Dokumentenserver der Universität der Künste Berlin
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Playing theatre – and the effects of it
Vom Theater geht eine besondere Faszination aus. Insbesondere für Pädagogen besteht ein Teil dieser Faszination in der Erwartung, dass mit dem Theaterspielen besondere bildende Effekte verbunden sind. Die Frage nach der (bildenden) Wirkung des Theaterspielens gehört zu den Grundlagen des noch jungen Fachs Theaterpädagogik. Der Rückblick auf die mit Theater(spiel) verbundenen Bildungsvorstellungen zeigt, dass Theaterspielen vielfach als methodisches Hilfsmittel angesehen wurde, um die unterschiedlichsten religiösen, pädagogischen, moralischen und politischen Ziele anzustreben. Wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, die Wirkungsweisen künstlerisch-pädagogischer Arbeit belegen, sind selten. Die Zuschreibungen, die das Theaterspielen im pädagogischen Bereich erfährt, werden eher in Form von Vermutungen oder persönlichen Anekdoten publiziert. Im Bereich der Theaterpädagogik gibt es bisher kaum empirische Untersuchungen, die sich auf überprüfbare Daten stützen. Ausgangspunkt der Studie ist die Annahme, dass Theaterspielen (Transfer-)Effekte haben kann und damit zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt bzw. Persönlichkeit in gewisser Hinsicht verändert. Ästhetische Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und Kompetenzvermittlung werden nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende und integrativ zu vermittelnde Teile von Bildung verstanden. Der erste Teil der Studie beschreibt und analysiert Theaterspielen als Phänomen ästhetischer Bildung. Er liefert eine umfassende, „dichte“ Beschreibung der mit dem Theaterspielen verbundenen ästhetischen Prozesse und Erfahrungen. Daraus werden Bestandteile einer auf das Theaterspielen bezogenen ästhetischen Kompetenz abgeleitet. Im zweiten Teil der Studie wird die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, die über einen längeren Zeitraum Theater spielten, verfolgt. Ausgangspunkt für die Betrachtung der Transferqualitäten des Theaterspielens war die Hypothese, dass regelmäßiges Theaterspielen bei jungen Menschen Kompetenzen im personalen, sozialen, Handlungs- sowie im Lern- und Leistungsbereich fördert. Persönliche Entwicklungsverläufe werden hinsichtlich Wohlbefinden, Interesse und Engagement, Wünschen und Perspektiven, Einstellungen und Werthaltungen, personalen und sozialen Kompetenzen nachvollzogen. Spezifische Wirkpotentiale, die in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Theater liegen, werden ergründet. Durch ein vergleichendes Forschungsdesign wurden Veränderungen ausgemacht, die speziell auf das Theaterspielen zurückgeführt werden können. Darüber hinaus wurden Entwicklungen in der Gruppe unter die Lupe genommen und betrachtet, ob sich Jugendliche, die sich für das Theaterspielen entscheiden, von anderen unterscheiden. Die Studie ist sich stets der Komplexität und Vielzahl der Einflussfaktoren bewusst, die vor und neben dem Theaterspielen für die Persönlichkeitsbildung von Bedeutung sind. In der Analyse werden die beobachteten Entwicklungsverläufe in einem systemischen Zusammenhang betrachtet. Es wird also nicht von einem naiv-moralischen Wirkmechanismus des Theaterspielens ausgegangen. Mit der Untersuchung wurde ein neuer spezifischer theaterpädagogischer Forschungsansatz entwickelt, der versucht, sich auf angemessene Weise dem Medium Theater und der Praxis der Theaterarbeit an Schulen zu nähern. Sowohl Theaterkunst als auch Pädagogik bilden die Ausgangspunkte dafür. Die Studie bedient sich verschiedener Forschungsperspektiven. Qualitative und quantitative For-schungsmethoden werden zur Herstellung eines umfassenden Bildes vom Forschungsgegenstand, des Theaterspielens und seiner Wirkungen, verknüpft. Die Studie zeigt erstmals auf verallgemeinerbarer Grundlage, dass die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Medium Theater Einflüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen hat. Es wird deutlich, dass Theaterspielen eine besondere Form der Kulturvermittlung und Bildung sein kann. Die vielschichtigen Erfahrungsbereiche während des ästhetischen Prozesses und die erstaunlichen Transfereffekte, zum Beispiel in den Bereichen Offenheit und Extraversion, verweisen auf ein besonders effektives und nachhaltiges Lernen im Kontext theatraler Auseinandersetzungen. Offenbar sind mit dem Theaterspielen Lernmodi verbunden, die tief implementierend wirken.Theatre arts spread out a special fascination. For educators the fascination of making theatre is often combined with the expectation of learning effects. At the young field of theatre pedagogies the question of any impact of playing theatre is one of its basics. A historical review of the educational ideas linked with playing theatre shows, that theatre arts often have been seen as learning tools for reaching different religious, educational, moral or political goals. Well founded studies to prove any impact of artistic-educational work are rare. The effects of arts-education are mostly based on anecdotal evidence but uncorroborated by empirical facts. In the field of theatre pedagogies so far there have been no founded empirical researches concerning this question. The starting point of this study is the assumption, that playing theatre is supposed to have (transfer) effects and with it contributes to the development of personality or rather changes personality in a certain way. Cultural education, the development of personality and competences are not seen as opposites but as completing and