Publikationsserver der PHTG (Pädagog. Hochschule Thurgau)
Not a member yet
3757 research outputs found
Sort by
Die Gründungsgeschichte des Kindergärtnerinnenseminars Amriswil (KSA) vor dem Hintergrund der politischen Landschaft der Schweiz: Vom „Fräuleinberuf“ zur Profession? Das Kindergärtnerinnenseminar Amriswil, 1975-2005
Mit der Einführung der Schulpflicht begann im Kanton Thurgau (TG) auch die Geschichte der Ausbildung von Lehrpersonen: Noch im selben Jahr, nämlich 1833, wurde durch den Kanton ein Lehrerseminar eröffnet, welches nach zweijähriger Ausbildungszeit zum Abschluss führte.1 Die Ausbildung von Kindergärtnerinnen blickt, wie auch der Kindergarten selbst auf eine deutlich kürzere Geschichte: Die ersten freiwilligen Kindergärten entstanden im Kanton TG in den 1960er und 70er Jahren, in vielen Dörfern aus privater Initiative. Mit dem zunehmenden Erfolg und der steigenden Anzahl der Kindergärten, stieg auch die Nachfrage nach Kindergartenlehrpersonen im Kanton, wobei zunächst noch ungeklärt war, wieweit für den Beruf der Kindergärtnerin tatsächlich eine Ausbildung nötig sei. Ein gutes Herz und Lebenserfahrung, so die verbreitete Überzeugung, würden schon ausreichen, um einen Kindergarten zu führen.2 Das (kantonale) öffentliche Interesse an der Ausbildung von Kindergartenlehrpersonen wurde in den Anfangsjahren des Kindergartens3 also gar noch nicht erkannt. Folglich gab es denn bis 1975 im ganzen Kanton TG keine Möglichkeit sich zur Kindergärtnerin ausbilden zu lassen. Die angehenden TG-Kindergärtnerinnen waren gezwungen ihre Ausbildung ausserkantonal zu absolvieren, wo sie hoffentlich einen der wenigen Ausbildungsplätze ergattern konnten – oder sie wagten den Berufseintritt ohne entsprechende Ausbildung.4 1975 schliesslich wurde das Kindergartenseminar Amriswil (KSA) ausgehend von einer privaten Initiative in Kooperation mit einer kommunalen Schulgemeinde, nämlich Amriswil, als Trägerin der Schule eröffnet. Mit viel Mut, Pragmatismus und grossem persönlichem Engagement sowie ausgeprägtem politischen Geschick, mitunter wohl auch einem gewissen Mass an Naivität, haben sich die Initianten in die Arbeit gestürzt. Innerhalb nur eines Jahres haben sie die kommunalrechtliche Grundlage für das KSA geschaffen, das Seminar von Grund auf geplant, organisiert und mit einer ersten Klasse à 24 Schülerinnen eröffnet.5 Zwei Jahre später bewilligte der Regierungsrat einen ersten Staatsbeitrag an das KSA. Und als 1978, im Abschlussjahrgang des ersten Ausbildungsgangs, mit dem Unterrichtsgesetz alle Schulgemeinden zum Führen eines Kindergartens verpflichtet wurden6, lag auf der Hand, dass der Kanton eine grössere Rolle übernehmen würde bei der Ausbildung von Kindergartenlehrpersonen. 1997 schliesslich, gut 20 Jahre nach der Seminargründung, übernahm der Kanton TG von der Schulgemeinde die Trägerschaft für das Kindergärtnerinnenseminar Amriswil. Bis der Kindergarten jedoch seine heutige anerkannte Position im Bildungssystem erlangte, sollte es noch bis zur Totalrevision des TG Volksschulgesetzes 2007 dauern. Seit damals gilt: „Der Kindergarten ist Teil der obligatorischen Schulzeit“.7 Verständlicherweise ist die Ausbildung zur Kindergartenlehrperson eng verzahnt mit der Entwicklung der Institution Kindergarten. Trotzdem mag die Gründungsgeschichte des KSAs im internationalen Vergleich und aus der zeitlichen Distanz erstaunen. Insbesondere vor dem Hintergrund der grossen Komplexität solcher Aufgaben. Im Rahmen der vorliegenden Bachelorarbeit wird die Gründungsgeschichte des KSAs aus politikwissenschaftlicher Perspektive analysiert. Die durch Recht, Tradition und Kultur festgelegten Institutionen (polity) der Schweiz zeichnen sich durch mehrere einzigartigen Merkmale aus. Ihrerseits