Schriftenserver der MSH Medical School Hamburg
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Die Auswirkungen von persistierenden somatischen Symptomen bei chronischen Nierenerkrankungen: Eine qualitative Längsschnittstudie zu Lebensqualität, Bewältigungsmechanismen und ätiologischen Faktoren
Hintergrund: Betroffene einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) erleben eine Vielzahl an persistierenden somatischen Symptomen (PSS), die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass diese Symptome bereits in frühen Stadien der Erkrankung auftreten können. Zudem wurden biopsycho-soziale auslösende und aufrechterhaltende Faktoren identifiziert, die eine Rolle bei der Entstehung und Persistenz von PSS bei CKD spielen könnten.
Ziel der Arbeit: Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Symptombelastung von Patient:innen einer neudiagnostizierten CKD zu untersuchen und ihre ätiologischen Annahmen bezüglich der Entstehung dieser PSS zu erfassen. Darüber hinaus soll die Entwicklung der Symptome im Zeitverlauf analysiert und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität erfasst werden. Zusätzlich sollen die Strategien zur Symptombewältigung untersucht werden.
Methodik: Die Fragestellungen wurden mittels eines qualitativen Längsschnitt Designs untersucht unter der Verwendung eines Mixed-Methods-Ansatzes. Insgesamt wurden N =13 Patient:innen mit Hilfe eines strukturierten Leitfadeninterview befragt. Die Interviews wurden mit einer thematischen Inhaltsanalyse und der Software MAXQDA analysiert. Zusätzlich wurden der CKD-SBI, PHQ-15 und KDQOL-36 als Ergänzung zu den qualitativen Daten hinzugezogen
Ergebnisse: Die Patient:innen einer neu diagnostizierten CKD berichteten von einer Vielzahl somatischer Symptome, die sich individuell über Zeit hinweg entwickelten und erhebliche Auswirkungen auf das alltägliche Leben nahmen. Insgesamt konnten die PSS in neun Symptomclustern zusammengefasst werden. Im Hinblick auf die ätiologischen Annahmen konnten insgesamt drei Themen erarbeitet werden, auf welche die Patient:innen ihre PSS zurückführten. Strategien, die zur Milderung dieser Symptome eingesetzt wurden, umfassten sieben Themen.
Fazit: Die vorliegende Studie verdeutlicht, dass Patient:innen in frühen Stadien der Nierenerkrankung bereits an einer hohen Symptombelastung leiden, die die körperliche Funktionsfähigkeit einschränkt. Zukünftig sind jedoch weiterführende Forschungen notwendig, um sowohl die ätiologischen Mechanismen als auch die Entwicklung dieser Symptome tiefergreifend zu verstehen
Zugangsgerechtigkeit von Therapien für seltene Erkrankungen: Eine ethische Analyse am Beispiel der spinalen Muskelatrophie
Diese Bachelorarbeit untersucht die Zugangsgerechtigkeit von Therapien für seltene Erkrankungen, fokussiert auf die spinale Muskelatrophie (SMA) und das Medikament Zolgensma. Die theoretischen Grundlagen umfassen Definitionen, Herausforderungen und ethische Dimensionen seltener Erkrankungen. Methodisch wurde eine Literaturarbeit durchgeführt, wobei spezifische Schlagwörter verwendet wurden, um relevante Studien zu identifizieren. Ergebnisse dieser Bachelorarbeit zeigen, dass der Zugang zu Zolgensma in Deutschland durch strukturelle und ethische Herausforderungen beeinflusst wird. Hierbei stellt der hohe Preis des Medikaments Zolgensma eine zentrale Hürde dar. Die ethische Analyse dieser wissenschaftlichen Arbeit betont die Notwendigkeit einer gerechten Verteilung von Gesundheitsressourcen, um vulnerable Gruppen nicht zu benachteiligen. Die Diskussion am Ende dieser Literaturrecherche führt zu der Erkenntnis, dass ethische und strukturelle Barrieren weiterhin bestehen und Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung notwendig sind. Die herausgearbeiteten Empfehlungen umfassen die Verbesserung der Infrastruktur sowie die Anpassung der Preisgestaltung für Medikamente seltener Erkrankungen
Prävention von Diabetes Mellitus Typ 2 durch Training: Die Effektivität von Ausdauertraining und Krafttraining bei Prädiabetes – Eine systematische Literaturübersicht
Hintergrund: Ausdauertraining (AT) und Krafttraining (KT) sind Trainingsinterventionen, die in der Behandlung von Prädiabetes Relevanz haben. Diese systematische Literaturarbeit nimmt sich als Ziel, AT und KT auf Effekte der glykämischen Kontrolle zu untersuchen, sowie die Effekte auf diabetesrelevante Parameter in Abhängigkeit der Zeit miteinander zu vergleichen.
