Zeitschrift für Inklusion
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Anerkennung und Wertschätzung aus der Perspektive der Humanistischen Pädagogik
Anerkennung und Wertschätzung in professionellen Beziehungen finden sich in allen der Humanistischen Pädagogik zu Grunde liegenden Referenzansätzen. Sowohl das Dialogische Prinzip Bubers, die Themenzentrierte Interaktion Cohns, die Personzentrierung bei Rogers, die „Konferenzen“ Gordons, der Gestaltansatz Perls’ sowie die Achtsamkeit eint eine Orientierung an der gesamten Person, verstanden als einer Leib-Seele-Geist-Einheit, und ihren immer schon vermuteten Ressourcen. Leiblichkeit und die Gegenwart, das Hier und Jetzt, gelten als einzig mögliche Zugänge zu Handlungsgestaltung und stellen vor allem hinsichtlich der aktuellen Entwicklungsfelder von Migration und Digitalisierung besondere Herausforderungen dar. Es werden Überlegungen vorgestellt, welchen Beitrag die Humanistische Pädagogik zur Aufrechterhaltung des humanen Prinzips der Personadressierung in den genannten Gestaltungsfeldern zu leisten vermag
Inklusive politische Bildung: Herausforderungen, Implikationen und Gestaltungsmöglichkeiten
Ziel dieses Beitrags ist die Klärung der Frage, wie politische Bildung in einem inklusiv ausgerichteten Unterricht realisiert werden kann – und vor allem wie politische Bildung und Inklusion gemeinsam gedacht werden können und auch müssen. Es soll herausgearbeitet werden, welche genuin politikdidaktische Perspektiven es auf inklusiven Unterricht gibt. Hierzu sollen zunächst begriffliche und theoretische Grundlagen zum Thema Inklusion geschaffen werden. Damit des Weiteren Aussagen über Inklusion im Sozialkundeunterricht getroffen werden können, werden Spezifika der Didaktik der politischen Bildung betrachtet und das Verhältnis zwischen den Zielen der politischen Bildung und der Inklusion beleuchtet. Das Zusammendenken von Politikdidaktik und Inklusion erfolgt aus konstruktivistisch-gesellschaftskritischer Perspektive. Um schließlich zu klären, wie erfolgreicher inklusiver Unterricht der politischen Bildung aussehen kann, werden exemplarische methodische Gestaltungsmöglichkeiten, welche barrierefrei zur politischen Teilhabe befähigen sollen, präsentiert und diskutiert. Der Beitrag fokussiert sich hinsichtlich der Realisierung eines inklusiven sowie mündig-kritischen Lernarrangements auf die sprachliche Dimension des Unterrichts. Dabei werden jede Schülerin und jeder Schüler aus konstruktivistischer Sicht als lernendes Individuum betrachtet. Da vor allem die Sprache, als Kommunikations- und Lernmedium, in der Schule eine wichtige Rolle übernimmt – für Kinder und Jugendliche mit kognitiven Beeinträchtigungen und sprachlichen Defiziten jedoch außerordentlich limitierend wirken kann –, wird das Potenzial des Konzepts der Leichten Sprache erläutert
Wen als was anerkennen? Zum Verhältnis zwischen Anerkennungstheorie und Theorie der trilemmatischen Inklusion
In diesem Artikel wird zunächst mithilfe der Theorie der trilemmatischen Inklusion zusammengefasst, wen man aus diskriminierungstheoretischer Perspektive als was anerkennen kann. Im zweiten Schritt wird mit Bedorf (2010) vorgeschlagen, das Aporetische und Riskante der Anerkennung durch ein Anknüpfen an Theorien der Gabe zu präzisieren. Sodann wird sich verschiedenen Beispielen aus der Praxis gewidmet, um zu zeigen, wie sich dieses Riskante und Aporetische erkennen und analysieren lässt. Die dabei entfaltete Kritik an einer zweistelligen Verkürzung der Reflexionsfigur der (Ent-)Dramatisierung mündet zuletzt in eine Überlegung zu Möglichkeiten der weiteren Theorieentwicklung durch stärkeren Anschluss an die Erziehungstheorie und Ethik der Pädagogik (Prange 2010)