wiederum prägen diese den politischen Prozess (politics) wie auch das politische Output (policy) tief. Das Ziel der Arbeit besteht darin zu erörtern, inwieweit das KSA mit seiner Geschichte repräsentativ ist für das politische System, bzw. die Bildungslandschaft der Schweiz. Anders gefragt, inwiefern hat gerade die politische Kultur der Schweiz diese Gründungsgeschichte und Entwicklung ermöglicht? Die Untersuchung des Kindergärtnerinnenseminars Amriswil bietet eine wertvolle Fallstudie, um die Einbettung des schweizerischen Bildungssystems im politischen System zu verstehen. So soll die Arbeit einen Beitrag zum Verständnis der Verknüpfung von Bildung und Politik im schweizerischen Kontext leisten, indem die Besonderheiten des schweizerischen Gemeinwesens verdeutlicht werden. Zunächst wird in einem ersten Schritt in Kapitel 2 in deskriptiver Weise auf die relevanten rechtlichen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen in der Schweiz eingegangen, wobei sowohl strukturelle als auch funktionelle Gesichtspunkte8 berücksichtigt werden. Daran anschliessend folgt die Erzählung der Gründungsgeschichte von 1974 bis zur Eröffnung des KSAs. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Zusammenspiel der privaten, kommunalen sowie kantonalen Akteure und deren Arbeitsweise. Die Gründungserzählung stützt sich auf einer juristischen Auslegung der relevanten historischen Rechtserlasse sowie Quellenarbeit, welche auf den Sitzungsprotokollen der Seminarkommission und Schulbehörden basiert (Kapitel 3). Ausgehend von den rechtlichen Gegebenheiten und der politischen Kultur wird in Kapitel 4 dargelegt, inwiefern diese die Gründungsgeschichte geprägt haben. Entsprechende Herausforderungen, insbesondre im Hinblick auf die Weiterentwicklung von Bildungseinrichtungen oder die Hochschulfinanzierung werden in Kapitel 5 skizziert. 1 Gerster, 2021, S. 16. 2 Miller, 2015, S. 58. 3 Häfelin, Müller und Uhlmann, 2020, S. 112. Öffentliche Interessen legen Ziele für das Handeln und Entscheiden von Staat und Privaten fest und unterliegen, aufgrund gesellschaftlicher oder technischer Entwicklungen, dem zeitlichen Wandel. 4 Hefti, 2023, (#0:14:48.1#). Damals gab es noch viele ungelernte Kindergärtnerinnen auf dem Land. Art. 38 RRV über die Rechtsstellung der Volksschullehrer und Kindergärtnerinnen. 5 Zollinger, 2005. 6 Gesetz über das Unterrichtswesen vom 15. November 1978 („Unterrichtsgesetz“). 7 §10 Abs. 1 Volksschulgesetz (VSG) TG, in Kraft ab 1. August 2008. 8 Almond, Dalton, Powell, Strøm und Dalton, 2004, S. 43
Radio- und Fernsehpreis der Ostschweiz 2025 an Bündner Dokumentarfilmerin Susanna Fanzun
Lernmotivation im ALO Wald: Eine Studie zum Unterricht im Zyklus 3
Die vorliegende Masterarbeit widmet sich der Frage wie sich der handlungsorientierte Unterricht am Lernort Wald auf die Lernmotivation von Schülerinnen und Schülern im Zyklus 3 auswirkt Den theoretischen Kern bilden vier etablierte Modelle zur Lernmotivation die Selbstbestimmungstheorie Deci und Ryan das Erwartungs Wert Modell Eccles und Wigfield das Interesse Modell Krapp und das Rahmenmodell der Lern und Leistungsmotivation Götz Die Untersuchung ist zudem empirisch mit dem Konzept des Draussenlernens verankert Für die empirische Arbeit wurde ein Mixed Methods Design gewählt Sie umfasste einen halbstandardisierten Fragebogen mit offenen Fragen strukturierte Gruppeninterviews sowie Unterrichtsbeobachtungen Die Ergebnisse zeigen dass der Waldunterricht vielfältige motivationale Potenziale bietet insbesondere durch die Verbindung von Bewegung Naturerfahrung und Eigenaktivität Aspekte wie Autonomieerleben situationales Interesse und wahrgenommene Relevanz wurden durch zahlreiche Rückmeldungen der SuS bestätigt Gleichzeitig wird deutlich dass die Wirkung kontextabhängig ist und von der Rolle der Lehrperson sowie der didaktischen Gestaltung beeinflusst wird Abschliessend werden praxisorientierte Empfehlungen zur Gestaltung von "Draussenunterricht" formuliert und Perspektiven für schulische Weiterentwicklung und weiterführende Forschung im Bereich motivationsfördernder Lernumgebungen im Freien aufgezeigt