integrative parts of education. The first part of this study is focussed on theatre work as an education in the arts. Theatre work is described and analysed as a phenomenon of aesthetical education. In a detailed ‘thick description’ it is reflected, which aesthetical processes take place during a theatre production and which aesthetical experiences and skills are linked with them. Out of it parts of an aesthetical competence are analysed and developed. In the second part of this study the development of personality of young people, who were playing theatre in the long term, is reflected. The study examines transfer possibilities of experiences and skills received during the process of playing theatre or occuping theirselves with theatre arts. The starting point of the research about transfer qualities was the hypothesis, that playing theatre in a regular way increases personal, social, acting and learning competences of young people. Personal developments are examined in regard to well-being, interests and engagement, wishes and perspectives, attitudes and values, personal and social skills. In a longitudinal research several potentials for special effects of theatre arts have been discovered. Changes, which could be attributed especially to performing, were determined by a comprehensive design of research. Furthermore the development in the group was reflected and how young people, who decided to play theatre, differ from the others. The resarch is always aware of the complexity and wide range of factors having influence and importance for the development of personality before and beside the occupation with theatre arts. The analysis looks at the observed course of development in a systemic connection. The study does not start out from a naive-moral effect mechanismpoint of view of theatre arts. With this study a new specific theatre pedagogical research approach was developed trying to get closer to practice of theatre work with young people and being appropriately to the medium theatre. Theatre arts as well as educational theory form starting points. The study used several perspectives of research. Qualitative and quantitatve research methods were integrated to get an appropriate view on the research subject. The study shows for the first time on an empirical generalizable level, rich of material, what influences theatre work has on the development of young people. It was pointed out, that playing theatre is a special form of cultural education and education in general. The multilayered fields of experiences during the aesthetical process and the amazing transfer effects for example according to openness and extroversion refer to a special effective and lasting way of learning in context of the examination of theatre arts. Obviously playing theatre is linked to learning modes that have deeply implementing effects
Academic propaedeutics in schools – "Music and literature" as an academic propaedeutic seminar (= Wissenschaftspropädeutisches Seminar) in the sixth form at secondary schools (= gymnasiale Oberstufe)
Die vorliegende Arbeit versucht, eine Antwort darauf zu finden, was Wissenschaftspropädeutik in der Schule – insbesondere in der gymnasialen Oberstufe – bedeuten kann und soll, indem sie zum Nachdenken über den Begriff Wissenschaftspropädeutik anregt und indem sie beschreibt und reflektiert, wie in der Oberstufe gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern wissenschaftspropädeutisch gearbeitet werden kann. Als Möglichkeit für Wissenschaftspropädeutik in der gymnasialen Oberstufe wird der bayerische Modellversuch des Wissenschaftspropädeutischen Seminars „Musik und Literatur“ vorgestellt – als ein in und aus der Schulpraxis heraus entwickelter Beitrag innerhalb der Diskussion um eine „neue Lernkultur“. Ausgehend von einer Begriffsklärung im Hinblick auf das Verständnis von Wissenschaftspropädeutik in der Schule und basierend auf den Vorgaben des Schulversuchs und auf den unterrichtspraktischen Erfahrungen aus dem einjährigen Modellseminar „Musik und Literatur“ zeigt die vorliegende Arbeit auf, welche Ziele wissenschaftspropädeutisches Arbeiten in der Schule verfolgen kann, welche organisatorischen, methodischen und inhaltlichen Voraussetzungen geschaffen werden müssen und auf welche Art und Weise wissenschaftspropädeutisches Arbeiten in der Unterrichtspraxis umgesetzt werden kann. Der erste Teil beschäftigt sich grundsätzlich mit "Wissenschaftspropädeutik in der Schule", versucht eine Definition und eine Begriffsklärung und beleuchtet das Verständnis von Wissenschaftspropädeutik aus historischen, pädagogischen und schulpolitischen Perspektiven. Der zweite Teil beschreibt das Wissenschaftspropädeutische Seminar „Musik und Literatur“ in der Praxis und stellt die neue Unterrichtsform "Wissenschaftspropädeutisches Seminar" dar sowie die Planung und Durchführung und Beispiele aus der Seminarpraxis aus den Bereichen Musik und Literatur, Musik und Rhetorik, Literatur in der Musik und Musik in der Literatur. Abschließend beleuchtet die Arbeit Wissenschaftspropädeutik in der gymnasialen Oberstufe in Bezug auf Möglichkeiten und Chancen und ordnet das Wissenschaftspropädeutische Seminar ein als Beitrag zu einer „neuen Lernkultur“.The intention of this study is to find an answer to what the significance of academic propaedeutics (Wissenschaftspropädeutik) can and should be in schools – particularly in the sixth form at secondary schools (gymnasiale Oberstufe) – by providing food for thought about the term academic propaedeutics and by describing and reflecting on how staff and sixth-form pupils can work together