Dokumentenserver der Universität der Künste Berlin
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Der Stoff, aus dem Entwürfe sind. Das Architekturmodell als Spielzeug und Laborinstrument?
Im Bereich des architektonischen Entwerfens kam Materialien bzw. Artefakten im 20. Jahrhundert eine besonders gewichtige Rolle zu. Anhand zweier konkreter Beispiele wird im Beitrag gezeigt, auf welche Weise speziell das Modell als Artefakt sowie das Modellieren als Praxis entsprechende Entwurfsprozesse prägte. Das Entwerfen am und mit dem Modell vereinte dabei zwei epistemische Potentiale, die, so die These, in diesem produktiven Zusammenspiel nur dem Umgang mit dem Materiellen zukommen: einerseits das des Forschens, andererseits das des Spiels
"Was eigentlich interessiert, scheint immer gerade neben oder hinter dem Gezeigten zu liegen." Ausgestelle Un/Sichtbarkeiten der Fotografie
Der Beitrag knüpft bei neueren bildtheoretischen und ästhetischen Erkenntnissen zum Verhältnis von Sehen und Wissen an, um einige Aspekte der Neubefragung desselben im Feld der jüngeren Kunst(geschichte) zu rekapitulieren. Gegenstand der Überlegungen ist die postkonzeptuelle Kunst mit Fotografie, in der sich die Diskurse um das Bildwissen und Fragen der Un/Sichtbarkeit begegnen. Diskutiert werden insbesondere die Fotoprojekte von Christopher Williams, da sie exemplarisch zeigen, wie modernistische Paradigmen des Sehens und des Wissens – etwa die Ideen der Medienspezifik und der Optikalität – überwunden und zugleich als überwundene ausgestellt werden. Gerade weil die Fotografie als Medium scheinbar auf Sichtbarkeit verpflichtet ist, vermag die gesteigerte Sichtbarkeit bei Williams zu irritieren und auf Un/Sichtbarkeitsstrukturen aufmerksam zu machen. Dabei verläuft zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit keine Grenze; vielmehr eröffnet sich dort das Feld peripherer Visionen
James Hoffs "Virus Paintings". "Play to the powers that be, their own melody..."
„Play to the powers that be, their own melody. . .” untersucht den technischen und künstlerischen Prozess hinter den Virus Paintings James Hoffs als Oszillieren zwischen negativer und positiver Rückkopplung:
zwischen Rauschen und Regeln, Kontrolle und Kontrollverlust. Hoffs Position ist dabei die eines Maxwellschen Dämons, der innerhalb einer Feedbackschlaufe Prozesse überwacht und bemisst, induziert und unterbricht. Jenseits von Symbolik oder Metaphorik generiert sich das künstlerische und politische Potential der Arbeiten aus einer subversiven formalen Spekulation: Was wird sichtbar, wenn kontingente symbolische Operationen auf der Ebene des Codes auf das Imaginäre der Bildproduktion
durchschlagen und unvorhergesehene (aber keineswegs zufällige) ästhetische Effekte im Sichtbaren zeitigen
Ohne Gewähr. Das (nicht-)Wissen der Kunst und das Potenzial des Unvorwegnehmbaren
Während in unsere Gesellschaft das Bild von einer Welt ohne Zukunft heraufbeschworen wird, vermitteln computerbasierte Prognosen und spekulative Szenarien in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik den Anschein zu wissen, wie unsere möglichen Zukünfte aussehen könnten. Doch unsere Zukunft wird durch ein angebliches Wissen über künftige Realitäten eher verstellt und nicht mehr als Möglichkeitsraum wahrnehmbar. Statt einer Festlegung der Zukunft in Szenarien-Planungen, verfolgen eine Reihe von Künstler*innen der Gegenwart in ihren spekulativen Annährungen an die
Zukunft nahezu gegenteilige Strategien. Ihre zeitgenössische Ästhetik des Spekulativen ist, wie anhand der Werke von Neïl Beloufa, Tyler Coburn und Basim Magdy beispielhaft gezeigt wird, weniger auf eine präzise Abschätzung möglicher Zukünfte als auf eine Befragung der aktuellen Gegenwart gerichtet. Anknüpfend hieran diskutiert der Aufsatz eine mögliche Öffnung der Zukunft durch Nichtwissen, Unbestimmtheit und die Erinnerung an das eigene Vermögen und zeigt, wie die Kunst der Gegenwart
gerade durch das ästhetische Spiel mit Dunkelheiten und Leerstellen Potenzial für das Unvorwegnehmbare schafft
Glas, Glanz, Gleißen. Randbemerkung zur Fotografie
Ausgehend von der Beschreibung des Paradigmas der Sichtbarkeit für Fotografien werden in diesem Text bildimmanente Zwischenbereiche zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit untersucht, wobei diese bewusst als Ränder sowie Möglichkeitsräume und nicht als Grenzen oder Rahmungen aufgefasst werden. Anhand von Analysen vier konkreter Fotografien werden unterschiedliche Aspekte und Potenziale dieser Randphänomene diskutiert
Preenacting speculations. Zur theatralen Inszenierung und Erprobung von möglichen Zukünften im Rahmen von Preenactments bei Interrobang
Das Preenactment ist ein Format des künstlerischen Spekulierens über mögliche Zukünfte in Theater und Performances und verspricht in Anlehnung an das an die Vergangenheit anknüpfende Reenactment den Vollzug einer noch nicht eingetroffenen Zukunft. Die Zukunftsentwürfe und Utopien der Künstler*innen bilden dabei ein Spannungsfeld zu einer performativen – also vollziehenden – Darstellungsweise im Theater, die die Ästhetik zahlreicher zeitgenössischer Theatermacher_innen bestimmt. Dieses
Spannungsfeld zeigt sich als Herausforderung vor allem in der Erarbeitung der Darstellung in den Proben. Im Beitrag wird die Preenactment-Reihe der Performancetheatergruppe Interrobang und insbesondere der Probenprozess zu Interrobangs letzten Preenactment Preenacting Europe in den Blick
