Schriftenserver der MSH Medical School Hamburg
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Die Kontroverse Rogers und Skinner unter Betrachtung der Parent-Child Interaction Therapy
Die Psychologen Rogers und Skinner entwickelten jeweils in den 1930er Jahren einen therapeutischen Ansatz, der auf den ersten Blick sehr unterschiedlich zu sein scheint. In der Parent-Child Interaction Therapy, entwickelt von Eyberg, werden beide Ansätze zusammengeführt. Die Therapieform richtet sich primär an Elternteile, deren Kinder eine Störung des Sozialverhaltens im Sinne der ICD-10 aufweisen. Zur Untersuchung, inwiefern Rogers Personenzentrierter Ansatz und Skinners operante Konditionierung die Ziele der Parent-Child Interaction Therapy bestärken, wurden die einzelnen Schritte der betrachteten Therapieform unter Berücksichtigung Rogers und Skinner basierend auf der verfügbaren Literatur betrachtet. Das Ergebnis dieser Gegenüberstellung zeigt, dass die Ansätze Rogers und Skinner sich durchaus deutlich in der Parent-Child Therapy zeigen, jedoch in Teilen nicht im Sinne Rogers und Skinners umgesetzt werden. Es liegen demnach Aspekte vor, die hinsichtlich der Umsetzung auch über diese Arbeit hinaus diskutiert werden sollten
Interventionen zur Stärkung der digitalen Gesundheitskompetenz von Schüler:innen an allgemeinbildenden Schulen
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, mögliche Interventionen zur Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz von Schüler:innen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland zu identifizieren. Dazu wird eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Die Ergebnisse von neun Literaturquellen werden präsentiert und in sechs Kategorien zusammengefasst. Neben den strukturellen Anforderungen und der Qualität von Gesundheitsinformationen im Internet wurden mögliche Inhalte zur Vermittlung digitaler Gesundheitskompetenz und methodische Ansätze erkannt, die Einfluss auf die digitale Gesundheitskompetenz im Schulsetting haben. Auch die Bildung und Qualifikation von Lehrer:innen sowie die Ganzheitlichkeit und nachhaltige Transformation zur langfristigen Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz stellen mögliche Ansatzpunkte dar. Die Diskussion zeigt, dass insbesondere die methodischen Interventionen auf individueller Verhaltensebene sowie die curriculare Verankerung das größte Potenzial zur Verbesserung der digitalen Gesundheitskompetenz von Schüler:innen bieten. Ein ganzheitliches Konzept ist jedoch anzustreben, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Dafür zeigt sich der dringende Handlungsbedarf in der Kooperation zwischen wichtigen Entscheidungsträger:innen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den identifizierten Forschungsansätzen erscheint aussichtsreich
Konzipierung der Praxisbegleitungen für ausgewählte Pflichteinsätze, gemäß des Pflegeberufegesetzes
Ziel dieser Arbeit ist es, für die Pflegefachschule am Ev. Krankenhaus Alsterdorf gGmbH, ein Konzept zur Planung und Durchführung von Praxisbegleitungen gemäß dem 2020 in Kraft getretene Pflegeberufegesetz zu erstellen. Da auf kein übergeordnetes und etabliertes Konzept zurückgegriffen werden kann, werden anhand aller derzeit zur Verfügung stehenden bundes- und landesweit geltenden Ordnungsmittel, sämtliche relevante normative Rahmenbedingungen und Gestaltungskriterien ermittelt. Es wird der Annahme gefolgt, dass die Kompetenz- und Situationsorientierung die zentralen didaktischen Prinzipien darstellen, die es in entsprechende Lernaufgaben zu integrieren gilt. Als wichtigste Ziele der methodischen Umsetzung werden die Unterstützung der Theorie-Praxis-Verknüpfung und die Förderung reflexiver Lernprozesse verstanden. Infolgedessen sind sechs spezifische Aufgabenstellungen für ausgewählte Praxisbegleitungen entstanden. Die Einschätzung der Fachöffentlichkeit, dass eine zweckmäßige Erstellung eines Konzepts nur unter Einbeziehung sämtlicher Lernorte erfolgreich umsetzbar ist, kann bestätigt werden. In Anbetracht dessen werden die formulierten Aufgabenstellungen als Ausgangspunkt für weiterführende konzeptionelle Überlegungen mit den Kooperationspartnern angesehen
