Publikationsserver der PHTG (Pädagog. Hochschule Thurgau)
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Klassenmusizieren mit der Ukulele: Förderung fachlicher, überfachlicher und emotionaler Kompetenzen
Das Klassenmusizieren hat sich in den vergangenen Jahren zu einer zunehmend verbreiteten Form des Musikunterrichts in der Schweizer Schule entwickelt. Die Ukulele hat sich dabei als besonders geeignetes Instrument erwiesen, um sowohl fachliche Kompetenzen als auch gleichzeitige soziale und emotionale Förderung zu vermitteln. Das Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, welche fachlichen und überfachlichen Kompetenzen bei Schüler:innen im gemeinsamen Spiel auf der Ukulele gefördert werden können. Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche, welche musikpädagogische, entwicklungspädagogische und didaktische Fachtexte analysiert und sie mit dem Lehrplan Volksschule Thurgau in Verbindung setzt. Die Ergebnisse zeigen, dass das Klassenmusizieren mit der Ukulele eine Vielzahl von fachlichen Kompetenzen fördert. Dazu gehören wichtige Elemente der musikalischen Grundbildung, Grundlagen in der Rhythmuslehre, sowie Harmonie- und Notationsverständnis. Überfachlich stärkt das gemeinsame Musizieren zentrale soziale Fähigkeiten wie Kooperation, gegenseitige Rücksichtnahme und gemeinschaftliches Lernen. Zudem zeigt sich eine positive Wirkung auf personale Kompetenzen wie Ausdauer oder Frustrationstoleranz. Auch auf der emotionalen Ebene entfaltet das Musizieren im Klassenverband mit der Ukulele Potenziale. Es unterstützt die emotionale Regulation, steigert das Wohlbefinden und kann das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Klasse stärken. Dem gemeinsamen Musizieren mit der Ukulele sind aber auch Grenzen gesetzt. Zum einen deckt die Ukulele nicht alle Kompetenzbereiche des Lehrplans Volksschule Thurgau gleich gut ab, zum anderen ist der methodische und organisatorische Aufwand für die Lehrperson hoch. Die Ukulele als Instrument des Klassenmusizierens ist demnach ein wirksames Mittel, um den Musikunterricht ganzheitlich, praxisorientiert und entwicklungsfördernd zu gestalten
Humor in der Kunst: Eine historische Spurensuche und ihr Bildungspotenzial
Diese Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Humor, Kunst und Bildung im historischen und pädagogischen Kontext. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Humor in der bildenden Kunstgeschichte ein ebenso konstanter wie vielgestaltiger Begleiter war – von apotropäischen Zwerggottheiten der Antike über mittelalterliche Bildsatiren bis hin zu politischen Karikaturen der Moderne. Humor tritt dabei nicht nur als Ausdruck individueller Heiterkeit auf, sondern erfüllt Funktionen wie Kritik, Trost, Grenzüberschreitung oder intellektuelles Spiel (vgl. Berger, 1998; Ruch, 2016). Methodisch basiert die Arbeit auf einer systematisch adaptierten ikonologischen Bildanalyse nach Panofsky (Panofsky, 1994) und einer KI-gestützten Schlagwortsuche im Fachbereich Gestalten des Lehrplans 21 (AVK, 2016). Anhand exemplarischer Kunstwerke aus verschiedenen Epochen werden humoristische Elemente identifiziert und im Hinblick auf ihre ästhetischen, gesellschaftlichen und kulturellen Funktionen interpretiert. Parallel dazu wird analysiert, inwiefern humorbezogene Kompetenzen und Gestaltungsformen im aktuellen schulischen Kontext – insbesondere im Lehrplan 21 – verankert sind. Ziel der Arbeit ist es, das Potenzial des Humors für die gestalterische Bildung sichtbar zu machen und didaktische Impulse für einen reflektierten Umgang mit Komik im Kunstunterricht zu entwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass Humor nicht nur ein künstlerischer Stilmittelkanon, sondern auch ein pädagogisches Gestaltungsmittel sein kann – mit Relevanz für Kreativität, soziale Interaktion und künstlerische Ausdrucksfähigkeit
Ein Vergleich der Sprachförderung in Mathematiklehrmitteln aus Österreich und der Schweiz