in an academic propaedeutic manner. The Bavarian academic propaedeutic “Music and literature” seminar pilot scheme is presented as a possibility for academic propaedeutics in the sixth form of secondary schools – as a contribution, developed in and from actual classroom practice, to the discussion about a “new learning culture”. Beginning with clasification of the term with regard to the understanding of academic propaedeutics in schools and on the basis of parameters of the classroom trials and the experience gained from teaching practice in one-year pilot seminar “Music and literature”, this study shows which objectives academic propaedeutic work can pursue in schools, which organisational, methodological and substantive criteria must be met, and the manner in which academic propaedeutic work can be performed in teaching practice. The first section deals principally with academic propaedeutics in schools, seeks definition and disambiguation of the term and sheds light on the understanding of academic propaedeutics from historical, educational and school-policy related perspectives. The second section describes the academic propaedeutic seminar “Music and literature” in practice and illustrates the new teaching form of the academic propaedeutic seminar as well as the planning and implementation and examples from seminar practice in music and literature, music and rhetoric, literature in music and music in literature. Finally, the study looks at academic propaedeutics in the sixth form of secondary schools with regard to possibilities and opportunities and classifies the academic propaedeutic seminar as a contribution to a “new learning culture”
Between Games and Politics. Participation In the Art As Strategy and Practice
Welche Konzepte und Praxen beschreibt die Rede von der Partizipation in der Kunst? Was meint partizipatorische, was partizipative Kunst? Ist sie Spiel oder Politik - oder beides? Nach einer einführenden Begriffsbestimmung und -geschichte unternimmt die Dissertation in den Teilen "Genese" und "Typologie" eine kritische Bestandsaufnahme partizipatorischer resp. partizipativer Praxen und der sie flankierenden Diskurse vom Beginn des 20. Jahrhunderts an. Aus fünf Fallstudien zu Arbeiten von Christine und Irene Hohenbüchler, Tobias Rehberger, Park Fiction, Carsten Höller und Andrea Knobloch werden Parameter und Kriterien zur Bestimmung distinkter Typen von Partizipation in der Kunst generiert. Im abschließenden Kapitel "Ist Partizipation das neue ästhetische Paradigma?" werden Grenzen und Potenziale verschiedener Typen von Beteiligung bzw. Teilhabe für die aktuelle Kunst diskutiert. Diesem ersten Band mit Analysen, Kontextualisierungen und Bewertungen folgt ein zweiter, 'Kompilation' genannter, in dem 252 partizipatorische künstlerische Projekte der Jahre 1919 bis 2006 gelistet sind. Auf der Basis dieser umfassenden Materialsammlung konnten die im 1. Band dargelegte Genese und Typologie entwickelt werden.'Participation' - what concepts and practices does this term refer to concerning the arts? What does 'participatory' what does 'participative' art mean? Is it a game, is it politics - or is it both of it? Starting with a definition and a history of the very term 'participation' in the art field, the thesis in 'part II: genesis' and 'part III: typology' collects, analyses and structures different types of participatory art projects and its discourses. Five detailed case studies of works by Christine and Irene Hohenbüchler, Tobias Rehberger, Park Fiction, Carsten Höller und Andrea Knobloch serve to develop and validate criteria to identify different types of partizipation in art. In the final chapter 'participation - is it the new aesthetic paradigma?' limits and potentials of different types of participation with regard to contemporary art practice are being discussed. This first volume consisting of analyses, contexts and evaluations is followed by a second volume called 'compilation' which comprises 252 participatory art projects from 1919 to 2006. This collection of data and material served as a basis for developing the 'genesis' and 'typology' presented in volume one
Piano Grading Test in China Piano Education, Origination – Content and role – Perspective
In dieser Dissertation wird erstmalig anhand einer ausführlichen Untersuchung auf die Entwicklung der Klavierpädagogik Chinas eingegangen, angefangen vom ersten Klavierunterricht in der Missionarschule im Jahr 1881 bis hin zum aktuellen Piano Grading Test (PGT), mit seinen jährlich über 1 Million Teilnehmern in der ersten Dekade der 21. Jahrhunderts. Aufgezeigt werden seine Entstehungsgründe und Fehlentwicklungen, sowie die staatlichen PGT-Organisationsstrukturen, die vom Kulturministerium ausgearbeitet wurden. Auf Grundlage einer vom Verfasser aufgebauten Datenbank, die insgesamt 3853 Klavierwerke aus 58 Repertoiresammlungen (RS) von 13 Prüfungsinstituten der Jahre 1989 bis 2008 umfasst, werden folgende Schwerpunkte untersucht und analysiert: Die Zusammensetzung der einzelnen Prüfungsprogramme und ihre Einteilung in Schwierigkeitsstufen, die Auswahlmöglichkeiten innerhalb der Prüfungsprogramme, die Verwendungshäufigkeit der Werke der Komponisten und deren geografische Herkunft, die in den RS verwendeten Musikwerke von J. S. BACH, C. CZERNY und von chinesischen Komponisten. Ein wesentliches Untersuchungsergebnis ist die Tatsache, dass im alltäglichen Unterricht nur die Technik des Klavierspiels anhand des Spielens der Grundübungen (Tonleiterspiel etc.) der Etüden und polyphoner Werke im Vordergrund steht. Zukünftig bieten sich vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten hinsichtlich der Kooperation mit internationalen Musikpädagogen und Bildungsinvestoren auf der Grundlage von internationalen Abkommen und der nationalen Gesetzgebung.This dissertation conducts the first exhaustive research on the development of China piano Education. The study has a broad time span, which starts from 1881, when piano courses were initially set up in church schools, and ends in 2010s, when there are over a million participants in Piano Grading Test. This article analyzed the generation and development of Piano Grading Test, as well as its system formed under the guidance of the Ministry of Culture. The author also built a database including 3,853 piano tracks drawn from 58 sets of teaching materials for Piano Grading Test, which were compiled by 13 institutions from 1989 to 2008. On this basis, the study especially focused on the following aspects: the composition of test tracks and the classification based on difficulty, the option of tracks in the tests, the frequency to be selected of the tracks for the tests and the various regional styles of composers’ works, the works which had been used in the past Grading Tests, composed by J. S. BACH, C. CZERNY as well as Chinese composers. A substantive result of this study shows that, in the process of daily piano teaching, through emphasizing on the basic practices (such as scale, etc.), etudes and polyphonic works, the training of piano performance skills should be the most important task. In the future, indemnified by international conventions as well as national laws, it would be possible to establish diversified multinational cooperation with music educators and investors from all over the world
The Counterpoint in Eurhythmics
Originally, music choreography works of rhythm are closely tied to music and seek the most comprehensive possible transfer of all musical parameters into spatio-temporal as well as dynamic correspondences. Following the boundary-expanding developments in music and dance from the 1960s onwards, other intermedial forms of reference have become conceivable. Dorothea Weise breaks these down exemplarily and presents a system (to be questioned critically and thought through further)
De lamentatione Jeremiae Prophetae. Aspects of the Development and Spreading of Eighteenth Century Lamentations
Die Lamentationen, Vertonungen der Klagelieder des Jeremias aus dem Alten Testament, stehen trotz einer ganzen Reihe von Studien zu Einzelfragen dieser Gattung eher am Rand der musikwissenschaftlichen Wahrnehmung. Eine größere Arbeit zur Geschichte und stilistischen Ausprägungen der Lamentation verfasste Mary Jane Klimisch im Jahr 1971. Diese Arbeit gliedert sich in zwei Teile: im ersten Teil geht es um die geschichtliche Entwicklung der Lamentation; einleitend wird der Bibeltext betrachtet. Das Buch der Klagelieder wurde schon sehr früh - zu Beginn des 4. Jahrhunderts - in den christlichen Schriftenkanon aufgenommen. Ähnliches gilt für die Choralformeln. Die frühesten Lamentationsformeln stammen aus dem 10. Jahrhundert, vorwiegend aus Nordspanien. Darunter sind einige Abwandlungen jüdischer Melodieformeln auszumachen. Somit zählen die Lamentationen zu den frühesten Zeugnissen von Übernahmen jüdischer Traditionen in die christliche Liturgie. Erst auf dem Konzil von Trient (1545-1563) legte die katholische Kirche eine allgemeine Lamentationsformel und die zu lesenden Verse der Klagelieder verbindlich fest. Erste frei vertonte Lamentationen entstehen um 1430 in Italien. Danach erlebt die Gattung verschiedene Blütephasen: in England zur Tudorzeit, in Oberitalien um 1600, in Frankreich während der Herrschaft Ludwigs XIV. und in Neapel im 18. Jahrhundert. Eine durchgängige Tradition vom 15. bis 20. Jahrhundert erfährt die Lamentation nur in Spanien. Im zweiten Teil der Arbeit wird der ausdruckstarke Kompositionsstil der Lamentationen untersucht. Auch veranlasste der bilderreiche Bibeltext Komponisten immer wieder zu musikalischen Kühnheiten und Extravaganzen. Ein Vergleich von ausgewählten Lamentationen des 18. Jahrhunderts aus Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland zeigt, dass alle Lamentationen zwar gemeinsame Stilmittel zur Affektdarstellung aufweisen, ihre Traditionslinien aber getrennt verlaufen. Die Entwicklung der Gattung Lamentation ist stark an die landeseigene Ausformung des Katholizismus und an lokale Traditionen gebunden. Die liturgischen Impulse zu ihrer Verbreitung erhielt die Lamentation aus Spanien, Impulse zur musikalisch-stilistischen Entwicklung aus Italien.Until nowadays settings of the Lamentations of Jeremiah have not been a main subject of musicological research, although there is a number of smaller studies dealing with special aspects of the Lamentations. A more extensive study on this subject has been written in 1971 by Mary Jane Klimisch. The present dissertation is divided into two sections. The first one describes the historical development of the Lamentations. As early as by the beginning of the fourth century the Book of Lamentations was included in the Biblical canon. Something similar can be said about the early choral melodies. The earliest choral melodies of Lamentations date from the tenth century from Northern Spain. Among those Christian Lamentations we can find derivations of older Jewish Lamentation melodies. Therefore, concerning the origin of text and melodies, the Lamentations can be seen as one of the oldest evidences of Jewish tradition adopted by the Christian liturgy. It was not until the Council of Trent (1545-1563) when the Catholic Church chose