Zur Qualität pädagogischer Beziehungen – Theoretische Zugänge und professionelle Kodifizierungen einer inklusionsrelevanten Handlungsebene
Der Beitrag widmet sich der Qualität pädagogischer Beziehungen und ihren professionellen Kodifizierungen anhand von zwei Fragestellungen. Er fragt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Frage, welche Bedeutung der Qualität pädagogischer Beziehungen im Hinblick auf existentielle Erfahrungen, kognitive Entwicklungen und die demokratische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zukommt. Vor dem Hintergrund dieser Befunde wird erkundet, ob sie in ausgewählten pädagogisch-professionellen Ethikkodizes berücksichtigt werden. Dabei werden u.a. die „Reckahner Reflexionen zur Ethik Pädagogischer Beziehungen“ vorgestellt: ihre Bedeutung für Inklusion wird herausgearbeitet
Inhalte oder Beziehungen? – Überlegungen zu einer inhaltsdominanten deutschen Schul-kultur
Die Unterscheidung von Inhalten und Beziehungen durchzieht die Bildungsgeschichte. Aus Sicht der Familienerziehung und der Schule werden Beziehungen und Inhalte näher in herkömmlichen Kontexten beschrieben. Dabei werden Einflussfelder einer Inhaltsdominanz im Erziehungs- und Bildungssystem über Pestalozzi und Humboldt rekonstruiert und in ihrer Bedeutung für heute reflektiert. Insbesondere die Ausbildung von Lehrkräften wird kritisch vor diesem Hintergrund auch der bestehenden Schulfächer und ihrer Auslegung hinterfragt. Es wird herausgearbeitet, dass eine partizipative und kommunikative Wende im deutschen Schulsystem im Vergleich zur internationalen Entwicklung zu vermissen ist, weil vereinseitigt die Inhalte im System bevorzugt werden
Auf dem Weg zu einem inklusiven professionellen Habitus? Einstellungen angehender Lehrkräfte und Sozialpädagog*innen zu Inklusion
Spätestens seit Ratifizierung des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) befindet sich das deutsche Bildungs- und Erziehungssystem in einer Phase der umfassenden Umgestaltung. Inklusion ist Programmatik und Appell und dient als Richtlinie einer angestrebten Neuorientierung pädagogischer und gesellschaftlicher Felder. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Einstellungen zu Inklusion von Studierenden der Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Er diskutiert ausgewählte quantitative Ergebnisse des Projekts „Studierenden-Perspektiven auf Inklusion (SPiN)“, das in Zusammenarbeit von Bildungswissenschaften und Erziehungswissenschaft an der Universität Trier von März 2019 bis August 2019 durchgeführt wurde. Befragt wurden 460 Studienanfänger*innen der Bachelorstudiengänge „Bildungswissenschaften“ und „Erziehungswissenschaft“ mit einer Fokussierung auf „Sozial- und Organisationspädagogik“ zu ihren Einstellungen zu Inklusion in der Schule. Dem liegt das Ziel zu Grunde, Bedarfe für die professionstheoretische Vermittlung von Inklusion in der universitären Lehre der beiden Studiengänge zu identifizieren. Zentrales Ergebnis ist, dass beide Studierendengruppen Inklusion als relevante Perspektive im Handlungsfeld der Schule erachten. Angehende Sozialpädagog*innen zeigen sich im Vergleich zu Studierenden des Lehramts optimistischer, was die Umsetzung von Inklusion bezüglich der Möglichkeiten fachlicher Förderung in inklusiven Settings anbelangt. Für Studierende des Lehramts verdeutlichen die Ergebnisse eine stärkere Fokussierung auf die Lehrer*innenrolle im Sinne des Vermittelns von Fachkenntnissen
Herausforderungen der theoretischen Anschlussfähigkeit der sogenannten Neuen Autorität an die didaktische Grundlegung und das Rahmenkonzept der „Heliosschulen – Inklusive Universitätsschulen der Stadt Köln“
