Dokumentenserver der Universität der Künste Berlin
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Die Versuchungen - Donna Haraway, feministische Objektivität und die Frage der Kritik
Das Essay argumentiert, dass Donna Haraways Verhandlung des Objektivitätsproblems einen Weg aus der Sackgasse gegenwärtiger Methodendebatten bietet. In Primate Vision (1989) skizziert Haraway, was sie als Verführungen durch den poststrukturalistischen Skeptizismus einerseits und den wissenschaftlichen Positivismus’ andererseits bezeichnet. Sich diesen Verführungen entziehend tritt Haraway für eine feministische Epistemologie ein. Diese stellt die selbstverständliche Annahme einer naturgegebenen Realität infrage, zielt aber zugleich darauf ab, positives Wissen über die Welt zu erzeugen. Mit dieser feministischen Version von Objektivität schlägt Haraway vor, dass Sorge und Kritik sich nicht wechselseitig ausschließen und dass die Beschreibung der Welt nicht als Befürwortung des Status quo verstanden werden sollte
They Forgot The Stadium. Zur Rolle von Fußballfans im Zuge von Mobilisierungsprozessen sozialer Bewegungen
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit den möglichen Rollen von Fußball-Ultra-Fangruppen in Mobilisierungsprozessen von sozialen Bewegungen. Anhand einer Analyse der Protestbewegungen in Ägypten 2011, der Türkei 2013 und Algerien 2019 im Kontext der Bewegungsforschung, werden u.a. die Faktoren Gewaltbereitschaft in repressiven politischen Systemen und kulturelle Produktionsleistungen (als Ausdrücke der Fankultur) im Allgemeinen als potentiell mobilisierungsfördernd identifiziert. Durch ihre Spontaneität auf der einen und ihre effiziente Organisation auf der anderen Seite können Ultras die kognitive Produktion eines Issues und die Konsens- und Handlungsmobilisierung maßgeblich beeinflussen
Integer-based nomenclature for the ecosystem of lexically repetitive expressions in complete works of William Shakespeare
Repetition of morphological or lexical units is an established technique able to reinforce the impact of one's argument upon the audience. Rhetoric tradition has canonized dozens of repetition-involving schemas as figures of speech. Our article shows a way how hitherto ignored repetition-involving schemata can be identified. It shows that certain classes of repetitive figures can be represented in terms of specific sequences of integer numbers and vice versa, how specific sets of integer numbers can be translated into sets of regexes able to match repetition-involving expressions. A "Shakespeare number" S is simply defined as an integer with at least one repeated digit in which no digit bigger than X can occur if ever a digit X had not yet occurred in S's decimal representation. Hence, 121 is a Shakespeare number, while 123 or 211 are not. A set of "entangled numbers" is subsequently defined as a subset of "Shakespeare numbers" with an additional property that all digits which occur in them are repeated at least twice in the decimal representation of the number. Thus, a 1212 is an entangled number while 1211 is not. A complete set E of entangled numbers of maximal length of 10 digits is subsequently generated and every member of E is translated into a regex. Each regex is subsequently exposed to all utterances in all works of William Shakespeare, allowing us to pinpoint 3367 instances of 172 distinct E-schemata. This nomenclature may allow scholars to lead a discussion about schemata which have escaped the attention of classical interpretators
Gemeinsam Musik schaffen. Instrumentalunterricht als performative Interaktion
Die Arbeit beschreibt Instrumentalunterricht aus Perspektive von Theorien zu Performativität als einen Prozess, in dem Musikkultur konstituiert und transformiert wird. Auf Basis der ethnographischen Methode der videogestützten teilnehmenden Beobachtung erforscht sie Interaktionen zwischen InstrumentalschülerInnen und ihren LehrerInnen. Sie untersucht, wie die AkteurInnen im Unterricht gemeinsam Musik konstituieren und wie sie dabei ihre Art, Musik zu machen sowie Imaginationen, Reflexionen und Gefühle mit ihr zu verbinden, ausbilden und verändern.
Es werden mehrere Aspekte der Konstitution von Musik im Instrumentalunterricht in den Blick genommen: Welche Handlungsweisen greifen ineinander, wenn Menschen Musik konstituieren? Wie verläuft die Kommunikation zwischen SchülerInnen und LehrerInnen? Wie bilden AkteurInnen im Zuge ihre Interaktion Imaginationen, Reflexionen und Gefühle zur Musik im Unterricht aus? Wie knüpfen sie an Musiktraditionen an und führen sie fort? Wie finden sie Assoziationen zur aufgeführten Musik und wie beeinflussen diese im Gegenzug ihr Musizieren? Aus welchen Faktoren der Interaktion ergaben sich Veränderungen und Neuerungen im Musizieren sowie in den Vorstellungen und Überlegungen der AkteurInnen? Wie finden SchülerInnen eine persönliche Herangehensweise an Musik?This dissertation describes instrumental music lessons as a process through which music culture is constituted and transformed. The dissertation is based on theories around the concept of performativity and relies on an ethnographic approach. Supported by videography the interaction between music students and teachers is explored through participant observation. The analysis focuses on how students and teachers jointly constitute music throughout the lesson and their specific ways of making music as well as relating, creating and changing imaginations, reflections and feelings with music.
