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Trending topics in sustainability communication: revealing the gap between theoretical insights and reporting practice
This paper aims to identify the trending topics of sustainability communication and to empirically verify them (in terms of the content and extent) in sustainability reports of multinational corporations (MNCs), utilizing the introduced analytical framework. A systematic literature review identified eleven key themes that currently shape the discourse on sustainability communication. An empirical study of 10 multinational companies across five industries was conducted using an analytical framework developed by the authors. This framework assessed the significance of identified themes (measured by exposure) and the comprehensiveness of approaches to each theme (goal–action–measure–progress, GAMP). The findings indicate that some aspects of sustainability communication are inconsistently addressed by these MNCs, and a few aspects are being reported comprehensively. The analysis revealed that climate-related themes and circular economy are communicated most comprehensively across all companies, while engagement with the SDGs, multi-stakeholder partnerships, and sustainable value creation shows the lowest levels of goal-setting, measurement, and time-based progress disclosure. Materiality assessments are the only theme reported consistently across all four GAMP components. When comparing reporting patterns with sustainability paradigms, no MNC demonstrates a holistic approach, and most show a clear inclination toward win–win or instrumental orientations. The study extends existing models of sustainability reporting by providing a replicable analytical framework bridging descriptive and evaluative approaches. Practical and policy implications are outlined for both corporations and regulators aiming to enhance reporting alignment with EU standards such as CSRD and ESRS.PeerReviewe
Gesundheitsförderung von Müttern* : die Erarbeitung eines diversitätssensiblen, gemeinschaftsorientierten Gesundheitsförderungskonzepts zur achtsamkeitsbasierten Stärkung von Stressbewältigungsstrategien bei Müttern*
Diese Arbeit hat nicht nur die Relevanz der gezielten Adressierung von mütterlichem* Stress aufgezeigt, sondern ebenfalls einen entsprechenden Konzeptvorschlag hierfür geliefert. Dazu wurde im ersten Teil der Arbeit das theoriegestützte Fundament gelegt. Die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Verständnis von Mutter*schaft als Herstellungsprozess war notwendig, um die Diversität hinsichtlich der gelebten Konzepte von Mutter*schaft begreifen zu können und, ausgehend von diesem Verständnis, auch die Ambiguität hinsichtlich der Deutungen von Stress erfassen zu können. Um die Vielschichtigkeit von mütterlichem* Stressgeschehen umfassend auszuleuchten und daraus den Bedarf eines entsprechenden Angebots extrahieren zu können, wurden grundlegende Verständnisse von Gesundheit, Krankheit und Gesundheitsförderung erläutert. Da diese Arbeit den Anspruch einer kritischen Aufarbeitung hegt, blieb hierbei die kritische Darstellung und Reflexion des ungleichheitsreproduzierenden Paradoxons von Gesundheitsförderung nicht aus. Auch für die lebenswelt- und communityorientiere Ausrichtung des Angebotsvorschlags, war diese kritische Betrachtung notwendig und wegweisend. Durch ein mehrdimensionales Gesundheitsverständnis werden auch psychosozialer Prozesse, sozioökonomische und kulturelle Einflussfaktoren und Lesarten erfasst, die anschlussfähig an die Salutogenese nach Antonovsky sind. Diese Arbeit hat aufzeigen können, dass insbesondere die Vermittlung von
Stressbewältigungsstrategien den Kohärenzsinn stärken können, dadurch Gesundheit erhalten und Krankheitsrisiken mindern können. Um eine adäquate und gezielte Vermittlung von Stressbewältigungsstrategien anstreben zu können, wurden die verschiedenen Stressoren mütterlicher* Lebenswelten umfassend herausgearbeitet. Dabei lag der Fokus nicht nur auf der Darstellung allgemeiner Faktoren, wie Care- Arbeit und Mentaler Last sondern auch und vor allem auf einer differenzierten Betrachtung von Stressoren, die beispielsweise Mütter* mit Fluchterfahrungen betreffen. In diesem Zusammenhang wurde das Konzept der Transdifferenz herangezogen, um die Gleichzeitigkeit von auftretenden Unterschieden in
