Schriftenserver der MSH Medical School Hamburg
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Die Exploration der Beziehungsdynamik zwischen älteren Patient:innen und jüngeren Psychotherapeut:innen
Der demografische Wandel befindet sich in Deutschland in einer fortgeschrittenen Phase und hat eine Umkehr der Bevölkerungspyramide zur Folge. Der Altenquotient, welcher das Verhältnis der Personen im Rentenalter zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64) beschreibt, lag 2019 bei 36 und somit über dem Jugendquotienten (Verhältnis unter 20-Jähriger zu 100 Menschen zwischen 20 und 64 Jahren) mit 31 (Statistisches Bundesamt, 2021). Der Jugendquotient lag im Jahr 1950 noch bei 51 und der Altenquotient bei 16. Der Altenquotient hat den Jugendquotienten 2006 überholt und somit angefangen die Bevölkerungspyramide zu invertieren (Statistisches Bundesamt, 2021).
Für die psychotherapeutische Versorgung hat das zur Folge, dass die Patient:innenschaft immer älter wird. Vor dem Hintergrund, dass sich die Zahl der Psychologiestudierenden zwischen 2010 und 2020 von ca. 44.000 auf über 100.000 mehr als verdoppelt hat (Bühner, 2022), kann davon ausgegangen werden, dass zunehmend mehr junge Psychotherapeut:innen auch ältere Patient:innen behandeln werden. Dies ist nach Peters (2023) eine von drei häufiger werdenden altersbezogenen Dyaden: Junge Psychotherapeut:innen und ältere Patient:innen, ältere Psychotherapeut:innen und jüngere Patient:innen und ältere Psychotherapeut:innen und ältere Patient:innen.
Zivian et al. (1994) betont (nach Peters, 2023), dass ein allgemeines Vorurteil in psychologischen Fachkreisen über die Ineffektivität von Psychotherapie bei Älteren besteht. Auch die Befunde von Kessler und Schneider (2019) sprechen dafür, dass älteren Patient:innen besonders von Psychotherapeut:innen in Ausbildung eher Kurzzeit- als Langzeitpsychotherapie empfohlen wurde und diese in der Behandlung weniger Fokus auf motivationale Klärung legten als bei jüngeren Patient:innen. Allerdings sprechen die Befunde aus einer Meta-Analyse von Cuijpers et al. (2020) dafür, dass es in der psychotherapeutischen Behandlung von Depression keine signifikanten Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Erwachsenen bezüglich des Behandlungserfolges gibt. Saunders et al. (2021) zeigten des Weiteren auf, dass ältere Menschen mit Depression und Angststörungen besser von Psychotherapie profitierten als Menschen im erwerbsfähigen Alter. Heuft (2023) beschrieb die lange anhaltende Indikationszensur bezüglich psychodynamischer Psychotherapieformen bei älteren Menschen. Dies scheint angesichts der Befunde im Hinblick auf die Wirksamkeit von Psychotherapie bei älteren Menschen ebenfalls unangebracht, wie die allgemeine Unterrepräsentation älterer Patient:innen in ambulanten Psychotherapiepraxen (Peters et al., 2023).
