Publikationsserver der PHTG (Pädagog. Hochschule Thurgau)
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Risky Play – Mut zum Risiko: Ein Schlüssel zur sozial-emotionalen Entwicklung von Primarschulkindern?
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen von riskantem Spiel (Risky Play) auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern im Primarschulalter. Ausgehend von der Beobachtung, dass Risky Play in Erziehung und Bildung zunehmend eingeschränkt wird, obwohl es vom Grossteil der Forschenden als förderlich für die kindliche Entwicklung gilt, lautet die zentrale Forschungsfrage: Inwiefern wirkt sich riskantes Spiel auf die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern im Primarschulalter aus? Zur Beantwortung dieser Frage wurden bestehende Forschungsergebnisse systematisch analysiert, wobei der Fokus auf Studien mit Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren lag. Die Ergebnisse zeigen, dass Risky Play einen bedeutenden Beitrag zur positiven sozial-emotionalen Entwicklung leisten kann. Kinder entwickeln durch riskantes Spiel Fähigkeiten wie Emotionsregulation, Resilienz, Empathie und Konfliktlösungskompetenz. Besonders Balg- und Raufspiele fördern soziale Kompetenzen und reduzieren Mobbing an Schulen. Gleichzeitig werden potenzielle Risiken wie Verletzungen oder die Verstärkung aggressiven Verhaltens diskutiert. Entscheidend für den positiven Effekt sind Rahmenbedingungen wie die Begleitung durch unterstützende Erwachsene, naturnahe Spielumgebungen und kulturelle Akzeptanz. Kritisch zu betrachten ist die begrenzte Datenlage für Primarschulkinder, da viele Studien auf den Vorschulbereich fokussieren. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Risky Play auch im Primarschulalter förderlich ist, insbesondere wenn Kinder eigenständige Risikoeinschätzung lernen. Offen bleibt, wie Risky Play konkret in den Schulalltag integriert werden kann. Die Arbeit schliesst mit der Empfehlung, Risky Play gezielt in pädagogische Settings einzubinden, um die sozial-emotionale Entwicklung von Kindern zu stärken. Weitere Forschung sollte die praktische Umsetzung und Effekte im Primarschulalter vertiefen
Stigmatisierungspotential von integrierten Sonderschüler:innen in der Regelschule
Diese qualitative Arbeit mit dem Titel «Stigmatisierungspotential von integrierten Sonderschüler:innen in der Regelschule» verfolgt das primäre Ziel, zu untersuchen, ob integrierte Sonderschüler:innen in der Regelschule von Lehrpersonen, Eltern, Mitschüler:innen oder Fachpersonen stigmatisiert werden. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Forschungsfrage, wie sich aus Sicht von Expert:innen im Bildungsbereich Stigmatisierungen gegenüber integrierten Sonderschüler:innen in der Regelschule zeigen. Die wichtigsten Ergebnisse wurden durch die theoretischen Grundlagen zum Thema «Inklusion» und «Stigmatisierungen» sowie den Expert:inneninterviews erlangt. Anhand zweier leitfadengestützter Expert:inneninterviews mit einer Lehrperson und einer Schulpsychologin konnten praxisnahes Wissen sowie differenzierte Perspektiven zum Stigmatisierungsphänomen gewonnen werden. Die Auswertung der Interviews erfolgte anhand einer induktiven Inhaltsanalyse nach Mayring. Ziel war es, wiederkehrende Muster, Deutungen und strukturelle Zusammenhänge sichtbar zu machen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Stigmatisierungen im schulischen Kontext auf verschiedenen Ebenen existieren. Die Lehrperson schildert konkrete Vorurteile gegenüber ihrem integrierten Sonderschüler. Es zeigen sich klare Unterschiede in ihrer Haltung, dies im Gegensatz zur Schulpsychologin. Die Schulpsychologin betrachtet das Thema reflektierter und hebt die strukturellen Dimensionen von Stigmatisierung hervor. Sie betont, dass sie Stigmatisierungen direkt nicht wahrnimmt und erklärt, dass eine individuelle Haltung zu Vorurteilen führen kann. Beide Expertinnen betonen, dass gesellschaftliche und bildungspolitische Rahmenbedingungen nicht passen würden. Durch mangelnde Aufklärung und Sensibilisierung für den Umgang mit Kindern mit einem Sonderstatus entsteht eine Ohnmacht und Überforderung, was in Stigmatisierung enden kann. Dies führt dazu, dass sich Lehrpersonen selbstständig besser informieren und Weiterbildungen besuchen sollten. Zudem sollte die Ausbildung zur Pädagogin das Thema «Inklusion» sowie auch das «Stigmatisierungspotential» behandeln, sodass die Überforderung geringer ist. Aus diesen Ergebnissen haben sich offene Fragen ergeben. Inwiefern ist die Belastung durch die steigende Anzahl Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten noch tragbar für die Lehrperson und wo sind die Grenzen der praktischen Umsetzung der Inklusion im Schulalltag? Weiterführende Forschung sollte untersuchen, inwiefern Stigmatisierungen auch Ausdruck struktureller Überforderung sind und welche Rolle gesellschaftliche Rahmenbedingungen bei der nachhaltigen Umsetzung von Inklusion spielen
