Blick in die Wissenschaft
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Wie steuert man ein Mitfahrnetzwerk? Von sozialpsxchologischer und soziologischer Theorie zu betriebswirtschaftlichen Managementempfehlungen
In der Sharing Economy wird versucht, ungenutzte Kapazitäten zu vermarkten. Ein populäres Beispiel hierfür sind Mitfahrdienste. Wer freitags am Busbahnhof der Universität Regensburg steht, der kennt das Prinzip: Auf der Parkfläche vor der Mensa treffen sich im Viertelstunden-Takt Fahrende und Mitfahrende, man begrüßt einander, verlädt das Gepäck, die Fahrt beginnt. Mitfahrgelegenheiten sind Alltag.Häufig sind sie Produkt eines Mitfahrnetzwerks. Allein beim Branchenführer Blablacar werden nach dessen Angaben weltweit jedes Quartal 20 Millionen Reisende für Fahrgemeinschaften vermittelt.Im Gegensatz zu einem Unternehmen, das eine Transportdienstleistung durch seine eigenen – und daher in ihrem Einsatz gestaltbaren – Betriebsmittel und Personal erbringt, ist der Mitfahrdienst »nur« eine Vermittlungsplattform im Internet. Wie ein Regensburger Forschungsbeitrag (Lukesch 2019) zeigt, sollte ein Mitfahrdienst aber weit mehr tun als »nur« zu vermitteln. Er muss es schaffen, seine Nutzerinnen und Nutzer zu »richtigem« Verhalten zu bewegen. Doch was heißt das und wie kann das gelingen? Wie steuert man ein Mitfahrnetzwerk
Ein Rezept für ein gesundes Altern? Karate: Macht Spaß, ist nicht unmoralisch und macht nicht dick!
Auch wenn sich die Bewegung heute nicht mehr natürlich in unser Leben integrieren lässt, wird ihre Bedeutung unter anderem für die ältere Bevölkerung zum Erhalt der kognitiven, emotionalen und physischen Gesundheit verstärkt wahrgenommen. In drei Studien untersuchten wir den Effekt der Sportart Karate auf das gesunde Altern und bei Patienten mit Morbus Parkinson. Karate wurde als eine Sportart ausgewählt, die sowohl kognitive als auch motorische Elemente kombiniert. In allen drei Studien zeigte sich, dass Karate (trainiert entsprechend dem Regelwerk des Deutschen-Karate-Verbandes) im Alter und selbst mit einer Bewegungsstörung gut zu praktizieren ist. Einzelne positive, statistisch signifikante Effekte wurden nachgewiesen, so zum Beispiel bezogen auf die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Balance. Die ersten Arbeiten sind vielversprechend, doch die Forschung in diesem Bereich bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaftlichkeit und Machbarkeit. Eine Zusammenarbeit von Medizinerinnen, Sportwissenschaftlerinnen, Psychologinnen und auch Informatikerinnen ist für dieses vielversprechende Forschungsfeld wünschenswert
»Thinking in a broader context«: Strange stories, cultural awareness and social interaction
Dr. Mari Mamyan and Prof. em. Dr. Jan Bremmer are participating in the Beyond Canon_ project as research fellows. Both of them are working on apocryphal texts – early Christian writings that were not included in the New Testament when it was canonized in the fourth century, but nevertheless played an important role in forming Early Christianity. As a Junior Fellow and a Senior Fellow, a female and a male researcher, with their Armenian and Dutch origins, Dr. Mamyan and Prof. Dr. Bremmer illustrate the diversity of the Beyond Canon_ group – and thus form an ideal duo for an interview. Stephanie Hallinger is the academic coordinator of the Centre for Advanded Studies Beyond Canon_ and spoke with them about their research projects.
Dr. Mari Mamyan and Prof. em. Dr. Jan Bremmer are participating in the Beyond Canon_ project as research fellows. Both of them are working on apocryphal texts – early Christian writings that were not included in the New Testament when it was canonized in the fourth century, but nevertheless played an important role in forming Early Christianity. As a Junior Fellow and a Senior Fellow, a female and a male researcher, with their Armenian and Dutch origins, Dr. Mamyan and Prof. Dr. Bremmer illustrate the diversity of the Beyond Canon_ group – and thus form an ideal duo for an interview. Stephanie Hallinger is the academic coordinator of the Centre for Advanded Studies Beyond Canon_ and spoke with them about their research projects.
