Dokumentenserver der Universität der Künste Berlin
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Irgendwann nie modern gewesen sein - Zur Zeitstruktur situierten Wissens
Ausgehend von einem Bericht aus dem 18. Jahrhundert über indigene Heilverfahren der Chiquitos fragt der Beitrag nach einer adäquaten Haltung gegenüber zunächst fremden Wissenspraktiken, ohne in eine koloniale Geste zu verfallen, und weiter: Welche narrativen Strategien und Tricks gilt es zu kultivieren, um Praktiken, die innerhalb einer modernen Epistemologie keinen Platz haben, zu beschreiben, ohne sie zu disqualifizieren? Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie, Donna Haraways Plädoyer für partiale Perspektiven und Isabelle Stengers’ Ökologie der Praktiken bieten Anknüpfungspunkte, um gegen die Trennung von Natur und Kultur in der Geschichte der Moderne zu argumentieren. Vor diesem Hintergrund könne begonnen werden, dekoloniale Gegenerzählungen ernst zu nehmen und das moderne Paradigma zu »zermürben«
Parallele Wissensproduktionen - Statement zu einem möglichen Kulturschaffen
In dem Text Parallele Wissensproduktionen.Statement zu einem möglichen Kulturschaffen spricht die Autorin Yvette Mutumba über ihre Praxis als Kunsthistorikerin, Kuratorin und Chefredakteurin, mit welcher sie versucht Methoden anzuwenden, die marginalisierte und zugleich komplexe (Kunst-)Geschichten in einer zugänglichen Weise bearbeiten und vermitteln. Ziel ist hierbei, parallele Narrationen innerhalb eines kulturellen Diskurses und Kunstkanons zu schaffen. Mutumba erläutert dies im Text anhand von ausgewählten Beispielen: die drei Ausstellungen „Ware und Wissen – or the stories you woulnd’t tell a stranger“, „El Hadji Sy: Painting, Performance, Politics“ und „A Labour of Love“, die as Kustodin am Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main ko-kuratierte
Anmerkungen zum epistemischen Ungehorsam - Oder: Verwirrung des Verstrickten und Beunruhigung der Besorgten - Fallstudie Savvy Contemporar
Der zweiteilige Text besteht aus einem Statement von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zu Konzeption und Arbeit des von ihm mitbegründeten Projektraum SAVVY Contemporary: The Laboratory of Form-Ideas und einem Gespräch zwischen ihm und Barbara Gronau über Strategien des epistemischen Ungehorsams. Das Statement ist die ins Deutsche übertragene Version des Vortrags von Bonaventure Ndikung auf der Tagung Wessen Wissen? (Universität der Künste Berlin, Juli 2016). Es erläutert das Selbstverständnis, Ansatzpunkte und Ziele der Arbeit im Projektraum. Dessen thematische Schwerpunkte sind transdisziplinäre künstlerische Ansätze, welche einen Dialog zwischen der »westlichen« und »nicht-westlichen« Kunstproduktion befördern. SAVVY etablierte sich in der Berliner Kunstlandschaft durch seine vielfältigen Veranstaltungsformate und sein dezidiert post- koloniales Programm, das für Berlin eine Neuheit darstellte
Engaging with e-static textiles: An investigation into textile interaction design for shaping body-driven energy harvesting in the interior
Within the application context of interior spaces, this thesis investigates the emerging area of body-driven energy harvesting technologies from the perspective of human computer interaction (HCI) design. Upcoming innovations in new materials and low-power devices have enabled the conversion of body movements such as steps and arm movements into electrical energy for powering small computational things. Everyday interior spaces such as public buildings or homes can be fitted with new materials that harness human kinetic energy to produce electrical energy. Recent developments in the area of engineering and materials science aim to make these technologies more efficient. However, research about the implications of implementing them in the everyday from the perspective of the experiences and interactions of the people adopting these technologies is highly under-explored. In order to examine this design space, this research proposes to identify emerging concerns and challenges brought by everyday engagement with electricity production that need to be addressed through an interaction design inquiry.
To investigate the above proposition, a design program situated between the field of human computer interaction research and the practice of e-textile design is formulated with the aim to
investigate, at the scale of the interior, how static electricity can bring new perspectives and possibilities for ways of engaging with e-textiles, and designing interactions for energy harvesting with textiles.
The research sets up four research studies to systematically explore the design program. These research studies focus on four questions of how static electricity shapes e-textiles, how electrostatic textiles shape e-textile interactions, how e-static interactions shape everyday behaviours and how e-static studies shape energy interpretations. By developing a working knowledge of textile-based triboelectric generators, various body-generated electricity systems of different scales are envisioned. In the process of making, discovering and exploring different textile systems, questions regarding human interactions, material behaviours and the role of electricity in the everyday are discussed.
