SlavDok - Open-Access Repositorium für Slawistik
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Modern Ukrainian Literature Undermines the Empire - Moderne ukrainische Literatur untergräbt das Imperium (II)
In der zweiten Gastsvorlesung der Veranstaltungsreihe "Ukrainische Woche - Ukrainian Week" wird Frau Prof. Zhygun die Geschichte des Krieges in der ukrainischen Frauenliteratur untersuchen und sich dabei auf Romane von Vdovychenko, Duda und Stiazhkina konzentrieren. Die Diskussion wird die Transformation weiblicher Charaktere von Kriegsopfern zu ermächtigten Figuren hervorheben, die ihre nationale Identität bekräftigen, interpretiert durch eine postkoloniale Linse. Prof. Snizhana Zhygun (Kiew), studierte und arbeitete in Kiew. Sie ist Professorin an der Abteilung für ukrainische Literatur an der Borys-Grinchenko-Universität Kiew und Forscherin am Schewtschenko-Literaturinstitut der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine
Poetik der Politik und Politik der Poetik: Bykow versus Putin
2011 sorgte die russische Gegenwartsdichtung unerwartet für Aufsehen. Ein Projekt von Andrei Wassiljew, gestartet beim Sender Doschd, benannt nach Nekrassows „Der Dichter und der Bürger“, wurde schnell populär. Dmitri Bykows satirische Gedichte, vorgetragen von Michail Jefremow, erlangten Erfolg, stießen aber auch auf Probleme wegen kritischer Inhalte gegenüber Staatsführern. Nach Zensur durch TV Rain-Doschd wechselte das Projekt zum Internet-Portal F5 und lief bis März 2012 unter „Graschdanin-Poet“. Bykows Werke, auch in der Zeitschrift Kommersant-Wlast veröffentlicht, sind von literarischem und medienwissenschaftlichem Interesse. Sie reflektieren den Dialog zwischen Opposition und Regime, analysiert durch verbale und non-verbale Kommunikation, und hinterfragen die gegenseitige Wahrnehmung und Beeinflussung
Von der DDR in Gegenwart und Antike: Zur lyrischen Weltenreise des Uwe Kolbe
Die Arbeit bietet einen Überblick über Uwe Kolbes lyrisches Werk bis 2013, wobei drei Hauptaspekte hervorgehoben werden. Erstens, Kolbes persönliche und politische Auseinandersetzung mit der DDR, einschließlich seiner Erfahrungen mit den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sowie dem Ost-West-Konflikt und der Literaturszene im Prenzlauer Berg. Zweitens, seine Reise- und Zeitreise-Gedichte ab Mitte der 1980er Jahre, die eine individuelle und kompensatorische Erkundung einer 'neuen', 'weiteren' Welt darstellen. Drittens, die spielerische Aufnahme der griechisch-römischen Antike in seinem Werk, die einen markanten Kontrast zu den anderen Themen bildet
Documenting war in Ukrainian comics: shifting from soldiers to civilians
Against the backdrop of the Russian-Ukrainian war, Ukrainian comics have emerged as a potent medium for depicting the ongoing conflict. They blend informational, political, cultural, and artistic elements, contributing to a multi-dimensional media discourse. They also serve as a means to document the war’s reality, becoming an integral part of cultural memory. The Ukrainian documentary comic series Kiborhy (Cyborgs) and the comic magazine INKER play a significant role in this regard. When comparing the earlier Kiborhy to the more recent INKER comics, a discernible shift in narrative focus can be observed: whereas Kiborhy portray heroic Ukrainian soldiers, INKER’s narratives center around the everyday heroism of ordinary civilians. As opposed to Kiborhy, INKER utilizes intimate storytelling, often employing first-person narratives and personal reflections to convey the emotional impact of war without presenting any explicit violence. This shift also marks a departure from dehumanizing portrayals of the enemy as seen in Kiborhy, to a more nuanced approach where the adversaries are not explicitly named in the storytelling. This transition has diversified the range of narratives and characters, enabling social commentary and transforming Ukrainian comics into a more inclusive and diverse medium
„Auf die schönen Possen“ (Volker Braun): Aspekte zivilisationskritischen Insistierens in deutschen Gedichten nach 2000.
