Zeitschrift für Inklusion
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Inklusionsorientierte individuelle Förderung im Unterricht im Spannungsfeld differenzbezogen-positiver und normbezogen-negativer Einstellungen zu Heterogenität
Anhand deskriptiver und multivariater Analysen eines Teilsamples (n=278) einer quantitativen Querschnittsstudie (N=2200) werden im Beitrag spezifische Fokussierungen angehender Lehrkräfte auf bestimmte Heterogenitätsdimensionen, deren Einstellungen zu Heterogenität sowie Einflüsse ausgewählter moderierender Variablen auf diese Einstellungen aufgezeigt. Die Ergebnisse deuten auf ambivalente Einstellungen im Spannungsfeld von Differenzanerkennung und normierendem Homogenisierungsdenken hin, die dem Anspruch einer inklusionsorientierten individuellen Förderung im Unterricht entgegenstehen können
Inklusion und dis/ability: Überlegungen zu einer differenztheoretischen Unterrichtsforschung
Ausgehend von differenztheoretischen Überlegungen im Kontext erziehungswissenschaftlicher und soziologischer Theorien wird dis/ability als Differenzkategorie der ethnographischen Unterrichtsforschung dargelegt. Neben der Frage, was es für (inklusive) Unterrichtsforschung bedeutet, differenztheoretisch zu forschen und dabei auf dis/ability als eine spezifische Unterscheidung zu rekurrieren, wird anhand ausgewählter empirisch-rekonstruktiver Studien die Funktion der Differenzkategorie dis/ability für den inklusiven Unterricht diskutiert. In diesen zeigt sich, dass Behinderung im inklusiven Unterricht performativ dadurch hergestellt wird, dass bestimmte Schüler*innen im Sinne der unterrichtlichen Leistungsanforderungen als dauerhaft ungenügend fähig gelten. Im inklusiven Unterricht entsteht so eine Differenz von dauerhaft genügend bzw. ungenügend fähigen Schüler*innen. Damit wird deutlich, dass schulische Leistungsanforderungen auch im inklusiven Unterricht die Unterrichtsordnung bestimmen
Inklusion als Professionalisierungsdilemma?
Die praktische Bearbeitung von Inklusion wird oftmals primär als Frage der Qualität der Kooperation Professioneller im gemeinsamen Unterricht von Schüler*innen mit und ohne Förderbedarf ausgedeutet. Damit findet eine spezifische Form der Delegation statt, die sich in den Praktiken innerhalb der ‚heterogenen Lehrgruppe‘ wiederspiegelt. Denn auch hier werden Zuständigkeiten von den Regelschullehrkräften an das anwesende sonderpädagogische Personal delegiert. Diese doppelte Delegation steht konträr zu normativen Semiantiken einer ‚Kooperation auf Augenhöhe‘, eines ‚Unterrichts für alle‘ sowie der Annahme, dass Inklusion ‚eine Frage der Haltung‘ sein. Anhand ethnographischer Unterrichtsbeobachtungen werden exkludierende und differenzverstärkende Praktiken analysiert und im Fazit für eine Hinwendung der Inklusionsforschung zu größeren Konstellationen plädiert.
Die praktische Bearbeitung von Inklusion wird oftmals primär als Frage der Qualität der Kooperation Professioneller im gemeinsamen Unterricht von Schüler*innen mit und ohne Förderbedarf ausgedeutet. Damit findet eine spezifische Form der Delegation statt, die sich in den Praktiken innerhalb der ‚heterogenen Lehrgruppe‘ wiederspiegelt. Denn auch hier werden Zuständigkeiten von den Regelschullehrkräften an das anwesende sonderpädagogische Personal delegiert. Diese doppelte Delegation steht konträr zu normativen Semiantiken einer ‚Kooperation auf Augenhöhe‘, eines ‚Unterrichts für alle‘ sowie der Annahme, dass Inklusion ‚eine Frage der Haltung‘ sein. Anhand ethnographischer Unterrichtsbeobachtungen werden exkludierende und differenzverstärkende Praktiken analysiert und im Fazit für eine Hinwendung der Inklusionsforschung zu größeren Konstellationen plädiert
Förderschulen zwischen Inklusion und Exklusion: Zur Situation und den Perspektiven der niedersächsischen Förderschulen aus bildungspolitischer und fachwissenschaftlicher Sicht
Deutschland steht mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention seit 2009 gemäß Artikel 24 in der Pflicht, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. Das Deutsche Institut für Menschenrechte stellt eindeutig heraus, dass das deutsche Förderschulsystem nicht mit einem inklusiven Bildungssystem zu vereinen ist. Dennoch halten viele Bundesländer bisher an dem segregierenden System fest. Die Auseinandersetzung um das Entwickeln und Finden neuer Strukturen ist ein Prozess, der sich auf verschiedenen Ebenen vollzieht. In diesem Beitrag wird exemplarisch am Bundesland Niedersachsen in den Blick genommen, wie sich die Situation der Förderschulen aktuell darstellt und welche Perspektiven die Bildungspolitik für die Förderschulen derzeit entwickelt.