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Dyade zwischen jungen Psychotherapeut:innen und älteren Patient:innen, um das Verständnis für diese vermehrt auftretende Konstellation auszubauen
Intrapsychische Prozesse in der Einzelmusiktherapie mit der Klangliege
Diese Arbeit untersucht die intrapsychischen Prozesse, welche während der einzelmusiktherapeutischen Behandlung mit der Klangliege auftreten. Ziel der Arbeit ist, die Klangliegenbehandlung in der praktischen Anwendung neben der aufgezeigten entspannenden Wirkung als Ressource für das Erleben intrapsychischer Prozesse zu beleuchten. Die bisherigen Studien benennen als Wirkung der Klangliegenbehandlung unter anderem : Abnahme der Herzfrequenz, Entspannung, imaginierte Bilder und auftretende Erinnerungen. In dieser Arbeit werden angliedernd an vorangegangene Studien die intrapsychischen Prozesse untersucht. Dazu wurde eine qualitative Studie mit einer selbsterstellten Intervention durchgeführt, welche mit der Methode des leitfadengestützten Interviews nach Hussy et al. (2013) untersucht und inhaltlich mit der strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2016) ausgewertet wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Proband während der Intervention Zugang zu intrapsychischen Prozesse erlebte. Die anderen zwei Probandinnen haben keine emotionalen Prozesse wahrgenommen. Diese Studie stellt dar, dass die Klangliegenbehandlung einen Raum schaffen kann, intrapsychische Prozesse zu erleben. Eine solche Erfahrung nach der ersten Intervention ist jedoch selten
Zusammenhang zwischen Facetten der Achtsamkeit und Angstsymptomen in der Allgemeinbevölkerung
Hintergrund / Relevanz: Angst ist ein emotionaler Zustand, der Leid hervorrufen kann, wenn es sich nicht um natürliche Reaktionen auf eine reale Bedrohung handelt. Ausgehend davon, dass Angststörungen, mit 15,4%, in Deutschland die größte Störungsgruppe psychischer Erkrankungen darstellen kann angenommen werden, dass viele Deutsche1, auch ohne die Diagnose einer Angststörung, mit Angstsymptomen konfrontiert sind.
Ziel der Arbeit: Das Ziel dieser Studie ist es, herauszufinden in welchem Zusammenhang Achtsamkeit und Angst stehen und ob die Ausprägung der Achtsamkeit von Personeneine Vorhersage über deren Ausprägung der Ängstlichkeit zulässt.
Methoden: Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurden fünf Facetten der Achtsamkeit mit der Ausprägung der Angst der Teilnehmenden korreliert. Anschließend hat eine Regressionsanalyse Aufschluss darüber gegeben, ob eine höhere Achtsamkeit zu einer Senkung der Angstsymptome führen kann.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass allen Facetten signifikant negativ mit Angst korrelieren. 33% der Gesamtvarianz von Angst können mit der Variable Achtsamkeit erklärt werden und vier Facetten sind signifikante Prädiktoren für die Angst.
Schlussfolgerungen: Zwischen Achtsamkeit und Angst kann ein signifikant negativer Zusammenhang bestätigt werden und die Facetten der Achtsamkeit stellen signifikante Prädiktoren für die Angst dar
Der Einfluss sozialer Unterstützung, Reziprozität sozialer Beziehungen, sozialer Belastung und sozialer Externalität auf die psychische Gesundheit von Studierenden
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersuchte primär die Einflüsse von wahrgenommener sozialer Unterstützung, Reziprozität sozialer Beziehungen, sozialer Belastung und sozialer Externalität auf die psychische Gesundheit von Studierenden. Zusätzlich wurden der Einfluss der Studiendauer sowie geschlechterspezifische Unterschiede hinsichtlich der psychischen Gesundheit untersucht. An der Studie nahmen insgesamt 76 Studierende teil, davon waren 25 männliche, 49 weibliche und zwei diverse Teilnehmende. Das Durchschnittsalter der Versuchspersonen betrug 23 Jahre. Die mittels Online-Umfrage erhobenen Daten zeigten einen signifikanten negativen Einfluss der sozialen Externalität auf die psychische Gesundheit der Studierenden. Zudem wiesen weibliche Studierende niedrigere Werte der psychischen Gesundheit auf als männliche Studierende. Weitere Einflüsse auf die psychische Gesundheit konnten durch die erhobenen Prädiktoren dieser Studie nicht bestätigt werden
Vaginismus im Zusammenhang mit psychodynamischen Grundkonflikten
Hintergrund. Vaginismus ist eine der häufigsten psychosexuellen
Funktionsstörungen bei Frauen. Die Prävalenz der weiblichen Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 1 bis 6 Prozent, variiert aber sehr stark in Abhängigkeit der Länder, in denen die Prävalenz untersucht wird. Unter Vaginismus werden wiederkehrende oder anhaltende willkürliche Kontraktionen der Vaginalmuskulatur verstanden. Vaginismus ist ein psychophysiologisches Problem, welches physiologische, verhaltensbezogene und kognitive Faktoren umfasst. Noch fehlen in der Literatur psychodynamische Überlegungen zur Ätiologie und zu Risikofaktoren. Ziel dieser Studie war es daher, ausgewählte aktive und passive psychodynamische Konflikte im Zusammenhang mit Vaginismus zu untersuchen und die von Koops et al. (2021) gefundenen Muster mit einer anderen Stichprobe zu replizieren.