Methoden: Die Datenbanken PubMed, Medline, CINAHL und Sport Discus wurden in dem Zeitraum Mai 2024 bis Juni 2024 durchsucht. Es wurden nur Studien eingeschlossen mit detailliertem AT und KT, welche die Outcomes Nüchternglukose (FBG), postprandiale Glukose (2hPG) und/oder glykiertes Hämoglobin (HbA1c) an ≥ 18 Jahre alten Menschen mit Prädiabetes, diagnostiziert anhand ADA- und WHO-Diagnosekriterien, untersucht haben. Endnote Version 21 wurde für die Datenextraktion und den Filterungsprozess verwendet. Das Verzerrungsrisiko der Studien wurde mithilfe der PEDro Skala bestimmt.
Ergebnisse: Sieben Studien mit insgesamt 808 Probanden wurden untersucht. AT und KT konnten eine Verbesserung von Nüchternglukose (FBG), postprandiale Glukose (2hPG) und glykiertes Hämoglobin (HbA1c) erzielen. AT zeigte mit zunehmender Dauer des Trainings größere Effekte 2hPG zu reduzieren als KT. KT konnte mit steigender Trainingsdauer effektiver FBG reduzieren als AT. AT und KT können reduzierte FBG-, 2hPG- und HbA1c-Werte konstant halten und mit steigendem Verlauf der Zeit weiter verringern.
Schlussfolgerung: AT und KT sind effektive Maßnahmen bei der Reduktion von FBG, 2hPG und HbA1c und können zur Prävention von Diabetes Mellitus Typ 2 (T2DM) führen. AT kann mit zunehmender Zeit besser 2hPG und Körpergewicht senken als KT. KT hingegen verbessert im Laufe der Zeit FBG und Insulinresistenz effektiver als AT. Trainingstherapie zur Prävention von T2DM sollte in Zukunft einen größeren Stellenwert in der Physiotherapie haben. Es sind weitere hochqualitative randomisierte und kontrollierte Studien (RCTs) notwendig, um diese Ergebnisse zu validieren
Potentiale der Kunsttherapie für Kinder mit selektivem Mutismus - am Beispiel einer Einzelfallstudie
In dieser empirischen Bachelorarbeit werden am Beispiel einer Einzelfallanalyse Potenziale der Kunsttherapie für selektiv mutistische Kinder beleuchtet. Hieraus ergibt sich die Forschungsfrage: Welche Potentiale bietet kunsttherapeutisches Arbeiten für Kinder mit selektivem Mutismus? Die für die Analyse verwendeten Daten wurden im Rahmen einer Gruppenkunsttherapie erhoben. Diese ist in ein Forschungsprojekt des Institute for Research in Arts Therapies (IRAT) eingebunden und bietet die Möglichkeit für die Einzelfalluntersuchung eines elfjährigen Mädchens mit selektivem Mutismus (Institute for Research in Arts Therapies, 2024). Im Vordergrund der Resultate stehen nonverbale Prozesse der Kunsttherapie, welche durch ihre Konstitution Räume für Kommunikation und Beziehungsaufbau über das künstlerische Medium schaffen können. Hierdurch kann auch nonverbal Ausdruck und Sprache ohne Worte gefunden werden. Die qualitativ ausgerichtete Studie, welche durch quantitative Ergebnisse ergänzt wird, verdeutlicht die Potenziale der Kunsttherapie für selektiv mutistische Kinder und trägt zur Erweiterung des bisher wenig erforschten wissenschaftlichen Feldes bei
Ambiguitätstoleranz bei Bi+ Personen: Zusammenhänge mit der Beziehungsqualität und der psychosozialen Anpassung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Ambiguitätstoleranz auf die Beziehungsqualität und die psychosoziale Anpassung von Bi+ Personen. Dabei wurde geprüft, ob die Beziehungsform (monogam vs. nicht-monogam) Unterschiede in der Ambiguitätstoleranz aufweist und ob sie als Moderator für den Zusammenhang zwischen Ambiguitätstoleranz, Beziehungsqualität und psychosozialer Anpassung fungiert. Anhand einer quantitativen Querschnittsstudie wurden Daten von Bi+ Personen erhoben und mittels inferenzstatistischer Methoden ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass weder die Ambiguitätstoleranz signifikant mit Beziehungsqualität und psychosozialer Anpassung zusammenhängt noch, dass die Beziehungsform eine moderierende Rolle darstellt. Auch Unterschiede in der Höhe der Ambiguitätstoleranz zwischen monogamen und nicht-monogamen Bi+ Personen konnten nicht nachgewiesen werden. Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit zukünftiger Forschung mit differenzierteren methodischen Ansätzen, insbesondere zur Berücksichtigung von Minderheitenstress und sozialer Unterstützung. Die Arbeit trägt dazu bei, das Verständnis von Bi+ spezifischen Herausforderungen und psychologischen Prozessen zu erweitern