postmigrantischen Gesellschaftsstrukturen begreifen zu können. Bereits hier wurde gezeigt, was mit der diversitätssensiblen Konzeptgestaltung gemeint ist. So ist beispielsweise die im Konzeptvorschlag geplante Möglichkeit, Kinder zu allen Angeboten mitbringen zu können, mit dem Stressempfinden von Müttern* auf Grund der Prägung durch unterschiedliche Familienstrukturen oder kollektivistische Gesellschaftsstrukturen zu begründen. Generell zeigt sich insbesondere in der Auseinandersetzung mit der Vielschichtigkeit und Vielfalt möglicher Stressoren und Bewältigungsmechanismen, dass gerade ein niedrigschwelliger, diversitätssensibler Ansatz angemessen ist. Die fundierte Begründung dieser Annahme liefern die Modelle und theoretischen Konzepte von Czollek et. al. (2019) und Community Health, mithilfe derer nicht nur der gewählte konzeptionelle Ansatz zu begründen ist, sondern auch die erläuterten Methodiken von Community Health und Gerechtigkeitsdenken zur Verwirklichung von Radical Diversity, welche die Autorin als grundlegenden Orientierungsrahmen für den vorgestellten Konzeptvorschlag in Verbindung gesetzt hat. Im Zusammenhang mit Bewegung in der Sozialen Arbeit und ihren Vorteilen für eine klient*innenzentrierte Ausrichtung, die
sowohl positive Gruppenerfahrungen, als auch individuelle Selbstwirksamkeit und allgemeines Wohlbefinden fördern können, wird in dieser Arbeit umfassend dargestellt, wie die Integration von Achtsamkeitsmethoden und Yogaübungen nicht nur Stressbewältigungsstrategien auf verschiedenen Ebenen fördern kann, sondern bei zielgruppengerechtem Einsatz auch Chancengleichheit und Soziale Gerechtigkeit unterstützt. Eine Analyse bestehender Angebote hat gerade im Hinblick auf Niedrigschwelligkeit und Diversitätssensibilität gezeigt, welche Lücken bestehen. Der hier vorgeschlagene Konzeptentwurf für MAMAHOOD e. V. als Projekt, soll nicht nur Mutter*schaft mit der benannten Diversitätssensibilität betrachten, Gemeinschaft stärken und unter Berücksichtigung soziokultureller, sozialraumabhängiger Varianzen von Stressoren und Deutungsmuster das Wohlbefinden und die Selbstwirksamkeit von Müttern* fördern. Vielmehr sollen damit auch nachhaltige Effekte von langfristiger Gesundheit im Sinne der Salutogenese erreicht werden. Das hier entworfene Konzept, fördert durch seine niedrigschwellige, diversitätsorientierte Ausrichtung zum einen Chancengleichheit in Bezug auf den Zugang zu gesundheitsfördernden Maßnahmen und zum anderen Chancengleichheit und soziale Teilhabe, bezogen auf Gesundheit im allgemeinen durch die inhaltliche Gestaltung und damit verbundene Befähigung der Adressat*innen. Diese können nicht nur selbst von den Inhalten der Kurse profitieren, sondern auch als Mutiplikator*innen fungieren und dadurch Mehrwerte für die eigenen Communitys zu schaffen. Zudem dient der Ansatz nicht nur der Unterstützung einer spezifischen Teilgruppe von Müttern*, sondern auch der Förderung von Verständnis, Toleranz und diskriminierungskritischem Handeln, da Mütter* durch den gemeinsamen Austausch sowohl Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten feststellen können. Durch den professionell angeleiteten Gruppenprozess sollen sie gleichzeitig befähigt werden, eigene Diversitätskompetenzen weiterzuentwickeln. Gerade vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, die deutlich zeigen, dass die offene Ablehnung und Diskriminierung anderer Lebensentwürfe, Lebenswelten und Identitätskonzepte sagbarer werden und auch in einer breiten Öffentlichkeit anschlussfähig zu sein scheinen, fragt sich, welches Potenzial Konzepte haben, die nicht nur eine spezifische Gruppe adressieren, sondern Menschen mit verschiedener soziokultureller Prägung zusammenbringen und dadurch neben einem Gemeinschaftsgefühl auch Ambiguitätskompetenzen und respektvollen Umgang fördern. Die Idee zu MAMAHOOD e. V. kann in diesem Sinne zum einen dazu genutzt werden, Gesundheitsförderungskonzepte für weitere Zielgruppen zu erschließen und zum anderen, um die gezielte Gesundheitsförderung von Müttern durch die Vermittlung achtsamkeitsbasierter Stressbewältigungsmethoden im Rahmen von empirischer Forschung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu überprüfen und weiterzuentwickeln
Sympoiesis : Eine gestalterische Auseinandersetzung mit dem Hyperobjekt Klimakrise ; Resonanz
Energieberatung eines Einfamilien- Reihenhauses nach BAFA-Richtlinien und Baubegleitung/Ausführung der vom Kunden gewünschten Einzelmaßnahmen
Angesichts der aktuellen Gesetzgebung, des Klimawandels und der steigenden Energiekosten ergibt sich die Motivation für die Sanierung eines Reihenendhauses. In der Bachelorarbeit wird ein Reihenendhaus aus dem Jahr 1958 auf den Effizienzhausstandard 85 EE gebracht und im Laufe der Zeit saniert. In einer Vor-Ort-Analyse wird der aktuelle Energieverbrauch mittels CAD-Modellierung ermittelt. Anschließend werden Maßnahmen-pakete entwickelt, um die energetischen Anforderungen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zu erfüllen.
Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in die Analyse der Ausgangssituation, eine Einführung in energieeffiziente Gebäude und die Erläuterung des Effizienzhausstandards 85 EE. Des weiteren wird auf die Kriterien der Fördermöglichkeiten und die verschiedenen Maßnahmenpakete für das Reihenendhaus eingegangen.
Darüber hinaus werden beim Kunden zwei Baubegleitungen gleichzeitig durchgeführt und überwacht. Den Abschluss bildet ein Fazit sowie ein Ausblick.In view of legislation, climate change and rising energy costs, this is the motivation for the refurbishment of a terraced house. In the student research project, an end-of-terrace house from 1958 is planned and refurbished in accordance with the KfW Efficiency House Standard 85 EE. In an on-site analysis, the current energy consumption is determined using CAD modelling and then packages of measures are developed in order to meet the energy requirements of the Federal Office of Economics and Export Control (BAFA), the Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) and the Building Energy Act (GEG). The structure of the work is divided into an analysis
of the initial situation, an introduction to energy-efficient buildings and an explanation of the 85 EE efficiency house standard. The criteria for funding opportunities and the various packages of measures for terraced houses are also discussed. In addition, two building inspections are carried out and monitored simultaneously at the client's premises. It concludes with a summary and an outlook
Charting scenarios : a framework for uncertainty visualization in data journalism practice
Like other fields, data journalism faces the fundamental challenge of conveying uncertainty to the audience. However, unlike scientific communication, data journalism must engage a broad audience with highly variable levels of prior topic-related, statistical, and methodological knowledge. To structure examples and develop better strategies for visualizing uncertainty it is useful to distinguish different types of uncertainty that commonly arise in journalistic contexts. For this purpose we propose a framework that identifies seven key scenarios: Spatial, Sampling, Forecast, Classification, Definite Ranges, Missing Data, and Reconstructed Past. Each scenario highlights a distinct situation where uncertainty plays a crucial role—whether in mapping environmental risks, interpreting election polls, projecting future outcomes, or reconstructing data about historical events. By systematically examining these uncertainty scenarios, this work seeks to better support data journalists in dealing with uncertainty, encourage transparent reporting and promote critical engagement with data-driven narratives.Bundesministerium für Forschung, Technologie und RaumfahrtReviewPendin
Transdisziplinäre Perspektiven auf Soziales Wohnen in Wien
Das Buch untersucht die sozialen, rechtlichen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen sowie die städtebaulichen und wohnungspolitischen Strategien des sozialen Wohnens in Wien, einschließlich leistbarem Wohnraum, sanfter Stadterneuerung, nachhaltiger Bodenpolitik und gemeinschaftlichen Wohnformen.PeerReviewe
Performance - Optimierung von Datenbanken
Relationale Datenbanken sind ein essenzieller Bestandteil moderner IT-Systeme und bilden die Grundlage für zahlreiche Anwendungen, die täglich von Millionen von Nutzern verwendet werden. Mit wachsender Datenmenge steigen jedoch die Antwortzeiten von Abfragen, was die Systemnutzung erschwert. Die Herausforderung besteht darin, geeignete Optimierungsstrategien zu finden, die sowohl Lese- als auch Schreiboperationen effizient gestalten und eine hohe Skalierbarkeit gewährleisten. Diese Arbeit untersucht verschiedene Ansätze zur Optimierung der Performance, darunter Datentypen, Indexierung, Views, Partitionierung und Replikation. Zur Analyse der Auswirkungen dieser Methoden wird das Tool Sysbench für Leistungsmessungen eingesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahl des kleinstmöglichen Datentyps und die Verwendung von Not Null-Spalten die Effizienz verbessern, indem sie Speicherplatz sparen. Hash-Indizes sind besonders bei exakten Schlüsselvergleichen effektiv, wohingegen B-Baum-Indizes vielseitigere Einsatzmöglichkeiten bieten. Materialisierte