Methodik. Zur Datenerhebung wurde eine querschnittliche Onlinebefragung durchgeführt. Verwendet wurden der Female Sexual Function Index (FSFI) und der OPD-Konfliktfragebogen (OPD-KF). Zusätzlich wurden die Teilnehmerinnen nach sexuellen Missbrauchserfahrungen befragt. Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: oB (ohne Beschwerden) und VsS (Vaginismus-spezifische Symptome). Die psychodynamischen Konflikte wurden in aktive und passive Konflikte aufgeteilt, weshalb auch die statistische Auswertung getrennt voneinander stattfand. Für die Auswertung wurde eine Korrelationsanalyse, eine Unterschiedsanalyse und eine Moderationsanalyse durchgeführt.
Ergebnisse. Insgesamt wurden die Daten von 150 Probandinnen zwischen 19 und 63 Jahren (M = 26.54, SD = 7.42) ausgewertet. Die passiven psychodynamischen Konflikte korrelierten signifikant negativ mit Vaginismus (Spearmans ρ = -.245, p < .002). Signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen VsS und oB konnten bei dem passiven Selbstwertkonflikt (p < .003, r = .242), dem passiven Ödipuskonflikt (p < .001, r = .283), dem Gesamtscore der passiven Konflikte (p < .003, r = .247) und dem aktiven Ödipuskonflikt (p < .008, r = -.217) gefunden werden. Die Moderationsanalyse zeigte weder bei den aktiven noch bei den passiven Konflikten einen signifikanten moderierenden Effekt.
Fazit. Insgesamt weisen die Ergebnisse eine Verbindung der beiden Konstrukte auf und replizieren die erstmalig untersuchten Muster von Koops et al. (2021) mit einer anderen Stichprobe und laden zu weiteren Untersuchungen in diesem Gebiet ein
Der "Left-Cheek Bias" in AI-generierten Bildern
Das Hauptziel dieser Arbeit war es zu prüfen, inwiefern sich menschliche Phänomene, wie der Left-Cheek Bias, auf künstlich generierten Bildern nachweisen lassen. Insbesondere in Hinblick auf die zunehmende Übernahme von menschlichen Aufgaben ist zu prüfen, wie ähnlich die KI (Künstliche Intelligenz) dem Menschen ist. Für die Untersuchung wurden fünf Studien zum Thema des Left-Cheek Bias auf Fotos und Porträts mit KI-generierten Bildern repliziert. Zum Einsatz kamen die KI-Softwares „Dashboard“, „My Edit“ und „Stable Diffusion“. Die Analysen der Daten wiesen einen Left-Cheek Bias in generierten Porträts aus dem 19. Jahrhundert sowie auf Titelbildern von Kochbüchern nach. Zudem wurde eine Präferenz der neutralen Gesichtsausrichtung auf generierten Selfies verschiedener Städte und auf Fotos von Kindern und Studenten festgestellt. Die Gesichtspräferenzen der KI-generierten Bilder sind nur teilweise mit den Befunden der bisherigen Studien übereinstimmend. Zukünftig sind weitere Untersuchungen notwendig, um Gesichtspräferenzen unterschiedlicher KI-Softwares zu vergleichen sowie Variationen der Prompts bezüglich des Geschlechts und des Alters zu untersuchen
Auswirkungen von Kontrollempfinden auf Schmerzen und Stimmung: Eine Untersuchung im Rahmen eines Paradigmas zur Erforschung von Erlernter Hilflosigkeit bei Menschen