Seit den 1990er Jahren beeinflusste die Diskreditierung des marxistischen Humanismus und das Scheitern von Systemutopien die Lyrik, die sich zuvor als „literature engagé“ verstand. Mit der Jahrtausendwende erlebt die Dichtung jedoch eine Renaissance des Politischen und der Zivilisationskritik, ohne dabei häufig an die Katastrophenlyrik der 1980er anzuknüpfen. In einer Zeit voller Unsicherheiten bezüglich der zivilisatorischen Konsequenzen suchen die Gedichte nicht Zuflucht in Fatalismus oder Heilslehren. Stattdessen streben sie danach, komplexe Erfahrungen präzise in Sprache zu fassen, um als nachhaltige Werke zu bestehen. Dabei setzen sie sich, oft mit Ironie und Sarkasmus, neben die zeitgeschichtlichen Ereignisse, wie Volker Brauns Werk „Auf die schönen Possen“ exemplarisch zeigt
Die Scham der „Anderen“: Selbsterniedrigung und Emanzipation in der queeren polnischen Literatur
Die Bezeichnung der „Anderen“ ist im frühen queeren polnischen Emanzipationsdiskurs weit verbreitet. Sie taucht in Zeitschriften- und Buchtiteln auf und dient zugleich als Selbstbezeichnung zwischen Euphemismus und performativer Abgrenzung. Ab Mitte der 1980er Jahre wird diese „Andersartigkeit“ in der polnischen Öffentlichkeit zunehmend zum gesellschaftlichen Schlagwort mit emanzipatorischem Gehalt. Erstmals bringen sich queere Subjekte in Stellung, um eine mediale und politische Bühne für sich zu beanspruchen. Diese frühe Emanzipationsphase im Spannungsfeld zwischen den politischen Systemen bildet einen Umbruch in der queeren Geschichte Polens. Inmitten dieses Prozesses werden literarische Texte geschrieben und veröffentlicht, die queere Subjekte und deren Erfahrungen explizit in den Fokus rücken. Sie porträtieren lesbische und schwule Protagonist*innen, die sich mit gesellschaftlichen und kulturellen Hindernissen konfrontiert sehen. Einerseits geht es um die Versuche der „Anderen“, sich Gehör zu verschaffen. Dargestellt wird andererseits aber auch ihr Scheitern an den sie umgebenden heteronormativen Strukturen, das mitunter in einer Abwertung der eigenen Identität münden kann. Somit zeigen die Erzähltexte der frühen queeren polnischen Emanzipationsphase ein spannungsreiches Feld aus emanzipatorischen Bestrebungen und selbsterniedrigenden Tendenzen, das den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bildet. Im Rahmen der Analyse wird die theoretische Beschaffenheit des Phänomens queerer Selbsterniedrigung beschrieben und mittels semiotischer Überlegungen für die Literaturanalyse nutzbar gemacht. In diesem Rahmen werden in diesem Rahmen nicht nur die Gründe queerer Selbsterniedrigung untersucht, sondern auch ihre möglichen Funktionen im literarischen Text.The signifier of the “other” is widespread in the early queer Polish emancipation discourse. It appeared in the titles of magazines and books, but also served as a self-designation between euphemism and performative reclamation. From the mid-1980s, this “otherness” increasingly became a social buzzword with emancipatory content in the Polish public sphere. For the first time, queer subjects in Poland positioned themselves in politics and claimed a public stage. This early phase of emancipation marks a turning point in Polish queer history. In the midst of this process, literary texts have been written and published that focus explicitly on queer subjects and their experiences. They portray lesbian and gay protagonists facing social and cultural obstacles. On the one hand, these texts deal with the attempts of the 'other' to make themselves heard. On the other hand, they also contain aspects of queer failure against the surrounding heteronormative structures, which can sometimes