Unanschauliches anschaulich machen - Französisch: Grammatik für Kopf, Hand und Herz
Wäre eine haptische Grammatikvermittlungsmethode nicht eine erfolgsversprechende Methode für den Fremdsprachenunterricht Im Rahmen dieser Masterarbeit wurde untersucht ob der gezielte Einsatz einer selbst entwickelten Schiebekarte eine positive Wirkung auf das emotionale Befinden und das Erinnerungsvermögen von Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I hat Zur Beantwortung dieser Frage wurde eine empirische Untersuchung mit drei Sekundarklassen der Niveaus e m und g durchgeführt Die Stichprobe umfasste insgesamt n = 35 Schülerinnen und Schüler Die Versuchsgruppe n = 18 erarbeitet mit der haptischen Schiebekarte die Verneinung im Französisch und die Kontrollgruppe n = 17 ohne Die Datenerhebung erfolgte mithilfe standardisierter Fragebögen zum emotionalen Befinden PANAVA Items und durch einen inhaltlichen Fragebogen Mithilfe des Fragebogens wurden sowohl syntaktische als auch semantische Einheiten überprüft Der Fragebogen wurde direkt im Anschluss an die Französischdoppelstunde sowie eine Woche später durchgeführt Unmittelbar nach der Sequenz zeigte die Versuchsgruppe bessere Ergebnisse im Hinblick auf das Erinnerungsvermögen vor allem im syntaktischen Bereich Nach einer Woche zeigte ebenfalls die Versuchsgruppe ein geringeres Mass an Vergessen Die Versuchsgruppe g konnte sich an mehr Inhalte erinnern Die Untersuchung zeigt dass die haptische Methode das Verstehen von grammatikalischen Strukturen beim Verneinen auf Französisch GREIFbar und anschaulicher macht Darüber hinaus wurde nachgewiesen dass der Einsatz der Schiebekarte das emotionale Befinden positiv beeinflussen kann Die Ergebnisse legen nahe dass haptische Elemente beim Grammatiklernen eine entlastende Wirkung haben Durch multisensorisches Lernen im Französischunterricht zum Thema Négation kann die grammatische Struktur im Gedächtnis besser gespeichert und abgerufen werden Eine weitere Untersuchung könnte Aufschluss darüber geben wie die haptische Methode bezüglich der Semantik optimiert werden könnte In der vorliegenden Untersuchung hatte die haptische Methode vor allem positive Auswirkungen auf die Syntax
Grenzen spüren, Grenzen wahren: Nähe-Distanz-Problematik im Sexualunterricht in der Sonderschule
n der vorliegende Bachelorarbeit wird untersucht, inwiefern die Auseinandersetzung mit dem Thema Nähe und Distanz im Sexualunterricht an Sonderschulen zur Förderung von Grenzbewusstsein und zur Prävention vor sexuellem Missbrauch von Kindern mit einer leichten kognitiven Behinderung beitragen kann. Dabei wird untersucht, welche Herausforderungen und Ziele sich in dieser sensiblen Thematik ergeben und welche didaktischen Methoden und Materialien Lehrpersonen im Unterricht unterstützen können. In dieser Literaturarbeit werden die fachlichen, rechtlichen und schulpraktischen Grundlagen aufgezeigt. Die besondere Schutzbedürftigkeit und das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung dieser Kinder werden dabei genauer betrachtet. Gleichzeitig wird das Spannungsfeld zwischen notwendiger Nähe und professioneller Distanz im schulischen Alltag aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit einer kognitiven Behinderung aufgrund ihrer entwicklungsbedingten Besonderheiten, ihrer oft eingeschränkten Selbstwahrnehmung sowie ihrer Abhängigkeit ein erhöhtes