 
Irritierende Beobachtungen auf einer Exkursion in Kanada als Lernanlässe – eine studentische Perspektive
Kanada ist international bekannt für sein inklusives Schulsystem. Der Beitrag thematisiert Möglichkeiten und Grenzen studentischer Erkenntnisgewinnung im Rahmen einer zweiwöchigen Exkursion nach Kanada (nach Toronto und in die Provinz New Brunswick). Theoretisches Wissen zu menschenrechtsbasierter, inklusiver Bildung konnte in diesem Rahmen mit erlebter Praxis in einem Inklusionserfahrenen Land konfrontiert werden. Dabei nutzt dieser Beitrag die Systematik des Index für Inklusion und geht speziell auf Beobachtungen rund um inklusive Kulturen, Strukturen und Praktiken ein, welche die Autorinnen während und nach der Exkursion als Irritationen und Frageanlässe beschäftigten
Intervention und Prävention von Bullying an kanadischen Schulen – Eine Interviewstudie
Die Prävention und Intervention von Bullying, mitunter auch als Mobbing bezeichnet, ist ein Themenfeld, das in Deutschland immer größere Beachtung findet. Der vorliegende Beitrag stellt sich daher der Frage, wie diese im schulischen Kontext funktionieren kann. In einer theoretischen Annäherung wird zuerst das Phänomen Bullying als soziales Interaktionsgefüge in der (Zwangs-)Gemeinschaft Schulklasse beleuchtet. Im Anschluss spezifiziert die Beschreibung der individuellen-, der Klassen-, der Schul- sowie der Ebene der Gemeinde und Nachbarschaft in Bezug auf Methoden und Programme der Prävention und Intervention von Bullying die nachfolgende Studie. Während einer universitären Forschungsreise wurden kanadische Lehrer*innen zu den an ihren Schulen etablierten Methoden und Programmen zum Thema Bullying befragt. Auf Grundlage dieser Erhebung werden zwei Schulen kontrastierend verglichen, um die vielfältigen Wege der Bullyingpräventionsarbeit an kanadischen Schulen exemplarisch darzustellen. Abschließend werden Bezüge zu einer inklusiven und demokratischen Schulgestaltung hergestellt
Die Rolle der Sonderpädagogik in inklusiven Settings aus Studierendensicht - Einblicke in die Ergebnisse einer Masterarbeit
Die Sonderpädagogik erfährt im Rahmen der schulischen Inklusion einen Wandel ihres Professionsverständnisses. In der Diskussion stehen Rollen und Aufgaben von Sonderpädagog_innen in inklusiven Settings, welche in der schulischen Praxis bereits eingehend erforscht wurden. Dahingegen stellt die Studierendenperspektive auf dieses Thema ein Forschungsdesiderat dar. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen einer Masterarbeit in einer qualitativ-empirischen Studie der Frage nachgegangen, welches Verständnis Studierende des Studiengangs „Integrierte Sonderpädagogik“ an der Universität Bielefeld von der Rolle sowie den Aufgaben der Sonderpädagogik in inklusiven Settings haben. Die Ergebnisse der Befragung von fünf Studierenden werden in diesem Beitrag vorgestellt sowie im Hinblick auf die Professionalisierung in der universitären Lehrer_innenausbildung diskutiert
Kooperation für den alltäglichen Unterricht: Eine exemplarische Analyse zu Akteurkonstellationen an einer Schule in New Brunswick
Schulische Inklusion ist nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Professionen umzusetzen. Die Organisation dieser notwendigen Kooperation wird je nach Schulsystem unterschiedlich gehandhabt. In diesem Beitrag steht das Schulsystem der kanadischen Provinz New Brunswick im Fokus, das bereits seit einigen Jahren im Rahmen des international vergleichenden Inklusionsdiskurs behandelt wird (vgl. Köpfer 2013). Die Provinz weist ein Schulsystem vor, in dem keine Aussonderung vorgenommen wird – weder durch Sonderschulen, noch durch Sonderklassen. Anhand zweier Expertinneninterviews und mit Einbezug der Perspektive von Educational Governance wird in diesem Beitrag die inklusionsbezogene Handlungskoordination zwischen schulischen Akteuren dargestellt und diskutiert. Dabei richtet sich der Fokus auf den die Ebene des täglichen Unterrichts. 
Inklusion und (literarische) kulturelle Bildung am Beispiel von Literaturpreisen für Menschen mit (geistiger) Behinderung
In Deutschland (und Österreich) werden insgesamt sechs inklusionsorientierte Literaturpreise vergeben, die literarische Praktiken sowie Praktiken literarischer Wertung mit kultur- und bildungspolitischen Werten und Strategien verknüpfen. In ihrer Inklusionsorientierung sind sie exemplarisch für aktuelle politische und zivilgesellschaftliche Programme kultureller Bildung. Die literatur- und kulturwissenschaftliche sowie diskursanalytische Untersuchung der Preise macht ersichtlich, dass und wie sie eine Verzahnung von Diskursen und Praktiken, ‚Identifikationsregimen‘ (Jacques Rancière) sowie Wertordnungen von Behinderung und Literatur vornehmen und das Potential zur Störung symbolischer und sozialer Ordnungen, das der Inklusion als Haltung eignet, ‚reterritorialisieren‘ (Gilles Deleuze)
Freundschaftsbeziehungen von Jugendlichen mit Behinderung Potentiale, Herausforderungen und Grenzen egozentrierter Netzwerkanalysen
Jugendliche mit Behinderung in Jugendforschung einzubeziehen, bleibt weiterhin Aufgabe und Herausforderung. Einen möglichen Ansatz dazu stellt die Methode der egozentrierten Netzwerkanalyse dar. Am Beispiel von Freundschaften als lebensweltlich relevanten und zugleich innerhalb der Forschung zu Jugendlichen mit Behinderung nur eingeschränkt betrachteten Sozialbeziehungen perspektivieren wir mögliche Chancen derartiger Erhebungen. Basierend auf Erfahrungen von empirischen Erhebungen mit Jugendlichen mit Behinderung diskutieren wir die Problemstellungen gegenwärtig verbreiteter aggregierter Erhebungsinstrumente und konzeptualisieren mögliche Erträge egozentrierter Netzwerkanalyse.
Stichwörter: quantitative Methoden, Egozentrierte Netzwerkanalysen, Jugendliche mit Behinderung, Freundschafte