagogischen Fördersystems. Ein diesbezüglicher Blick auf Finnland soll Aufklärung über den aktuellen Entwicklungsstand geben, und abschließend mögliche Anknüpfpunkte für die deutschsprachige Inklusionsdebatte skizzieren
„Nur in der Freiheit ist Entwicklung möglich“ - Auf der Suche nach Guter Form, oder was macht aus einer helfenden eine hilfreiche Beziehung: Dargestellt am Beispiel der Persönlichen Betreuung und Begleitung im Alltag von und mit Menschen mit psychischen Erkrankungen des Vereins LOK
Wann ist und was macht professionelles Handeln hilfreich? Diesen Fragen möchte der vorliegende Text nachgehen und dabei eine theoretische Annäherung an eine Theorie hilfreicher Beziehungen leisten. Dies geschieht eingebettet in eine Studie, die sich mit Fragen der Wirkungen und des Verstehens von Wirkfaktoren innerhalb der ambulanten Begleitung von erwachsenen Menschen mit psychischer Erkrankung am Beispiel der „Persönlichen Betreuung und Begleitung im Alltag“ des Vereins LOK beschäftigt. Im Rahmen des vorliegenden Beitrages wird zunächst auf Forschungstraditionen eingegangen, welche Fragestellungen des Wirkens sozialer Hilfen im Kontext extramuraler Unterstützungsangebote für Menschen mit psychischer Erkrankung behandelt sowie daraus Faktoren für wirkungsvolles Handeln abgeleitet haben. Im Anschluss werden das untersuchte Gegenstandsfeld, die leitenden Fragestellungen sowie das Forschungsdesign vorgestellt. Bevor im Rahmen dieser Untersuchungen herausgearbeitete Wirkungen und Wirkfaktoren systematisierend beschrieben werden, erfolgt zunächst ein für das Verstehen der gegenstandsbezogenen Theorie notwendiger Exkurs über die organisationale Einbettung sowie Besonderheiten des untersuchten Feldes. Kernstück dieses Beitrages ist die Skizzierung einer Theorie hilfreicher Beziehungen, wozu auf das gestalttherapietheoretische Konzept der „Guten Form“ (Zinker 1994) zurückgegriffen und dieses mithilfe der erhobenen Daten weiterentwickelt wird. Der Artikel schließt mit einigen Implikationen sowie kritischen Anmerkungen zu Möglichkeiten der Weiterentwicklung des untersuchten Arbeitsfeldes
Berufliche Inklusion von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen durch technische Assistenz am Arbeitsplatz
Der vorliegende Beitrag zielt auf eine Untersuchung der ethischen Implikationen von Assistenzsystemen am Arbeitsplatz – einer technischen Lösung für die Förderung der beruflichen Qualifikation von Menschen mit geistigen Behinderungen. Mein Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass es durch den technologischen Fortschritt im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion heute möglich ist, solche technischen Assistenzsysteme am Arbeitsplatz einzusetzen. In diesem Beitrag entwickle ich eine These hinsichtlich des moralischen Werts solcher Systeme. Das Ergebnis meiner Untersuchung ist, dass Assistenzsysteme am Arbeitsplatz einzusetzen nicht nur moralisch erlaubt ist, sondern dass sich ihr Einsatz darüber hinaus sogar ethisch befürworten lässt. Meine Kernthese lautet, dass ihr ethisch ausschlaggebender Wert in dem Beitrag liegt, den sie zur beruflichen Inklusion von Menschen mit geistigen Behinderungen leisten können. Ich argumentiere dafür, dass Assistenzsysteme am Arbeitsplatz dabei helfen können, dass Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ihren Platz im Arbeitsleben finden. Das heißt, sie eröffnen ihnen einen Zugang zur Arbeitswelt, die ihnen ohne sie verschlossen bliebe oder von der sie zumindest eklatant von Ausschluss bedroht wären. Folgt man meiner Argumentation, so sind Assistenzsysteme am Arbeitsplatz also deshalb ethisch gut, weil sie dazu beitragen, das Ideal einer inklusiven Arbeitswelt zu verwirklichen
Mit ›Fremdheit‹ Dichotomien überwinden: Zum innovativen Potenzial einer ›alten‹ Denkfigur für eine diversitätskonturierte Inklusionspädagogik
Dieser Beitrag versucht die antiquierte Denkfigur ›Fremdheit‹ für ein Überwinden von Dichotomien in der Pädagogik nutzbar zu machen und damit die Inklusionspädagogik auf Diversität zu ›polen‹. Dabei werden Fremdheit und das Fremde im Kontext von Bildungstheorie und -philosophie entwickelt und zudem auf Basis ausgewählter Klassiker (Marx und Simmel) deren Logik erörtert. Im Zuge dessen wird sich zeigen, dass die Denkfigur ›Fremdheit‹ in der pädagogischen Anthropologie/Ethik sehr aktuell ist und sich als konstitutiv für Bildungsbewegungen und Identitätsprozesse erweisen kann. Der Fortgang der Argumentation wird ergänzend auch nachweisen, dass dadurch auch Dichotomien gebannt werden können und eine offene, abschiedliche u. d. h. inklusionsförderliche Haltung unterstützt werden kann
Die Normalisierung des Anders-Seins: Phänomenologische Erfahrungsprotokolle und Reflexionen zur gelebten Inklusion im italienischen Schulsystem am Beispiel von Südtiroler Schulen
Während Schulpolitik, Schuldirektionen, Lehrkräfte und auch Eltern in vielen europäischen Ländern durch die UN-Behindertenrechtskonvention vor einen Paradigmenwechsel gestellt sind, kann das italienische Schulsystem auf eine rund 40jährige Erfahrung mit einer integrativen und im Ansatz auch schon inklusiven Einheitsschule im Pflichtschulbereich zurückgreifen. Dies ermöglicht eine kritische Analyse der Grenzen und noch ungenutzten Potenziale für inklusive Strategien. Der vorliegende Beitrag versucht, die Diskurse um nötige und mögliche Weiterentwicklungen mit phänomenologischen Einblicken in die gelebte Inklusion an Südtiroler Schulen zu verbinden. Mit „Vignetten“ (Schratz, Schwarz, Westfall-Greiter, 2012) werden exemplarisch Momente von Einschluss und Ausschluss im Unterrichtsgeschehen eingefangen und zur Reflexion angeboten