genommen, um den künstlerischen Umgang mit Utopien und Spekulationen und deren Materialisierung auf der Bühne zu betrachten
Das Werden der Kunst
Für Ludger Schwarte ist der spekulative Zukunftsbezug eine bisher von der ästhetischen Theorie vernachlässigte Bestimmung von Kunst. Kunst beziehe ihre Bedeutung nicht aus einem reflexiven Verhältnis zur Gegenwart,sondern aus einer Suspension der Zeitgenossenschaft. Die künstlerische Praxis besteht in einem Bruch mit dem Gegebenen. Deshalb befindet sich, was als Kunst gilt, im Werden. Weil Kunst im Werden besteht, gehört die
Spekulation zu ihrem Wesen. Sie ist eine Wette auf die Zukunft. Nicht „Was ist Kunst?“, sondern „Wie wird sie?“ sei daher als leitende kunstphilosophische Frage zu identifizieren. Die philosophische Ästhetik muss, insofern Kunst ein diskontinuierliches, ereignishaftes Werden ist,
selbst spekulativ verfahren. Sie kann nicht von vorliegenden Werken ausgehen, sie muss die Bedingungen des bisherigen und künftigen „Werdens von Kunst“ freilegen
Eine andere Art von Schönheit - Ausgesetztsein als Aspekt künstlerischer Praxis
This essay engages with an idea that has been sidelined in both anthropology and art, as well as the anthropology of art: beauty. In dialogue with the work of sculptor Douglas White and Gregory Bateson’s anthropological notion of grace in art, I develop a speculative account that tries to find a way past a beauty petrified within aesthetic discourse to bring out the life beauty still has within the everyday as the ability of something, someone, to stop us in our tracks; a small tear in the fabric of ordinary life. I draw on fieldwork and conversations with Douglas White, a London-based artist with whom I worked as an assistant for six months during my current research. In particular, this essay follows the making one work of art, Counsel exhibited in 2007.
The story of Counsel falls in two parts; the first tells of Douglas White’s encounter with a pair of burnt-out recycling bins on the streets of South London and the effort he made to acquire them, to bring them into his studio and practice. My interest is in understanding this sense of value in terms of White’s practice, in its perceptual, embodied and epistemological dimensions, in dialogue with the work of the anthropologist Gregory Bateson. The second half follows these bins journey to the ‘white cube’ of the gallery (O’Doherty 1999) and their domestication within a stable discursive frame that makes good sense of these objects as art. Beauty, in this context of exchange, is what escapes this domestication within interpretative discourse of contemporary art world.
The making of ‘Counsel’ as a work of art implicates Doug’s skill as an artist; in the developed, intuitive, perceptual ability to shape and play with the qualities of form within the social expectation and value creation system of the art world (and his own position within it). The framing of the encounter by the conventions of the gallery – its architecture and the attitude of the gallery-goer – are integral to constructing these bins as a work of art; as objects to puzzled over and made sense of within the tradition of art. In the critical terms, my account runs the danger of ‘fetishizing’ the object of art, the focus on its ‘beauty’ occluding its conditions of possibility within the social and institutional framing of contemporary art in London. Nevertheless, the concern in this essay is with a certain irreducible remainder to this sociological analysis, a certain force of a thing (whether labelled a work of art or not) – what I hesitantly call its beauty - that cannot be fully explicated within either the logic of interpretation that characterises the art world or the over-arching social structures that determine taste. It is a force that resists these bins’ interpretation (and commodification) as art, which, paradoxically, makes them work as objects of art
Digital education: ”education-with” / ”education-about” distinction and the teleological definition
Despite being an object of multi-billion public policies and private sector initiatives, the term ”digital education” seems to lack a clear, unambigous, lexicon-ready definition. A closer analysis reveals that in common parlance, the term is used to denote phenomena related to overlapping but distinct topics like ”technology”, ”media” or ”informatics”. Such polysemy implies an overall lack of
clarity which a public debate about education policies should rather avoid. For this reason, we propose to start sorting things out by defining the term ”digital education” in terms of dichotomy of two subordinated concepts, which we label as ”education-about-digital” and ”education-with-digital”. Postulation of this dichotomy combined with analysis of "school's mission" as defined in the legal codices of Land Berlin naturally leads to ”teleological definition” which delimits the concept of digital education in terms of its ideal human result
Wissen, Materialität, Sorge: "Into the Chthulucene II"
Der Text versucht Wissen als etwas zu denken, das antwortet auf ein Zerbrochensein, das nicht nur die Gefüge des Kolonialismus und des sogenannten Anthropozän heimsucht. Dabei bezieht er sich auf dekoloniale, queer-feministische und neomaterialistische Theorien, die er in Verbindung bringt mit der nichtdeutenden Psychoanalyse D.W. Winnicotts und den spekulativen Fabulationen Donna Haraways über ein Zeitalter der sterblichen Critter, des Chthulucene