Risiko für Grenzverletzungen tragen. Um dem entgegenzuwirken, ist eine frühzeitige, gezielte und vor allem kontinuierliche Sexualerziehung zentral. Diese unterstützt die Schüler:innen dabei, Kompetenzen im Umgang mit Nähe und Distanz zu lernen, ein Bewusstsein für den eigenen Körper sowie persönliche Grenzen zu entwickeln und das Selbstwertgefühl zu stärken. Dies funktioniert nur, indem die Kinder ihren eigenen Körper wie auch ihre persönlichen Grenzen kennenlernen. Wichtige Grundlagen hierfür sind interaktive Übungen, lebensnahe Beispiele und angepasste Materialien. Besonders bewährt haben sich dabei Unterrichtsmaterialien in Leichter Sprache, ergänzt durch bekannte und verständliche Piktogramme, klare Bildsprache und einfache, nachvollziehbare Inhalte. Als Folgerung wird deutlich, dass die Sexualerziehung an Sonderschulen einen festen und gut strukturierten Bestandteil des Schulalltags bilden sollte. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig. Weiterführende Fragen ergeben sich hinsichtlich der konkreten Umsetzungen in heterogenen Klassen in der Sonderschule, der Förderung von Medienkompetenz und die langfristige Wirkung sexualpädagogischer Massnahmen auf das Bewusstsein der eigenen und fremden Grenzen bei Kindern mit einer kognitiven Behinderung
Systems, Fire, and Dangerous Things: Ethnosemantik als Theoriemethodik
In seiner Schrift „Women, Fire, and Dangerous Things“ zeigt George Lakoff (1990), dass kulturelle Kategorien nicht etwa Dinge anhand objektivier- und prinzipiell übersetzbarer „Eigenschaften“ sortieren. In der Dyirbal-Sprache der australischen Aborigines sortieren sich sämtliche Nomen nach einer kosmisch-universalen Vierer-Schematik von „bayi, balan, balam, bala“ (S. 92), die unter „balan“ unter anderem Frauen, Feuer und gefährliche Dinge wie Schlangen, Speere oder die meisten Vögel zu einem grundlegenden kulturellen Thema zusammenzieht und aufeinander bezieht. Methodisch wurde der Ansatz der Ethnosemantik, in dessen Zusammenhang Lakoffs Arbeiten stehen, mit den Mitteln der Linguistik stark ausgebaut (Analyse von Domänen, Attributen, Taxonomien und kulturellen Themen, siehe Werner/Schoepfle 1987a,b; für empirische Anwendungen im deutschsprachigen Raum siehe beispielsweise Maeder 1997; Bähr 1998; Maeder 2002; Franzheld 2013). Die theoretisch-disziplinären Anbindungen der Ethnosemantik zur Anthropologie und zur soziologischen Ethnographie hingegen blieben stets prekär (Hitzler/Eisewicht 2016, S. 66–70; Maeder/Brosziewski 2019). Mein Beitrag expliziert die Annahme, dass mit der ethnosemantischen Konzeption des Zusammenhangs von Sprache und Kultur noch keine spezifische Kultur- oder Sozialtheorie vorgegeben ist und sich ihr methodischer Apparat genau deswegen dafür eignet, den empirischen Gehalt von Theorien und die theoretische Relevanz empirischer Befunde wechselseitig zu explorieren. Exemplarisch soll diese These anhand eigener Forschungen im Bereich der systemtheoretischen Bildungssoziologie plausibilisiert werden. Bähr 1998 Domänen Deutschschweizer Lehrplanarbeit, Künzli/Hopman: Lehrpläne: Chur, 207-220 Franzheld 2013 Eine Ethnographie der Sprachpraxis bei Kindeswohlgefährdung ... Soziale Passagen 5, 77-96 Hitzler/Eisewicht 2016 Lebensweltanalytische Ethnographie. Weinheim Lakoff 1990 Women, Fire, and Dangerous Things. Chicago Maeder 1997 “Schwachi und schwierigi Lüüt.”. Hirschauer/Amann: Die Befremdung der eigenen Kultur. Frankfurt a.M., 218-239 Maeder 2002 Alltagsroutine, Sozialstruktur und soziologische Theorie. Forum qualitative Sozialforschung 3 H. 1 Maeder/Brosziewski 2019 Ethnographische Semantik. Hitzler et al.: Kritik der hermeneutischen Wissenssoziologie. Weinheim, 429-443 Werner/Schoepfle 1987a,b Systematic Fieldwork 1 & 2. Newbury Par