Dokumentenserver der Universität der Künste Berlin
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Die Eröffnung mit dem kleinen Mollseptakkord oder Das ›Tea for two‹-Modell
So gewöhnlich die Progression des doppelten Quintfalls ›ii-V-I‹ in dur-moll-tonalen Kontexten wie der Ganzschluss-Bildung oder der Quintfallsequenz auch ist, so markant tritt sie zugleich seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts in Erscheinung bei der Eröffnung einprägsamer Passagen wie Refrains in Liedern oder Klimaxen sowie Stretten in Instrumentalwerken. Zur Profilbildung im Sinne eines Satzmodells tragen häufig die unmittelbare Wiederholung der Initialprogression ii-V, die klanglich attraktive Gestaltung der ii. Stufe als Nonen-, Undezimen- oder Tredezimenakkord aber auch semantische Qualitäten wie die des glückseligen Ausnahmezustands wesentlich bei. Beim Vergleich ausgewählter Fälle aus dem Zeitraum von 1839 bis 2001 wird deutlich, dass die einfache Modellform mit dem grundständigen Septakkord der ii. Stufe in Dur in der Musik des 19. Jahrhunderts eher gemieden wird. Dass hingegen Vincent Youmans‘ Song Tea for two aus dem Musical No, no, Nanette (1924) deren früheste konzentrierte Ausprägung darstellt, ist der Grund für die in diesem Text erstmals vorgeschlagene Bezeichnung ›Tea for two‹-Modell. Die modischen Verwendungen dieses Modells im frühen Jazz werden abschließend ebenso vorgestellt wie subtile Rückgriffe in späterer Film-, Rock- und Popmusik
Handy Handbook of Hands
Handy Handbook of Hands is about the finger binary systems. The first part of this book shows how to count and display binary numbers on the fingers. In the second part, a binary finger alphabet is developed that enables the communication of words with fingers.
Children learn to count with their fingers at an early age. The Latin word for fingers or toes “digitus” is the root of the English word digit. A normal person has, if nothing unforeseen happens, five digits on each hand. This limits the counting of the fingers to ten. By using binary numbers with the fingers of one or both hands, it is possible to count and display all numbers from 0 to 1023.
Counting in binary is one thing, but fingers can switch from “counting mode” to “text mode”. The binary finger alphabet technique allows communicating words and even entire sentences with the fingers. It is similar to Morse code and gives each letter of the alphabet a specific finger constellation. It is structured from simple finger constellations for the most commonly used letters of the English alphabet to more difficult constellations for rare letters
Ander/e/s W/wissen : Die Pose im und als Bild
In den gegenwärtigen Diskussionen um die Wirkmacht und Lebendigkeit von
Bildern werden kunst- und ästhetiktheoretische, bildmediale und ikonische
Argumente oftmals vermischt. In Antwort auf Anastasia Dittmanns Beitrag
in wissenderkuenste.de 1 plädiert der vorliegende Text für die
Unterscheidung dieser Argumentationsebenen, um mit der Frage nach der
Pose im und als Bild das Wissen der Künste vom Bild zu problematisieren
Inszenierung und Evidenz : Zur Ästhetik energetischer Phänomene
Am experimentellen und künstlerischen Umgang mit dem Energetischen zeigt
sich die Überschneidung von Wissensproduktion und Inszenierung in
exemplarischer Weise
Das Perpetuum mobile – oder: wie das Provisorische in die Maschine kam
Provisorien können als eine Art Behelf verstanden werden, ephemere
gesichtslose Dinge, materielle Halbwertzeiten in persona, besser in re,
Überbrückungsbeihilfen für schlechte Zeiten oder auch nur als
symbolischer Indikator/Chiffre der, teleologisch betrachtet, den langen
Weg bis ‚alles gut ist‘ (wie auch immer das individuell definiert wird)
markiert. Im Folgenden steht jedoch nicht diese vor Pluralität strotzende
Welt provisorischer Dinge im Mittelpunkt, sondern ein apparativer
Antagonist. Als solcher positioniert, weil es eine der wenigen, wenn
nicht sogar die einzige Technologie ist, die im Gegensatz zu partiellen,
temporär begrenzten Problemlösungsstrategien (in Form von Geräten,
Kunstgriffen, etc.) nicht weniger als die Unendlichkeit zum Ziel hat, das
‚sich unentwegt Bewegende‘ besser bekannt als Perpetuum mobile
Nicht Suchen, sondern Finden: die Arbeitsecke als Provisorium
Bei der Arbeitsecke handelt es sich um keine Ecke im architektonischen
Sinne. Vielmehr hat diese mit Prozessen des Hervorbringens und Handelns
zu tun, mit Blickwinkeln und Wissenskonzepten. Grundlegend ist eine
provisorische Struktur wie auch die Aufmerksamkeit auf jene Momente, in
denen etwas auf die Spur gekommen wird
The Big Lebowski
Drei Comic-Frames. Sie entstammen dem Film The Big Lebowski (Ethan und
Joel Coen, USA 1998). Die Cadrage ist eine andere, die Bilderfolge ist
lückenhaft, Farbe, Ton und Bewegung sind verloren gegangen. Darüber
hinaus stehen die Zeichnungen im Kontext einer Auseinandersetzung mit dem
Begriff des Provisorischen, der den (zynischen) Blick auf den Austausch
von Urne und Kaffeedose lenkt. Durch die Bilder zieht sich auf diese
Weise eine Erfahrung von Verschiebung. Ein Sehen von unterschiedlichen
Gegenständen und Medien, die zugleich im Wissen einen gemeinsamen Kontext
bewohnen: „for the wind passes over it, and it is gone, and its place
knows it no more.“ (Psalm 103. 16 (die bildliche Evidenz trügt).)
