Dokumentenserver der Universität der Künste Berlin
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Komplementarität. Modelle in spekulativen Dialogen
Dieser Beitrag befragt den Themenkomplex der ästhetischen Spekulation am Beispiel des Modellierens. Hierunter wird ein dialogischer dynamischer Prozess verstanden, bei dem die Modellierenden im Sinne von Ernst Gombrichs Begriff des "beholder’s share" durch Mängel und Lücken im Modell zu Überlegungen angeregt werden, die ohne die ästhetische Konkretisierung so nicht entstehen könnten. An Beispielen wird gezeigt, dass durch diese Form der ästhetischen Spekulation der Medialität und der Materialität der jeweils gewählten oder hergestellten Modelle eine prägende Rolle zukommt, deren Auswirkungen sich in der Wissenschafts-, der Kunst- und der Architekturgeschichte nachweisen lassen. Insofern Modelle Bernd Mahr zufolge in theoretischer bzw. konzeptueller Hinsicht ›befragbar‹ sind, eröffnet der hier hergestellte Zusammenhang zwischen ästhetischer Spekulation und Modelltheorie die Möglichkeit, die Theoriefähigkeit des Materiellen präziser zu untersuchen und begrifflich neu zu erschließen
Deep Unlearning (I)
In dem Beitrag stellen die zwischen Design und Kunst verorteten Gestalter Sascha Pohflepp und Chris Woebken in Wort und Bild ihr gleichnamiges Projekt vor, das sich der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine aus einer neuen Perspektive annähert: Nicht die Anpassung künstlerischer Intelligenz an das menschliche Denken ist hier Gegenstand der Spekulation, sondern die Herausforderung, die es für den Menschen darstellt, sich auf das Denken der Maschine einzulassen. Möglich ist das ihrem Vorschlag nach mittels einer spielerischen Distanzierung von menschlichen Denkmustern im Sinne eines Verlernens
Coreographische Koordinaten. Zero Dark Thirty und United 93 zwischen Sehen, Hören und Wissen
Die Krise der Repräsentation terroristischer Bedrohung äußert sich in den Filmen Zero Dark Thirty (R: Kathryn Bigelow, USA 2012) und United 93 (R: Paul Greengrass, F/USA/UK 2006) über diverse (Un-)Sichtbarkeiten. Was sich auf bildlicher Ebene durch Apparaturen und Räume visueller Kontrolle entzieht – und das ist die visuelle Kontrolle selbst – wird erst kraft des imaginären Potentials dessen, was die Zuschauenden durch akustische Kanäle erreicht, evident. In ihren affektiven Dimensionen stellen beide Filme so den Randbereich des Sicht- und Hörbaren heraus und lassen das Zuschauen zu einer sinnlichen Erfahrung des zeitgleichen Wissens und Unwissens werden. Dies ist es, was das zeitgenössische Krisenkino maßgeblich ausmacht: eine Komposition aus multipler Bildschirmästhetik und Polyphonie, die Körper und leibliche Erfahrung im Zentrum ihrer raumzeitlichen Matrix positioniert
To Jupiter and beyond. Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" - Eine Fiktion ausserhalb der Wissenschaft
Der Aufsatz widmet sich dem Versuch des französischen Philosophen Quentin Meillassoux, die narrative Überschreitung der Grenzen der experimentell zugänglichen Welt innerhalb der Science-Fiction zu systematisieren und fragt, wie ernst dessen Konzept der Extro-Science-Fiction die ästhetische Verfasstheit dieser Spekulationen nimmt. Anhand von Stanley Kubricks 2001:
A Space Odyssey wird gegen die gängige Reduktion fiktionaler Narrative auf die Funktion von Gedankenexperimenten argumentiert, dass Film und Literatur den Rahmen des Vorstellbaren und Möglichen nicht im narrativen Weltentwurf, sondern im ästhetischen Überschuss zu sprengen vermögen
Simone Dede Ayivi im Gespräch mit Ina Driemel - Über Veränderung, Ignoranz und Prozesse des Verlernens im Theater
Im Gespräch erläutert die Theatermacherin und Aktivistin Simone Dede Ayivi ihre Theaterpraxis, die ihre eigene Position als Schwarze Frau zum Ausgangspunkt nimmt, um Mechanismen des Theaters, Fragen Schwarzer (Selbst-)Repräsentation oder Rassismuserfahrungen zu thematisieren. Ayivi beschreibt, wie sich ihre Arbeitsweise im Lauf der Zeit verändert hat, ebenso wie die Zusammensetzung des Publikums, deren Wissen und Erwartungshaltungen. Wer mit welchem Wissen in welcher Position adressiert wird und agiert, ist ein zentrales Thema des Gesprächs. Außerdem wird darauf eingegangen, auf welche Weise Ayivi mit Jugendlichen der akademie der autodidakten zusammenarbeitet und in welcher Position sie sich dabei befindet
