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Sprache in Zeiten des Krieges, oder: Warum die ukrainische Filmakademie Sergej Loznitsa ausgeschlossen und wie der Regisseur darauf reagiert hat
Die Tatsache, dass die ukrainische Filmakademie den aus der Ukraine gebürtigen Regisseur Sergej Loznitsa ausgeschlossen hat in den letzten Tagen in der deutschen Presse für kleinere Schlagzeilen gesorgt. Drei seiner wichtigsten Filme der letzten Jahre sind der Ukraine gewidmet: “Maidan” (2015), “Donbass” (2018) und “Babij Jar. Kontekst” (2021). Die ukrainische Filmakademie klagt den Regisseur nun wegen seiner “kosmopolitischen” Identifikation an, da in Zeiten des Krieges nur eine eindeutig nationale und national abgrenzende Positionierung gerechtfertigt werden könne
Sirenen des Krieges: diskursive und affektive Dimensionen des Ukraine-Konflikts
Mit dem Ausbruch eines Krieges in der Ostukraine hatte vor 2014 niemand gerechnet. Die rasante Geschwindigkeit, mit der die innenpolitische Krise in einer der einst stabilsten ehemaligen Sowjetrepubliken zu einem hybriden Krieg eskalierte, deutet dabei nicht nur auf rationale militär- bzw. wirtschaftsstrategische Interessen hin. Obwohl die Ukraine und Russland eine jahrhundertealte gemeinsame Geschichte und kulturelle Nähe verbindet, offenbart der Konflikt auch tiefe gegenseitige Ressentiments und geschichtspolitische Obsessionen, die bereits lange vorher in künstlerischen Werken und kulturellen Diskursen präsent waren. In der Ukraine-Krise kam es zu einer Reinszenierung kollektiver Phantasmen, historischer Helden- und Opfermythen. Paradoxerweise aber eröffneten die Gewaltbereitschaft und Kriegslust, mit der alle Parteien auf lokaler, nationaler und virtueller Ebene diese Dynamik vorantrieben, unter anderem Kulturschaffenden auch Möglichkeiten, die gefühlte Ohnmacht zu überwinden und gesellschaftlich handlungsfähig zu werden. Diese Entwicklung ist tief durch die (post-)sowjetischen Erfahrungen geprägt und zugleich eng mit globalen und medialen Veränderungen verbunden. Die Fallstudien des Bandes loten die affektiven und diskursiven Dimensionen des Konfliktes aus und leisten damit einen Beitrag zur Konzeptualisierung der postsozialistischen Gesellschaften und Kulturen im Osten Europas.Before 2014, no one had anticipated the outbreak of war in eastern Ukraine. The rapid speed with which the domestic political crisis in one of the formerly most stable Soviet republics escalated into a hybrid war indicates more than just rational military and economic strategic interests. Although Ukraine and Russia share centuries of common history and cultural proximity, the conflict also reveals deep mutual resentment and historical-political obsessions that had long been present in artistic works and cultural discourses. The Ukraine crisis led to a re-enactment of collective fantasies and historical myths of heroes and victims. Paradoxically, however, the willingness to use violence and the belligerence with which all parties at the local, national and virtual levels drove this dynamic forward also opened up opportunities for cultural creators, among others, to overcome their perceived powerlessness and become socially active. This development is deeply influenced by (post-)Soviet experiences and at the same time closely linked to global and media changes. The case studies in this volume explore the affective and discursive dimensions of the conflict, thereby contributing to the conceptualisation of post-socialist societies and cultures in Eastern Europe
Ein Handbuch für Antikriegsargumente zum Gebrauch in Diskussionen, zu Hause und am Arbeitsplatz
Doxa, das Studierendenmagazin der Higher School of Economics Moskau, veröffentlicht einen Leitfaden für Diskussionen im Privaten über den Krieg in der Ukraine: Sie sammeln knappe, präzise und gut recherchierte Antworten auf siebzehn der häufigsten Argumente zur Rechtfertigung des Krieges
Solidaritätserklärung: novinki gegen Putins Angriffskrieg!
Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine, der seit dem frühen Morgen des 24.02.2022 wütet, macht uns als novinki-Redaktion fassungslos. Wir sind bestürzt und verurteilen die Invasion, mit der das Minsker Abkommen (2014) und das Völkerrecht eklatant gebrochen und die Option auf eine friedliche Lösung von der russischen Seite endgültig ausgeschlossen wurde
„Sehnsucht nach visueller Kommunikation mit der Welt“ – Dariia Kuzmych im Interview
Dieses Interview wurde im Sommer 2021 geführt, zu einer Zeit, in der der jetzige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine am 24.02.2022 noch schwer vorstellbar war. Damals ging es u.a. um die Auswirkungen der weltweiten Pandemie und Isolation auf das eigene und kulturelle Leben geht. Damals eroberte sich die Kultur ihre Räume zurück – das Leben war mehr als ein und halb Jahren auf Pause gestellt. Es war Zeit zu fragen, wie ein künstlerischer Neuanfang gestaltet werden kann. Dazu sprach novinki mit der ukrainischen Künstlerin Dariia Kuzmych, die trotz einer Lebenskrise niemals den Mut verlor, als Künstlerin fest im Leben zu stehen
Holocaust-Gedenken in Kyiv: Im Fokus hybrider Kriegsstrategien? Topographie des komplexen Erinnerungsdiskurses um Babyn Jar
Dieser Text wurde kurz vor Beginn des brutalen Angriffskrieges Russlands in der Ukraine am 24. Februar verfasst. Am Dienstag, 1. März, wurde der Kyiver Fernsehturm, 1973 in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte Babyn Jar errichtet, Ziel eines Raketenangriffs. Auch wenn der Erinnerungsort wohl nicht direkt getroffen wurde, wird diese Episode der ruchlosen Kriegsführung Russlands von Kommentator*innen als symbolischer Gewaltakt scharf verurteilt. Putins sogenannte „Entnazifizierungs“-Maßnahmen zielen ausgerechnet auf ein im Zentrum des Erinnerungskrieges stehendes Mahnmal: das Holocaust-Symbol Babyn Jar. Der ukrainische Präsident Selenskyj fragte am Abend des Angriffs in einem Tweet: “Wofür ‘Nie wieder’ 80 Jahre lang wiederholen, wenn die Welt, wenn eine Bombe auf Babyn Jar fällt, schweigt? 5 weitere Leben sind verloren. Die Geschichte wiederholt sich…
„Und wir spielen Bonnie und Clyde…“
Aleksandr Chant inszeniert mit “In Limbo” (Mežsezon’e, RU 2021) das tragische, auf wahren Begebenheiten basierende Schicksal zweier russischer Jugendlicher als energetischen Mahlstrom von Gefühlen und Gewalt und versetzt bekannte Urmythen Hollywoods ins postsowjetische Russland. Ein Experiment, das gelingt
Zwischen Ungewissheit und Zuversicht – Ein Roadmovie von Moskau nach Murmansk
Auf einer langen Zugfahrt in den russischen Norden teilt sich eine finnische Archäologie-Studentin ein Abteil mit einem jungen russischen Minenarbeiter. „Abteil Nr. 6“ erzählt von der auf der Reise entstehenden Freundschaft und verleiht dem klassischen Genre des Roadmovies und Coming-of-Age Films ein neues Gefühlsspektrum
Die andere Möglichkeit der Unterstützung für die Ukraine: Spotify-Abbonement ukrainischer Musiker_innen
Neben Hilfeleistungen für die Ukraine in Form von Übernachtungsmöglichkeiten, Geld oder Sachspenden kann bereits allein das “Hören” ukrainischer Musik ein kleiner Beitrag zur Hilfe der Ukrainer_innen derzeit sein. “OsTraum” stellte eine Liste von sieben Musiker_innen aus der Ukraine zusammen, die über Streamingdienste wie Spotify etc. gehört und somit auch finanziell unterstützt werden können
Dariia Kuzmych: „DAS IST AUCH EIN KULTURKRIEG“
Mit Simone Sondermann (WELTKUNST, das Kunstmagazin der ZEIT) sprach Dariia Kuzmych über den Krieg in ihrer Heimat, ihre Familie in Kiew, den Mut der Ukrainer und warum Nähen manchmal das Einzige ist, das hilft