This thesis contributes to the practice of e-textiles by creating the foundational knowledge of using static electricity as a resource in e-textile design and development without needing specialised materials. Furthermore, it contributes to the field of human computer interaction research by further developing the topic of energy harvesting as a research area of interaction design. The thesis identifies two key areas for addressing challenges presented by body-driven energy harvesting with HCI which include considering accumulation of interactions over time and incorporating the electric properties of the body in interaction.
Additionally, practical outcomes of this research include:
1) www.estatictextiles.cc- An online handbook for learning about and working with static electricity and e-textiles which includes tutorials and examples from the research process.
And 2) E-static textiles prototyping board- A prototyping board developed for easy integration of static electricity and textiles to be used as an educational tool for designing and prototyping electrostatic energy-related interactions
Andere Körper- Von der Verkörperungslogik des Korrelationismus zur spekulativen Ästhetik
Der Aufsatz greift aus jüngeren Debatten die Frage nach einer
‚spekulativen Ästhetik‘ auf, die sich zur Frage nach der Möglichkeit einer nichtmenschlichen Aisthesis konkretisiert: Wie lässt sich eine Aisthesis denken, die nicht von der Korrelation des Menschen zur Welt her bestimmt ist? Er beginnt mit einer Metakritik der einflussreichen Korrelationismuskritik von Quentin Meillassoux. Deren Beschränktheit liegt im Operieren mit einem streng dualistischen Begriffsapparat von Denken und Sein, das einen verkörperungstheoretischen Kern des Korrelationismus
übersieht, wie er in der Folge bei Kant rekonstruiert wird. Vor diesem Hintergrund wird in Anlehnung an Katherine Hayles und Vilém Flusser für ein Konzept der ‚spekulativen Ästhetik‘ argumentiert, das Modelle einer nichtmenschlichen Welterfahrung entwirft, indem es andere Körper bzw.
andere Körper-Umwelt-Verschränkungen imaginiert
Ästhetiken dekolonialer Entgrenzung und postindigener survivance bei Maria Thereza Alves und die Suche nach den Möglichkeiten dekolonialisierender Begegnung mit Kunst
Maria Thereza Alves entwickelt seit den 80er Jahren ein künstlerisches Oeuvre, in dem Fragen und Möglichkeiten zeitgenössischer indigener Identität(en) in neo-/post-kolonialen Gesellschaften von zentraler Bedeutung sind. Dabei erforscht und erprobt sie Räume produktiver Selbstrepräsentation und verweist auf repressive, neokoloniale Mechanismen und Politiken von Fremdwahrnehmung und -bestimmung.
Ihre Projekte, die aus der Beobachtung und Erforschung der Geschichte(n) ihres direkten Arbeits- und Lebensumfeldes heraus entstehen, greifen immer die lokalen (historischen, sozialen, ökologischen etc.) Gegebenheiten, Notwendigkeiten und/oder Bedürfnisse des jeweiligen Umfelds auf. Die dialogischen Beziehungen, die Alves mit/in ihrer Umgebung führt, bilden die Grundlagen, aus denen Inhalt und Form ihrer Arbeiten erwächst und sich durch die Zeit entwickelt. In meinem Forschungsprojekt möchte ich herausarbeiten, mit welchen Mitteln und künstlerischen Strategien Alves über Jahrzehnte hinweg die Welt in ihrem kolonialen Geworden-Sein zum Thema ihrer Arbeiten macht und damit die durch Kolonisierung unterdrückte(n) und zum Schweigen gebrachten Geschichte(n) als stories of survivance in das Feld der Kunst einführt.
Als indigen-brasilianische Künstlerin – wobei Alves „Indigen-Sein“ oder Indigenität als Topos weder strategisch (miß-)braucht noch für ihre Arbeiten instrumentalisiert – , die in New York aufgewachsen ist, benutzt Alves ihre Stimme auch als Übersetzerin an der post-kolonialen Bruchstelle Wir–Ihr. Sie bietet ihren Standort als international verankerte Künstlerin unterdrückten Gemeinschaften (We) an, um in kreativer Zusammenarbeit Fragen und Möglichkeiten in das post-koloniale Außen provozieren zu können; und sie schafft nach Außen (You) Bewußtsein für Sicht- und Diskursschranken. So kann man das von Alves in einer frühen Ausstellung in großen Lettern an die Wand geschriebene „Deconstruct your construct of my construct“ als Beunruhigung des Verhältnisses Künstler*in–Zuschauer*in lesen. Das Dekonstruieren der/s Anderen als durch Kolonialität Gewordene/r steht in einer aktiven und historisch entstandenen Zeitgenossenschaft zum Ich als Schauender/m. Kunst anschauen und begreifen bindet die zwei Seiten der Kolonialität unablässig und immer wieder neu aneinander.