In dieser Bachelorarbeit wurde die Übertragung des Tiermodells von Seligman und Maier zur erlernten Hilflosigkeit im Rahmen eines Schmerzparadigmas bei Menschen getestet. Dabei wurde untersucht, wie objektive Kontrolle und Kontrollwahrnehmung die Schmerzwahrnehmung und Stimmung beeinflussen. In einer Experimentalgruppe wurde das Gefühl von Hilflosigkeit induziert, während die Kontrollgruppe Kontrolle erfuhr. In einer Zuordnungsaufgabe mussten alle Versuchspersonen herausfinden, welche Taste zu einem Kühlungsreiz führte. Bei einer fehlerhaften Zuordnung erfolgte ein schmerzhafter Hitzereiz. Die Kontrollgruppe konnte die Zuordnung lernen und somit Hitzereize verhindern, während die Experimentalgruppe keine Zuordnung erkennen konnte und zufällig Hitze- oder Kühlungsreize erhielt. Die Stimmung wurde vor und nach der Aufgabe in beiden Gruppen erfasst. Während der positive Affekt in der Kontrollgruppe abnahm, gab es keine Veränderung in der Experimentalgruppe. Der negative Affekt stieg über die Messzeitpunkte in beiden Gruppen hinweg an. Die Schmerzwahrnehmung zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Theorie der erlernten Hilflosigkeit im Forschungskontext
Klang gestaltet Raum und schafft Atmosphäre: Klanginterventionen im Krankenhaus. Beiträge zu Konzeption und Praxis
Krankenhäuser sind oft geprägt von lauten Umgebungen, die für Patient.innen, Besucher.innen und Mitarbeitende als belastend empfunden werden können. Dabei sollte ein Krankenhaus eine heilsame Umgebung (Healing Environment) sein. Dieses Projekt untersucht, wie mit live durch ein Ensemble improvisierter Musik, klangliche Umgebungen (Soundscapes) gestaltet werden können, die dem Wohlbefinden und der Gesundheit aller Anwesenden dienen (Healing Soundscapes). Im Fokus steht die Erforschung von Gestaltungsprinzipien für eine Klangperformance, die Musik und Klänge entstehen lässt, die nicht polarisiert und die Wahl lässt, ob man ihr zuhören will oder nicht („neutrale Musik“). Theoretische Basis findet das Vorhaben im Soundscape-Konzept, der Ambient Music und Raumbezogenen musiktherapeutischen Konzepten sowie der Improvisation als musikalische Kunst. Für einen spezifischen belebten, halböffentlichen Krankenhausraum wird nach Analyse ein Konzept entworfen, mit einem Ensemble realisiert, in einem künstlerischen Prozess weiterentwickelt und auf seine Wirkung auf Anwesende untersucht. Die Evaluation erfolgt mit Methoden qualitativer Forschung wie Beobachtung und Gruppengespräch. In den Ergebnissen zeigen sich als wesentliche Gestaltungsprinzipien der Musik nicht regelhaft verbundene offene Klänge und kurze Klangereignisse, die den Geräuschen der Umgebung Raum geben. Kontrastierendes Ausbalancieren der Soundscape, nuanciertes Imitieren und dialogisierendes Interagieren mit den Geräuschen und Rhythmen im Raum können als weitere Strukturmerkmale der Improvisationspraxis ermittelt werden. Verwendung finden einfach zu spielende Klang- und Geräusch-Instrumente. Neben der Musik ist der zwischenmenschliche Kontakt der Musizierenden wesentlicher Teil der Wirkung der Klangperformance, die eine leichte, heitere und ruhige Atmosphäre entstehen lassen kann und Anwesenden ein Angebot für entlastende Wahrnehmung macht
Interpersonelle und Intrapersonelle Emotionsregulation: eine Netzwerkanalyse
Jüngste Forschungen zeigen eine Diskrepanz in den Kosten und Nutzen von interpersoneller Emotionsregulation (ER) für die intrapersonelle ER (Massarwe & Cohen, 2023; Swerdlow et al., 2022). Interpersonelle ER ist ein Prozess, der soziale Interaktionen erfordert, was für Individuen, die Einsamkeit erleben, eine Herausforderung darstellen kann (Cardoso et al., 2022). Generell weist die direkte Untersuchung von intrapersoneller und interpersoneller ER eine Lücke in der Forschung auf. In der vorliegenden Arbeit wurde daher in einem Netzwerkmodell untersucht, inwiefern intrapersonelle Emotionsregulationsstrategien (ER-Strategien) und interpersonelle