Sichten bieten Performancevorteile durch gespeicherte Abfrageergebnisse, im Gegensatz dazu liefern virtuelle Sichten Echtzeitdaten, müssen jedoch bei jedem Zugriff die Abfrage neu ausführen und sind daher langsamer. Bei großen Datenmengen kann Partitionierung eine effektive Lösung darstellen, während Replikation die Lastverteilung insbesondere bei hoher CPU-Last verbessert. Es gibt keine universelle Lösung, aber je nach Anwendungsfall können geeignete Konzepte ausgewählt, optimiert und auch miteinander kombiniert werden.Relational databases are an essential component of modern IT systems and form the foundation for numerous applications used daily by millions of users. However, as data volumes grow, query response times increase, making system usage more challenging. The challenge lies in identifying suitable optimization strategies that make both read and write operations efficient while ensuring high scalability. This paper examines various approaches to performance optimization, including data types, indexing, views, partitioning and replication. The impact of these methods is analyzed through benchmarking with the Sysbench tool. The results show that choosing the smallest possible data type and using Not Null columns optimizes performance by saving storage space. Hash indexes are particularly effective for exact key comparisons, while B-tree indexes offer more versatile applications. Materialized views provide performance benefits by storing query results, whereas virtual views deliver real-time data but execute the query anew with each access, making them slower. For large datasets, partitioning can be an effective solution, with replication improving load distribution, especially under high CPU load. There is no universal solution, but depending on the use case, suitable concepts can be selected, optimized and even combined
Zwischen Stigma und Schuld : wie kann eine Angehörigengruppe Eltern von Menschen mit Schizophrenie unterstützen? ; Entwicklung eines recovery-orientierten Konzepts
Die vorliegende Arbeit widmete sich umfassend der Fragestellung, wie die Soziale Arbeit mithilfe einer recovery-orientierten Angehörigengruppe Eltern von Menschen mit Schizophrenie in ihren zentralen Herausforderungen zwischen Stigma und Schuld unterstützen kann. Es wurde herausgearbeitet, dass die Eltern als häufige Hauptbezugspersonen eine zentrale Rolle bei Menschen mit Schizophrenie spielen, in der Praxis jedoch oft vernachlässigt werden und dies ihren besonderen Unterstützungsbedarf im Umgang mit ihren Belastungen durch die Erkrankung ihres Kindes begründet. Die Analyse der Arbeit zeigte, dass die Eltern häufig von gesellschaftlichen Stigmatisierungsprozessen betroffen sind und sie eine doppelte Stigmatisierung erfahren: Einerseits eine Mitstigmatisierung aufgrund allgemeiner gesellschaftlicher Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen – insbesondere Schizophrenie – und andererseits gegen die Eltern selbst, indem sie in ihrer Elternrolle in Frage gestellt werden. Dies führt oftmals zusätzlich zu einer Selbststigmatisierung und besonders zu ausgeprägten Schuldgefühlen. Zudem wurde deutlich, dass die Eltern in zweifacher Weise mit Schuld konfrontiert sind: Zum einen durch die bis heute spürbaren Auswirkungen der historischen Ursachenforschung der Schizophrenie mit ihren Erklärungsansätzen, die ihnen eine Mitverantwortung an der Krankheitsentstehung und dem Verlauf zugeschrieben haben. Zum anderen durch daraus resultierende Schuldgefühle, wenn diese Zuschreibungen von ihnen als berechtigt internalisiert werden und somit eng mit der Selbststigmatisierung verknüpft sind. In der Folge fällt es vielen Eltern schwer, einen konstruktiven Umgang mit der Erkrankung ihres Kindes zu finden. Dies resultiert in sozialer Isolation, Überforderung und dem Gefühl allein gelassen zu werden – sowohl vom Hilfesystem als auch vom sozialen Umfeld. Vor diesem Hintergrund wurde ein recovery-orientiertes Konzept für eine Angehörigengruppe entwickelt, das exemplarisch zeigt, wie gezielte Unterstützung aussehen kann. Die Gruppe kombiniert verschiedene aufeinander abgestimmte Bausteine, um die zentralen Bedürfnisse der Eltern zu adressieren: Die Psychoedukation vermittelt zentrales Erkrankungswissen, schafft Sicherheit im Umgang mit dieser und entlastet von Schuld durch Aufklärung. Die Soziale Gruppenarbeit mit Selbsthilfeorientierung fördert den Austausch unter Gleichbetroffenen und wirkt durch die Gruppenzugehörigkeit der Isolation entgegen. Zudem ermöglichen der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung eine emotionale Entlastung durch authentisches Verständnis und dem Gefühl, in ihrer Situation nicht allein zu sein. Zugleich bietet sie einen Raum zur Reflexion gesellschaftlich verinnerlichter Stigmata sowie Schuldzuweisungen und trägt zur Entwicklung neuer Perspektiven bezüglich ihrer Situation
