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Lies dir diesen Striptease durch oder wie Mariusz Szczygieł den Alltag pikant würzt
Das ist eine Beziehung, kein Verhältnis wie zwischen einer Prostituierten und ihrem Kunden. Ein Liebesverhältnis ist das oder sogar die Liebe. Im Idealfall dauert sie drei Monate: nach der ersten Faszination gibt es einen Monat für gründliches Kennenlernen, der zweite ist zum Erwägen, dann bleibt noch die Zeit für attraktives Kleiden. Manchmal muss Mariusz Szczygieł sich jedoch nur mit zwei Wochen zufrieden geben, um seine Reportage fertigzustellen
Polnoe sobranie sočinenij v dvadcati tomach. T. 7. Dramatičeskie proizvedenija. (Andreas Ebbinghaus)
Prof. Dr. Andreas Ebbinghaus. Rezension zu: PUŠKIN, A. S. Polnoe sobranie sočinenij v dvadcati tomach. T. 7. Dramatičeskie proizvedenija. Sankt-Peterburg 2009, 1068 S
Von Geisterbeschwörungen und einer ganz normalen Kindheit
Kiev, 70er Jahre. Ruinen, Abrissbagger und eine Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnung. Während ihre Heimatstadt im sowjetischen Stil neu erbaut wird, erlebt Julia ihren ersten Wodkarausch, unterhält sich nachts im Bett mit den Führern des Weltproletariats und verheiratet ihre Klassenkameradin in einer geheimen Geisterbeschwörung mit einem verstorbenen französischen Schauspieler
Ein Buch zitiert sich selbst
Böhmische Erzählfreude trifft auf melancholische Sehnsucht nach der Fremde: In Markéta Pilátovás Roman "Mein Lieblingsbuch" haben die vielfältigen Charaktere eines gemeinsam – sie suchen verzweifelt nach Wegen, um ihrem harten Alltag zu entfliehen. Als Schauplatz wählt die Autorin den Slum einer fiktiven südamerikanischen Großstadt
Georgian (Her)stories: Ein Interview mit Tamta Melaschwili
Es ist der erste frühlingshafte Tag in Tbilisi. Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen, die Stadt voller Blumen – in Form von Bouquets, die Babuschkas auf der Straße verkaufen. Es ist der 8. März, internationaler Frauentag – heute schenken die Männer den Frauen Blumen, und beglückwünschen sie, Frauen zu sein. Über die tägliche Gewalt und Unterdrückung der Frau will hier keiner so richtig reden, das sind private Angelegenheiten, die hinter verschlossenen Türen stattfinden. Und doch verkündete der Patriarch der georgisch-orthodoxen Kirche offiziell, es sei die Aufgabe der georgischen Frauen, den Männern die Füße zu waschen, wenn diese von der Arbeit nach Hause kommen. Feminismus wird hier von Seiten der Konservativen als westliche Verschwörung oder Krankheit gesehen. Immer wieder gibt es gewalttätige Ausschreitungen und Bedrohungen gegen AktivistInnen, auf einem Protestmarsch gegen Homophobie wurden die Demonstrierenden von orthodoxen Extremisten und Priestern angegriffen
Übers Atmen. Gedichte der slowakischen Autorin Katariná Kucbelová
In sich hineinspüren und sich selbst beobachten. So könnte ein Schreibimpuls der slowakischen Lyrikerin Katariná Kucbelová lauten. Ihre Gedichte sind ein feines Erspüren des eigenen Körpers. Der Atem ist dabei das zentrale Motiv einer Reihe lyrischer Texte, die sie in einem Band mit dem sinnfälligen Titel "Šport" 2006 bei „ars poetica“ veröffentlichte
Kroatien hat Andrić seine jugoslawische Gesinnung nicht verziehen
Ein Interview mit Krešimir Nemec, Professor für kroatische Literatur an der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb
Fehlpositionierung und Autopalimpsest. Michas’ Zarėckis Romanfragmente Kryvičy (1929) und Smerc’ Andrėja Berazoŭskaha (1931) im Kontext der Entautonomisierung des belarussischen Literaturfeldes
Im Mittelpunkt des Beitrags steht die Frage, ob und wie es möglich ist, 'misslungene' literarische Positionierung im Medium des literarischen Textes zu korrigieren. Eine Analyse der Haltungsstrategien von Michaś Zarėcki wird zeigen, wie solche "gescheiterten" Positionsbestimmungen im Kontext des Verlustes der institutionellen Autonomie in der belarussischen Literatur Ende der 1920er Jahre zustande kommen. Die Analyse der ästhetischen Strategien, die bei der "Neupositionierung" von Smerc' Andrėja Berazoŭskaha angewandt werden, zeigt jedoch, dass sich Kryvičy Zarėckis beim "Löschen" und "Überschreiben" seiner "gescheiterten" Positionierung nur scheinbar dem System der herrschenden Ideologie und der marxistischen Literaturkritik unterwirft: Gerade in der Entlarvung der konformistischen Schreibnormen entpuppt sich der transkribierende Text - auf ästhetischer Ebene - als eine geschickt verschlüsselte Verteidigung der literarischen Autonomie
Misslungene Versöhnung
Dass ein literarisches Werk Hass, Verachtung und Gewaltandrohung hervorrufen und einen anerkannten Autor zum ‚Volksverräter’ stempeln kann, hat der aserbaidschanische Schriftsteller, Dichter und Übersetzer, Akram Ajlisli, nach der Veröffentlichung seines Romans "Kamennye sny" (dt: Steinerne Träume) am eigenen Leib erlebt. Welches Tabuthema verbirgt sich hinter diesem unscheinbaren Titel
Im Freiraum der Sprache – Valzhyna Mort auf den Spuren der eigenen poetischen Tradition
Landschaft und Erinnerung verschmelzen miteinander. Die Illusion der Sesshaftigkeit trifft auf die fluide, nomadische Welt, die „wie die See gegen wasserlose Wände pocht“. Die Sprache wird zum Zufluchtsort. Unter dem Titel "Kreuzwort" sind in diesem Jahr Gedichte und Prosatexte von Valzhyna Mort bei Suhrkamp erschienen