definitely a common Lamentation melody and the verses to be read from the Book of Lamentations in the Matins of Mourning Thursday, Good Friday and Holy Saturday. The first polyphonic settings were composed around 1430 in Italy. In the following centuries the Lamentations flourished in England and Northern Italy around 1600, in France in the reign of King Louis XIV and in Naples from about 1700-1800. A continuous tradition of Lamentations exists only in Spain from the fifteenth to the twentieth century. The second part of this work analyses and describes compositional elements of the extremely expressive and sometimes even extravagant style, which characterises the eighteenth century Lamentations. Selected compositions from Spain, Italy, France and Germany are compared with each other. This comparison shows that in all these countries the composers of Lamentations use more or less the same means of style to represent the ’affects of mourning’, while in contradict the historical tradition lines of the Lamentations are not connected with each other. The development of the Lamentations depends mainly on a country’s special form of Catholicism and on musical and liturgical local traditions of cathedrals, monasteries, convents and other institutions. In general it can be said that the varied forms of the Spanish Catholic liturgy was an important stimulus for the spreading of the Lamentations, while the compositional and stylistic stimuli for the musical development of the Lamentations came from Italy
Theatre as space
Theater als Raum. Ausleuchten von Spielräumen in der Theaterpädagogik. Theater als Raum: für freie Gedanken, für künstlerische Gestaltung, für Entwicklung bei den Spielenden und beim Publikum, für kontroverse Diskussionen, für das Amüsement, zum Feiern; kognitiver wie auch emotionaler Raum also – Theater aber auch als architektonischer, physikalischer, geometrischer, materialer, haptischer und optischer Raum, so lässt sich die Bandbreite dieser Arbeit umreißen. Ausleuchten von Spielräumen in der Theaterpädagogik: Wo Räume bespielt werden, wird auch ausgeleuchtet. Es geht in der Studie um die Beleuchtung als einem zentralen technisch-künstlerischen Aspekt der Theaterarbeit. Doch zudem umspannt die vorliegende Arbeit auch die komplexe Thematik, wie in der Theaterpädagogik Spielräume bisher beschrieben und - bewusst oder unbewusst - verwendet wurden. Das Spiel in alternativen Räumen, abseits der klassischen Spielstätten - diese Chance des Theatermachens ist im letzten Jahrzehnt mehr und mehr genutzt worden; durch die Folgen der deutschen Wiedervereinigung und der Globalisierung entstandene Industriebrachen bieten zuvor unbekannte Gelegenheiten der Zwischennutzung oder Umnutzung von Fabrikationshallen und Gebäuden. Dieser Prozess erfordert die Bewusstmachung von Raum und Raumwirkung, um die Chancen für das Spiel adäquat nutzen, diese Räume in ihrem sozialen Kontext erfassen und für die Menschen mit neuer Bedeutung füllen zu können. Eher als im traditionellen Theater ist man wechselnde Spiel-Räume in der Theaterpädagogik und im Amateurtheater gewohnt. Freilich, auch diese Bereiche des Theatermachens leben im Kontext von Strukturwandel und sozialen Entwicklungen. In dieser Situation kann, so hoffe ich, die vorliegende Arbeit Hinweise und Anregungen geben, den Raum von einem unbewusst durchschrittenen zu einem bewusst erlebten und gestalteten zu machen. ‚Theater als Raum’ zeigt historische Entwicklungen auf, verweist auf themenbezogene Literatur, liefert Analysen, zeigt Bezüge und verweist darüber hinaus auf die Bedeutung des Technikeinsatzes für eine wirkungsvolle Platzierung des Spiels im Raum. Das erste Kapitel, ‚Raum’, ist breit angelegt. Es dient der Annäherung an das Thema, versammelt unterschiedliche Raumerfahrungen und Betrachtungsweisen, verschiedene Raumvorstellungen und unterschiedliche Begriffsbestimmungen des Theaterraums. So stellt sich etwa heraus, dass die meisten Autoren den Begriff „Guckkastenbühne“ im gleichen Sinne verwenden. Ganz unterschiedlich dagegen wird der Begriff „Raumbühne“ verstanden. Das zweite Kapitel widmet sich der historisch-chronologischen Dimension des Themas. Nachgezeichnet wird der Hauptstrom der (europäischen) Theaterentwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Theaterraumes. Um exemplarisch zu veranschaulichen, dass die Realisierung von Raumtheater häufig anders verläuft, als die Entwürfe, Ideen, Vorstellungen es erdachten, lade ich zu einem Exkurs ein, - gewissermaßen einer Exkursion - zum Nationaltheater Mannheim (von 1957). Das 3. Kapitel ist angelegt als Forschungsbericht, der, soweit möglich, alle relevanten und erreichbaren Untersuchungen der theaterpädagogischen Literatur zu Bühne und Raum in chronologischer Folge behandelt. Das die Dissertation abschließende 4. Kapitel widmet sich technischen und dramaturgischen Aspekten der Theaterpraxis - Beleuchtung, Farben, Bühnensysteme, offener Umbau - in ihrer besonderen Bedeutung für das Spiel in der Raumbühne.Theater as Space. Illuminating Performance Spaces in Theater Pedagogy. Theater as space: for free thoughts, for artistic shaping, for development on the part of the players and of the audience, for controversial discussions, for amusement, for celebration; thus understood as a cognitive as well as an emotional space – but theater also as an architectural, physical, geometrical, material, haptic, and optical space: these terms describe the scope of this study. Illuminating performance spaces in theater pedagogy: Wherever spaces are performed in, lighting occurs. Thus this study deals with lighting as a central