Therapiemöglichkeiten der Anhaltenden Trauerstörung im Erwachsenenalter: ein systematisches Review
Diese Bachelorarbeit untersuchte vier spezialisierte kognitive Verhaltenstherapien (KVT) zur Behandlung der Anhaltenden Trauerstörung (ATS) unter besonderer Berücksichtigung des Dualen Prozessmodells der Trauer (DPM). Ziel war ein systematischer Vergleich der Wirksamkeit dieser Ansätze sowie die Gegenüberstellung ihrer spezifischen Merkmale. Im Rahmen eines systematischen Reviews nach PRISMA-Richtlinien wurden 13 relevante Studien aus PubMed und EBSCO identifiziert. Die Ergebnisse zeigten, dass alle vier Therapieansätze eine signifikante Reduktion der Trauersymptomatik mit mittleren bis großen Effektstärken bewirken. Als zentraler Erfolgsfaktor erwies sich die Kombination aus Exposition, kognitiver Umstrukturierung und Verhaltensaktivierung. Die Arbeit unterstreicht die Relevanz DPM-basierter KVT-Ansätze und hebt die Möglichkeit individueller Therapieanpassungen hervor. Limitationen ergaben sich aus heterogenen Studiendesigns und variierenden Diagnosekriterien. Zukünftige Forschung sollte die
langfristige Wirksamkeit, geschlechtsspezifische und kulturelle Anpassungsmöglichkeiten sowie Optionen der Aufklärung über die vergleichsweise neue Diagnose untersuchen, um Betroffenen den Zugang zu Hilfsangeboten zu erleichtern
Visuelles emotionsbasiertes Cueing mit variabler Reaktionszuweisung in einer Symmetrie-Erkennungsaufgabe
In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird die Auswirkung von emotionsbasiertem Cueing auf die Symmetrieerkennung untersucht. Basierend auf der von Zimmer (2024) entwickelten Symmetrie-Erkennungsaufgabe wird analysiert, ob die Befunde von Kähler et al. (2020) bestätigt werden können, wonach homosymmetrische Buchstabenketten schneller und genauer erkannt werden als heterogen-symmetrische und asymmetrische Muster, während sich diese Arbeit auf die Erkennung von Buchstabenketten fokussiert. Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede zugunsten homosymmetrischer Buchstabenketten im Vergleich zu heterogenen, aber nicht zu asymmetrischen Buchstabenketten. Darüber hinaus wird die Hypothese von Makin et al. (2013) überprüft, ob positive Wörter mit Symmetrie und negative Wörter mit Asymmetrie assoziiert werden. Es wird angenommen, dass die Präsentation von glücklichen Emojis im Vergleich zu Ekel-Emojis sowohl zu schnelleren Reaktionszeiten als auch zu höheren Trefferquoten bei der Detektion von homogen-symmetrischen und heterogen-symmetrischen Buchstabenketten führt. Gleichzeitig wurde erwartet, dass die Darbietung von glücklichen Emojis im Vergleich zu Ekel-Emojis zu langsameren Reaktionszeiten und geringeren Trefferquoten bei der Detektion asymmetrischer Buchstabenketten führt; diese Annahmen konnten jedoch in der vorliegenden Studie empirisch nicht bestätigt werden. Schließlich konnten die Ergebnisse von Chen et al. (2023), dass die Entscheidung über die Symmetrie einer Buchstabenkette bei langen Ketten schwieriger ist als bei kurzen Ketten, ebenfalls nicht bestätigt werden. Insgesamt liefert diese Studie trotz methodischer Einschränkungen wichtige Erkenntnisse und adressiert grundlegende Forschungsfragen
Welche Einfluss haben Geschlecht und die Bekanntheit der Person auf die Wahrnehmung der Belästigung bei einem Angebot zum Casual Sex?