Manege frei für Inklusion: Die Bedeutung von inklusiver Zirkusarbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Die Arbeit untersucht die Umsetzung und Wirkung von Inklusion am Beispiel von Zirkusprojekten im schulischen Alltag. Ziel ist es, zu analysieren, welchen Beitrag ein Zirkusprojekt mit Inklusionsansatz zur individuellen Stärken eines wertschätzenden sozialen Miteinanders leisten kann. Die Relevanz des Themas ergibt sich aus der zunehmenden Bedeutung inklusiver Bildung, hier insbesondere im Bewegungs- und Sportbereich, sowie den Verpflichtungen der UN-Behindertenrechtskonvention, die eine chancengleiche und diskriminierungsfreie Bildung fordert. Auf der Grundlage einer Literaturrecherche werden theoretische Konzepte der Inklusion mit Praxisbeispielen aus der Zirkuspädagogik verknüpft. Besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle sozialer Netzwerke, der Stereotypisierung und Stigmatisierung in inklusiven Projekten sowie auf den Herausforderungen bei der theoretischen Umsetzung, insbesondere in Bezug auf Barrierefreiheit und Chancengleichheit. Die Ergebnisse zeigen, dass inklusive Zirkusprojekte eine wichtige Rolle bei der Stärkung sozialer Kompetenzen spielen können. Sie ermöglichen individuelle Erfolgserlebnisse, die das Gemeinschaftsgefühl fördern und Vorurteile abbauen können. Gleichzeitig werden strukturelle und gesellschaftliche Barrieren deutlich, die für eine effektive Umsetzung adressiert werden müssen. Die Arbeit leistet damit einen Beitrag zur Diskussion um die praktische Umsetzung von Inklusion in der Schule und gibt Impulse für die Weiterentwicklung inklusiver Unterrichtskonzepte im Sportunterricht. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass inklusive Sportprojekte nicht nur zur Entwicklung sozialer Kompetenzen beitragen, sondern sich auch positiv auf das gesellschaftliche Miteinander auswirken können. Sie bieten niedrigschwellige Zugangsmöglichkeiten für alle Kinder, fördern individuelle Stärken und tragen zur sozialen Eingebundenheit bei. Die Herausforderung, inklusive Strukturen nachhaltig in das Bildungssystem zu integrieren und bestehende Vorurteile zu überwinden, bleibt jedoch bestehen. Die Arbeit unterstreicht daher den Bedarf, inklusive Bildungsansätze weiterzuentwickeln und in der Praxis umzusetzen
Professionalisierung im Rahmen der Berufsintegrierten Studienvariante (BiSVa) der Pädagogischen Hochschule Thurgau
In dem Referat wird der konzeptionelle Rahmen der BiSVa PS erläutert, die dem Konzept zugrunde liegenden Paradigmen und Modelle vorgestellt sowie die Bedeutung der Kooperation der Lernorte Hochschule und Volksschule im Professionalisierungsprozess beschrieben
Thin slices of teaching behavior: Video observation as complement to the assessment of teaching quality and teacher training interventions
In research on teaching and teachers, there is a need for valid and economic methods of assessing teaching quality. One approach to such assessment of teaching quality is the so-called thin slices method of video observations—short sequences judged by briefly trained raters. Until now, this method has been used on cross-sectional data only, and not in studies evaluating professional development programs of teachers. In this study, ratings of 41 teacher trainees were cross-validated with student judgments (N = 806) of the same observed lessons in the context of a mindfulness intervention study. For the aspects Disturbances, Time Efficiency, and Student Support, the agreement of students’ and external raters’ ratings was established, underscoring the criterion validity. Additionally, ratings based on the thin slices method were sensitive enough to detect general time effects during teacher training and training effects of an intervention for teachers both on classroom disturbances
Kommunikative Formen im Kindergarten – ihre Bedeutung für die schulische Sozialisation und sprachliche Bildung