The dissertation takes into account several aspects of constituting music in instrumental music lessons: Which practices engage when students and teachers constitute music? How do teachers and students communicate with each other? How do students and teachers create imaginations, reflections and feelings throughout the lessons‘ interaction? How do they relate to musical traditions and how do they continue the tradition? How do teachers and students find associations to the music performed and how do these associations influence their way of performing music? Which aspects of the interactions lead to changes and alterations in the students‘ and teachers‘ ways of playing as well as their ways of envisioning and thinking about music? How do students find their personal approach to music
Ränder des Urbanen. Zur Politik des städtischen Raums bei Michel de Certeau und Bruno Latour
Michel de Certeau und Bruno Latour problematiseren in Kunst des Handelns (1980) und Paris ville invisible (1998) jeweils den Topos des Überschauens einer großen Stadt, der seit der Neuzeit für den Raumbezug und das Weltverhältnis charakteristisch ist. Beide Autoren setzen dem Prinzip des Panoramas und seinem Anspruch der Kontrolle eine Auffassung von Praktiken im Raum entgegen, die sich der vollständigen Übersicht entziehen, und werfen die Frage nach der epistemischen und politischen Dimension von peripherer Sichtbarkeit auf. De Certeau betont das subversive Potenzial alltäglicher Praktiken der Aneignung und Umwidmung und die Rolle marginalisierter Akteurinnen. Latour behandelt das Verhältnis vom Ganzen und seinen Teilen und kritisiert die Illusion, vom Großen auf das Kleine zu schließen, als gäbe es ein Kontinuum. Stattdessen fordert er durch die Praxis der Montage von Fotografien und Text dazu auf, das Urbane von seinen Rändern aus zu denken, Übergänge, Umbrüche und Austauschverhältnisse zwischen den materiellen und symbolischen Dimensionen der Stadt nachzuverfolgen und die Schaltstellen zu untersuchen, an denen Neues produziert und dadurch Wissen generiert wird.
Beide Autoren verweisen auf Zwischenräume und Randzonen der Sichtbarkeit und des Wissens. Sie kennzeichnen sich dadurch, dass sie dem noch nicht Sichtbaren, dem noch Ungewissen Raum gewähren – aus dem sich die Stadt genauso zusammensetzt wie aus den eindeutig repräsentierbaren, identifizierbaren, kontrollierbaren Entitäten. Eine Geschichte der sichtbaren Stadt muss deshalb um eine Geschichte dessen erweitert werden, was sich noch an den Rändern der Repräsentation und des Wissens befindet
Archestrated Rhythmachine Komplexities
Rhythmusmaschinen mit Beat-Bezeichnungen wie »Latin«, »Afro« oder
»Traditional« sind Displays des »Black Atlantic« – sie sind wie
post-koloniale Atlanten, die auch die traumatischen Routen der Versklavung sowie die transnationalen Beat-Präsenzen sammeln // Im 17. und 18.Jahrhundert waren am Hof des chinesischen Kaisers Musikdosen sehr beliebt. Sie wurden zu einem wichtigen Element der Missionspolitik und der westlichen Diplomatie. Apropos ›Shanzai‹: die ersten Musikdosen-›Faker‹ waren Schweizer Jesuiten. // »Latin Rhythms« sind auch eine Erfindung
japanischer Elektronik-Ingenieure in den 60er-Jahren. // »Drum Machines have no soul!« – druckt John Wood in Kalifornien auf einen Sticker, um damit gegen die von ihm befürchtete »Dehumanization of American Music« zu
wettern. // Die Geschichte technischer Automaten ist eine Geschichte der faszinierten Angst. Angst vor der menschlichen/männlichen Ersetzbarkeit
Das Materialismus-Apriori - Vom Wissen des Materials in Alain Resnais´ "Toute la mémoire du monde"
Der Beitrag nimmt seinen Ausgang von einem filmischen Essay Alain Resnais’ über die Bibliothèque Nationale de France. Dabei zeigt der Film Toute la mémoire du monde, den Resnais 1956 mit seinem Assistenten Chris Marker drehte, die Bibliothek nicht nur als Bewahrerin von Wissen, sondern vor allem als deren Produzentin und Medium: als epistemische Wunderkammer. Während der postsurrealistische Film in der Materialität eines Wissens schwelgt, macht der Beitrag darauf aufmerksam, dass Wissen in dieser Inszenierung nicht nur verwahrt, sondern auch produziert wird – dass die Materialität des Wissens hier eine eigene Stimme und agency erhält, die Einspruch gegen einen immateriell und geistig verfassten Begriff des Wissens erhebt. Mit den Kellern und Depots, den Lagern und Werkstätten der Bibliothek wird nicht nur eine »Heterotopie der Zeit« (Foucault) ins Bild gesetzt, der Film betreibt selbst eine dead media archaeology, die die Schätze der Bibliothek nicht als abgeschlossene Einheiten des Wissens zeigt, sondern als gemachte und produzierte
Analysis of Giovan Battista Bellaso’s Cipher Challenges of 1555
This is an Accepted Manuscript of an article published by Taylor & Francis in Cryptologia on 12 Feb 2018.
Abstract:
In his book ‘Noui et singolari modi di cifrare’, Giovan Battista Bellaso presents to his readers three challenge ciphertexts. Two of them are based on a polyalphabetic cipher with a mixed primary reciprocal alphabet and a long key, whereas the third one uses four independent homophonic substitution alphabets which change after each word. A successful approach to solving these ciphers, to which Bellaso gave the name ‘terzo modo’ and ‘quarto modo’, performs a simulated annealing attack directly on the primary alphabet respectively the four homophonic alphabets at once. This paper focusses on the various applied fitness functions. The solutions for the ciphertexts are given and finally discussed, with a view toward the possibility of a hidden message within the plaintexts