Casual Sex wird immer akzeptierter und Hook-ups sollen sogar das traditionelle Dating in dieser Generation ersetzen. Gleichzeitig machen immer mehr Frauen auf sexuelle Belästigung aufmerksam. Daher untersucht diese Studie, wie belästigend ein Casual Sex Angebot empfunden wird und vergleicht die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Angeboten von fremden und zuvor mehrmals gesehenen Personen. Zudem wird die unterschiedliche Annahmebereitschaft sowie die Wahrnehmung des Angebotes als Kompliment analysiert. Insgesamt nahmen 284 Versuchsteilnehmer an dieser Online-Studie teil. Die Ergebnisse zeigten, dass das Geschlecht einen signifikanten Einfluss auf die Wahrnehmung des Angebots hat, während die Bekanntheit der Person, die das Angebot macht, keinen Einfluss ausübt. Frauen empfanden das Angebot als belästigender als Männer. Männer hingegen waren eher dazu bereit, das Angebot anzunehmen und empfanden es häufiger als Kompliment als Frauen. Die Ergebnisse verdeutlichen die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Wahrnehmung von Casual Sex Angeboten
Resonanz in der Pflege: Inwieweit erleben Pflegefachpersonen Resonanz und Entfremdung im Sinne der Resonanztheorie von Hartmut Rosa
Die vorliegende Arbeit untersucht das Erleben von Resonanz und Entfremdung von Pflegefachpersonen im Sinne der Resonanztheorie nach Hartmut Rosa. Durch qualitative Interviews mit zehn Pflegefachkräften aus vier zentralen Pflegesettings wird analysiert, wie Resonanz- und Entfremdungsphänomene in der pflegerischen Interaktion erlebt werden. Es zeigt sich, dass Pflege fundamental relational ist und Resonanzerfahrungen durch bedeutungsvolle Begegnungen ermöglicht werden. Gleichzeitig offenbart die Studie, dass Entfremdungserfahrungen besonders in Ressourcen-defizitären Kontexten auftreten, die zu Überforderung und Frustration führen. Diese Entfremdung wird verstärkt durch eine wahrgenommene Reduktion der Pflegenden auf bloße Funktionsträger und mangelnde Anerkennung ihrer Kompetenzen, insbesondere in der Interaktion mit dem ärztlichen Personal. Das Erleben von Resonanz ist eng mit dem Gefühl beruflicher Selbstwirksamkeit verknüpft, das aus der intrinsischen Motivation entspringt, bedürfnisorientiert und effektiv zu helfen. Die Notwendigkeit professioneller Autonomie und einer anerkannten Stimme im Versorgungskontext wird als essenzieller Entwicklungsbedarf für den Pflegeberuf hervorgehoben
Kunsttherapie im Bereich der Kinderonkologie: Einzelfallstudie mit dem Fokus auf die Krankheitsverarbeitung
Die vorliegende Bachelorarbeit beantwortet die Forschungsfrage, welchen Einfluss kunsttherapeutische Interventionen auf die Krankheitsverarbeitung von krebskrannken Kindern haben. Kinder und Jugendliche mit Krebsdiagnosen sind einer Vielzahl
von physischen und psychischen Belastungsfaktoren ausgesetzt. Besonders in einer solch herausfordernden Lebensphase ist es wichtig, ihnen ein therapeutisches Angebot zu bieten, bei welchem sie ihre Emotionen frei ausdrücken können. Hier kann die Kunsttherapie mit diversen Ansätzen und Methoden unterstützen. Die Vorteile und Herausforderungen kunsttherapeutischer Interventionen werden sowohl auf theoretischer Ebene herausgearbeitet als auch im Rahmen einer Fallstudie praktisch belegt. Dabei werden vor allem die Besonderheiten im Setting der Kinderonkologie in den Fokus gestellt. Die Resultate zeigen, dass der Einsatz von Kunsttherapie zur emotionalen Stabilisierung der betroffenen Patient:innen, der Linderung von Schmerzen sowie der Reduktion von Ängsten beiträgt und die Krankheitsverarbeitung somit positiv beeinflussen kann.
Schlüsselwörter: Kunsttherapie, Kinderonkologie, Krankheitsverarbeitung, Einzelfallstudi