technical-artistic aspect of theater work. But in addition, the present study also comprises the complex thematics of how performance spaces have heretofore been described and – consciously or unconsciously – used in theater pedagogy. Playing in alternative spaces, beyond classical performance locations – this broadening of theatrical performance has been employed more and more frequently over the past decade; industrial waste lands resulting from German reunification and from globalization offer heretofore unknown opportunities for the temporary usage or repurposing of factory halls and buildings. This process requires making space and the effects of space conscious in order to make adequately use of the performance opportunities, to grasp these spaces in their social context, and to fill them with new meaning for people. In theater pedagogy and amateur theater, one is accustomed to changing spaces more quickly than in traditional theater. Indeed, these particular domains of theater exist within the context of structural change and social developments. In this situation, the present study can, I hope, provide suggestions and stimuli on how to transform space from something that is passed through unconsciously into something that is experienced and consciously shaped. “Theater as Space” traces historical developments, surveys relevant literature, offers analyses, shows connections, and furthermore highlights the significance of using technical means for an effective placement of performance within space. The first chapter, ”Space,“ is broadly conceived. It serves to approach the subject by gathering various experiences of space and ways of viewing the subject, various concepts of space and diverse conceptual definitions of theatrical space. In the process it is determined, for example, that most authors have a shared understanding of the term “proscenium stage.” But “theater in the round” (Raumbühne), on the other hand, is understood in a number of different senses. The second chapter is devoted to the historical and chronological dimension of the topic. The mainstream of (European) theater development is traced with special attention to theatrical space. In order to provide an exemplary illustration that the realization of theater in the round often occurs differently than envisioned by the designs, ideas, and imaginings, I offer an excursus – an excursion, so to speak – on the National Theater of Mannheim (1957). The third chapter is intended as a research report which treats, as far as possible, all relevant and acquirable investigations of stage and space in the literature of theater pedagogy in chronological order. The fourth chapter, which concludes the dissertation, is dedicated to technical and dramaturgical aspects of theater practice – lighting, colors, stage systems, opening shifting of the set – in their particular significance for theater performance in the round
Mein Guter Ruf im Internet. Digitale Reputation im persönlichen Management
Diese Arbeit untersucht digitale Personenreputation unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf Privatpersonen, die im Internet sichtbar werden. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass zunehmend Menschen, die nicht im öffentlichen Interesse stehen, von Reputationsmechanismen im Netz betroffen sind. Ziel ist es, herauszuarbeiten, an welchen Stellen bei der Darstellung von Personenreputation im Internet Probleme entstehen und wie diese sich auf die Akzeptanz der Thematik bei Internetnutzer:innen auswirken.
Die Untersuchung gliedert sich in einen explorativen theoretischen Teil und eine anschließende empirische Erhebung. Der theoretische Teil befasst sich mit sozialwissenschaftlichen Begriffen von Reputation sowie mit Konzepten wie Öffentlichkeit, Selbstdarstellung, Datenschutz, Transparenz und Bewertungssystemen im digitalen Raum. Ergänzend werden analoge und digitale Bewertungssysteme sowie übergreifende Bewertungslogiken untersucht, um Unterschiede in Struktur, Funktion und Wirkung sichtbar zu machen. In der empirischen Untersuchung werden über eine Online-Befragung Hypothesen zur Wahrnehmung und Akzeptanz digitaler Personenreputation überprüft.
Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Reputationsprozesse vor allem dann Akzeptanz finden, wenn sie an konkrete, funktionale Zwecke gebunden sind, etwa im Rahmen beruflicher Selbstdarstellung oder innerhalb klar umrissener Dienste wie Online-Marktplätzen. Akzeptanz entsteht insbesondere dort, wo Bewertungssysteme nachvollziehbar strukturiert sind, auf überprüfbaren Informationen basieren und ihre Reichweite klar begrenzt ist.
Sie bleibt insbesondere dann schwer einzuordnen, wenn sie über die Grenzen einzelner Systeme hinaus Gültigkeit beansprucht, etwa zwischen Privatheit und Öffentlichkeit oder plattformübergreifend.
Die Arbeit leistet einen Beitrag zur Diskussion über digitale Reputationslogiken und untersucht Bedingungen, unter denen digitale Bewertungssysteme Vertrauen erzeugen können. Sie eröffnet Perspektiven auf das Konzept digitaler Reputation, auch im Hinblick auf entstehende Strukturen einer digitalen Vertrauensökonomie.This thesis investigates digital personal reputation with particular attention to its impact on private individuals who become visible online. It is based on the observation that an increasing number of people who are not in the public eye are affected by reputation mechanisms on the internet. The aim is to identify where problems arise in the representation of personal reputation online and how these affect the acceptance of the topic among internet users.