 
Ein Grundrecht auf Bundesligafußball? Das Bundesverfassungsgericht justiert das Verhältnis von Staat und Bürgern neu
Die Grundrechte haben die Aufgaben, dem Staat Grenzen zu setzen, wenn er in die Rechte Privater eingreift. Sie verpflichten daher nur Hoheitsträger, nicht aber Private untereinander. Dieser Grundsatz galt seit über 60 Jahren. Nun hat das Bundesverfassungsgericht in einem Beschluss aus dem Jahr 2018 diese Grundfeste der Grundrechtstheorie infrage gestellt, indem ein Stadionverbot, das private Betreiber von Fußballstadien ausgesprochen hatten, direkt anhand der Grundrechte gemessen wurde. Damit reagiert das Gericht auf die zunehmende Privatisierung und den Umstand, dass wichtige Teile unseres Soziallebens inzwischen in Sphären (wie sozialen Netzwerken oder eben Fußballstadien) stattfinden, die sich direktem staatlichen Einfluss entziehen. Trotzdem hat die Entscheidung das Potential, das ausgewogene Verhältnis zwischen Staatsgewalt und Privaten aus den Angeln zu heben. Der Autor analysiert im folgenden Beitrag die Entscheidung und ihre praktischen Konsequenzen
Der Fußabdruck Jesu: Materiale Kultur, apokryphe Literatur und christliche Theologie
Vor gut fünfzig Jahren entstand der wohl berühmteste Fußabdruck. Neil Armstrong hat ihn auf dem Mond hinterlassen und die pathetischen Worte hinzugefügt: »Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.« Weniger bekannt ist die subtile Kritik, die der zweite Mann auf dem Mond, der bekennende Freimaurer Buzz Aldrin, an diesen Worten angebracht hat. In seiner Autobiographie zitiert er den Begründer der Tiefenpsychologie Carl Gustav Jung: »Raumflüge sind lediglich ein Entrinnen, eine Flucht vor sich selbst; es ist ja so viel leichter, den Mars oder den Mond zu erreichen, als das eigene Wesen zu erkennen. « Auch wenn Aldrin, dem man das Privileg des ersten Schrittes auf dem Mond verweigert hatte und der deshalb zeitlebens auf Armstrong neidisch war, die Bedeutung des Fußabdrucks relativiert, wird solchen Spuren immer wieder eine emblematische Bedeutung zugesprochen. Als Zeichen, das eine vergangene Anwesenheit bezeugt. Als Symbol für ein besonderes Ereignis. Oder aber als Erkennungszeichen für eine Person, für die Identität eines Individuums. Neugeborenen wird ein Fußabdruck genommen, um sie zu identifizieren. Gelegentlich kommt Fußspuren sogar eine religiöse Bedeutung zu
In the Shadow of Artemis: Narrative Space in Imperial Ephesus
In the ancient Mediterranean world, the city of Ephesus in Asia Minor – on the west coast of what is now Turkey – was famous for one thing: a monumental temple dedicated to the goddess Artemis. »Surpassing all buildings among men,« according to the Greek writer Pausanias, the temple was celebrated as one of the architectural wonders of the world. Artemis cast a long shadow; for centuries, from the archaic period into late Roman times, the city was closely identified with the goddess and her cult. Ephesian coins featured her iconic statue and sometimes included a schematic representation of the temple itself – a structure that went through several incarnations over the centuries, destroyed by earthquakes and subsequently rebuilt at least three times.In the ancient Mediterranean world, the city of Ephesus in Asia Minor – on the west coast of what is now Turkey – was famous for one thing: a monumental temple dedicated to the goddess Artemis. »Surpassing all buildings among men,« according to the Greek writer Pausanias, the temple was celebrated as one of the architectural wonders of the world. Artemis cast a long shadow; for centuries, from the archaic period into late Roman times, the city was closely identified with the goddess and her cult. Ephesian coins featured her iconic statue and sometimes included a schematic representation of the temple itself – a structure that went through several incarnations over the centuries, destroyed by earthquakes and subsequently rebuilt at least three times
Molekulare Paläontologie - "Auferweckung" urzeitlicher Proteine: In-silico-Verfahren gewährt Einblick in die Eigenschaften von Proteinen aus ausgestorbenen Organismen