Gemeinsam statt einsam: Eine Replikation der Studie von Hüffmeier und Hertel (2011) zur Erforschung von Motivation und Leistung in additiven Aufgabenstrukturen
Eines der am längsten thematisierten Forschungsgebiete in der wissenschaftlichen Psychologie befasst sich mit der Frage, inwiefern das Arbeiten in einer Gruppe Auswirkungen auf die Leistung der Gruppenmitglieder hat. Die vorliegende Arbeit repliziert die Studie von Hüffmeier und Hertel (2011a), die als erste die Prozessgewinne in Gruppen bei komplexen additiven und sequenziellen Aufgaben und den dafür relevanten Unentbehrlichkeitseffekt nachgewiesen hat. Die Annahme war, dass die wahrgenommene Unentbehrlichkeit des eigenen Beitrags beim Staffelschwimmen mit späteren Startpositionen steigt und somit auch bessere Leistungen mit steigender Position in Gruppen zu erwarten sind. Als Datengrundlage der vorliegenden Arbeit dienen Schwimmzeiten von Athlet:innen (N = 177) der Olympischen Spiele 2012, 2016 und 2021, die Freistil Einzel und Staffel geschwommen sind. Um explorativ zusätzlich den Einfluss des Geschlechts zu überprüfen, wird eine gemischte 2 (Wettkampfformat: Einzel vs. Staffel) x 4 (Startposition: 1 – 4) x 2 (Geschlecht: Männlich vs. weiblich) ANOVA getrennt für alle drei Jahre verwendet. Die Ergebnisse der Originalstudie können größtenteils nicht repliziert werden. Ausnahme sind ein Interaktionseffekt auf die Schwimmzeit zwischen dem Wettkampfformat und der Startposition und andere nicht signifikante Tendenzen aller Jahre Richtung Schwimmzeitverbesserungen in Gruppen und schnelleren Schwimmzeiten späterer Startpositionen. Eine explorative Integration der Daten aller Jahre zeigte zudem Effekte der Position im Staffelwettkampf und einen Interaktionseffekt aller drei Faktoren. Geschlechtseffekte allein waren in keinem Jahr vorhanden. Die Studie erweitert das Forschungsfeld zu diesem Thema durch Diskussion möglicher Kontextfaktoren und historischer Veränderungen, die die Gruppeneffekte beeinflussen könnten. Sie zeigt, dass Prozessgewinne in Gruppen kein Phänomen per se sind und einflussnehmende Bedingungen in zukünftiger Forschung fokussiert werden sollten
Kognitive Kontrolle beim Durchführen einer Stroop-Aufgabe mit zeitlicher Trennung von Wort- und Farbinformationen.
Die vorliegende Arbeit erforscht kognitive Kontrolle in der Stroop-Aufgabe mittels eines confound-minimized Designs mit zeitlicher Trennung von Wort- und Farbinformationen. Die zentrale Frage lautete, ob der Gratton-Effekt unter Verwendung dieses Designs auftritt. Die Studie vertieft das Verständnis der kognitiven Kontrolle und der selektiven Aufmerksamkeit. Dafür wurde ein ein Labor-Experiment mit multifaktoriellen Messungen von Reaktionszeiten und Genauigkeit durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen den Stroop-Effekt in Reaktionszeiten und Genauigkeit. Der Gratton-Effekt zeigt sich in Reaktionszeiten unter Kontrolle von Störquellen, er zeigt sich nicht für Genauigkeiten. Diskutierte Limitationen umfassen Distraktor-Einflüsse und spezifische Stroop-Aufgaben-Eigenschaften. Zukünftige Forschung sollte zusätzliche Aufgaben, wie die Flankierreizaufgabe einbeziehen, um das Verständnis des Gratton-Effekts zu vertiefen. Dieses Forschungsfeld bleibt dynamisch und eröffnet neue Perspektiven für kognitive Kontrolle und Aufmerksamkeitsmechanismen
Therapieinterventionen einer idiopathischen Frozen Shoulder: eine systematische Übersichtsarbeit
Einführung: Die Frozen Shoulder ist eine zeitweise bestehende Einsteifung des Schultergelenkes. Bei einer Prävalenz von 2,4% in Deutschland ist sie keine seltene Erkrankung, dessen Therapie derzeit nicht eindeutig geklärt ist. Diese vorliegende Arbeit dient zum Zweck die Effektivität einer konservativen physiotherapeutischen Therapie im Vergleich zu einer medikamentösen Therapie zu beurteilen.