The study is divided into an exploratory theoretical section and a subsequent empirical survey. The theoretical section examines sociological concepts of reputation as well as notions such as publicity, self-presentation, data protection, transparency and evaluation systems in digital environments. In addition, analogue and digital evaluation systems and broader evaluation logics are analysed to highlight differences in structure, function and impact. The empirical section uses an online survey to test hypotheses regarding the perception and acceptance of digital personal reputation.
The findings show that digital reputation processes are most likely to be accepted when they serve concrete, functional purposes, for example in professional self-presentation or within clearly defined services such as online marketplaces. Acceptance is particularly evident where evaluation systems are transparently structured, based on verifiable information and limited in their scope. It is particularly difficult to assess when it claims validity beyond the boundaries of individual systems, such as between privacy and publicity or across different platforms.
The thesis contributes to the discussion on digital reputation logics and explores the conditions under which digital evaluation systems can foster trust. It offers perspectives on the concept of digital reputation, including with regard to emerging structures of a digital trust economy
Historical consciousness and music. Historicity of music as a challenge for instrumental education
Ausgehend von der Praxis des Instrumentalunterrichts wird in vorliegender Arbeit die Geschichtlichkeit von Musik als didaktische Herausforderung theoretisch aufgearbeitet und ein Modell eines musikalischen Geschichtsbewusstseins entworfen, das zum einen für die Erforschung der Geschichte von Instrumentalschulen hilfreich ist, zum andern als Grundlage dient, um die Umrisse einer geschichtsbewussten Instrumentaldidaktik zu skizzieren. Der erste Teil („Geschichtlichkeit von Musik im Instrumentalunterricht“) stellt einen ausführlichen Problemaufriss dar. Er besteht aus einer kritischen Beschreibung der aktuellen Situation im Instrumentalunterricht, einer Reflexion und Klärung der Begriffe „Geschichte“, „Geschichtlichkeit“, „Geschichtlichkeit von Musik“, einem Bericht über den musikpädagogischen Forschungsstand und Überlegungen zur Geschichtlichkeit von Musik als instrumentaldidaktischem Problem. Im zweiten Teil („Vom Geschichtsbewusstsein zum musikalischen Geschichtsbewusstsein“) werden zunächst neuere Erkenntnisse zum Konzept „Geschichtsbewusstsein“ als einer zentralen Kategorie der Geschichtswissenschaft differenziert dargestellt. Zudem wird die historische Entwicklung von Geschichtsbewusstsein aus kulturwissenschaftlicher Sicht nachgezeichnet. Darauf aufbauend wird das Modell eines spezifisch musikalischen Geschichtsbewusstseins konstruiert. Dieses Modell wird aus der Sicht von Neuro- und Kognitionswissenschaften hinterfragt. Ferner werden Überlegungen zum Verhältnis von musikalischem Geschichtsbewusstsein und Imagination angestellt. Mit der Untersuchung musikalischen Geschichtsbewusstseins in Instrumentalschulen seit dem 18. Jahrhundert trägt der dritte Teil („Musikalisches Geschichtsbewusstsein in Instrumentalschulen“) dazu bei, Lücken in der Erforschung der Geschichte des Instrumentalunterrichts zu schließen. Durch die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sich die Entwicklung musikalischen Geschichtsbewusstseins seit dem 18. Jahrhundert in Instrumentalschulen niedergeschlagen hat, werden nicht nur ideengeschichtliche Zusammenhänge aufgedeckt, sondern auch Erkenntnisse über die Entwicklungsgeschichte von Instrumentalschulen und über die Theorie und Geschichte der musikalischen Interpretation gewonnen. Im vierten Teil („Geschichtsbewusstes Lehren und Lernen im Instrumentalunterricht“) erfolgt eine instrumentaldidaktische Konkretisierung der Ergebnisse aus den ersten drei Teilen. Aufgaben, Möglichkeiten, Grundlagen, methodische Prinzipien und Grundsätze einer geschichtsbewussten Instrumentaldidaktik werden erörtert und anhand von Beispielen aus der Praxis veranschaulicht. Grundsätzlich wird dabei nicht von einem normativen, sondern vielmehr von einem modernen, an Verantwortung, Reflexion und Mündigkeit der Lehrenden und Lernenden appellierenden Verständnis von Instrumentaldidaktik ausgegangen (Didaktik als Orientierungshilfe). Als geschichtsbewusst gilt ein Unterricht, der kooperativ und anhand perspektivisch vielfältiger musikalisch-geschichtlicher Quellen die Neugier, Selbstständigkeit, Reflexion, Eigenverantwortung und Imaginationsfähigkeit der Lernenden nutzt und fördert.In this doctoral thesis the historicity of music is analysed as a contemporary challenge for instrumental teaching and learning. The body of work is based on personal teaching experience. Furthermore, a model of historical consciousness concerning music is developed. On one hand, this model provides insight for studying the history of instrumental methods. On the other hand, it provides a basis for outlining a historically conscious instrumental music education. In the first part, the research query is formulated. It consists of a critical examination of the current status of instrumental education. Then the terms " history", " historicity" and "historicity of music" are scrutinized. This is followed by an overview of the status of current research, and also by considerations concerning the historicity of music in relation to