„It’s a sculpture, is a picture, makes a picture“ – Die bildkonstituierenden Elemente von Jean Tinguelys „Homage to New York“ (1960) und deren Modifikation durch fotografische Bildgebungsverfahren
Mittels fotografischer Aufnahmen wurde Jean Tinguelys 1960 im
Skulpturengarten des Museum of Modern Art, New York einmalig vollzogene
Zerstörungsaktion Homage to New York dokumentiert, so dass sich das
ephemere Ereignis der Vergänglichkeit entzog. Die Bilder von Tinguelys
Homage to New York halten jedoch nicht allein die Zerstörungsaktion für
die Nachwelt fest, sondern das fotografische Bildgebungsverfahren kehrt
überdies die Bildhaftigkeit der Installation hervor. Bereits in der
Skulptur sind bildkonstituierende Elemente angelegt, die in den Schwarz-
Weiß-Fotografien der Aktion verstärkt hervortreten. Die mit der
Überführung vom Dreidimensionalen ins Zweidimensionale einhergehenden
Modifikationen werden anhand eines der ersten fotografisch dokumentierten
Kunst-Ereignisse untersucht
Praktiken des Probierens – Praktiken des Fotografierens : Fotografien aus den Theaterproben der Theatergruppe VOLL:MILCH
Lisa Großmann besucht für ihre Forschung regelmäßig Proben von
Theatermacher_innen wie dem Theaterkollektiv VOLL:MILCH. VOLL:MILCH haben
ihr selbst geschossene Fotografien aus den Probenprozessen zu ihren
bisherigen Inszenierungen zur Verfügung gestellt und in einem Gespräch
über die Verbindungen zwischen ihren Proben und dem Fotografieren ihre
Arbeitsweisen erläutert. Welche Rolle spielt die Fotografie in den
Proben? Wie wird mit Fotografie in künstlerischen Prozessen umgegangen?
Dieser Beitrag richtet den Blick auf den Theaterprobenprozess und
eröffnet dabei implizit Parallelen zu Entwurfsprozessen der Architektur
und Entwicklungsprozessen von Performance Art, ohne diese explizit zu
thematisieren
Wildes Wissen : Der enzyklopädische Garten von Armand Schulthess
Das Projekt eines enzyklopädischen Gartens, an dem der Schweizer Armand
Schulthess in der Einsamkeit der Tessiner Berge von 1951 bis 1972
unermüdlich gearbeitet hat, ist weitgehend vergessen. Schulthess leitete
eine Damenkonfektionsfirma mit Geschäften in Genf und Zürich bis ihn 1934
die Wirtschaftskrise in die Knie zwang und er im
Volkswirtschaftsdepartement in Bern angestellt wurde. Die meiste Zeit
seines Lebens war er also Schreiber, darin Flauberts Helden Bouvard und
Pécuchet nicht ganz unverwandt. Und wie sie machte auch er im Alter von
50 Jahren eine radikale Kehrtwendung, um seine Idee einer „Enzyklopädie
im Walde“ (Harald Szeeman: Von/Über/zu/mit Harald Szeemann. Museum der
Obsessionen, Berlin 1981, S. 88.) zu verwirklichen. Was ihm vorschwebte
ist nichts Geringes