Proteine (Eiweiße) sind die wesentlichen Funktionsträger allen Lebens. Sie bestehen aus einer spezifischen, linearen Abfolge (Sequenz) von unterschiedlichen Aminosäuren. Diese Aminosäuresequenz legt eine räumliche Struktur fest, welche wiederum die Funktion eines Proteins definiert. Es ist eine interessante Frage, wie sich Aminosäuresequenzen und damit die Eigenschaften von einzelnen Proteinen im Laufe der biologischen Evolution verändert haben. In diesem Zusammenhang sind Informationen über Proteine aus dem letzten gemeinsamen Vorfahren aller heute existierenden Lebewesen (englisch: last universal common ancestor, LUCA) besonders aufschlussreich. Da der LUCA die Erde bereits vor etwa 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren bevölkerte, sind keine molekularen Fossilien erhalten, die es ermöglichen würden, etwas über die Eigenschaften dieser urzeitlichen Proteine in Erfahrung zu bringen. In den letzten Jahren wurden jedoch Computer-basierte Insilico-Verfahren entwickelt, welche die »Auferweckung« und Charakterisierung dieser LUCA-Proteine ermöglichen. Ihr Vergleich mit »modernen« Proteinen erlaubt Einblicke in die Gesetzmäßigkeiten der Proteinevolution und zusätzlich in den Zusammenhang zwischen der Aminosäuresequenz von Proteinen und ihrer Struktur und Funktion
Moroni und Menelik: Apokryphe Traditionen und Identitätskonstruktionen bei den Mormonen und im äthiopischen Christentum
Nach Jan und Aleida Assmanns Konzept vom Kulturellen Gedächtnis nimmt der Kanon von autorisierten Überlieferungen einen zentralen Stellenwert in der Identitätskonstruktion von Gemeinschaften ein: Traditionen werden in einer komplexen Dynamik dann als bindend festgelegt, wenn sie für die Selbstvergewisserung zu einem Bezugsort geworden sind. Das Gedächtnis dieser Traditionen hat Gegenwartsrelevanz, insofern es die Identität der Gemeinschaft mitbestimmt. Im Kontext von Religionen etablieren sich so heilige Schriften, die als Offenbarung verstanden werden; im Christentum bildet die Bibel aus Altem und Neuem Testament den Kanon. Zugleich entstehen aber apokryphe (wörtlich: »verborgene«) Traditionen, die die kanonische Überlieferung fortschreiben und Lücken füllen; sie können mitunter in der gelebten Praxis eine hohe Bedeutung einnehmen, da sie Deutungsangebote stellen, die im Kanon nicht auf dem Radar waren
Jenseits des Kanons: Geschwätzige Erzählungen, das Ende der Welt und der Konflikt im Nahen Osten
Beyond Canon_ ist das erste Centre for Advanced Studies an einer Theologischen Fakultät und gleichzeitig die erste Kollegforschungsgruppe an der Universität Regensburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dieses Format im Jahre 2007 speziell für die Geisteswissenschaften eingeführt: Gelehrte aus aller Welt versammeln sich an einem Ort, um gemeinsam mit ortsansässigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein übergreifendes Thema zu erforschen und zu erörtern. Im Fokus der Forschung stehen unter der Überschrift Jenseits des Kanons (Beyond Canon_) sogenannte Heterotopien religiöser Autorität in der Spätantike. Damit gemeint sind Texte, Riten und Dinge, die mit apokryphen Traditionen in Verbindung stehen und eine besondere Wirksamkeit im kirchlichen Leben entfaltet haben. Sie werden als „andere Orte“ verstanden, die als „Widerlager“ zum biblischen Kanon dienen, den sie fortschreiben, bestätigen oder auch unterlaufen. Das Ziel ist es, Einblicke in das religiöse Leben jenseits kirchlicher und theologischer Normen zu gewinnen und dadurch zugleich Aufschluss über die tatsächliche Bedeutung des biblischen Kanons zu erhalten.
 
Polymorphic Jesus, Polymorphic Texts
In the apocryphal Acts of John, Jesus is »polymorphic«: he is a »shapeshifter,« who appears to his disciples in different physical forms at different times. This protean Jesus is likely unfamiliar to readers of the canonical New Testament – and yet the idea makes good sense as one possible way to reckon with the theological proposition that Jesus was simultaneously God and human. What kind of body did God-made-flesh have? Early Christians wrestled with this question. The answer presented in the apocryphal Acts of John is that Jesus possessed a constantly changing body with infinite possibility. This is just one example of how theological ideas – both compatible with and contrary to what is found in canonical texts – were developed in non-canonical Christian literature.In the apocryphal Acts of John, Jesus is »polymorphic«: he is a »shapeshifter,« who appears to his disciples in different physical forms at different times. This protean Jesus is likely unfamiliar to readers of the canonical New Testament – and yet the idea makes good sense as one possible way to reckon with the theological proposition that Jesus was simultaneously God and human. What kind of body did God-made-flesh have? Early Christians wrestled with this question. The answer presented in the apocryphal Acts of John is thatJesus possessed a constantly changing body with infinite possibility. This is just one example of how theological ideas – both compatible with and contrary to what is found in canonical texts – were developed in non-canonical Christian literature