instrumental education. The second part presents new findings concerning the concept of historical consciousness as a central category of historical research. In addition, the historical developpement of historical consciousness is drawn from the perspective of cultural studies. Subsequently, a special model of historical consciousness related to music is created. After this, the model is questioned from the scientific perspective of neurological and cognitve research. The role that imagination plays is also deliberated upon. Encompassing the study of historical consciousness in instrumental methods since the eighteenth century, the third part advances ideas to close the gaps in the history of instrumental education. In the examination of how historical consciousness has arisen in instrumental methods since the eighteenth century, not only is the historical background elucidated, but insight into the development of instrumental methods, and the theory and history of musical performance, is also gained. In the fourth part, the results of the three previous parts are applied to instrumental education. Objectives, possibilities, fundamentals and principles of a historically conscious instrumental education are discussed and illustrated with practical and applicable examples. Principally, the considerations and suggestions are based on a modern understanding of instrumental education as it appeals to the responsibility, reflection and autonomy of teachers and students (instruction as an aid to orientation). Instrumental education is regarded as historically conscious if it is cooperative, deals with manifold and perspectively rich musical and historical sources, and uses and encourages the curiosity, independence, reflection, individual responsibility and imagination of the students
Lawrence Weiner: Terminal Boundaries – aspects of the border-theme in the artistic conception and the language-works 1968-2002
Die vorliegende Dissertation untersucht die in den Jahren 1968-2002 erstmals veröffentlichten Spracharbeiten Lawrence Weiners (Band II) sowie seine zahlreichen konzeptionellen Stellungnahmen im Kontext des begleitenden Diskurses (Band I). Die Bezeichnung als „Spracharbeiten“ ist von der Materialangabe „Sprache + die Materialien, auf die sie sich bezieht“, die Weiner seinen Werken in Ausstellungen anfangs zur Seite stellte, abgeleitet. Ausgehend von der Annahme, dass sich über den gesamten betrachteten Zeitraum hinweg ein leitmotivisches künstlerisches Interesse Weiners am Thema der „Grenzen“ aufweisen lässt, werden zunächst diejenigen Arbeiten in den Blick genommen, in denen explizit von „boundaries“ oder „borders“ bzw. „bordering“ die Rede ist. Im weiteren Verlauf löst sich der Fokus jedoch von der sprachlichen Explizierung und es wird gezeigt, dass eine in der Vorstellung vollzogene bedeutungsbildende Umsetzung der Arbeiten in vielen Fällen auch dort Bezüge zu einer sukzessive ausdifferenzierten „Grenzthematik“ erkennbar werden lässt, wo dies sprachlich nicht sofort augenscheinlich ist. Die herausgezeichnete künstlerische Bearbeitung der „Grenzthematik“ wird als symptomatisch für die skulpturale Perspektive, die die untersuchten Arbeiten im Hinblick auf Beziehungswirklichkeiten einnehmen, gedeutet. Angeregt durch Weiners anhaltende konzeptionelle Auseinandersetzung mit dem „Metaphernproblem“, reflektiert die Dissertation den eigenen methodischen Ansatz, indem sie danach fragt, in welcher Weise Bezüge zwischen theoretisch-konzeptioneller Reflexion und künstlerischer Praxis dargestellt werden können, ohne dass die künstlerische Praxis als Illustration erscheint. Indem im künstlerischen Werk Motivstränge nachgezeichnet werden, zielt die Untersuchung außerdem auf eine inhaltsbezogene Ergänzung der bisher vor allem auf linguistische und/oder poetologische Fragestellungen fokussierenden Weiner-Forschung.The dissertation at hand investigates the language-works of Lawrence Weiner (Volume II), first published in the years 1968 to 2002, as well as his numerous conceptual comments in the context of the concomitant discourse (Volume I). The term “Spracharbeiten (language-works)” is derived from Weiner´s comments on the materials “language + the materials referred to”, which accompanied his exhibited works. Based on the assumption that during the entire time period investigated a main motif of Weiner's artistic interest was the topic of „boundaries“, the study initially centres on that part of his work which deals explicitly with „boundaries“ or „borders“. The study proceeds to move the focus away from the linguistic explication to show that in many cases the conception of a contentual realization of the work makes references to a successively elaborated „border theme“ become evident even when this is linguistically not immediately apparent. The outlined artistic concern with “boundaries/borders” is interpreted as being symptomatic of the sculptural perspective which the examined works take on different realities of relationships. Inspired by Weiner's continued conceptual discussion of the „metaphor problem“, the dissertation reflects its own methodical approach by addressing the issue of how relations between the theoretical conceptual reflection and the artistic practice can be described without the artistic practice appearing as an illustration. By tracing the strands of motifs in the artistic work, the study aims at a content-applied complementation of the research on Weiner, which so far focused mainly on linguistic and/or poetological issues