Als die „Heliosschulen – Inklusive Universitätsschulen der Stadt Köln“ sich für die sogenannte Neue Autorität nach Haim Omer (Omer & Schlippe 2004, 2010) zu interessieren begannen, haben wir diesen Impuls als wissenschaftliche Leitung aufgegriffen und nach Anschlussmöglichkeiten zur didaktischen Grundlegung der Heliosschulen (inklusive Didaktik nach Kersten Reich 2014) sowie des schulischen Rahmenkonzeptes (vgl. Reich, Asselhoven & Kargl 2015) gefragt. Diese theoretische Spurensuche ist Gegenstand unseres Beitrages: Wir beleuchten zunächst diese beiden zentralen Schriften im Schulgründungs- und -planungsprozess mit Blick auf die pädagogische Beziehungsgestaltung. Dabei arbeiten wir das interaktionistische Verständnis schulischer Bildungsprozesse und den damit verbundenen, immanenten Verweis auf die erziehungswissenschaftliche Kategorie der Anerkennung (Balzer 2019) heraus. Um dann Verbindungen zum Konzept der sogenannten Neuen Autorität aufzuzeigen, stellen wir dieses zunächst dar und diskutieren theoretische Passungen sowie Kritikpunkte. Im Fazit richten wir den Blick auf weitere, insbesondere empirische Schritte dieses ko-konstruktiven Forschungsprozesses zur Beziehungsgestaltung im inklusiven Schulalltag der „Heliosschulen“
Zentrale Gelingensbedingungen inklusiver Hochschulbildung für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung
Die Studie fokussiert die Identifizierung zentraler Gelingensbedingungen inklusiver Hochschulbildung für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung in Bayern. Hierzu wurden anhand eines Mixed-Methods-Ansatzes themenspezifisches Wissen und Einstellungen von Lehrenden sowie Beauftragten an bayerischen Hochschulen mittels problemzentrierter Interviews sowie einer validierten Übersetzung eines themenspezifischen internationalen Befragungsinstruments erhoben. Abschließend wurden zugehörige Handlungsempfehlungen formuliert, die eine inklusionsorientierte Hochschulkultur in Bayern weiter befördern sollen
Anerkennung im Kontext eines symmedialen inklusiven Deutschunterrichts
Der Beitrag geht von der These aus, dass Anerkennung eine Voraussetzung für die Persönlichkeitsbildung ist. Aus deutschdidaktischer Perspektive wird das hohe Potential der literarischen und sprachlichen Bildung für die Persönlichkeitsbildung herausgestellt und gezeigt, inwiefern Schüler_innen Anerkennung erfahren, wenn sie durch einen vielfältigen Medieneinsatz barrierefreie Zugänge zu den Lerngegenständen erhalten und ihre Diversität zu einer wertgeschätzten Ressource für den Unterricht wird. Die Autorinnen argumentieren, dass in einem solchen symmedialen Literaturunterricht, der mit einem weiten Textbegriff arbeitet und grundsätzlich mehrsprachig angelegt ist, die Heranwachsenden individuelle Kompetenzen und positive Selbstbezüge entwickeln und so einander anerkennen können
Anerkennung und Beziehungen. Didaktische Umsetzungen? Anfragen ausgehend von theoretischen und empirischen Analysen zum Zusammenhang von Menschen- bzw. Schülerbild, Anerkennungshandeln und Lehrerhabitus
Die Verknüpfung von Didaktik und Beziehung birgt Spannungen, in denen sich das Lehrer_innenhandeln im Kontext Schule bewegt. Der Beitrag thematisiert dieses Spannungsfeld und fragt nach Möglichkeiten und Ansatzpunkten, (angehende) Lehrpersonen für die Bedeutsamkeit der pädagogischen Beziehung trotz ihrer Unverfügbarkeit zu sensibilisieren. Anhand theoretischer Analysen und empirischer Rekonstruktionen werden Zusammenhänge zwischen Menschen- bzw. Schülerbildern angehender Lehrpersonen und dem beziehungsrelevanten Anerkennungshandeln herausgestellt. Ausgehend von den Ergebnissen werden Konsequenzen für Formate einer habitusreflexiven Lehrer_innenbildung abgeleitet