ER-Strategien miteinander interagieren. Hierfür füllten n = 513 Teilnehmenden in einer quantitativen Online-Datenerhebung Fragebögen zu ihren ER-Strategien aus, sowie dem Einsamkeitsempfinden aus. Die Ergebnisse der Netzwerkanalyse zeigten, dass sich innerhalb der Gruppen adaptive intrapersonelle ER, maladaptive intrapersonelle ER und interpersonelle ER keine starken Verbindungen zeigten. Zusätzlich wurden potenzielle Unterschiede in den Netzwerken anhand des Einsamkeitsempfindens untersucht, wobei sich zeigte, dass die adaptive intrapersonelle ER-Strategie Wut-Kognitives Problemlösen Verbindung zu der interpersonellen ER-Strategie Andere als Modell im Netzwerk der Gruppe mit dem höheren Einsamkeitsempfinden zeigte, was sich vom Netzwerk des Gesamtsamples und der Gruppe mit dem niedrigen Einsamkeitsempfinden stark unterscheidet. Die Bedeutung dieser Erkenntnisse für die Flexibilitätshypothese der ER, sowie Implikationen für die psychotherapeutische Praxis werden diskutiert. Weitere Untersuchungen sind jedoch notwendig, um das Verständnis von Interaktionen zwischen intrapersoneller und interpersoneller ER zu vertiefen
Wie viel Bias steckt in einer KI? Eine empirische Untersuchung von Bildungsstereotypen in der generativen KI ChatGPT (GPT-3.5)
Ziel dieser Arbeit war es, die generative KI ChatGPT auf weitere Stereotype zu untersuchen, insbesondere bezogen auf das Bildungsniveau einer Person und dessen Zusammenhang mit der Ausprägung von Persönlichkeitsmerkmalen. Hierzu wurden in der Interaktion mit ChatGPT Testergebnisse für die Persönlichkeitstests BFI-10 (Rammstedt et al., 2013) und NEO-FFI (Körner et al., 2008) für Personen mit unterschiedlichem Bildungsniveau erstellt und diese Antworten bezüglich möglicher Verzerrungen im Vergleich zu bereits aufgezeigten bestehenden Unterschieden untersucht. Die Datenerhebung erfolgte durch die Interaktion mit ChatGPT, indem die KI angeleitet wurde, Testergebnisse für die Persönlichkeitstests Big-Five-Inventory-10 (BFI-10) von Rammstedt et al. (2013) und NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI) von Borkenau und Ostendorf (2008) für fiktive Probanden mit variierenden Merkmalen bezüglich Alter, Geschlecht und Bildungsniveau zu erstellen. Die für die Untersuchung relevanten Merkmale zum Bildungsniveau wurden, angelehnt an die Normstichprobe des BFI-10, in drei Kategorien (niedrig, mittel, hoch) eingeteilt, basierend auf der Dauer der schulischen Bildung (bis einschließlich 9 Jahre, 10 bis 11 Jahre, mehr als 11 Jahre). Im Vergleich zu den in der Normstichprobe des BFI-10 sowie in der gesichteten Literatur berichteten Unterschieden nach Bildungsniveau wurde festgestellt, dass ChatGPT zwar den nachgewiesenen Veränderungstendenzen folgte, sich jedoch in den meisten Fällen signifikant von der als Referenz verwendeten deutschen Normstichprobe unterschied. Obwohl ChatGPT in der Lage war, die Persönlichkeit fiktiver Probanden basierend auf deren Bildungsniveau einzuschätzen und dabei den bekannten Veränderungstendenzen zu folgen, wiesen die Einschätzungen von ChatGPT signifikante Abweichungen im Vergleich zu real beobachteten Veränderungen der Persönlichkeit auf. Diese Abweichungen lassen darauf schließen, dass in den zugrundeliegenden Trainingsdaten von ChatGPT stereotypische Annahmen zum Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Persönlichkeitsmerkmalen enthalten sind, die zu Verzerrungen in den vorliegenden Einschätzungen geführt haben könnten