Folglich spielen westliche und nicht-westliche Identitätspolitiken/-konstruktionen bei der Dekonstruktion von Alves’ Arbeiten eine grundlegende Rolle, ohne daß Alves diese in westlich geprägten Binaritäten (Natur/Kultur, Kunst/Politik, Kunst/Leben etc.) auflöst oder formalästhetisch an westliche Klassifizierungsgewohnheiten adaptiert. Vielmehr entstehen, wie in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden soll, mit und durch ihre Projekte/Prozesse/Geschichten Denk- und Handlungsräume, die allzu naheliegenden Formen der Zuschreibung ausweichen und die uns gerade deswegen auffordern und herausfordern über euroamerikanische Wissenschaftspraktiken und ihre gewaltvollen Methoden zu Wissen nachzudenken. Alves’ Projekte können in dieser Weise dekolonial/dekolonialisierend für eine andere Kunstgeschichte und Kunstgeschichten-Schreibung produktiv gemacht werden.Since the nineteen-eighties, Maria Thereza Alves has developed an artistic body of work in which questions and possibilities of contemporary indigenous identities within neo/postcolonial societies have been of central importance. Alves’s work has explored and tested spaces of productive self-representation to point toward repressive, neocolonial mechanisms and politics of perceiving and determining otherness.
Developing directly out of observation and exploration of (his)stories from her personal life and work, her projects take up the local (historical, social, ecological, etc.) conditions, necessities, and/or needs of each respective context. The dialogical relations that Alves realizes with her surroundings (her environment as the world around her) create the foundation out of which her work’s form and content grow and develop. In my research project, I am focussing on the means and artistic strategies that Alves has developed for decades to present the world in its colonial having become and being violently constructed. At the same time I work alongside Alves’ artistic methods to trouble with art historian narratives and its violent methodologies and enable other modes of writing histories of art
Appointed - Eingeleitet von Kathrin Busch
Die bildende Künstlerin Katja Eydel analysiert in ihrer hier vorgestellten Arbeit Bildpraktiken von Kunstinstitutionen, die diese für digitale Vertriebswege (newsletter, online-Archive etc.) einsetzen. Aus ihrer Sammlung digital zirkulierender Bilder destillierte Eydel dominante Motive und sich wiederholende Bildstrukturen heraus. Insbesondere die Fokussierung auf Personen und die damit einhergehende Häufung klassischer Porträts und szenischer Abbildungen von Personengruppen bearbeitet die Künstlerin in ihrer Rauminstallation. Durch Ausschnitte, Vergrößerungen und Freistellungen der digitalen Bilder legt sie die verwendeten Bildformeln frei und zeigt die Diskrepanzen zwischen dem oftmals kritisch-subversiven Selbstverständnis der Kunstinstitutionen und den mit hegemonialen Bildstrategien operierenden Inszenierungen
Baukasten einer Mediengeschichte des Tonstudios
Während es für visuelle Künste zahlreiche Konzepte gibt, das Studio beschreibbar zu machen, lassen sich diese nicht einfach auf das Akustische übertragen. Das Tonstudio und seine Techniken bewegen sich in einem Spannungsfeld kontinuierlich verändernder Praktiken des Hörens, Musizierens und Wahrnehmens, die nur als dialektisches Verhältnis beschreibbar werden. Ausgehend von theoretischen Ansätzen aus u.a. den STS zum (künstlerischen) Laboratorium, denen zur Medienarchäologie oder auch zur Kulturtechnikforschung stellt der Beitrag in neun Paragraphen und drei Beispielen Ansätze zur Diskussion, die Geschichte des Tonstudios zu erforschen
Sprechendes Denken: Selbstgespräche als Experimentalsystem
Denken ist immer vermittelt, ja ist Vermittlung von Gegenstand und Reflexion selbst. Die Arbeit ist Darstellung und Durchführung dieser Dialektik in der schriftlichen Reflexion ihres Gegenstands, dem »sprechenden Denken«. Wie lässt sich das (Selbst-)Gespräch als Mittel der Erkenntnis begreifen? Wie ist eine experimentelle Kulturwissenschaft am Begriff des Experimentalsystems zu entwickeln? In welchem Zusammenhang müssen Schreiben und Sprechen als je eigene aber wechselseitig vermittelte Formen der Darstellung und Durchführung von Wissenschaft verstanden werden? Das »Sprechende Denken« ist dabei konkreter Versuch einer experimentellen Kulturwissenschaft und Dokumentation der Durchführung des gesprochenen Experiments