lead to a devaluation of one's own identity. The narrative texts of the early phase of Polish queer emancipation thus reveal a tense field between emancipatory aspirations and self-deprecating tendencies. This is the starting point of this study. In the analysis, the theoretical nature of the phenomenon of queer self-deprecation is described and made usable for literary analysis by means of semiotic considerations. Within this framework, the study examines the reasons for queer self-deprecation but also its possible functions in the literary text
Die Ukraine als Objekt russischer Großmachtansprüche: Sprachen, Identitäten und Diskurse
Dieser Band versammelt Beiträge zu den Hintergründen des russischen Angriffs auf die Ukraine aus (sozio-)linguistischer, sprach- und literaturgeschichtlicher sowie politischer Perspektive. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf den tagespolitischen Ereignissen, sondern auf bislang wenig beachteten Fakten und Zusammenhängen. Dabei werden Wissenslücken, Fehlinterpretationen und Verzerrungen sichtbar, die nicht zuletzt in den westlichen Gesellschaften tief verwurzelt sind. Anerkannte Experten tragen hier eine Fülle von Hintergrundwissen zu den historischen und aktuellen Zusammenhängen des russisch-ukrainischen Konflikts zusammen. Damit tragen sie dazu bei, Informationsdefizite abzubauen und Missverständnisse über den ostslawischen Sprach- und Kulturraum zu korrigieren
Gedichte im Spiegel der Theorie – Theorie im Spiegel der Gedichte: Zeitgenössische poetische Experimente im russisch- und deutschsprachigen Raum
Der Text reflektiert Hugo Friedrichs Worte in seinem Buch "Die Struktur der modernen Lyrik" (1956) über die Schwierigkeiten des Zugangs zur europäischen Lyrik des 20. Jahrhunderts. Auch nach mehr als 60 Jahren bleibt diese Feststellung relevant, insbesondere für experimentelle Werke zwischen Gattungsgrenzen und technologischen Einflüssen. Erst seit den 1980er Jahren gewinnen experimentelle poetische Arbeiten als Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen an Bedeutung, bedingt durch das wachsende Interesse an avantgardistischer Dichtung und literaturwissenschaftlichen Herausforderungen bei der Suche nach neuen Theorien zur Modernität der Literatur
Russische Lyrik nach dem Moskauer Konzeptualismus
Die Untersuchung der Intertextualität mit Esenin in fünf Gedichten bestätigt die Rolle des Konzeptualismus in der russischen Poesie des späten 20. Jahrhunderts. Sie unterstreicht die Trennung zwischen einer direkten, unverfälschten Dichtung und einer, die bestehende Diskurse reflektiert. Der Konzeptualismus wird als eine Bewegung dargestellt, die sowohl die Sprache der Sowjetzeit als auch neuere literarische Strömungen aufgreift und kritisch hinterfragt. Anhand von Smertinas und Jerjomenkos Werken wird deutlich, wie diese Strömung sowjetische und nach-sowjetische literarische Tendenzen verarbeitet und dabei eine postmoderne Perspektive auf Esenin und dessen Werk einnimmt
Ukrainische Woche - Ukrainian Week
Die Veranstaltungsreihe „Ukrainische Woche - Ukrainian Week“ (23.–27.10.2023) wurde vom DAI Sachsen und der Universitätsbibliothek Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Institut für Slavistik der Universität Leipzig organisiert. In drei Gastvorlesungen, einer Podiumsdiskussion und einem Gesprächsabend wurden aktuelle Themen der ukrainischen Literatur behandelt, aber auch darüber gesprochen, wie man in Zeiten von Krieg und Zerstörung unterrichten kann. Aus Kiew reisten zwei Wissenschaftlerinnen an: Frau Prof. Brovko und Frau Prof. Zhygun trafen in Leipzig auf Anna Gaidash und Natalka Sniadanko, die beide am Institut für Slavistik arbeiten