Methodik: Für die Klärung der Fragestellung wurde die Methodik einer systematischen Übersichtsarbeit gewählt. Die Literaturrecherche hat im Zeitraum von Mai bis Juni 2023 auf den Datenbanken PubMed, CINHAL und MEDLINE® stattgefunden. Die Qualität dieser Studien wurde mit Hilfe der PEDro-Skala beurteilt.
Ergebnisse: Neun randomisierte kontrollierte Studien wurden eingeschlossen. Die Qualität der Studien konnte als mäßig bis gut bewertet werden. Eine zusätzliche Corticosteroid Injektion zur Physiotherapie scheint vor allem in den ersten Wochen nach der Intervention einen zusätzlichen Vorteil zur Verbesserung der Schmerzen, ROM und Einschränkungen im Alltag zu haben. Dieser Vorteil ist nach mehreren Monaten nicht mehr nachweisbar. Außerdem ist die Anwendbarkeit dieser Annahme auf die verschiedenen Phasen der Frozen Shoulder fraglich und bedarf weiterer Forschung
Drogenkonsumierende Menschen, Akzeptanzparadigma und Gemeinwesenarbeit
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welchen Beitrag Gemeinwesenarbeit zur Umsetzung des Akzeptanzparadigmas in der Kommune leisten kann. Indem Drogenkonsum von der Gesellschaft als abweichendes Verhalten markiert wird, wird er Ziel von Sanktionsmaßnahmen und Stigmatisierung. Diese haben häufig zur Folge, dass die Konsument*innen aus dem normalen gesellschaftlichen Leben und damit von der Möglichkeit der Bildung einer kommunalen Identität, die Grundlage für demokratische Teilhabe ist, ausgeschlossen werden. Das Akzeptanzparadigma sieht die Entscheidung für oder gegen den Konsum von Drogen als freie Entscheidung des Individuums und setzt der Stigmatisierung das politische Mandat der Normalisierung als gesellschaftliche Realität entgegen. Dieses beinhaltet das Recht auf Teilhabe der drogenkonsumierenden Menschen. Mit Mitteln des Community Organizing und der Kommunalpädagogik kann die zentrale Größe der Selbstwirksamkeit angesprochen und Handlungsfähigkeit erlangt werden. Diese bilden die Basis für demokratische Teilnahme und ermöglichen eine Positionierung im gesellschaftlichen Kontext
Der Einfluss von Emotionsregulation auf den Zusammenhang zwischen dem erinnerten elterlichen Erziehungsverhalten, Resilienz und Stresserleben
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage ob und inwiefern adaptive Emotionsregulation den Einfluss eines durch Ablehnung und Strafe oder Kontrolle und Überbehütung geprägtem erinnerten Erziehungsverhalten über Resilienz auf das aktuelle Stresserleben und maladaptiven Coping abschwächt. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass ein Erziehungsverhalten, welches durch Ablehnung und Strafe oder Kontrolle und Überbehütung geprägt ist, über Resilienz zu einem erhöhten Stresserleben oder dem Verwenden maladaptiver Coping-Strategien führt (Davarniya et al., 2019; Konaszewski et al., 2021; Lind et al., 2018; Zhai et al., 2015; Zhong et al., 2016). Kann adaptive Emotionsregulation diesen Effekt möglicherweise ausgleichen? Mittels einer Onlinestudie wurden 285 Personen im Alter von 18 bis 82 Jahren zu den verschiedenen Konstrukten befragt. Die moderierten Mediationen zeigten keinen signifikanten Einfluss von adaptiver Emotionsregulation auf die Beziehungen zwischen dem jeweiligen erinnerten Erziehungsverhalten über Resilienz auf das aktuelle Stresserleben und maladaptivem Coping (b = -.066, 95% CI [-.188, .087], b = -.036, 95% CI [-.128, .056], b = -.041, 95% CI [-.122, .058], b = -.021, 95% CI [-.076, .036]). Anhand zusätzlicher einfacher Mediationen konnte jedoch ein indirekter Effekt von Resilienz auf die Beziehung des jeweiligen erinnerten Erziehungsverhaltens und dem aktuellen Stresserleben bzw. maladaptiven Coping bestätigt werden