Für den Lernerfolg im Mathematikunterricht ist es vor allem für Kinder mit schwachen Sprachkompetenzen oder anderer Erstsprache von grosser Bedeutung, dass die Lehrperson einen sprachsensiblen Unterricht gestaltet (Brunner, Rutishauser & Bernet, 2021). In einem sprachsensiblen Mathematikunterricht liegt der Fokus nicht nur auf dem Erwerb von Fachkompetenzen, sondern auch auf dem sprachlichen Lernen. Lehrmittel können mit sprachförderlichen Angeboten und Aufgaben einen sprachsensiblen Mathematikunterricht unterstützen. Somit lässt sich folgende Fragestellung ableiten: Wie sieht die Sprachförderung in zwei Mathematiklehrmitteln aus Österreich und der Deutschschweiz in der 1. Klasse aus? Ein Vergleich. Dafür wird eine Lehrmittelanalyse an den beiden Lehrmitteln durchgeführt, die sich an der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (Mayring, 2000) anlehnt. Es werden pro Lehrmittel drei Aufgaben aus dem Handlungsprozess mathematisieren auf acht Kategorien analysiert. Es wird untersucht, in welchem Kontext die Aufgaben stehen, welche Sprachkompetenzen beim Verstehen und beim Lösen gebraucht werden, welche sprachlichen und nicht sprachlichen Hilfestellungen angeboten werden, wie die Mehrsprachigkeit thematisiert wird und wie sie den Wortschatz der Alltags- und Fachsprache aufbauen. Die Ergebnisse werden nach der Analyse verglichen und es zeigt sich, dass beide Lehrmittel sehr ähnlich abschneiden. Das österreichische Lehrmittel schneidet in wenigen Kategorien etwas besser ab, jedoch könnten sich beide bezogen auf ihre Sprachförderung verbessern. Dies bezieht sich vor allem auf den Bezug zur Mehrsprachigkeit, der in den Aufgaben des Schweizer und des österreichischen Lehrmittels fehlt, und auf das differenzierte sprachliche Unterstützungsangebot. Aufbauend auf dieser Arbeit könnte man die Aufgaben aus den anderen Handlungsbereichen auf ihre Sprachförderung untersuchen. Ebenfalls bietet es sich ausgehend von dieser Arbeit an, die Lehrmittel aus den höheren Klassen auf die gleichen Kategorien zu analysieren und so die Entwicklung der Sprachförderung im jeweiligen Lehrmittel zu sehen
Zusammenarbeit im Schwimmunterricht: Erwartungen von Schwimmlehrpersonen an Lehrpersonen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenarbeit zwischen Schwimmlehrpersonen und Lehrpersonen im schulischen Schwimmunterricht. Im Zentrum steht die Frage, welche Erwartungen Schwimmlehrpersonen an Lehrpersonen stellen – insbesondere im Hinblick auf Rollenverständnis, Engagement und konkrete Unterstützungshandlungen im Unterricht. Zur Beantwortung dieser Frage wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt. Auf Basis leitfadengestützter Interviews mit drei Schwimmlehrpersonen aus den Kantonen Thurgau und Zürich wurden mittels strukturierender Inhaltsanalyse zentrale Kategorien herausgearbeitet und theoriegeleitet interpretiert. Die Ergebnisse zeigen ein einheitliches Bild, wonach von Lehrpersonen kein spezifisches Fachwissen im Schwimmen erwartet wird, wohl aber eine präsente, engagierte und unterstützende Haltung. Entscheidende Gelingensbedingungen der Zusammenarbeit sind eine klare Rollenzuteilung, gegenseitiger Respekt und offene Kommunikation. Unterschiede zeigten sich beispielsweise darin, wie Erwartungen kommuniziert werden. Im Rahmen der Diskussion werden die Ergebnisse im Kontext der Theorie zu aktuellen Studien zum Schwimmunterricht in der Schweiz, multiprofessioneller Kooperation und dem Angebot-Nutzungs-Modell. Dabei wird deutlich, dass Kooperation im Schwimmunterricht durch Rollenklärung, kontinuierliche Kommunikation und gezielte Weiterbildungsmassnahmen verbessert werden kann. Weiterführende Forschung könnte die Perspektive der Lehrpersonen einbeziehen sowie untersuchen, wie eine gemeinsame Professionalisierung in solchen Kooperationen gelingen kann
Mehr Sportarten, mehr Kompetenz?: Eine Studie zur polysportiven Sportpraxis
Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, inwiefern polysportiver Vereinssport die motorischen Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klasse beeinflusst. Ausgangspunkt war die Annahme, dass Kinder, die polysportiv gefördert werden, durch ein vielfältiges Bewegungsrepertoire bessere motorische Leistungen aufweisen. Zur Beantwortung der Fragestellung wurde eine quantitative Untersuchung mit insgesamt 22 Kindern durchgeführt. Die Stichprobe wurde in drei Gruppen unterteilt: Polysportlerinnen (n = 11), Spezialistinnen (n = 7) und Nichtsportlerinnen (n = 4). Die motorischen Basiskompetenzen wurden mittels des standardisierten MOBAK-Tests für die 5. und 6. Klasse erhoben. Dabei wurden acht Aufgaben aus den Bereichen «Etwas Bewegen» und «Sich Bewegen» geprüft. Die Auswertung erfolgte quantitativ mithilfe eines t-Tests zur Prüfung signifikanter Mittelwertunterschiede zwischen den drei Testgruppen. Die Resultate zeigen, dass polysportiv trainierende Kinder im Durchschnitt signifikant bessere Leistungen im MOBAK-Test erbringen als Kinder ohne regelmässige sportliche Betätigung. Zwischen Polysportlerinnen und Spezialistinnen gab es keine signifikanten Unterschiede. Die beiden Testgruppen erzielten im Durchschnitt über alle Aufgaben ähnlich hohe Werte. Auffällig ist, dass die polysportive Gruppe im Bereich «Sich Bewegen» deutlich besser abschnitt als die spezialisierten Kinder. Dieses Ergebnis lässt sich durch die vielseitige motorische Förderung im Rahmen des polysportiven Trainings erklären. Umgekehrt erzielten die Spezialistinnen im Bereich «Etwas Bewegen» die höchsten Werte, was auf ihre gezielte, sportartspezifische Förderung in der Freizeit zurückzuführen ist. In der Diskussion werden die Resultate dahingehend interpretiert, dass Polysportivität die Entwicklung grundlegender motorischer Fähigkeiten gezielt unterstützt. Die Ergebnisse bestätigen die Relevanz eines vielseitigen sportlichen Trainings insbesondere im Kindesalter. Die Arbeit unterstreicht die Bedeutung polysportiver Angebote in der Schule und im Verein zur Förderung einer umfassenden motorischen Entwicklung. Für weiterführende Studien wird eine grössere und ausgewogenere Stichprobe empfohlen sowie die Einbindung zusätzlicher Kompetenzbereiche in das MOBAK-Testverfahren
Kulturelle Bildung
Workshop und Teilnahme an Podiumsdiskussion an Kulturforum vom 21.08.202
Die Spanische Grippe im Thurgau anhand der Berichterstattung durch den Thurgauer Volksfreund
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die in Kreuzlingen während der Spanischen Grippe ergriffenen Massnahmen anhand der Berichterstattung des Thurgauer Volkfreundes zu analysieren und deren Auswirkungen auf das Leben der Schülerinnen und Schüler der Regelschule zu untersuchen. Mit dieser Analyse sollte folgende Frage beantwortet werden: Welche Auswirkungen hatte die Spanische Grippe auf das Leben der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz am Beispiel der Schulen im Raum Kreuzlingen? Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse historischer Dokumente und primärer Quellen, um die Massnahmen und Auswirkungen der Spanischen Grippe in der Schweiz zu untersuchen. Die Hauptquelle bildet die Lokalzeitung «Thurgauer Volkfreund», spezifisch die Ausgaben während der Spanischen Grippe, also der Jahre 1918–1919. Als Grundlage diente das Werk von Laura Spinney: 1918 Die Welt im Fieber. Ergänzt werden die Befunde mit Protokollen der Schulvorsteherschaft Kreuzlingen und des Erziehungsdepartementes des Kantons Thurgau sowie deren Korrespondenzen. Die chronologische und nach Themenbereichen strukturierte Aufarbeitung der Ereignisse gibt einen Überblick über die allgemeine Situation, in welcher sich die Kinder und Jugendlichen befanden. Als Grundlage zur Analyse der Auswirkungen der Massnahmen auf das Leben der Schülerinnen und Schüler werden die Geschehnisse und Massnahmen in Kreuzlingen benutzt. Als Resultat kam heraus, dass die Massnahmen gegen die Spanische Grippe erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Schülerinnen und Schüler hatten. Der soziale Kontakt zu ihrer Peergroup war stark eingeschränkt. Durch die Schliessungen der Kulturlokale fehlte es ihnen an Plätzen, an welchen sie sich treffen konnten. Es blieb ihnen nur, sich im Freien zu treffen und um die Häuser zu ziehen. Die Welt, in der sie sich bewegen mussten, war von Kranken, Toten und dem Militär geprägt