Der Kindergartenalltag wird durch Handlungsmuster strukturiert, die Orientierung geben und Spielräume eröffnen. Diese Muster werden als kommunikative Formen videosequenzanalytisch untersucht. Der Kindergarten ist in der Deutschschweiz Teil der Schule und erster Ort der schulischen Sozialisation. Im Projekt ProSpiK wurde der kommunikative Alltag in acht Klassen videosequenzanalytisch untersucht. Als Ergebnis dieser Analysen beleuchtet das Buch einige zentrale Aspekte kommunikativer Formen im Kindergarten und ihre Bedeutungen für sprachliche Bildungsprozesse. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit kommunikativen Formen in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen kann dazu beitragen, dass möglichst viele Kinder schulische Bildungsangebote von Anfang an besser nutzen können
Sprachliche Minderheiten in einer durch Migration und Grenznähe geprägten Deutschschweizer Unterstufenklasse
Consolidating and disruptive educational science: Perspectives of a general educational science for the discipline
In der Wissenschaftswelt haben Daten, wonach die Forschung international und über Disziplingrenzen hinweg immer seltener bahnbrechende Befunde hervorbringt, also weniger disruptiv ist, zu einer breiten und selbstkritischen Diskussion geführt. Zugleich wird in diesem Diskurs eine konsolidierende Forschung im Sinne disziplinärer Normalwissenschaft als Ausgangspunkt für die Entstehung disruptiver Erkenntnisse angenommen. In der Erziehungswissenschaft wurde diese Diskussion bislang kaum rezipiert, aus der sich grundlegende Anfragen an den gegenwärtigen Zustand und die künftige Ausrichtung der Disziplin ergeben. Der Beitrag resümiert die aktuelle Situation der Erziehungswissenschaft vor diesem Hintergrund und diskutiert eine mögliche Perspektive für die Allgemeine Erziehungswissenschaft als zugleich konsolidierende und disruptive Reflexionswissenschaft in ihrem Verhältnis zu den angewandten erziehungswissenschaftlichen Subdisziplinen.In the scientific community, data indicating a decline in the number of groundbreaking findings across disciplinary boundaries, i.e. are less disruptive, has led to a broad and self-critical discussion. Concurrently, this discourse posits that the consolidation of research, understood as disciplinary normal science, represents the foundation for the emergence of disruptive findings. In the field of educational science, this discussion has yet to gain significant traction, giving rise to pivotal inquiries into the present state and future trajectory of the discipline. The article summarizes the current situation of educational science against this background and discusses a possible perspective for general education as a simultaneously consolidating and disruptive science of reflection in its relationship to the applied sub-disciplines of educational science
Erstlesen und -schreiben in der Deutschschweiz
Dieser Artikel befasst sich mit dem Lesen- und Schreibenlernen im Anfangsunterricht in der Deutschschweiz. Er richtet sich an interessierte Lehrpersonen, an Fachpersonen in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften sowie in der Bildungsverwaltung und in Lehrmittelverlagen, an Forschende, Eltern und alle Interessierten im deutschsprachigen Raum. Für diejenigen, die mit dem Schweizer Schulsystem wenig vertraut sind, werden zunächst die Grundbedingungen des Schweizer Bildungssystems erläutert, die für den Erwerb der Schriftsprache gelten. Im Mittelpunkt des Beitrags steht, neben dem Zeitraum vor dem Schuleintritt und den ersten Schuljahren, auch der Lehrplan, die besondere Sprachsituation in der Schweiz und die Ausbildung von Lehrpersonen. In diesem Zusammenhang wird auch auf Inklusion und Family Literacy eingegangen. Im zweiten Teil werden aktuelle didaktische Ansätze zum Erstlesen und -schreiben dargelegt, um danach die derzeitige Unterrichtspraxis vor dem Hintergrund empirischer Arbeiten und aktueller Diskussionen im Fachgebiet kritisch zu beleuchten. Der dritte Teil widmet sich der methodischen Umsetzung, indem die derzeit eingesetzten didaktischen Ansätze anhand exemplarischer Materialien aus aktuellen Lehrmitteln veranschaulicht werden. Das heutige Lesen- und Schreibenlernen findet auch in der Deutschschweiz unter heterogenen Bedingungen statt, wenngleich eine Homogenisierung angestrebt wird, insbesondere zwischen den Kantonen durch den Einsatz eines gemeinsamen Lehrplans. Die Auswirkungen der unterschiedlichen methodischen Ansätze auf den Schriftspracherwerb bedürfen weiterer Untersuchungen