Wirkung systematischer Nachbesprechungen von freiheitsentziehenden Maßnahmen auf Patient:innen in der Akutpsychiatrie
Patient:innen mit einer besonderen Krankheitsschwere können selbst- oder fremdgefährdende Verhaltensweisen aufweisen. In Akutpsychiatrien wird versucht, diesen Verhaltensweisen mit deeskalativen Interventionen zu begegnen. Wenn dies nicht gelingt, dürfen in Deutschland freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM), bspw. Fixierungen und Isolierungen, angewendet werden. Aufgrund einer Vielzahl negativer Auswirkungen (bspw. das Entstehen posttraumatischer Belastungsstörungen und negativer Emotionen) von FEM
auf Patient:innen sind diese umstritten. Mit dem Ziel, FEM zu verringern, nahm die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde die Empfehlung einer Nachbesprechung erlebter FEM in ihre Leitlinien auf. Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirkung von Nachbesprechungen auf Emotionen, die Behandlungszufriedenheit, die therapeutische Beziehung und die Häufigkeit und Dauer zukünftiger FEM. Im Rahmen dessen wurden Hinweise für eine Reduktion negativer Emotionen infolge von Nachbesprechungen gefunden. Zukünftige Studien sollten den Einfluss von Nachbesprechungen anhand größerer Stichproben untersuchen, um dessen Wirkung besser zu verstehen und zu einer leitliniengerechten Implementierung von Nachbesprechungen beizutragen
Zufriedenheit von AusbildungsabsolventInnen und Dual-Studien-AbsolventInnen der Logopädie in Bezug auf dessen Ausbildung/Dual-Studium in Hamburg
Theorie: Die Studienzufriedenheit hat einen großen Einfluss auf viele Bereiche des alltäglichen Lebens. Dennoch ist der Forschungsstand in der Logopädie im deutschsprachigen Raum diesbezüglich noch sehr begrenzt.
Ziel: Das Ziel dieser Arbeit ist es, neue Wissensbestände zur Studien- und Ausbildungszufriedenheit in der Logopädie zu generieren und die Forschung in diesem Bereich durch die Verdeutlichung der Relevanz dieses Themas voranzutreiben.
Methode: Es wurden sechs halbstandardisierte Leitfadeninterviews mit AbsolventInnen der Logopädie-Ausbildung beziehungsweise Dual-Studium durchgeführt. Diese wurden in Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) induktiv ausgewertet.
Ergebnisse: Es konnten induktiv vier Oberkategorien mit jeweils bis zu 24 Unterkategorien herausgearbeitet werden. Die Forschungsfrage, welche sich auf die Zufriedenheit von Ausbildungs-/Dual-StudienabsolventInnen der Logopädie in Bezug auf den Verlauf ihrer Ausbildung/Dual-Studiums bezieht, konnte mithilfe der gewonnenen Kategorien beantwortet werden. Die Zufriedenheitsbeurteilung von ehemaligen Auszubildenden in der Logopädie kann überwiegend als ein Kontinuum betrachtet werden, welche durch zahlreiche vielseitige Faktoren in der Ausbildung beeinflusst wird, die es wert sind näher betrachtet zu werden.
Diskussion: Die Ergebnisse dieser Arbeit konnten zu einem Teil mit der Studienlage belegt werden. Der andere Teil der Ergebnisse wurde durch die fehlende Forschungslage auf diesem Gebiet weder widerlegt noch bestätigt, sodass die erhobenen Daten als neuer Wissensgewinn angesehen werden können