Vollständige Lernprozesse in agilen Settings
Agile Arbeitsmethoden sind ein Trend, der sich aus der freien Wirtschaft bis in die Schulzimmer vorgearbeitet hat. Bei der Umsetzung werden Lehrpersonen von Frameworks wie eduScrum unterstützt, welche Oberflächenstrukturen beschreiben, und Ablaufpläne und Werkzeuge definieren. Keine Unterstützung gibt es bisher beim Füllen dieses Rahmenwerkes mit konkreten Inhalten, die die Tiefenstrukturen eines vollständigen Lernprozesses sicherstellen. In der vorliegenden Literaturarbeit, die sich mit der Frage beschäftigt, wie ein vollständiger Lernprozess mit eduScrum umgesetzt werden kann, werden die Anforderungen an Aufgabenstellungen und Sprints für einen strukturierten kognitiven und überfachlichen Kompetenzaufbau mit eduScrum beschrieben. Dabei werden verschiedene Lernprozessmodelle der allgemeinen Didaktik, lernwirksame Merkmale von Aufgaben nach LUKAS, Verben der äusseren Sichtbarkeit von Learning Outcomes sowie agile Grundprinzipien zur Hilfe genommen, um einen Leitfaden für das Füllen eines eduScrum Lernprozesses mit Inhalten zu entwickeln. In der Diskussion wird versucht, beides zusammen zu bringen, was nur teilweise gelingt. Einerseits profitiert ein agiles eduScrum Unterrichtsvorhaben durch viele Aspekte eines vollständigen, kompetenzorientierten Lernprozesses, welche PADUA ignoriert: einer geplanten Phase der Metakognition, und Settings, die soziales, kokonstruktives Lernen ermöglichen. Andererseits verhindern die Anforderungen an die lernwirksamen Merkmale von Aufgaben in den Phasen des Aufbaus, Durcharbeitens und Übens eine sinnvolle Ausführung innerhalb eines eduScrum Sprints. Zusätzlich wird auf die Vorteile einer möglichen Anpassung des 1-Sprint Ansatzes in eduScrum auf drei Sprints eingegangen, welcher die Agilität erhöht: die Möglichkeit, Anpassungen an Lernzielen und Stories innerhalb eines Projektes vornehmen zu können, erlauben eine Bearbeitung komplexerer Probleme mit einem höheren Fokus in einer besseren Qualität. Offen bleiben der praktische Versuch und entwicklungspsychologische Betrachtungen zu den Anforderungen an Lernende. Ab welchem Alter ein Einsatz Sinn macht, bzw. wie eine schrittweise Einführung der Arbeitsweise an sich stattfinden kann, wird nicht beantwortet
What We Can Learn From Entrepreneurship Education in the Nordics — A Literature Review
This article examines entrepreneurship education (EE) in school and in teacher education in the Nordic European countries including Denmark, Finland, Iceland, Norway, and Sweden. The research design is based on a semi-systematic literature review following the PRISMA 2020 statement and a reflexive thematic analysis after Braun and Clark. Within the findings, all Nordic countries identify a concordant subject-orientated understanding of entrepreneurship education as a didactical approach and a mindset of educators in the learning process by using several terms, summarized in the definition of the term “Nordic entrepreneurial pedagogy.” Our article highlights aspects of entrepreneurship education in the Nordics against the background of international understandings, focusing on the definition of entrepreneurship education, the role of the teacher and methods applied. The analysis reveals the importance of a standardized definition for entrepreneurship education and calls for more scholarship exploring Nordic entrepreneurial pedagogy in teacher education