Let´s get anti-intellectual -Materialität und Künste
Der einleitende Texte gibt einen Überblick über aktuelle theoretische Tendenzen, Materialität zu erforschen. Dabei stehen besonders solche Ansätze im Mittelpunkt, die das Verhältnis zur Kunst, vor allem in ihren jeweiligen Produktionskontexten, ästhetisch-gestalterischen Prozessen und Praktiken sowie ihren Wissenspotenzialen verhandeln. Materialität wird in der Folge als epistemischer Operator vorgeschlagen, dessen verschiedenartige Wirkungsweisen im Feld der Künste es im Rahmen des Sammelbandes interdisziplinär zu diskutieren gilt. Abschließend folgt eine überblickende Zusammenfassung der einzelnen Beiträge
Philip Scheffner im Gespräch mit Kathrin Peters - Auf Augenhöhe arbeiten
Ausgangspunkt des Gesprächs mit dem Dokumentarfilmer Philip Scheffner sind dessen Projekte Revision (2012) und And-Ek Ghes … (2016). Während der erste Film die Umstände der Erschießung von zwei rumänischen Migranten bei einem nächtlichen illegalen Übertritt der deutsch-polnischen Grenze im Jahr 1992 rekonstruiert, gibt der zweite Film dem Sohn eines des Getöteten, der 2016 nach Deutschland übersiedelt, die Kamera in die Hand. Im Gespräch geht es um das Verhältnis von Wissen und Nicht-Wissen und wie dieses in der Film- und Schreibarbeit gemeinsam mit Merle Kröger in den verschiedenen Projekten produktiv gemacht wird. Außerdem geht es um die Frage der Positioniertheit – die Blick- und Machtposition –, die Regisseur und Protoganost_innen jeweils zukommt. Filmästhetisch und filmpolitisch ist es zentral, diese Positionierungen sowohl herauszuarbeiten, also nicht zu verschleiern, als auch immer wieder Augenhöhe herzustellen: Wessen Bilder werden gezeigt, wessen Geschichten werden erzählt, wer bekommt was wie zu sehen und zu hören
Einleitung. Periphere Visionen, Wissen und die Denkfigur des Randes
Der Einleitungstext des Sammelbandes stellt verschiedene Positionen in der Bestimmung des Verhältnisses von Sehen und Wissen vor, wobei der Frage nach der Rolle der Medien zentrale Bedeutung zukommt. Die Autor_innen erläutern, warum den Medien Fotografie und Film ein besonderes Potenzial der Erkenntnisgewinnung zugeschrieben wird und sich folglich im Sammelband die Untersuchungen auf diese beiden Medien konzentrieren. Der Band verfolgt die Hypothese, dass insbesondere die Zonen der Ungewissheit im Verhältnis von Sehen und Wissen produktiv sind, die die Autor_innen nicht als Grenzen (in der Breite des Bedeutungsspektrums) verstanden wissen wollen, sondern als Ränder im Sinne von beweglichen Zonen oder unsauberen Zwischenzuständen
UdK 2030 Zweiter Zukunftstag
Die Publikation dokumentiert den Zukunftstag UdK 2030, der am 01. November 2019 in der Hochschule stattfand. In Vorträgen, Workshops und künstlerischen Interventionen wurde sich mit Anforderungen, Fragestellungen und Visionen zur Entwicklung der UdK Berlin auseinandergesetzt
Das Wissen der Spaltung - Über die symbolischen Bedingungen des künstlerischen Wissens
Wie lässt sich die Komplementarität von wissenschaftlichem und künstlerischem Wissen verstehen? Draxler nähert sich dieser Ausgangsfrage über den Umweg der Problematisierung neuerer Positionen zu Materialismus, Realismus oder auch Animismus. Er unterscheidet zwei zueinander konträre Ansichten. Die eine Seite nennt er die Position der Beziehungstheorien, die wie der Neue Materialismus die „Großen Trennungen“ der Moderne – wie etwa die Aufteilungen in Subjekt und Objekt, Natur und Kultur – hinterfragt und zu überwinden sucht. Diesen neuen Beziehungstheorien stellt Draxler die so genannten Trennungstheorien gegenüber, die er im Umfeld des Spekulativen Realismus findet. Für diese Positionen ist entscheidend, dass sie die Relationalität des Wissens – als Korrelationismus – kritisieren. Folgt man den Trennungstheoretiker_innen sind wir noch nicht modern genug. Die Welt dürfe gerade nicht relationiert werden, wenn man sie zu fassen sucht. Draxler argumentiert für eine von beiden Theoriesträngen übergangene „Situation der Spaltung“, die weder in ihrer Vernetzung aufgehoben noch in einer spekulativen Trennung der Relata überwunden werden kann. Diese Situation der Spaltung trifft nun auch auf das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft zu. Nur vor dem Hintergrund einer fortwährenden Spaltung könne das spezifische Wissen der Kunst angemessen gefasst werden