bei. Die Einbindung einer Peer-Person in der Gruppenleitung schafft durch ihre eigenen Erfahrungen eine besondere Nähe zu den teilnehmenden Eltern und vermittelt insbesondere Hoffnung, indem sie als Vorbild für eine gelingende Bewältigung dient. Durch die Kombination aus Fachkraft und Peer-Person in der Gruppenleitung werden vorteilhaft Fachwissen und Erfahrungswissen in der Angehörigengruppe bewusst miteinander verbunden. Der interaktive, seminaristische Charakter der Gruppe und die kontinuierliche Koproduktion innerhalb dieser orientierten sich stets an den zentralen Prinzipien des Recovery-Ansatzes:
Empowerment hinsichtlich Selbstbemächtigung und Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung der Eltern, Ressourcenorientierung anstatt Defizitorientierung und Hoffnung auf eine Besserung
ihrer Situation. Auch der angestrebte Übergang zu einer selbstorganisierten Selbsthilfegruppe trägt diesen Prinzipien Rechnung – ganz im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wie wirkungsvoll der Recovery-Prozess in der Praxis konkret auch für die Angehörigen sein kann und welche zentralen Chancen er eröffnet – und somit nicht nur ein theoretisches Konstrukt bleibt – zeigt eindrucksvoll das folgende Zitat von Janine Berg-Peer, einer selbst betroffenen Mutter von einer Tochter mit Schizophrenie, die bereits in der Einleitung der vorliegenden Arbeit vor ihrer individuellen Recovery-Reise zitiert wurde:
„Ich habe mich als Opfer deiner [ihrer, L.A.] Krankheit und der Psychiatrie gesehen. Auch von anderen Angehörigen hörte ich damals immer nur Klagen über die Schwierigkeiten mit dem eigenen Kind oder mit der Psychiatrie. Es gab niemanden, der mir Hoffnung machte und der mir sagte, dass man auch mit so einer Krankheit ein gutes Leben führen kann. Recovery ist für mich deshalb ein Prozess, in dem ich gelernt habe, nicht mehr Opfer der Krankheit meiner Tochter zu sein, sondern mein Leben so zu führen, wie ich es führen möchte, und dennoch auch eine Unterstützung für meine Tochter zu sein.“ (Peer/Berg-Peer 2019, 114)
Dieses Zitat verdeutlicht welches Potenzial der Recovery-Prozess insbesondere für die Eltern bietet: von der Opferhaltung hin zu mehr Selbstbestimmung, entstehende Hoffnung auf einen besseren Umgang mit ihrer Situation und um eine tragende Stütze für das erkrankte Kind sein zu können. Ein Potenzial, das durch die hier entwickelte Angehörigengruppe gezielt genutzt und gefördert werden soll. Insgesamt zeigte sich, dass eine solche recovery-orientierte Angehörigengruppe einen wertvollen Bestandteil innerhalb der psychosozialen Versorgung darstellen kann. Sie trägt wesentlich zur Stärkung der individuellen Bewältigungskompetenzen sowie der Handlungsfähigkeit der Eltern bei – insbesondere im Umgang mit Stigmatisierung und Schuld. Die Soziale Arbeit nimmt hier eine Schlüsselrolle ein, indem sie gezielt einen geschützten Raum für Begegnung unter Gleichbetroffenen, Austausch mit gegenseitigem Verständnis sowie Unterstützung und einem gemeinsamen Lernprozess hinsichtlich der Bewältigung ihrer Lebenssituation schafft.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die hier entwickelte recovery-orientierte Angehörigengruppe einen praxisnahen Ansatz mit hohem Potenzial bietet, der jedoch lediglich eine Ergänzung darstellt und keine alleinige Lösung für die Unterstützung der Eltern sein kann. Nachhaltige Verbesserungen – insbesondere in Bezug auf Entstigmatisierung und Schuldentlastung – erfordern neben individuellen Unterstützungsangeboten zusätzlich auch strukturelle Ansätze sowie ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Erst dann kann eine langfristig wirksame Verbesserung der Lebenssituation der Eltern von Menschen mit Schizophrenie erreicht
werden